Archiv für die Kategorie ‘Sinas private Gedanken’

8 Tage Maschinenpaten, 0 Worte.

Mittwoch, 25. Juli 2012 7 Kommentare »
Abgelegt unter Sinas private Gedanken

Eigentlich wollte ich ein bisschen ausführlich über den Zwischenstand unserer http://www.maschinenpaten.de bloggen. Viele von euch teilen und helfen, mit kleinen Beträgen und größeren. Und – heiliger Himmel – auch verdammt großen. Eben war ich unten in der Näherei und habe meinen Näher/innen den Zwischenstand präsentiert. In kurzen Worten:

8 Tage, 139 Unterstützer, 21.247 €.

Darauf folgten von meinen Ladies: 0 Worte. Auch ich bin sprachlos, ob der außerordentlichen Hilfsbereitschaft. Mir bleibt nicht viel, außer euch ein tiefes, ehrliches Dankeschön zu schreiben und weiter für mein Projekt zu kämpfen. Dank eurer Hilfe. Die ersten Maschinen, die ich gestern geordert habe, werden nächste Woche schon geliefert. Gemeinsam, mit euch, können wir es schaffen! Lasst uns weitermachen…

Danke!
Eure Sina,
die sich ein Zwischenstandsfreudentränchen abwischt

Sie reden und reden und sagen nichts.

Samstag, 21. Juli 2012 9 Kommentare »
Abgelegt unter Sinas private Gedanken

In den vergangenen Wochen, ja Monaten, habe ich versucht (wie übrigens jedes andere Unternehmen auch, die nur erfolgreich), auf allen Wegen, mit den politischen Verantwortlichen, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Für mein Projekt. Aber ich musste feststellen, dass wir fürs das Wirtschaftsministerium nicht ökonomisch genug, für das Sozialministerium nicht sozial genug und für das Finanzministerium nicht liquide genug sind. Den gesamten Prozess habe ich nicht im Blog begleitet, da ich im “schwebenden” Prozess keine Fehler machen wollte. Nachdem mein Gegenüber aber nur Buchbinder Wanniger 3.0 mit mir spielt, beendete ich heute das Spiel. Und kann euch berichten…

Eben sendete ich die letzte Mail an den Amtsleiter des bayerischen Sozialministeriums ab. Während ich auf den „Senden“-Button drücke, denke ich mir: „Wenn Stillstand der Tod ist, ist der bayerische Ministerienapparat ein Leichenschauhaus“ und lasse Vergangenes Revue passieren.

Sie bieten Dir das Gespräch an, lassen aber nicht mit sich reden.  

Es war kurz nach dem Bayerischen Bürgerkulturpreis. Ende Januar wurde ich empfangen in hochrangiger Runde voller Staatssekretäre. Man bot mir das Gespräch an. Man wollte hören, wo „der Schuh“ drückt und wie die verantwortlichen Ministerien helfen könnten. Die Wirtschaft saß nicht am Tisch. Schließlich nimmt dieses Ressort uns „Tendenzunternehmen“ – die freundliche Umschreibung für Sammelsurium von Kandidaten für den 5. Arbeitsmarkt – seit Monaten nicht ernst, verzeiht, wahr.

Die Finanzen und das Soziale waren zugegen. Gesprächsbereit.  Aber sie ließen nicht mit sich reden. Natürlich wisse man davon, dass viele Arbeitslose in Statistiken durch Maßnahmen versteckt würden. Selbstverständlich sei bekannt, dass man durch Arbeitslosenprojekte Weiterbildungskarrieren fördere und keine echte Arbeit. Natürlich sei hier deutlicher Bedarf an Änderung.

Aber.

Richtig, aber. Es fiele ja überhaupt nicht in ihre Zuständigkeit. Weder in die der Finanzen noch die des Sozialen. Ich sollte es doch mal in der Wirtschaft versuchen. Ach ja, und es täte ihnen wirklich aufrichtig leid, dass sie nicht mehr tun könnten. Aber schön, dass wir darüber geredet hätten.

Sie reden, und reden. Und sagen nichts.

Monate vergingen, sie redeten und wir, hier in Augsburg vor Ort, taten. 40 zusätzliche Arbeitsplätze sind in den vergangenen Wochen entstanden. Scheinbar genug, um nun interessant zu sein und ein zweites Gespräch anzusetzen.

Reise nach Jerusalem, dachte ich mir. Jedes Mal ein Stuhl weniger. Die Finanzen hatten sich ausgeklinkt, dafür war das Soziale gleich dreiköpfig dabei. Nicht, um wirklich konstruktiv zu gestalten, sondern zu – richtig – reden. Und: berichten. Man berichtete mir, dass man im Sozialministerium festgestellt hätte, dass ich „nach unserer Einschätzung alle möglichen Fördermöglichkeiten“ bereits bekäme. Und wenn diese Einschätzung fehl wäre (sprich, man wusste, dass die eigene Einschätzung Blödsinn war), dann könne man gerne einen Termin mit den örtlichen Stellen für ein, ja, wen hätte es gewundert, Gespräch, vereinbaren.

Mit „allen möglichen Fördermöglichkeiten“ umschrieb der Amtsleiter übrigens sogenannte Eingliederungszuschüsse. Ich wies darauf hin, dass wir uns vielfach um Menschen kümmern, die überhaupt nicht beim Amt gemeldet seien. „Dann müssen Sie halt die Frauen erst ins Amt schicken, um sich arbeitslos zu melden!“ antwortete Herr Amtsleiter realitätsnah. Der Staatssekretär erläuterte unglücklich weiter: „Wer nicht in der Statistik ist, existiert quasi nicht!“. Und was nicht sichtbar ist, ist kein Problem. Zumindest für die Politik. Wie einfach es doch sein könnte…

Mit Nachdruck skizzierte ich noch einmal unsere Situation auf. Mit Beispielen und Vorschlägen versuchte ich die am Tisch Sitzenden zu überzeugen, dass es großartig wäre, wenn wir ein Qualifizierungsprojekt  beginnen könnten. „Wir können darüber nachdenken, ein Projekt, gefördert durch den bayerischen Fonds für Arbeitsmarktpolitik, anzugehen“, warf der Staatssekretär ein. Die Landtagspräsidentin und ich, die ihr gegenübersaß, waren erfreut. „Nicht mehr nur reden, darüber nachdenken – und angehen“, dachte ich. Das klingt gut.

Naiv zufrieden fuhr ich nach Hause und twitterte auch noch vom erfolgreich verlaufenen Gespräch. Nun ja, das war es ja.

Sie glauben fest an den Irrtum: mit Reden ist es Getan.

Die erste Mail nach diesem Gespräch vom Amtsleiter des Sozialministeriums beinhaltete das Angebot diverser Gesprächsvereinbarungen mit den örtlichen Stellen. „Verdammte Hacke, ich habe keine Zeit, dauernd zu Reden. Außerdem arbeite ich mittlerweile gut mit diesen Stellen zusammen“, dachte ich mir und gab einen fussballerischen Rückpass. Dass diese Gespräche nicht notwendig seien, schrieb ich. Und dass ich die kostbare Zeit seiner Leute lieber mit dem geplanten Projekt gestalten möchte.

Wer nicht reden will, muss fühlen.

Die zweite Mail des Herrn Amtsleiter im Sozialministerium, erreichte mich. Ich öffnete, las, und war wutentbrannt. Anstelle an unser Gespräch anknüpfender Schritte mailte er mir eine Liste von gesprächsbereiten Ansprechpartnern, die mir natürlich „gerne zur Verfügung stehen“. Darüber hinaus (als ob ich mich nicht umgehend nach unserem Termin schlau gemacht
habe), einen Link auf die Website zum Arbeitsmarktpolitischen Fonds und folgende „hilfreiche“ Ausführung:

Sobald ein gewisser Konkretisierungsgrad erreicht ist, vermittle ich gerne vertiefende Gespräche, wenn Sie dies wünschen. Um Missverständnisse zu vermeiden, bitte ich Sie zu beachten, dass zum einen die Fondsmittel nicht in Konkurrenz zur Wirtschaftsförderung treten dürfen und wir mit ihnen nicht in den Wettbewerb eingreifen dürfen. Zum anderen sind wir aufgrund des Haushaltsrechts gehindert, Maßnahmen zu fördern, die vor der Förderzusage begonnen wurden. Natürlich setzt die Förderung u.a. vorhandene Haushaltsmittel sowie eine positive Auswahlentscheidung der zuständigen Gremien voraus.

In Kürze erklärt: Vergiss es, Mädchen. In etwas länger: Wir nehmen dich durchaus ernst, deshalb sichern wir uns dreifach ab. Wir wissen, dass Du unserem Argument der Wirtschaftsförderung gute Gegenargumente bringen kannst. Deshalb möchten wir uns darauf berufen, dass nur noch nicht begonnene Projekte gefördert werden können. Aber, Mädchen, Du bist ja nicht doof. Du würdest eine neue Gesellschaft gründen. Also schieben wir noch fein säuberlich nach, dass wir dafür einfach kein Geld haben werden.

Das Schönste: Das verlinkte Projekt-Dokument so aktuell, dass ich meinen Projektantrag doch bitte bis Mai 2012 einreichen sollte. Anmerkung: Wir haben Juli. Und damit verstand ich es: „Ihr Problem ist schlichtweg, dass Sie zu schnell für die verwaltungstechnischen Prozesse sind“, begann der Amtsleiter das damalige Gespräch. Habe ich nun begriffen. Ebenso, liebe Politiker und Staatsbedienstete, dass euch Reden reicht. Um des Redens willen. Denn, wer nicht handelt, handelt sich keine Probleme ein und bleibt. Im Amt. Weil er nicht auffällt.

Die Mail ist durch. Er wird Sie am Montag im Postkasten haben und lesen. Es war meine letzte Mail. Ich bin raus. Ich will was tun.

Reden hilft doch. Mit den richtigen Leuten.

Und dennoch hat diese Geschichte ein Happy End. Immer haben wir unsere Herausforderungen und Probleme gelöst bekommen, wenn wir geredet haben. Mit euch. Und anschließend gemeinsam gehandelt. Wie derzeit mit unserem Projekt www.maschinenpaten.de.

Wenn Bürger, Firmen, kurz: wenn wir Menschen unsere Probleme nur mehr ohne Politik und Staatswesen gelöst bekommen, frage ich mich: Wofür, liebe Politiker, Staatssekretäre, Amtsleiter und Co, wofür brauchen wir euch eigentlich?

Eure Sina

Sklavenhändler reloaded.

Mittwoch, 01. Februar 2012 49 Kommentare »
Abgelegt unter Sinas private Gedanken

Bereits im letzten Blogeintrag schrieb ich über diese unverschämten, bodenlos hartnäckigen Sklavenhändler. Was aber gestern passierte, schlägt dem Fass den Boden aus. Völlig fertig (ja, das soll es auch bei mir mal geben ;) ) verzog ich mich nach einem wirklich schönen Drehtag mit einem tollen Fernsehteam auf das Sofa. Meine Augen brannten und mir war kalt. Das Fieberthermometer bemüht, zeigte es mir erhöhte Temperatur an. Wärmflasche gemacht, Tee gelitert und Homeoffice von der Couch aus.

„Sina, für Dich rief ein Herr XXX (Zu gerne würde ich euch die Namen nennen, aber das alles werde ich an die Presse geben, weil es eine Dreckssauerei ist) der Zeitarbeitsfirma XXX an. Er hat sich nicht abwimmeln lassen, weil er dir, wörtlich “ein einmaliges Sonderangebot” unterbreiten will“, rief mich Felix, mein Mitarbeiter an. Als er merkte, dass ich einfach matschig in der Birne war, schrieb er mir folgende Mail:

„Hi Sina, folgendes:
ein Herr XXX von der Zeitarbeitsfirma XXX – Ostdeutschland wollte dir ein Sonderangebot unterbreiten. Dass, (hat er wirklich so gesagt) wenn du jetzt 10 Langzeitarbeitslose bestellst, du nur 6 zahlst und pro Arbeiter geringe Kosten von nur 3,50€/h hast. Diese Kondition wurde extra erst kürzlich mit der Bundesagentur für Arbeit verhandelt und das Angebot kann er Dir jetzt machen, weil er es deutschlandweit anbieten kann.
Ich habe ihn natürlich darauf hingewiesen, dass dein Interesse hinsichtlich Zeitarbeit äußerst gering ausfällt, doch er besteht ausdrücklich darauf, dich am Donnerstag noch einmal persönlich zu sprechen, trotz meines Bekundens, dass dieses Gespräch wohl fruchtlos wäre, sollte es denn überhaupt stattfinden. Ich wollte es dir nur mal im Voraus schreiben, da du dir schon einmal der Ironie bewusst sein kannst, dass er als Personaldienstleister ausgerechnet eine Unternehmerin wie dich versucht zu kontaktieren.“

Dreimal habe ich die Mail gelesen. Meine erhöhte Temperatur stieg auf kampfeslustige Betriebstemperatur. Lieber Herr XXX, sollten Sie es wagen, mich am Donnerstag auch nur eine Sekunde meiner kostbaren Zeit zu belästigen, dürfen Sie sich warm anziehen. Ihr Menschenhändler-Pack könnt mir gestohlen bleiben. Wie, gottverdammt, wie kann man Menschen zu „Sonderangebots-Bundles“ zusammenfügen und anpreisen wie sauer Bier? Schämt ihr euch nicht? Geht nach Hause und denkt einmal darüber nach, was ihr hier überhaupt treibt!

Was mich betrifft, werde ich diese die in den letzten zwei Wochen gesammelten Informationen schön strukturieren, aufbereiten und an die Stellen geben, die es öffentlich machen. So lange, bis die Menschen aufstehen und sich weigern, für euch Material zu spielen. So lange, bis es euch nicht mehr gibt.

Und wenn ihr, liebe Menschenhändler und Sklaventreiber, der Meinung seid, mir eine Anzeige wegen Beleidigung ans Bein binden zu müssen – nur zu. Wir werden dem entgegensetzen. Dann werde ich Anzeige erstatten. Verletzung des Grundgesetzes. Denn: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Eure Sina

Arbeiten auf die Chance nach Arbeit.

Freitag, 20. Januar 2012 7 Kommentare »
Abgelegt unter Sinas private Gedanken

„Die soziale Realität, in der wir leben: Wir sind immer darauf angewiesen, dass andere für uns etwas tun. Es geht darum, dass man der Leistung, die andere für einen hervorbringen, mit Wertschätzung begegnet.“

Da ist sie wieder, die Wertschätzung, mein Dauerbrenner-Thema. Götz Werner erzählt in obigem Film über Anerkennung, Respekt und Wertschätzung gegenüber der Leistung, die andere für einen erbringen. Er spricht mir dabei, wie so oft, aus der Seele. Seit Beginn von manomama kämpfe ich dafür, dass Leistung, in welcher Form auch immer – ob klassisches Arbeiten oder aber freundschaftliche Hilfe – wertgeschätzt wird. Honoriert wird. Während ich in Gedanken schwelge, klingelt mein Telefon.

„Ist Ihre Arbeitsangebot noch aktuell?“, fragt mich die fast schon schrille Stimme am anderen Ende der Leitung. „Ja“, antworte ich. „Sie also suchen Modenäher, Fertigung?“ fährt die Dame fort. Erneut bejahe ich. „Wir sind Unternehmen aus Slowakei, können sofort so viele Stunden belegen, wie Sie brauchen, kostet sie nichts extra, alles schon versichert bei uns! Wohnung kein Problem, kommen in Wohnmobil“ preist mir die Dame ihre „Ware“ Mensch an.

In den letzten Tagen habe ich einige Anrufe von Zeitarbeitsunternehmen erhalten, die hungrigen Bluthunden gleich, verbissen versuchten, ihre Arbeiter zu verschachern. Moderner Sklavenhandel. „Es ist bequem und kein Risiko für Sie, Frau Trinkwalder. Wenn Ihnen einer nicht passt, schicken Sie ihn heim. Den Rest machen wir“, erinnere ich mich an Ausführungen. Am gleichen Tag dieses Telefonats sendete das ZDF des Abends eine Reportage über Zeitarbeitsfirmen. Der Protagonist, ein junger Schlosser – ein Knochenjob im Schichtbetrieb – geht mit 900 Euro nach Hause. Er hat im Betrieb nicht einmal einen Namen. „Leiher“ rufen sie ihn – und seine Kollegen – wenn ein Einsatz gewünscht ist. Wertschätzung sieht anders aus. Und trotzdem erbringt er täglich und pünktlich seine Leistung. Die Antwort auf die Frage nach dem „Warum“ brannte sich mir ins Gehirn: „Ich arbeite, um eine Chance auf Arbeit zu haben!“.

Ich hänge wieder bei Götz Werner: „Es geht darum, dass man der Leistung, die andere für einen hervorbringen, mit Wertschätzung begegnet.“ Richtig, denke ich mir. Aber das ist nur die Konsequenz. Das Resultat dessen, was wir wirklich brauchen: Menschen mit Respekt begegnen, egal welcher Herkunft, welchen sozialem Stand oder welchem Bildungsgrad sie „entspringen“. Menschen Aufmerksamkeit schenken. Ein offenes Ohr, einen freundlichen Blick. Das wichtigste aber: Menschen mit Rücksicht behandeln. „Was Du nicht willst, das man Dir tut…“ heißt ein altes Sprichwort. Das Ende kennen wir alle – und vergessen es nur zu gerne. Ich traue mich zu behaupten, dass keiner der  Arbeitsvermittler Lust hat, wochenlang für angebotene 4 Euro hart zu schutteln, und die Abende im ölbeheizten Wohnwagen zu fristen. Ich glaube, dass keiner dieser Betriebsräte und Gewerkschafter, die für ihre Stammbelegschaft industrielle Höchstlöhne heraushandeln, und „Leihern“ vor der Kamera nur „Mitleid“ aussprechen, bereit wären, den Dienst zu tun, den der Zeitarbeiter leistet. Die letzten Zeilen glaube und behaupte ich, in folgenden bin ich mir sicher: Wertschätzung darf nicht erst bei der Leistung des Menschen beginnen. Respekt müssen wir dem Menschen selbst entgegenbringen. Dann nämlich ist die Wertschätzung seiner Leistung nichts anderes als die Konsequenz aus unserem Umgang miteinander.

„Ich würde ja gerne auf Leiher verzichten, aber es geht nun mal nicht“, darf ich mir immer wieder von Unternehmern anhören. Geht nicht, liebe Kollegen, liebe Manager und Unternehmer, gibt es nicht. Es wird euch nur ein bisschen wehtun, weil es kostet. Es kostet euch eure Eitelkeit, über den Geschehnissen zu thronen. Und es kostet ein bisschen Geld. Dafür aber gewinnt ihr auch: eigene Zufriedenheit. Und erstklassige Mitarbeiter, die sich wohl fühlen. Und gerne Leistung erbringen.

In diesem Sinne wünsche euch ein paar gute Gedanken für den Tag,
eure Sina

Ethik? Gibt’s jetzt zu kaufen!

Freitag, 11. November 2011 31 Kommentare »
Abgelegt unter Sinas private Gedanken

Bitte überlest Tippfehler oder sprachliche Schlenker, aber ich bin so stinkwütend, dass ich das einfach mal runterschreiben musste. #bam

Ich sitze über einem Teller Gulasch. Der Postbote öffnet die Tür, und bringt – wie immer – pünktlich um die Mittagszeit, die Post. Ein Brief vom Landtag, und ein großer A4-Umschlag. Neugierig öffne ich den Langtagsbrief und denke: „Oh, mal wieder Meldung vom Staatskanzleichef…“ Aber, weit gefehlt. Der Bürgerkulturpreis, der bayerische, findet, dass das, was wir tun, einen Preis wert ist und unterstützt uns mit 2.500,- Euro. Immerhin eine neue Nähmaschine. Ehrlich Freude kommt auf.

Löffle schnell meinen Teller leer, kaltes Gulasch schmeckt nicht. Hätte ich sein lassen sollen, denn als ich den großen, weißen A4-Umschlag öffnete, hätte ich schnurstracks mir das Mittagsessen rückwärts durch den Kopf gehen lassen können. Warum? Will ich euch erklären. Ich muss nur ein bisschen weiter ausholen.

Am vergangenen Freitag erhielt ich ja vom Rat für Nachhaltigkeit der Bundesregierung den Sonderpreis des „Social Entrepreneurs der Nachhaltigkeit 2011“. Eine wirklich mutige Entscheidung. Und ein toller Preis (das blogge ich euch noch die Tage…). Honoriert wurde mit diesem Preis mein konsequentes Einstehen für verantwortliches Unternehmertum, für Ehtik in der Wirtschaft und für regionales Wirtschaften. Zugleich habe ich in der taz das „Manifest gegen Nachhaltigkeit“ veröffentlicht. Hierin fordern Eike Wenzel und ich, endlich ehrlich zu sein und Nachhaltigkeit, Ethik und Verantwortungsbewußtsein nicht vorzugaukeln, sondern ernsthaft zu leben – einfach machen.

In den vergangenen Tagen habe ich viele interessante Menschen kennenlernen dürfen, die aufgrund des Preises auf mich aufmerksam wurden und mir helfen – in verschiedenster Weise. Die einzigen, die (und meine fleißigen Blogleser wissen das) komplett sperren, uns an der Nase herumführen (Stichwort „Ballenhaus“) ist die Stadtregierung Augsburgs. Ich habe für mich dann beschlossen, meinen Weg zu gehen und diesen ohne die Unterstützung der Stadt zu tun. Zwar erlebe ich immer wieder unbürokratische Lösungen in anderen Städten, aber im Augsburger Wirtschaftsreferat hat man mir klar erklärt, man könne das nicht machen. Auch gut.

Zurück zum weißen A4-Umschlag. Ich öffne ihn, entnehme eine hochwertige Printbroschüre mit dem Konterfei von Ulrich Wickert (Ich wusste gar nicht, dass er Fachmann für Wirtschaft ist) und der Headline „Es ist an der Zeit“. Wollt ihr wissen, was an der Zeit ist?

Es ist an der Zeit, wirtschaftliche Ethik und Verantwortungsbewußtsein ZU ZERTIFIZIEREN!!!!! Ja, spinn ich? Ethics in Business heißt das Zitat „Benchmarktprojekt für den Mittelstand“, das in Kooperation mit brandeins und der Süddeutschen Zeitung erfolgt. Anstand, unternehmerische Verantwortung und soziales Wirtschaften kann man sich jetzt – je nach Größenklasse (Leute, ich kriegs gleich nicht mehr) – für 1900,- bis 3.400 € im Jahr BESTÄTIGEN LASSEN! Natürlich falle, darf ich der Broschüre entnehmen, für zertifizierte Unternehmen ab dem zweiten Jahr eine „Jahresgebühr in äquivalenter Höhe“ an. Die benchmarkende Agentur compamedia bietet übrigens über die Zertifizierungskosten hinaus auch zusätzlich Media- und PR-Leistungen. Warum? „Das erhöht Ihre Reputation und stärkt das Vertrauen in Ihr Unternehmen!“ schreibt man.

Sagt mal, liebe St. Gallen Marketer und compamedia-Dienstleister, hakts bei euch langsam? Vor einer Woche bitte ich darum, Nachhaltigkeit nicht als Geschäftsmodell zu implementieren. Heute muss ich schreien, hört auf, Ethik zu verkaufen?! Wobei – immerhin bekäme ich ja was für das Geld: Ulrich Wickert würde uns persönlich auf einer Gala als ethisch geprüftes Unternehmen auszeichnen.

Nein, zum lachen ist das nichts mehr. Wirklich die Tränen in die Augen getrieben hat mir die P.S.-Zeile des automatisierten Anschreibens. Da steht: „*Ihr Unternehmen wurde uns für ETHICS IN BUSINESS empfohlen von Frau Eva Weber, Wirtschaftsförderung, Stadt Augsburg“. Eine Weiterempfehlung, sich Ethik einzukaufen. Das also ist Wirtschaftsförderung in Augsburg. Ohne Worte.

Euch ein schönes Wochenende,

eine völlig frustrierte Sina

Ergänzung am 30.11.2011
Die Story geht weiter, aber viel abstruser, als ich dachte. Und so langsam fehlen auch mir die Worte. Erneut schneit ein Brief in meinen Postkasten. Ein weiteres Anschreiben der campamedia, nein, halt, persönlich von Herrn Ulrich Wickert im Auftrag der campamedia. Als alter Direktmarketer greife ich mit dem Finger auf die feuchte Zunge und reibe über die Unterschrift. Sie ist echt. Herr Wickert nimmt sich aber viel Zeit, mir Ethik anzupreisen. Es muss sich für die gesamte Mannschaft richtig lohnen. So sehr, dass man auch Mensche benutzen kann. Ohne ihr Einverständnis. Ohne ihre Kenntnis. Wie bitte?, werdet ihr fragen. Ja, darf ich euch verraten. Frau Weber und ich hatten am vergangenen Montag einen Termin. es ging mal wieder um Räume, Hilfe und ähnliches. Da kann mir das Wirtschaftreferat nicht helfen. Das habe ich akzeptiert und werde meinen Weg nun anders gehen. Aber: eingehend erzählt mir Frau Weber, dass sie überhaupt nicht erfreut war über meinen Blogeintrag. Ich erwiderte, dass ich nicht erfreut bin, wenn Sie mir empfiehlt, Ethik einzukaufen. So kam eines ums andere – und ich wurde richtig sauer: Die Wirtschaftsreferentin erzählte, dass Sie nicht wußte, was mir da zugesandt wurde.  In einer Art, die ich ihr uneingeschränkt abnehme. Vielleicht auch, weil ich Agenturen und deren Machenschaften in Teilen kenne. Liebe campamedia, sehr geehrter Herr Wickert, ich erachte es für eine Sauerei, wenn Sie sich das Vertrauen der Angeschriebenen dadurch erschleichen wollen, in dem Sie sich auf relevante Personen beziehen, die von ihrem “Glück” überhaupt nichts wissen. Das, liebe “Ethics in Business”-Beteiligten ist alles andere als “Ethik in Business”.


Bloggeramt.de - manomama Gründerzeit-Blog Blogverzeichnis - manomama Gründerzeit-Blog blogoscoop - manomama Gründerzeit-Blog Best Green Blogs Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Top Liste - by TopBlogs.de