“Es ist kein Fehler, einen zu begehen. Einen erkannten nicht zu korrigieren, ist der Fehler.” Das war immer der Spruch, den meine Azubis von mir hörten. Heute habe ich ihn mir selbst sagen müssen.
Doch der Reihe nach. Als Prof. Liekweg mich heute Nähmethoden lehrte, wurde schnell klar, dass auch ich, so sehr ich es mir auch wünsche, nicht alles sofort beherrsche. Geklappt hat es am Ende doch. Im gesamten eher schlecht, dafür recht gut mit dem Schnellnäher. Weil ich diese Maschine kannte. Auf dieser das Nähen probierte (gelernt habe möchte ich nicht sagen
). Eigentlich war ich nicht wirklich stolz auf das gesamte Shirt, vielmehr aber auf das in meinen Augen perfekt sitzende Einfassband. Und genau in dem Moment fiel mir es wie Schuppen von den Augen:
Meine Idee war, jede meiner Näherinnen ein ganzes Kleidungsstück machen zu lassen. Das aber bedeutet, dass sie mit unterschiedlichsten Maschinen arbeiten müssen. Moderne, hochkomplexe Maschinen, die in der Zeit, in denen meine Damen nicht im Berufsleben standen, deutlich an Komplexität und Schnelligkeit gewannen. Diesen gegenüber historische Exoten für Spezialnähte. Ein breites Spektrum also, das nötig ist, um ein manomama-Produkt zu nähen. Ein zu breites Spektrum für meine Näher/innen. Weil es ihnen Sicherheit nimmt. Sicherheit, die so sehr wichtig ist, wenn man wieder in den Beruf einsteigt. Weil es ihnen Erfolgserlebnisse nimmt. Die Momente der Zufriedenheit, die man braucht, um mit der Arbeit, die man verrichtet, glücklich zu sein. Mehrmals habe ich diese Woche erlebt, dass eine Dame exzellente Industrienähte setze und beim allerletzten Feinschliff das Kleid schlicht “verhunzte”.
Dieses Erlebnis heute ließ mir keine Ruhe. Weit nach Tagesschau rief ich eben jene Frau an, die ihren täglichen Kampf mit dem Ripsband hat und sagte: “Wäre es Dir eigentlich lieber, wenn Du nur Säuberungsnähte machen würdest?” Enttäuschte Worte hätte ich erwartet, aber es kam anders: “Wie früher? Das heißt, ich kann künftig die Finger von dem Band lassen? Das wäre prima. Weißt, dieses Gepfriemelte ist eigentlich nichts für mich. Ich schäme mich auch immer, wenn ich es nicht ordentlich hineinbekomme. Aber muss ja!”
Nein, muss nicht. Muss überhaupt nicht. Es muss ein anständiges, hochwertiges Bekleidungsstück sein. Und es muss meinen Mädels Freude machen, es zu produzieren. Mit meiner Idee aber überforderte ich diejendigen, denen ich eigentlich Wertschätzung zukommen lassen wollte.
Eine Idee kann man formen und umgestalten, Menschen hingegen muss man nehmen, wie sie sind. Und das werden wir tun. Wir werden die Verantwortung eines Stücks verteilen, auf mehrere Schultern, auf ein Team.
“Warum habt ihr mir das nicht von Beginn an gesagt, dass ihr die Arbeit aufteilen möchtet”, habe ich weiter gefragt. “Ich kann nur für mich sprechen”, sagte sie. “Lieber alles nähen. Als nichts!”
Wir werden alles nähen. In Teams. #istnunmalso
Eure Sina

















