Archiv für die Kategorie ‘Kleine Warenkunde’

Nicht nur von, sondern mit Tieren leben!

Freitag, 16. September 2011 2 Kommentare »
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“Schafbock Nr. 52…”
Ganz normal. Tiere durchnummerieren. Heutzutage in Zeiten der Massentierhaltung und optimierten Viehhaltung selbstverständlich. Aber es geht auch wie früher: Menschen, die ihre (Nutz)tiere anders behandeln. Nicht nur von ihnen, sondern auch mit ihnen Leben. Herrn Hartl zum Beispiel, den ihr im obigen Filmteil der BR-Reportage über uns (Minute 6:10) schon kennengelernt habt. Ein weiteres Beispiel habe ich kennengelernt: Charly. Auch er ist Schäfer in unserer Region und hat ebenso eine Merino-Herde mit über 1000 Tieren.

Am vergangenen Wochenende lud er mit seiner Frau zum „Schafpatenfest“ nach Steinheim ein. Und da waren wir: Mein Mann, Filius und ich. Was soll ich sagen? Es war einfach klasse. Ein Tag raus aus der städtischen Hektik, rein in die Heidelandschaft, abtauchen in die Natur und sich dauernd wundern, wie vielfältig doch unsere heimische Flora ist.

„Hier, Thymian, do Oregano – ond dazwischa denne herrnocht dia Schälfa“, erzählt der Steinheimer Förster, als er uns über die Heide führt. Wer ans essen denkt, liegt nicht falsch, wurde am Abend glatt (ich konnte das ja nicht essen) Lammgulasch serviert ;)

Am Ende der Wanderung standen wir dann inmitten von 5000 wunderschönen Strickpullovern, also 1000 Merino-Landschafen. Aus der feinen Merinowolle wird nämlich wunderschöne Strickwolle gesponnen. Günther und Michael schwören auf die Wolle: „Einfach wunderbar weich – und lässt sich perfekt tragen!“ Die beiden charmanten Powerstricker, wie sie sich selbst nennen, müssen es wissen. Und bei solch einer Empfehlung war mir klar: daraus müssen wir auch etwas machen. Werden wir auch, der Grundstein ist schon gelegt.

Aber: um einen steigenden Bedarf auch heimisch zu decken, braucht es Wollwachstum *grins* – und dafür ist Schafbock Nr. 52 nun zuständig. „Dr Ferrari onr dene Böck!“, erzählt Charly stolz. Er weise sehr feine Wolle auf und soll diese guten Gene nun an möglichst viele Lämmchen weitergeben. Aber, wie eingangs erzählt, ist Charly einer dieser Viehhalter, nicht nur von, sondern auch mit ihren Tieren leben, im Winter sogar 5 Monate auf Wanderschaft mit ihnen gehen. Und wer will schon mit Nummern reisen? Deshalb wurde Schafbock Nr. 52, „so wiases gheard“, getauft – auf den Namen Henry. Aber seht selbst:

Henry wird nun seinen Spass haben und im Mai wird geschoren. Anschließend helfen wir alle mit, das Beste daraus zu machen und Charly wie Herrn Hartl einen ordentlichen Wollpreis ermöglichen zu können. Schafe sind nämlich für manche von euch nicht nur lecker, sondern unverzichtbar für die Landschaftspflege. Und wer dennoch aus Tierschutzgründen mit sich hadert, einen Wollpulli zu tragen, dem darf Charlys Satz nahegelegt werden: “D Vieher meassmä schära, sonst wärs Tierquälerei. Do nissa sich Fliega ond Drägg ohne Änd nei, des bloagd d’Schof oendlich!”

Liebe Grüße

Sina

Schmucke Teile – aus Augsburg!

Kurz nach neun abends. Früher haben Selbstständige keine Zeit. Umso entspannter war gestern Abend unser Shooting. Wen ich vor der Linse hatte? Tatatata – manomama prowdly presents: meine Goldschmiedefamilie. Patrick Bartel – mit Papa, Schwester, Frau und Nachwuchs. Drei Generationen betreiben die Alte Silberschmiede in Augsburg. Jene Manufaktur, mit der wir ab heute sauberen Schmuck herstellen.

Tja, aber was genau ist sauber? Eigentlich wollte ich unbedingt – war klar – fairtrade Silber. Völlig unverständlich sieht mich Patrick an und sagt: „Wieso das denn?“ „Weil das sauber ist. Ordentliche Abbaubedingungen, faire Löhne“, erwidere ich. „Aber ökologisch ist was anderes!“, erklärt mir Patrick. Und er hat recht: Um feinen Silberschmuck herstellen zu können, ist faitrade Silber heutzutage Nonsens. Nur sehr wenig wird davon abgebaut, man kann fast von einem Monopol sprechen. Die Ware ist dann nicht in die Regelkreisläufe einfliessbar, weil Scheideanstalten sonst ihre Zertifizierungen verlören. „Ah, wegen den dummen ISO-Dingern also sollten wir kein fairtrade Silber verwenden“, frage ich fast etwas verärgert. „Nein,“ sagt Patrick. „Das ist nur Nebeninfo“. In erster Linie brauchen wir überhaupt kein neues Metall abzubauen. „Die heutige Generation ist die der Erbenden. Sie tragen in Unmengen altes Silberbesteck und Ähnliches zurück in Scheideanstalten. Lass uns recyceltes Silber nehmen. So schädigen wir durch erneuten Abbau überhaupt keine Umwelt und sichern Arbeitsplätze in den deutschen Scheideanstalten!“ Klingt so einfach wie einleuchtend. Und auch unsere Scheideanstalt freut sich, dass die Alte Silberschmiede ihnen für das Projekt treu bleibt. Dürfen sie auch, schließlich verwenden sie keinerlei „frisches Material“. Ausschließlich Altsilber legieren sie neu. Ein geschlossener Recyclingkreislauf, Nachhaltigkeit at its best.

Auch bei unseren Lederarmbändern gehen wir neue Wege: Dass das Leder vegetabil gegerbt, aus Bayern, unbehandelt etc. ist, wisst ihr sicherlich. Dass wir Leder, damit es sich angenehm auf der Haut trägt und Schweiß abkann, kaschieren mit naturbelassenem, weichem, pflanzlich gegerbten Futterleder, ist neu. Und wie bringen wir die beiden „Lappen“ zusammen? Konventionell würde sich nun ein 2-Komponenten-Kleber oder irgendein PU-Kunststoff-Klebstoff freuen (übrigens auch im Biobereich!). Aber nicht bei uns: Wir haben lange getestet, wie wir das Zeug auf das Leder bekommen und dann beide zusammen. Es hält – mit Naturlatex aus der Bioplantage. Schluss um mit einem Baumwollzwirn sauber vernäht und fertig ist das erste ökosoziale Schmuckstück, manufactured in Augsburg.

Wir wünschen euch viel Freude mit unserer kleinen, aber feinen Startkollektion, rund um Armbänder. Alle Modelle sind gleichermaßen für Männer wie Frauen geeignet und sehen wirklich toll aus: eine verspielte „ewige Acht“ als Zeichen für Nachhaltigkeit, oder – für klassische Designliebhaber – unsere Plate. Aber erschreckt nicht: Wir sparen nicht am Material. Damit ihr „massive“ Freude an eurer neuen Handgelenkszierde habt.

Hier gehts direkt zu unserer ersten Augsburger Schmuckkollektion: http://www.manomama.de/kollektion/schmuck

Eure Sina & euer Patrick

P.S.:
Wenn ihr es noch nicht macht, folgt doch der Alten Silberschmiede auf Facebook. Die können noch viel mehr…. http://www.facebook.com/die.alte.silberschmiede

Wir haben es geschafft.

Mittwoch, 02. Februar 2011 5 Kommentare »
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Ein pflanzlich gegerbtes Leder geht. Hier ist es wichtig, auf den Gerbstoff zu achten. Man muss sich Fragen stellen, ob es Sinn macht, ganze Kastanienbäume zu schlagen, um Leder zu gerben, oder ob es andere Möglichkeiten (Tara z.b.) gibt, die “ressourcenschonender” sind…

Um anschließend Farbe aufs Leder zu bekommen, wird es – auch im Fall von pflanzlich gegerbtem Leder, meist synthetisch gefärbt (ohne Färbung erhält man ausschließlich durch Fettung und Temperatur verschiedene Brauntöne. Das machen wir z.B. bei unseren Gürteln). Aber synthetische Färbung ist gerade im Schwarzbereich nicht sehr schadstoffarm. Das war unsere Aufgabe. Wir wollten natürlich vorkommende Pigmente. Und wir wollten ein grau/schwarz. Nach vielen Wochen des Versuchens kam heute die Post – und es hat geklappt: we prowdly present unser grau-schwarzes manomama-Leder, frei von erdölbasierten Stoffen.

Pah, das geht doch gar nicht, schon gar nicht schwarz? Ja, das dachten wir auch erst. Aber im Zuge der Entwicklung unseres vegetabilen Lederersatzes haben wir uns auf die Suche gemacht, was denn Oliven im Lebensmittelbereich schwärzt, Käserinden und sonstige Überzüge bei Süßigkeiten. Wir sind wir fündig geworden. Und – es hält.  Jetzt gehts los: wir produzieren Herrentaschen und Damen-Bags. Kollektion Nr. 4, du kannst kommen! Am 5.3. ist es soweit…

Liebe Grüße aus der Produktion,
Sina

Überlegenheit der Natur.

Montag, 25. Oktober 2010 3 Kommentare »
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“Kratzt das nicht?” war am Wochenende die meistgestellte Kundenfrage. Es geht um unseren neuen Damen-Parka “Mira” und die Herren-Jacke “Maro” aus bayerischer Merino-Schurwolle. Und in der Voksmeinung kratzt Schafwolle. Kann sie auch, ganz fürchterlich sogar.

Warum aber kratzt dann unser natürliches Material nicht? Ich könnte nun schlicht sagen: “Weil”. Das aber wird dem wundervollen Material nicht gerecht. Merino-Schurwolle ist ein funktionelles Wunderwerk, und deshalb möchte ich hier ein wenig über diesen nachwachsenden Rohstoff berichten.

Warum kratzt Merino-Schurwolle nicht?
Da Geheimnis des Nichtkratzens ist der Feinheitsgrad. Grobe Schurwolle, zum Beispiel von Heidschnucken oder Tiroler Schafen, haben einen sog. Mikron-Wert (Maßeinheit für die Dicke des einzelnen Haars) von 35 – 50. Direkt auf der Haut getragen kratzt das, verzeiht, wie Sau. Das Tierhaar ist damit immer noch deutlich feiner als ein Menschenhaar, aber eine Schurwolle Mikron 50 überschreitet deutlich die physiologische Grenze des Menschen, wenn es ums Kratzen geht.
Merino-Schurwolle hingegen hat einen Mikronwert von ca. 13 – 28. Das Kratzen ist somit nicht spürbar. Einige, wenige Menschen sind selbst gegen feinste Tierfasern empfindlich. Sie sollten dann von jeglicher natürlicher Schurwolle absehen.

Wir haben uns bei unseren Jacken und Mänteln für einen Mikronwert von ca. 26 entschieden. Aus zwei Gründen: Ersterer ist das Vermeiden von “Kratzen”, zweiterer uns aber ebenso wichtig: Robustheit. Eine Jacke muss belastbar sein. Das widerum geht mit hochfeinen Merinofasern nicht bzw. nur, wenn sie chemisch aufbereitet und zugerichtet wird. Und das wollen wir nicht. Wir möchten unsere natürliche Schurwolle aus Bayern so lassen, wie sie gewachsen ist.

Denn: Merino-Schurwolle ist ein echtes “Ökoprodukt” mit unschlagbaren Funktionen, die fast in Vergessenheit geraten sind. Der nachwachsende Rohstoff ist wieder biologisch abbaubar. Doch das ist das Geringste. Schurwolle im Allgemeinen ist absolut geruchsneutral, d.h. es nimmt keine schlechten (wie auch guten) Gerüche an. Deshalb muss eine Walkjacke kaum gewaschen werden, da ein Lüften oftmals reicht. Das Eigenfett (Lanolin) in der Faser wirkt schnellem Schmutzen entgegen und sorgt für Hitzebeständigkeit.

Eine Jacke aus diesem Material kühlt bei Hitze und wärmt bei Kälte, die fein gekräuselten und gewalkten Fasern schützen vor Regen, Wind und Schnee. Selbst in nassem Zustand wärmt dieses Material. Es ist sehr atmungsaktiv und reguliert die körpereigene Temperatur, schlicht: eine Walkjacke ist eine zweite Haut. Und zuverlässiger Begleiter im Herbst, Winter & Frühling…

Es hat wohl einen Grund, warum große Outdoor-Hersteller langsam das natürliche Wunderwerk entdecken: weil eine synthetische Faser nur unter größten Anstrengungen, mit viel Energie und zahlreichen Appreturen so getrimmt werden kann, was Merino-Wolle von Haus aus mitsichbringt.

Liebe Grüße ausdem Atelier
Sina

Man muss nicht sehen, um zu wissen!

Montag, 04. Oktober 2010 Keine Kommentare »
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“Leg einfach das Laminat darauf, den Teppich darunter sieht doch keiner!” Das hat mein Vater zweimal in meinem Leben gesagt. Immer dann, wenn ich als Student umgezogen war und die neue Bude verschönerte. Aber ich konnte das nicht. Vielleicht kennt ihr das auch: Ihr tretet die ganze Zeit auf einem Boden heurm, in dem Wissen, darunter liegt ein dreckiger, alter Floor. Also habe ich ihn stets herausgerissen (was dem Raumklima nicht schlecht tat).

Dieser Hang zur “Sauberkeit” durch und durch (was aber nicht heißt, dass ich nicht chaotisch wäre!) ist es auch, warum wir bei manomama 100% ökologische Bekleidung fertigen. So ziemlich alles haben wir bereits in 100% öko entwickeln lassen, eines fehlte: ein elastisches Gummiband.

“Macht es euch doch nicht so schwer, nehmt doch, wie erlaubt, einen ganz normalen Hosengummi”, rief mir mein konventioneller Textilerfreund. “Sieht doch keiner!” Richtig. Aber ich weiß es. Und deshalb kommt es für mich nicht in Frage.

Eben habe ich den Briefumschlag geöffnet und grinse wie ein kleines Kind. Ich halte es endlich, nein, ENDLICH in den Händen: das erste 100% ökologische Gummiband aus kba-Baumwolle und – ohne synthetisches Elasthan (was gemäß IVN aber erlaubt wäre) sowie ohne jegliche stabilisierende Polyesterkanten und ähnliches. Die Konstruktion ist so, dass das Material auch wieder trennbar ist. Mein Lieferant (wieder ein wunderbarer Überzeugungstäter aus der Region) und ich haben lange getüftelt, viel ausprobiert, verschiedenste Konstruktionen ordentlich schnalzen lassen, erneut verworfen, neu geklöppelt – und die Mühe hat sich gelohnt.

Auf eines werden wir verzichten: das Band zusätzlich in verschiedene Farben einzufärben. Dies wäre in meinen Augen nur Energieverschwendung. Warum? “Sieht doch keiner!”

Liebe Grüße aus dem Atelier, wo wir nun gleich an die Arbeit gehen, die ersten Schnitte mit Gummiband zu realisieren.
Eure Sina


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