Uwe war gestern bei mir. Einer dieser Lieferanten, die uns pünktlich zum Mittagstisch besuchen, sich zu uns setzen und mitessen und irgendwie schon nach kurzer Zeit dazu gehören. Ebenso einer jener Lieferanten, die mit Rat und Tat meine bzw. unsere Ideen von 100% ökologischen, regionalen, sortenreinen Zutaten für Textilien zur Seite stehen. Ohne Uwe würde es kein natürliches Gummiband geben, ohne Uwe wären unsere veganen Taschen, die ihr in unserem Adventskalender seht, nicht geworden. Auch jede Frage hat er eine Erklärung, auf meine Ideen kommt ein “Na, dann brobierr ma des hald aus, ne?!” Er war es auch, der mir auf die Frage nach Lingerie-Zutaten zwei Firmen, “klein und flexibler als große Konzerne” empfahl. Und da rief ich heute an.
“Nur aus Metall? Sortenwas?” fragt mich der Vertriebsleiter Inland, für kurz nach acht verdammt unfreundlich.
“Ja, sortenrein, damit es wieder recycled werden kann. Wissen Sie, wir machen 100% ökologisch sinnvolle Textilien!”
“Ne, vergessen Sie es. Für Sie kratzen wir doch den Kunststoff nicht wieder ab, wir bekommen das schon so geliefert!”, gesagt und hängt ein.
Wow. Mein erstes Telefonat und gleich so freundlich. Dafür, dass sich diese Firma rühmt, in Deutschland zu produzieren, erachte sie für sehr unflexibel. Billig kunststoffummantelte Metalle einkaufen und hier noch das Label einpressen ist für mich keine deutsche Fertigung. Aber – der Kunde will ja verarscht werden. Ich nicht.
Zweites Telefonat.
“Was in unseren Zutaten drin ist? Das geht Sie doch nichts an. Das ist schadstofffrei, Ökotex-zertifiziert und somit völlig unbedenklich” sagt die Damenstimme an der anderen Leitung.
“Entschuldigen Sie, aber Ökotex ist weder völlig unbedenklich noch schadstofffrei. Trotzdem würde ich gerne wissen, aus wa..” Ich werde rüde unterbrochen.
“Frau, äh, ja, also ich habe für solche Anfragen nun wirklich keine Zeit, das ist nicht zielführend. Guten Tag!” und hängt ein.
Richtig, es ist nicht zielführend. Für beide. Die Vertriebsdame, gewohnt, den schnellen Umsatz zu fahren, müsste ernsthaft einmal sich mit ihrem Produkt auseinandersetzen und womöglich sogar in der Produktion nachfragen. Für mich ist es nicht zielführend, weil keine Bereitschaft auf der anderen Seite ist, von alten, ausgetrampelten Pfaden mal abzuweichen.
Völlig frustriert recherchiere ich im Internet. Finde, wie es der Zufall will, einen dritten Hersteller. An sich schon ein Sechser im Textillotto, gibt es bei uns doch schlicht kaum mehr Produzenten. ‘Aller guten Dinge sind drei’, denke ich und wähle die Nummer.
Eine freundliche Dame am anderen Ende des Telefons begrüßt mich und fragt mich, was ich bräuchte. Ich sage mein Sprüchlein zu manomama auf, und dass ich auf der Suche nach bestimmten, ökologisch sinnvollen, sortenreinen Zutaten wäre.
“Sind Sie von der Wööörksspionage?” fragt die Dame mich. Der verhaltene Unterton zeigt mir, dass diese Frage ernst gemeint ist. En Detail erkläre ich ihr mein Anliegen und langsam beruhigt sie sich wieder. Auf ihre Ökotex-Erwähnung erzähle ich ihr die Wahrheit über dieses Siegels und auf einmal war sie sehr interessiert. Ich begann ihr meine Idee von recyclebarem Material zu erklären, fragte, ob man nicht bereits recycelte Rohstoffe einsetzen könnte und, und, und.
Und dann: “Das wäre schon toll, wenn man das hinbekäme”, sagte sie. Sie werde mit der Geschäftsführung sprechen und lasse mich vom Chef zurückrufen. Und darauf warte ich nun.
Aber, mal ehrlich: Zeit diese Erfahrung nicht wunderbar auf, wie – verzeiht – bescheuert die deutsche Industrie ist? Maß- und schutzlos karren wir unser KnowHow, unser Fachwissen, unsere Ingenieurskunst nacht Asien, in der Hoffnung, dort den großen, fetten Markt miterobern zu können. Hier, in einem Bestandsmarkt, schotten wir uns ab und lassen uns nicht einmal ansatzweise in die Karten kucken, aus Angst, jemand könnte uns etwas klauen? Falsche Welt. Ehrlich.
Nachtrag:
Eben rief mich wirklich der Geschäftsführer der dritten Firma an. Er habe sich auf www.manomama.de und auf dem Blog umgesehen. Er sei begeistert. “Ja, wir sind auch ein kleines Familienunternehmen und der Meinung, Produkte verantwortungsvoller herzustellen”. Und er wird uns helfen. Ich bekomme alle Produktspezifikationen und darf diese mit meinen Kunststoffspezialisten abprüfen. Wenn wir recyceltes Material wissen, werde er helfen, dieses zu verarbeiten.
Es gibt sie noch: verantwortungsvolle, tolle Unternehmer.
Aber, mal ehrlich (die zweite): Ist euch schon einmal aufgefallen, dass Innovationen und Ideen von kleinen und mittelständischen Tüftlern vorangetrieben werden. Die Großen, die an sich die Budgets dafür hätten, sich aber lieber um Gewinnmaximierung kümmern? Falsche Welt. Ehrlich.















