Archiv für die Kategorie ‘Zukunftsmusik’

Globalisierung? Wenn’s von hier kommt! :-)

Mittwoch, 18. August 2010 10 Kommentare »
Abgelegt unter Grüne Gedanken, Zukunftsmusik

“Jeden Sonntag auf Augsburg, und freitags zurück” – ich kann mich gut erinnern, wie mein Opa erzählte, dass er, kurz nach dem Krieg, zu Fuß von seinem Heimatort Raustetten bis nach Neusäss (rund 60 km) gelaufen ist, um dort im Sägewerk zu helfen. Solange, bis das eigene wieder funktionsfähig war und die örtliche Produktion erneut begann. Meine Oma stärkte die ganze Familie mit Deftigem aus der eigenen Dorfwirtschaft.

Damals schien die Welt noch “in Ordnung”: produziert wurde, wo konsumiert wurde. Ein bisschen mehr als benötigt. “Schließlich braucht es jeden Tag ein kleinen Luxus!” waren die Worte meines Opas. Einmal im Jahr auch ein großer: da bestellte er den Juwelier ins Haus und meine Oma durfte sich “ebbs Scheas” aussuchen. Warum ich das erzähle? Weil ich erinnern möchte, dass in der Zeit, in der Globalisierung noch nicht erfunden war, auch schon gut gelebt wurde. Vielleicht sogar besser.
Das Sägewerk dient heute noch zur Selbstversorgung aus dem eigenen Wald. Meine Tante führt die Dorfwirtschaft weiter. Sie bietet, wie einst meine Oma und deren Mutter, auf der Karte, was die selbst bewirtschafteten Flächen hergibt: Gemüse aus dem eigenen Garten, Wurst- und Fleischwaren (vom gemeinen Hausschwein bis hin zu edlem Wild), Forellen aus dem Weiher, Eier von den Hennen hinterm Sägewerk, Backwaren mit Getreide von verpachteten Feldern. Einzig Milchprodukte wurden schon immer vom Nachbarhof geholt.

“Do koa edrzeit a Kriag kimma, os passiert nix!”, ist selbst die Rede meiner Mutter. Und sie hat recht: diese radikale Lokalisierung bringt viel Arbeit und wenig Bequemes, schafft dafür absolute Unabhängigkeit – und Freiheit.

Heute schieben wir derartigen Lifestyle in die Schiene einer verklärten “Sozial-Romantik” und das steht unserer hochtechnisierten, modernen und entwickelten Gesellschaft nicht (mehr). Ginge ja auch gar nicht, werden rationale Geister argumentieren. Stimmt auch. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder nahezu selbstversorgerisch handeln würde, auf dem Wochenmarkt seine Überschüsse und Selbstgebasteltes darböte? Sind doch viel zu viele Menschen, die versorgt werden müssten. Richtig ist, dass deutlich mehr Menschen versorgt werden müssen. Richtig ist aber auch, dass Ansprüche weit über ein gutes Leben hinaus gestillt werden müssen. Das geht nicht mehr wie vor 60 Jahren. Der Teufelskreis aus stetig wachsendem Konsumansprüchen und unternehmerischer Profitgier ist geboren: Firmen lagern Knowhow und Werkzeuge in Billiglohnländer, um das Lechzen nach erschwinglichem Neuen der Binnenkonsumenten zu befriedigen, und fahren nebenbei nicht mehr erklärbare Gewinne ein.

Ich bringe hier gerne das Beispiel eines Fernsehers: Der Bruder meines Vaters war Radio- und Fernsehtechniker. Noch vor 20 Jahren war ein TV eine Reparatur wert. Zahlreiche Marken wie Metz, Grundig und Loewe produzierten damals ausschließlich in Deutschland. Aufgrund des hohen Anschaffungspreises rechnete sich eine Reparatur.

Heute wird ein LCD-Super-Cinema-Display keine zwei Jahre später ausgetauscht. Gegen einen neuen, noch besseren mit 4 cm mehr Diagonale. Aber: wird davon das Programm besser? Nein. Außer dem steten Wachsen des Edelschrottbergs ändert sich nichts.

Würde dieser Fernseher wieder hier produziert – radikal regional – hätten wir längere Produktzykluslaufzeiten, dafür aber einen abnehmenden Elektroschrottberg. Und: Wir schafften Arbeitsplätze in zweifacher Hinsicht: in der Produktion und – weil er einen anderen Preis hat – im Service. Mein Onkel wäre nicht mehr – wie die letzten 12 Jahre – arbeitslos.

Die Manager-Generation Überraschungsei (Spiel, Spass & Spannung) hat in den letzten Jahren etwas geschafft, was mir erst heute durch das Telefonat mit einem Wollhändler, der sein Geschäft seit 60 Jahren betreibt, deutlich bewusst wurde: wir bezahlen vierfach für die Globalisierung. Wir bezahlen für die Auslagerung von KnowHow in ferne Länder, weil wir in unserem Land versäumten, in Bildung zu investieren. Wie bezahlen ausbeuterische Arbeitsbedingungen mit einem (hoffentlich) schlechten Gewissen. Wir bezahlen schadstoffbelastete Produkte (die in den Herstellungsländern völlig legal erstellt sind) mit unserer Gesundheit. Neu hinzugekommen heute: wir bezahlen Rohwaren zweimal. Wir kaufen am Herstellungsort billigste Wolle, gerne pestizid- und zeckenmittelverseucht, und haben bei uns zu Hause ökologische Wolle im Übermaß. Aber: wir können unsere Rohware nicht nutzen. Weil die Infrastruktur verloren gegangen ist. Weil es niemanden gibt, der die Rohware hier aufbereitet.

“Ach, da müssten sie einen LKW zu den ganzen Schäferlein schicken, die Wolle einsammeln…des dauert ja schon ewig…dann gibt’s hier niemanden mehr, der die Ware aufbereitet, müssten sie ins Ausland gehen…wieder zurück…ach…des lohnt sich nicht… Schaun’s…In meiner Firma schleusen zwei Leute 3,8 Millionen Tonnen Wolle weltweit pro Jahr durch…. so können sie hier noch überleben… Vom Auftragseingang bis zum fertigen Walkstoff vergeht ein Anruf in Südamerika und 28 Tage später ist in Bremen des Schiff da…”, erzählt mit der Wollhändler ohne Punkt und Komma. “Und was machen wir hier bitte mit der ökologischen Wolle?”, frage ich ihn. “Ach, am besten, sollen die die Viecher abschaffen…braucht kein Mensch….”. Wertvolle, saubere, ökologisch einwandfreie Rohwaren als Konsequenz der Globalisierung einfach verrotten lassen? Das kann und will ich nicht akzeptieren. Diese Arroganz müssten unsere Kinder bezahlen.

Wenn wir jetzt beginnen, regionale, ökologisch vereinbare Produkte des täglichen Bedarfs zu kaufen, werden diese teurer sein. Teurer, weil wir nun nach Jahren des Überflusses und der “Geiz-ist-geil”-Mentalität gefordert sind, diese fehlende regionale wirtschaftliche Infrastruktur wieder mit aufzubauen. Darüber hinaus widerspiegeln sich im Preis faire Löhne. Der Weg zur radikalen Regionalität wird sicherlich nicht einfach, aber er wird sich lohnen: Wir werden mehr Transparenz, Sicherheit, Gesundheit und länger Freude am Gekauften erhalten. Klingt altbacken, ist aber der Schlüssel für eine echte Zukunft.

Mit der Zeit gehen, ist nicht mir ihr zu gehen, ist ein berühmtes Zitat. Ich möchte es um meine persönliche Erkenntnis ergänzen: Wir müssen wieder einen Schritt zurückgehen, um wirklich voranzukommen.

Eure Sina

Frauenquote? Familienquote!

Freitag, 09. Juli 2010 11 Kommentare »
Abgelegt unter Allerlei, Zukunftsmusik

Mein Mann Stefan (auf Twitter @golf_wolf) hat gestern eine intensive Diskussion mit einigen Mitgliedern (meist kinderlose Karrieristen – was bitte nicht negativ zu werten ist) in einem Forum gehabt. Es ging um Frauenquoten in Unternehmen. Was er schrieb hat mich tief bewegt. Weil es stimmt. Und weil ich es toll finde, solch einen Mann an meiner Seite zu haben.

“Frauenquote? Das brauchen wir nicht. Ich lass mal bewusst den Terminus Frau aus der Diskussion raus, weil für mich die Diskussion Kind oder Job nicht primär vom Geschlecht abhängig ist.

Ich schreibe nicht Kind oder Karriere, denn das, was ich bei den berufstätigen Familienvätern und -müttern in meinem Umfeld erlebe, ist nicht Karriere machen, sondern Sicherung des Lebensunterhalts. Egal, wer von Beiden sich dafür entscheidet zugunsten der Kinderbetreuung aus dem Job auszuscheiden, hat anschließend Probleme, wieder einen zu bekommen und sei es nur, weil ihm/ihr das Stigma des zu Hausegebliebenen anhaftet. “Das könnte der/die ja nochmal machen. Was ist wenn die Kinder krank werden…? ” denkt sich da der Personalverantwortliche und stellt lieber den Single-Mann ein.

Die goldenen Zeiten, als der Durchschnittsverdiener von der Ausbildung bis zur Rente im selben Betrieb arbeiten konnte und somit mit einer hohen Sicherheit für das Auskommen der Familie sorgen konnte sind in Zeiten des sog. Humankapitals leider auch vorbei. Frauen oder Männer, die sich daher entschliessen, ihren Job nicht zugunsten des Hausfrauen/männer-Daseins aufzugeben, machen dies nicht, weil sie “karrieregeil” sind, sondern weil sie die Wahrscheinlichkeit verdoppeln, dass das Haushaltseinkommen nicht durch staatliche Transferleistungen bestritten wird.

Die Forderung an Eltern zugunsten von Erwerbstätigkeit auf Kinder zu verzichten ist volkswirtschaftlich und gesellschaftspolitisch extrem kurzsichtig. Auf der einen Seite sollen staatliche Hilfsleistungen für Nichterwerbstätige radikal gekürzt werden, auf der anderen Seite sollen gut ausgebildete Erwerbstätige sich ebenfalls unter den staatlichen Rettungsschirm flüchten, weil sie gefälligst zuhause bei Ihren Kindern zu bleiben haben. Die Rente zahlt dann wer ?

Ich glaube bei den meisten ist noch gar nicht angekommen, dass die Kinder die Zukunft unserer Gesellschaft darstellen. Und diese sollten, wenn möglich, als Vorbild Eltern haben, die sich in einer modernen Arbeitswelt zurechtfinden und nicht einem Familienideal aus den Wirtschaftswunderzeiten nachhängen.

Wir brauchen keine Quote, die Rahmenbedingungen für Erziehende müssen verbessert werden. Das geht im Kindergartenalter los, im dem berufstätige Eltern, die nicht in einem Ballungsraum wohnen, zwischen den Betreuungsplätzen Ihrer Kinder gut und gerne wöchentlich 400 km zurücklegen. Das setzt sich in der Grundschule fort, die ja selten länger als bis 11.00 Uhr dauert und mit Ferienzeiten aufwartete, die durch Berufstätige nur dadurch aufgefangen werden könnene, dass beide Ihren Urlaub getrennt voneinander nehmen.

Die wenigen vorbildlichen Unternehmen, die familienfreundliche Rahmenbedingungen für Ihre Mitarbeiter schaffen, können wir an den Fingern einer Hand abzählen. Die meisten machen nur das Nötigste, damit sie bei der CSR keine Abzüge in der B-Note bekommen. Lieber baut man ein SOS-Kinderdorf in Guatemala, als einen Betriebskindergarten. Da ist dann der “Impact” in Punkto PR grösser – schon klar.

Und bevor sich diese Rahmenbedingungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen nicht verbessern, brauchen wir uns meines Erachtens über eine Frauenquote keine Gedanken machen.”

Weltverbesserer No. 1 ist…

Samstag, 22. Mai 2010 15 Kommentare »
Abgelegt unter Rund um manomama-Produkte, Zukunftsmusik

Eure Hilfe ist gefragt: Wir suchen Menschen, die in deinen Augen Weltverbesserer Nr. 1 sind. Wer ist es für Dich? Schreibt uns einfach einen Kommentar…

Glück reicht nicht.

Donnerstag, 13. Mai 2010 3 Kommentare »
Abgelegt unter Allerlei, Zukunftsmusik

Ungefähr 20.300.000 #google-Suchergebnisse für “Glück”.
Reicht gerade mal für jeden Vierten in Deutschland.
#mussichändern
(http://twitter.com/manomama/status/13856094138)

Der Durchschnittsverdienst lag 2006 bei ca. 26.500 Euro brutto Jahresgehalt. Wenn man die Statistik genauer ansieht, begründet sich diese Zahl durch nahezu 3/4 Geringerverdienende und einem Viertel Gut- und Besserverdienenden. google hatte demnach Recht: Die Besserverdienenden haben den Glückstreffer gemacht.

Logische Folgerung: Geld macht glücklich. Geld macht. Geld regiert. In diesen Zeiten mehr denn je. Erst pumpen unsere Regierungen die Finanzmärkte wieder auf, die sich selbst in völlig selbstzerstörerischer Gier nahe den Exitus getrieben haben. Jetzt retten unsere Regierungen den Euro mit Milliardenbeträgen. Subventionieren. Finanzieren. Stabilisieren. Es ist so einfach: Geld rettet. Jeden und alles. Mein Gott, haben wir Glück!

Mitnichten, denn es ist eine Crux: Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Darüber hinaus müssen wir jeden einzelnen Euro erst einmal doppelt verdienen. Zumindest war das einmal so. Heute ist es anders: wir geben Geld aus, das wir überhaupt nicht mehr haben. Mir stellt sich die Frage: Wen retten die Retter, wenn sie am Ende sind? Wer greift Deutschland unter die Arme, wenn wir pleite sind? Wer erklärt das unseren Kindern?

Mein Großvater vertrat stets ein einfaches Rezept: “Am beschdn, du hilfsch Dir selbst!” Hilfe zur Selbsthilfe. Der Zug aber ist abgefahren. Zu lange haben sich Regierungen und ebenso das Volk auf Deutschland, den gesunden Wirtschaftsmotor, das wundervolle Land der Dichter und Denker verlassen. Natürlich konnten wir vor Jahren Geld ausgeben, großzügig verleihen, ja teils sogar verschenken. Weil wir es erwirtschaftet haben. Mit Menschen, die Bildung und Wissen, Kompetenz und Ideen hatten. Damit können wir nicht mehr brillieren. Wir haben stets nur geerntet und vergessen, dabei zu säen. Wir haben nichts investiert. In Kindergärten, Schulen und Universitäten. Das restliche bisschen Kompetenz großzügig verschifft: in Billiglohnländer, um noch mehr Glück, pardon, Geld zu machen.

Die Politik der letzten Jahre, egal welcher Partei, ist konzept- und ergebnislos. Engagierten Politikern wie einst Adenauer, Brandt und Schmidt sind Positionsbekleider und Stellentreter gefolgt. Statt tragfähiger, mutiger Konzepte regieren sie kölsch: “Et hat noch immer jot jejange!”.

Nichts mehr geht gut. Und selbst das letzte Allzweckmittel, das liebe Geld, verhilft uns nicht mehr zu Glück. Noch schlimmer: die letzte Antwort auf alles, neigt sich dem Ende: Money, money, money. Ja, langsam ist es Zeit für ein #wtf.

Das Papier der Zukunft, das vor uns liegt, ist leer. Ein Drama für all jene, die mit ihrem Latein am Ende sind. Ein Segen für Menschen, die erkannt haben, dass Glück nicht reicht.

Nehmt Stifte zu Hand und beginnt auf euer Blatt Papier zu schreiben, was sich ändern muss – und macht es. Lasst uns gemeinsam ein neues Kapitel unserer Geschichte schreiben mit dem Anfang:

“Glück reicht nicht.
Ich habe Mut und daher…”

Eure Sina

Neue Konzepte für eine neue Generation!

Montag, 22. Februar 2010 4 Kommentare »
Abgelegt unter Zukunftsmusik

Der Wohlstand unserer Gesellschaft kann nicht dauerhaft auf Wachstum basieren. Dies wird nicht mehr funktionieren. Bankenkrisen und Wirtschaftsflauten zeigen dies bereits heute. Mit dem Niedergang dieses Systems steht auch die gesamte soziale Versorgung auf der Kippe. Deshalb benötigen wir neue Konzepte für neue Generationen. Eine Idee, die wir von #manomama unterstützen, ist das Grundeinkommen. Hier der Film, der erklärt:


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