Echte Ideale sind tragbar.

Mein gestriger Blogeintrag zum Thema “Echte Ideale – Danke kik!” hat euch ziemlich bewegt – wie mich. Und weil viele von euch fragten, drucken wir euch gerne ein T-Shirt mit (Dank meinen Satzzeichensicheren Followern haben wir auch gleich den Grammatikfehler, der im Original steckt, ausgemerzt). Wir bitten euch, eure Shirts bis spätestens Donnerstag, 20.10. zu bestellen, damit wir das noch rechtzeitig zu meinem Termin (wo ich plante und plane, das Ding zu tragen) mit Produktion und Druck hinbekommen. Und ja, wir würden uns riesig freuen, wenn wir auf unserer Facebook-Seite ein Foto von euch postet. Let’s rock & rebell – mit echten Idealen.

Herren-Shirt "Echte Ideale"

Damen-Shirt "Echte Ideale"

Damen-Shirt "Echte Ideale"

 

Eure Sina
Um zu bestellen, einfach auf das gewünschte Bild oben klicken! ;)



Danke, kik!

16. Oktober 2011 64 Kommentare »
Abgelegt unter Sinas private Gedanken

Dreimal fing ich den Blogeintrag mit dem Satz „wir leben in einer verkehrten Welt“ an. Das aber wissen wir ja. Wir fühlen, dass etwas nicht stimmt. Gestern war dann einer dieser Tage, die mir dieses Gefühl wieder deutlich erlebbar gemacht haben. Nicht, weil ich mir etwas verloren auf der Occupyday-Demonstration vorkam. In Augsburg fand sich dort so ziemlich jede politische Randgruppe, die für ihre ureigenen Pfründe kämpfte. Eine gemeinsame, echte Bewegung und vor allem ernsthalte Lösungsansätze habe ich sowohl bei den Rednern als auch bei den Demonstranten vermisst. Einfach nur „scheiße“ zu schreien“, ist mir nun mal zu wenig.

Das aber war es nicht. Es war die Anzeige des Textildiskonts „kik“ in der aktuellen stern-Ausgabe. Ich habe dreimal hingesehen, den Slogan mindestens fünfmal gelesen. Ein Foto gemacht und getwittert. Neben zahlreichen „#wtf“ oder „Um Gottes Willen“ gab es auch viele Fragen wie „Ist das wirklich echt?“ bis hin zu „Sina, hör mit dem Photoshoppen auf!“. Und da war er dann wieder, der Satz: „Verdammt, wir leben in einer verkehrten Welt!“. Nicht, weil es ernsthaft Menschen gab, die mir das Verfälschen von Dokumenten anlasten wollten, sondern aufgrund der Anzeige selbst.

„Lieber echte Karriere als falsche Ideale“ ist dort zu lesen. Ich ging die Zeilen wieder und wieder durch – und war schlichtweg baff. Seit Monaten kämpfe ich für mehr Ehrlichkeit. Woche für Woche ärgere ich mich über dieses unsägliche Greenwashing dieser Pseudo-Nachhaltigkeitsmarken und Möchtegern-Biofirmen. Und dann war sie auf einmal da, die Ehrlichkeit. Die blanke. Von einem Konzern, der bereits mehrfach in der Vergangenheit aufgrund seiner „vorbildlichen“ Arbeitsbedingungen im Land und in den Produktionsstätten in den Medien war – und ist. Ehrlichkeit, so hart, dass man sie schlicht für „verkehrt“ halten muss. 100%ige Ehrlichkeit von kik.

„Lieber echte Karriere als falsche Ideale“ ist der blanke Hohn gegenüber all jenen, die ernsthaft am globalisierten, ausbeuterischen Weltgeschehen etwas ändern möchten. „Lieber echte Karriere als falsche Ideale“ ist die reine Wahrheit aus dem Hause kik, adressiert an potentielle Arbeitnehmer dieser Kette. „Hört auf, euch über das Weltverbessern Gedanken zu machen und startet eure Karriere bei uns“, will diese Anzeige dem Leser kommunizieren. Denkt nicht an andere, denkt an euch. Scheißt auf Kinderarbeit und Umweltverschmutzung, gönnt euch gleich den Teamleiterposten bei uns. Jetzt werden die Zeiten so hart, da müsst ihr an euch denken – der reine Egoismus.

Ganz subtil steht oben rechts, dass die „Schwester“ dieser unheimlich überzeugend grinsenden Blondine auch bald bei kik den Karrierestart beginnt. Erinnert mich an die seriöse Vertriebsstruktur von Versicherungen: da wird den freien Handelsvertretern auch beim „Kik-off“-Meeting erklärt, erst einmal innerhalb der Familie die Policen zu verscheppern, das brächte dann Vertrauensbonus im nächsten Kreis.

Am Schluss, ganz unten in breiten Lettern, erfährt der Leser, was kik wirklich ist: ein Chancengeber. Und ja, das gibt kik. War der Textildiskont bis dato einer von vielen (denn die anderen Billigheimer sind keineswegs besser – und ja, das wissen wir) ist kik der erste, der sich hinstellt und klar kommuniziert. Eindeutig die Richtung für die Branche vorgibt und „falschen Idealen“ den Kampf mit richtigen Karrieren ansagt.

Es ist die Chance für uns alle, uns hinzustellen und zu rebellieren:

Eure Sina

 P.S.: Ja, das unsere Bild wurde photogeshopped. Und zwar so richtig. Dafür geht am Montag mein erstes “Lieber echte Ideale”-T-Shirt in den Druck. Und ich freu mich drauf.



manomama trifft Wiesenhof

06. Oktober 2011 37 Kommentare »
Abgelegt unter Sinas private Gedanken

Die Reaktion auf meinen offenen Brief an Herrn Wesjohann, den Inhaber des Geflügelkonzerns Wiesenhof, war, wie ihr vielleicht mitbekamt, überraschend: er schlug ein Treffen vor. Und das war dann vergangene Woche. Ich hatte keine Lust, mich mit ihm in einem Stall zu treffen, ich wollte mit ihm kochen. Gemeinsam Hühnchen verkosten – und uns nebenzu unterhalten. Mich interessierte der Mensch hinter der Marke, der Kopf eines Unternehmens. Jener Firma, die seit zwei Jahren ordentlich Schlagzeilen um die Ohren geweht bekommt. Nach der ARD-Reportage war ich mir sicher: zurecht. Ich fragte vorab, ob ich das Gespräch aufzeichnen dürfte, schließlich wollte ich es euch zeigen. Nach dem “Ja, selbstverständlich” wählte ich meine “Waffe”: Christian Pier. Er produziert Webmovies, mal hochprofessionell, mal – wie in meinem gewünschten Fall – dezent im Hintergrund filmend. Das Hauptargument für mich bei Christian war (weil ich es wußte): er ist aktiver Wiesenhof-Gegner und engagiert sich diesbezüglich.

Mal ehrlich: Nach unserem Gespräch haben Christian und ich noch einen Kaffee getrunken. “Und, welchen Eindruck hast Du von Wesjohann und Wiesenhof”, frage ich ihn. “Ein konservativer Unternehmer, gesprächsbereit und überzeugt von seinen Idealen, aber das Gegenteil von einem skrupellosen Fleischverarbeiter, den man sich als Angriffsziel wünscht”, antwortet Christian.

Was war mein Eindruck? Herr Wesjohann ist ein Unternehmer alten Schlags, auf Profit und das Wohl seiner Firma konzentriert. Dies alles im Rahmen gesetzlicher Vorgaben. Man könnte behaupten: er ist wie unzählige andere, traditionelle Unternehmer. Nicht mehr und nicht weniger. Aber er ist kein Unternehmer, wie ich ihn mir wünschte: Verantwortung gegenüber der Schöpfung über die Werkstore hinaus, unternehmerisches Handeln mit deutlicher Wirkung in die Gesellschaft, Entscheidungen fällend, die finanzielle Einbußen, dafür eine bessere Zukunft mitsichbringen.

Kurz: unternehmerisch stehen wir nach wie vor auf verschiedenen Seiten. Menschlich hingegen hab ich ihn während des Kochens schätzen gelernt. “Liebe geht durch den Magen” wäre übertrieben, aber ich habe einen erfahrenen Familienunternehmer kennengelernt, der sehr wohl Werte vertritt und nach diesen handelt.



50 Cent mehr sind viele Euros weniger.

30. September 2011 4 Kommentare »
Abgelegt unter Sinas private Gedanken

Eben las ich, dass heutzutage doppelt so viele Arbeitnehmer einem Zweitjob nachgehen als im Jahre 2003. Dies nur, um über die Runden zu kommen. Nicht, um sich großartigen Luxus leisten zu können. Eine Meldung, die deutlich weniger Relevanz in den Medien erhält als die gestrige: „Niedrigste Arbeitslosenquote (3,4 Prozent) in Bayern seit Jahren!“.

Es mag sein, dass wir weniger Arbeitslose haben. Gefühlt. Vergessen wir nicht die vielen Menschen, die in irgendwelchen sinnlosen Maßnahmen hängen und somit aus der Statistik geputzt sind.

Es mag sein, dass mehr Menschen Arbeit haben. Aber, wie die heutige Meldung zeigt, keine gute. Keine, die bei 40 Stunden Arbeitsleistung den Arbeitenden ordentlich überm Wasser hält. Von Urlaub ganz zu Schweigen.

Aber dafür gibt es ja den Zweitjob. Tolle Minijobs. Nichts gegen Minijobs, wenn sie Erstbeschäftigung sind von Frauen zum Beispiel, die langsam wieder in den Beruf einsteigen möchten, während die Kinder noch intensive Betreuung brauchen. Aber: Feine Sache für Unternehmer, die mit „billigen“ Arbeitskräften echte Jobs substituieren und dabei einzige Möglichkeit für Arbeitnehmer, ein zusätzliches Einkommen außerhalb der Erstjobarbeitszeiten zu generieren. Das ist nicht nur krank, das macht auch krank.

Was die wenigsten bedenken, es belastet in doppeltem Sinne: Zum einen müssen die Anforderungen beider Tätigkeiten erst einmal unter einen Hut gebracht werden. Die Fahrtzeiten dazwischen von Job A zu Job B machen den Arbeitstag noch (unnötig) länger. Das geht dauerhaft in die Knochen. Die andere Seite ist, dass immer weniger Zeit und Raum bleibt, sich zu erholen. Schließlich wird das Fenster der „Rekonvaleszenz“, im Kreise der Familie, beim Sport, wo auch immer, stets kleiner. Ebenso die Kraft, sich nach einem anstrengenden Tag noch irgendwie mit etwas anderem zu beschäftigen, um „herunterzukommen“. Worin das endet, können wir mittlerweile wöchentlich auf einem Cover irgendeiner Publikumszeitschrift lesen. Diese Woche, der stern: „Burnout“.  Ein Scheiß.

Warum ich euch das erzähle? Ich sitze gerade über der Kalkulation eines lang geplanten und für uns, also manomama, wirklich großen Projekts und enormen Schritts in Sachen „Wir bringen es wieder heim“. Über 30 Arbeitsplätze können so auf einen Schlag geschaffen werden, weil wir Produkte wieder hier produzieren, die längst nach Asien verloren geglaubt sind. Ich hab den indischen Preis des Endprodukts (was bei mir gerade einmal die reinen Kosten für den Stoff sind, der hier in Deutschland aus EU-kba-Baumwolle gewebt wird).

Und nun stehe ich vor einer Zwickmühle: Drei-Schicht-Vollakkord in meiner Näherei und ich könnte die Stoffkosten einigermaßen abfedern oder Produktion ohne Nachtarbeit und Vollakkord – und wir werden um einiges teurer, vielleicht 50 Cent pro Stück. Puh, dachte ich mir, ein ganz schöner Pappenstil. Aber – da war ja noch die Meldung von heute.

Am Ende wird der Konsument, also wir alle, es zahlen müssen: entweder 50 Cent oder  - indirekt über Sozialabgaben und Rentenversicherung – die immensen Rehabilitationskosten für all die Menschen, die wir durch überfordernde, ja inhumane Arbeitsbedingungen kaputt machen. Auf einmal sind 50 Cent für mich richtig klein, denn ich weiß seit unseren Umschülern, die wir aufgenommen haben (kommen beide aus Renventersicherungsmaßnahmen, da sie Opfer des ersten Arbeitsmarktes sind), was die Rehabilitation an Engagement Zeit und Geld kostet.

Ich werde nun nicht das „billig“ scheinende Angebot fertigschreiben, sondern das langfristig günstigere.
Euch einen wunderschönen Tag,
eure Sina



Ruhigstellen, nicht helfen.

23. September 2011 18 Kommentare »
Abgelegt unter Hinter den Kulissen

Im letzten Blogeintrag habe ich euch ja davon erzählt, wie mein Besuch so bei der Regierung von Schwaben war (Soziales ist Privatsache). Der Termin basierte auf der Empfehlung seitens der bayerischen Staatskanzlei. Dass daraus nichts wurde, habe ich in den vergangenen Tagen einigermaßen verarbeitet. Schließlich hatte ich ja immerhin noch den Strohhalm der Stadt Augsburg. Diese zog anfangs überhaupt nicht und, wie berichtet, irgendwann Mitte Juli, waren auf einmal doch Räumlichkeiten gegenüber dem Textilmuseum frei.

 Wir trafen uns mit zwei wirklich netten städtischen Mitarbeitern, die meiner Begleitung (einem Anwalt übrigens, weil ich im Laufe der Zeit gelernt habe) und mir auch erzählten, dass das Objekt kaum vermietbar sei und wir ein schönes Konzept für einen Ökoshowroom erarbeiten sollten, dann würde das schon mit einer symbolischen Miete und so…

Einige Wochen vergingen und heute eben bekam ich einen Anruf – von der Stadt. Dem netten, wirklich sympathischen Mitarbeiter. Er riefe mich an, weil der Verantwortliche und auch die Entscheider der Sache ja so völlig mit anderen Dingen beschäftigt seien. Wir sprachen über die Schule unserer Kinder, über Waldkindergärten, schlicht, über verschiedenste Dinge. Und dann am Schluss noch kurzerhand über die Flächen gegenüber dem Textilmuseum. Und jetzt ratet mal, was die freundliche Stimme am anderen Ende des Hörers mir mitteilen musste? Richtig – das Konzept von uns sei wirklich toll, aber die schier unvermietbaren Flächen werden jetzt dringend notwendiger Besucherraum für das Augsburger Stadtarchiv. Deshalb könne die Stadt uns leider nicht berücksichtigen.

Tja, die Stadt, die schwäbische Regierung, die Landesregierung und auch die Bundesregierung – schätzen so sehr, was wir tun. Aber selbst etwas dafür tun? Nein. Mit unzähligen Terminen und verheißungsvollen Versprechnungen stellen sie uns ruhig und lassen uns warten, helfen ist gar nicht im Sinn. Wenn ich daran denke, schmerzen mir meine Hundertausende von Euros, die meine Werbeagentur schon der Stadt als Gewerbesteuer gezahlt hat und zahlt. Ehrlich.

Ich gönne mir jetzt in der Herbstsonne einen Kaffee, und gehe Nachdenken. Schließlich haben sich die Karten wieder verworfen, kein Ökoshowroom. Und ich muss zusehen, ein neues Blatt auf die Hand zu bekommen.

Genießt den Tag,

liebe Grüße

Sina




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