Archiv für die Kategorie ‘Kinder’

Stuhlkreis-Weicheier selbst gemacht.

Dienstag, 27. Juli 2010 42 Kommentare »
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Robert von @urbia teaserte eben einen Artikel an, in dem gefragt wurde: Sind Jungs heutzutage schwieriger als früher? Die Antwort ist ganz einfach: nein, sind sie nicht. Was sich allerdings geändert hat, sind zwei Dinge: die Eltern und die pädagischen Einrichtungen. Fangen wir bei dem Grundübel Nummer eins an: Eltern.

“Selbstverständlich haben wir alle Zusatzmodule gebucht, schließlich möchten wir nicht, dass bei Raphael das Sprachfenster zu geht!” Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit einer dieser affektierten Müttern aus unserem Kíndergarten. Das einzige, was hier zugehen sollte, ist ihr persönliches Fenster – in ihrem Kopf zieht es meiner Meinung nach gewaltig. Um vermeintliche Weichen bei ihrer ach so wohlbehüteten Brut frühestmöglich zu stellen, nehmen sie ihren Kindern die Kindheit, ja der elterliche Ehrgeiz raubt ihren Söhnen und Töchtern ein wichtiges Stück Leben: eben jenes, in dem man unbekümmert, frei von Sorgen und Gedanken, einfach machen darf. Anstelle Käfer zu sammeln, sich im Dreck zu suhlen und einfach nur zu spielen müssen sie funktionieren. Dreijährige haben heute bereits einen Freizeitstress, dem man einem Erwachsenen medizinisch raten würde, abzubauen, sonst zöge man sich im Laufe der Zeit einen Herzinfarkt zu. Dass dieser verplante Alltag, in dem jeglicher Raum für freie, kindliche Entfaltung schlicht nicht vorkommt, einem Kind, insbesondere einem Jungen, zu schaffen macht, muss nicht erklärt werden. Versucht das Kind dann aus dem Tagesablauf auszubrechen, ist er schwierig. Fährt der Kleine einen Wutanfall auf, weil es ihm schlicht reicht – verabreicht man ihm, nicht zuletzt aufgrund der eigenen Hilflosigkeit und (ja, das unterstelle ich aus Erfahrung) Bequemlichkeit, Ritalin – und weiter geht’s. Nach Plan. Elterlichem Erfolgsplan.

Neben den Eltern sind die pädagogischen Einrichtungen in meinen Augen ein weiteres Problem. Um zehn Uhr Stuhlkreis. Kollektives Kuscheln inklusive. Im Kindergarten hat man sich lieb. Kinder, besonders auch hier wieder die Buben, wissen überhaupt nicht mehr, wohin mit ihrer überschüssigen Kraft, schließlich wurde erneut die Wanderung gestrichen, weil Englisch wegen Vorschule verschoben wurde und auch das Würzburger Sprachtraining noch wartet. Kommen sich zwei mal in die Haare – was übrigens in meiner Kinderheit normal war (und ich mich immer wieder gerne mit den Buben kloppte ;-) ) - werden sogleich die Eltern informiert, dass “Marvin dem Robin eine runtergehauen” hat. Dieses “Petzverhalten” verhindert auch, dass Kinder Selbstvertrauen aufbauen und selbstständig werden. Sie machen nichts mehr untereinander aus, dürfen sie auch nicht. Nein – können sie nicht. Die stille Treppe wartet bereits beim kleinsten auffälligen Verhalten. Kinder möchten Grenzen austesten, sich messen und behaupten – wie bitte soll das in dieser verweichlichten Umgebung gehen? Ich gehe gerne einen Schritt weiter: Wie soll aus diesen armen Jungs (ja, ich nenne sie so) einmal Erwachsene werden, die ihren Mann stehen?

Auch mein Mann und ich hatten vor einigen Wochen die Entscheidung zu fällen: Schicken wir Filius auf eine Privatschule oder nicht? Grundsätzlich sprach viel für die internationale Schule: das Nachmittagsangebot und die Betreuung. Als wir den Vertrag und das Kleingedruckte in den Händen hielten, sahen wir uns an und waren uns einig: Nein. Warum? Hier stand: “Kommt es zu Handgreiflichkeiten unter den Schülern mit Beteiligung ihres Kindes, behält sich die Schulleitung vor, beteiligte Schüler selbst bei erstmaligem Vergehen ohne weitere Angabe von Gründen von der Schule zu weisen.” All diese Verwarnungen, Verbote, Androhungen machen es doch nur schlimmer:  wir erziehen unsere Jungs zu tickenden Zeitbomben, wenn ich es so drastisch ausdrücken darf. Wir schüchtern sie ein und stellen sie still. Denkt mal darüber nach, was heute mit einem Michel von Lönneberga wäre? Wir würden ihn wieder treffen: in einem Erziehungscamp für Schwererziehbare.

Alles in allem machen es sich Eltern und Pädagogen oft zu einfach: Funkioniert das Kind zu Hause nicht, geben die überforderten Eltern ihre Pflicht ab an pädagogisches Personal. Pflegt der Bub einmal im Monat einen Wutanfall im Kindergarten, wird es der Erzieherin zu viel und rät, das Kind doch in eine Ergotherapie zu stecken. Und so weiter, und sofort… Kinder, und hier eben aufgrund ihres Bewegungsdranges vornehmlich Buben, werden weitergereicht. Mit jeder Station kranker geredet. Das muss sich ändern.

Ob unser Sohn brav ist? Manchmal. Manchmal auch nicht. Und gelegentlich richtig wütend. In solchen Momenten ziehen wir ihm die Jacke an, und gehen mit ihm radeln. Nach zehn Minuten ist der Zorn veflogen. Nach einer halben Stunde ist er bestens gelaunt. Und nach einer Stunde fix und fertig und schläft fast über seinem Eis ein.

Eure Sina
Papa-Kind und Sohn-Mama

Für Kinder – und deshalb ohne Kinder.

Freitag, 11. Juni 2010 4 Kommentare »
Abgelegt unter Allerlei, Grüne Gedanken, Hinter den Kulissen, Kinder

Morgen ist der Welttag gegen Kinderarbeit. Erschreckend, dass es einen Tag geben muss, an dem Organisationen darauf aufmerksam machen, woran man jeden Tag denken sollte: Kinder sollen spielen und lernen, aber nicht arbeiten.

Wenn ich meine Tochter nach dem Abendessen bitte, sie möge das ein oder andere Teil mit in die Küche tragen, dann kommt manchmal ein verschmitztes Grinsen und die Aussage “Aber Mama, Kinder müssen doch noch nicht arbeiten.” Und sie hat so verdammt recht, wenngleich ihr das zugegebenermaßen den Gang zur Spülmaschine nicht erspart. Dieses Selbstverständnis, das hierzulande zum Glück schon eine Fünfjährige hat, ist andernorts undenkbar. Obwohl in nahezu allen Staaten dieser Welt Kinderarbeit per Gesetz verboten ist, so gehört sie doch für viele Kinder zum Alltag. Wir sprechen hier wohlgemerkt nicht über eine kleine Randgruppe, nein, nein. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen gibt es 218 Millionen Kinder unter 15 Jahren, die arbeiten. Alleine etwa 8,4 Millionen Kinder in Zwangsarbeit, im Einsatz als Kindersoldaten oder in der Prostitution. Sie arbeiten. Sie müssen arbeiten. Tag für Tag. Und das sicher nicht zu Arbeitsbedingungen, die wir für “ein bißchen schlimm” erachten würden.

Warum schicken Eltern ihre Kinder arbeiten? Was für uns unvorstellbar ist, ist für andere Menschen existenziell notwendig. Rund ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt in extremer Armut. Über eine Milliarde Menschen muss mit weniger als umgerechnet einem Dollar am Tag auskommen. Ohne die Arbeitskraft der Kinder könnten diese Familien also gar nicht überleben.

Und warum erzähle ich das heute und nicht morgen? Weil ich euch bitten möchte, dass ihr morgen einfach mal einen Tag mit offenen Augen konsumiert – frei von Kinderarbeit.

Denkt beim morgendlichen Kaffee einfach mal daran, dass das Durchschnittsalter der Kinderarbeiter auf Kaffeeplantagen in Tansania bei zehn bis dreizehn Jahren liegt – überwiegend Mädchen.

Ihr mögt eh keinen Kaffee? Tee ist nicht besser. In Indien helfen Kinder schon in jungen Jahren den Eltern bei der Ernte und schleppen Körbe. Mit etwa zwölf Jahren bekommen sie bereits ihren eigenen Korb und verdienen etwa die Hälfte eines Erwachsenen.

Kakao für die Kinder am Frühstückstisch? Allein in Kamerun, der Elfenbeinküste, Ghana und Nigeria arbeiten ca. 300.000 Kinder auf 1.500 Plantagen. Sie schlagen die Felder mit Macheten frei und sprühen Unkraut – und Insektengifte. Bei einer Arbeitszeit von zehn bis zwölf Stunden täglich müssen wir erst gar nicht nach einem Schutzanzug fragen, oder?

Kommen wir doch mal zu einem manomama-Thema: Textilien. Alleine in Indien arbeiten etwa 450.000 Kinder von sechs bis vierzehn Jahren auf Baumwollfeldern. Nein, nicht weiterlesen. Wiederholt den Satz. Ja, ab sechs Jahren. Da überlegen hier noch manche Eltern, ob ihre Kinder den vier bis fünf täglichen Schulstunden gewachsen sind.

Ich weiß und kenne es von mir selbst. Bei manchen Themen stumpft man ab. Seit Jahren hören wir, wir müssten gegen AIDS, Kriege, Armut und Kinderarbeit kämpfen. Manchmal mache ich sogar im Spielzeugladen bei den Billigplüschtieren schlechte Scherze a lá “von Kindern für Kinder”. Unser Hirn behandelt es mittlerweile wie schlechte Werbung und blendet es einfach aus. Aber bitte… lasst uns etwas tun, dass unsere Kinder die Themen nicht auch noch so lange hören müssen, dass sie sie gar nicht mehr wahrnehmen. Die Macht habe ich, die Macht hast du, die Macht haben alle Konsumenten. Kinderarbeit ist nichts was man dulden darf, deshalb traut euch, eure Macht zu nutzen. Warum nicht einfach mal im Billig-Möbelhaus nachfragen, warum ein handgeknüpfter Teppich für 20 Euro angeboten werden kann und wie hoch wohl der Personalkostenanteil an einer Handtasche für 14,99 Euro ist? Aber rechnet immer damit, dass ihr eine Antwort bekommen könntet, die unbequem ist.

Wer sich darüberhinaus informieren und/oder aktiv engagieren möchte, ist bei Unicef (www.unicef.de) gut aufgehoben. Daher stammen auch die harten Fakten und Zahlen im heutigen Beitrag – mit freundlicher Genehmigung durch Herrn Tarneden. Vielen Dank.

Ich wünsche euch viel Spaß und hilfreiche Erkenntnisse beim kinderarbeitsfreien-Konsum-Samstag. Ich bin gespannt.

Eure

Kathrin

“Deine Kinder sind nicht deine Kinder.”

Mittwoch, 28. Oktober 2009 5 Kommentare »
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baby

Denn sie sind ja so süß, unsere Kleinen“, sagt neben mir eine lebende Ausgabe einer dieser Super-Moms. Zumindest stelle ich sie mir so vor. Ich sitze im Cafe, neben mir augenscheinlich zwei Mütter mittleren Alters, die ihre Kinderbekleidung-Shoppingtour für “eine Latte” unterbrechen. Gegenseitig zeigen sie sich die neuesten Fashion-Trophäen für ihre Brut. Ich rege mich nicht auf, ich werde nachdenklich:

Sie quetschen die weichen Füße ihrer drei Monate alten Babies in Miniaturausgaben von Markensportschuhen. Über Deformierungen machen sie sich keine Gedanken, denn sie sind ja “so süß”, unsere Kleinen.

Sie stecken ihre sechs Monate alten Kinder in topmodisch geschnittene Bekleidung mit unzähligen Schlaufen, Kordeln und Applikationen. Über Bequemlichkeit machen sie sich  keine Gedanken, denn sie sind ja “so süß”, unsere Kleinen.

Gerade auf den Beinen wird das Töchterlein gleichsam zur Prinzessin ausstaffiert und kann endlich in der Krabbelgruppe Schaulaufen gehen. Über Bewegungsfreiheit und kindlichem Spieltrieb machen sie sich keine Gedanken, denn sie sind ja “so süß”, unsere Kleinen.

Vergeblich kämpft der vierjährige mit Daddys trendiger It-Jeanskopie in Größe 98, doch der Knopf will nicht aufgehen. Dafür geht es in die Hose rein. Über Funktionalität und kindgerechtes Design machen sie sich keine Gedanken, denn sie sind ja “so süß”, unsere Kleinen.

Sie sind süß, unsere Kleinen. Und so blind, die Großen. Von Kindesbeinen rauben sie ihrem Nachwuchs jegliche Freiheit. Von Kindesbeinen an  erziehen sie ihren Nachwuchs als Ebenbild. Von Kindesbeinen an geht es um äußere Wirkung, nicht inneres Gefühl. Sinnbildlich hierfür steht die Kinderbekleidung.

Khalil Gibran hat es in meinen Augen vor vielen Jahren trefflichst formuliert. In seinem Gedicht “Deine Kinder” schreibt er:

“Du kannst versuchen,
ihnen gleich zu sein,
aber suche nicht,
sie dir gleich zu machen,
denn das Leben geht nicht rückwärts
und verweilt nicht beim Gestern.”

Daran müssen wir denken. Und danach handeln.

Hier auf Wunsch das gesamte Gedicht “Deine Kinder”:

Deine Kinder sind nicht deine Kinder,
sie sind Söhne und Töchter
der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.

Sie kommen durch dich,
aber nicht von dir,
und obwohl sie bei dir sind,
gehören sie dir nicht.

Du kannst ihnen deine Liebe geben,
aber nicht deine Gedanken,
denn sie haben ihre eigenen Gedanken

Du kannst ihrem Körper ein Heim geben,
aber nicht ihrer Seele,
denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen,
das du nicht besuchen kannst,
nicht einmal in deinen Träumen.

Du kannst versuchen,
ihnen gleich zu sein,
aber suche nicht,
sie dir gleich zu machen,
denn das Leben geht nicht rückwärts
und verweilt nicht beim Gestern.

Du bist der Bogen,
von dem deine Kinder
als lebende Pfeile ausgeschickt werden.

Lass deine Bogenrundung
in der Hand des Schützen Freude bedeuten.

Kinderspielzeug – fantastic plastic?!

Montag, 12. Oktober 2009 3 Kommentare »
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flausch1

sagte der Löwe. Obwohl so klein, ist er bereits um die halbe Welt gereist. Seine Heimat ist ein Land, in dem es genügend Menschen gibt, die für geringste Löhne unter inakzeptablen Bedingungen arbeiten (Film-Tipp: “China Blue”). Das ist einer der Gründe, warum große Hersteller dort produzieren lassen. Kleine Löwen zum Beispiel. Aus Polyester-Velours. Mit Schaumstoff-Füllung. Warum? Die Einsparung an Lohnkosten sind noch zu gering, braucht doch das Unternehmen selbst samt Marketingmaschinerie und Einzelhandel luftige ca. 90% des Verkauftspreises (Cost of goods bei Kuscheltieren geschätzte 10%). So muss auch am Material gespart werden. Das darf man aber nicht merken. Also nehmen wir synthetische Fasern. Die kosten im Vergleich zu “natürlichen” Materialien deutlich weniger, lassen sich viel einfacher verarbeiten und haben haptisch den Effekt, der gewünscht wird. Deshalb ist die Mähne vom kleinen Löwen auch so flauschig.

Was genau in dem kleinen Löwen steckt, muss ja niemand wissen. Daher verschweigen selbst namhafte Hersteller Füllmaterial und verwendete Stoffe. Wäre auch nur schwer zu erklären, warum ein Plastikteddy 50 Euro kostet. Da schreiben wir “100% New Material”, sagt der Marketing-Manager, das klingt gut. Und zweifelnde Kunden beruhigen wir mit einem Öko-Tex-Prüfzertifikat.

Öko-Tex nicht gleich Öko-Tex
Wichtig hier ist nicht das schöne Signet, sondern die Angaben darunter. Die Produktklasse muss stimmen. “Öko-Tex ist heute in Europa sowieso Standard, das ist nichts Außergewöhnliches mehr”, erzählt mir ein Textilunternehmer. “Die Produktklasse ist der springende Punkt. In dem Fall ist es die Eins!”

Wenn es nach mir ginge, wäre das Beste, darauf zu achten, dass für Spielzeug ausschließlich Stoffe verwendet werden, die den IVN-Richtlinien des Naturtextilverbands entsprechen oder aber nachweislich aus nachhaltigen Bio-Materialien bestehen. Darüber hinaus ist ein Öko-Tex-Zertifikat, Produktklasse 1, sinnvoll. Haben die Spielsachen komplett in Europa ihren Ursprung, traue ich mich, ob der gesetzlichen Gegebenheiten, ein Auge zuzudrücken. Ja, in besonderem Fall vertraue ich sogar.

Überzeugungstäter ohne Zertifikat
Auf meiner manomama-Materialtour durch Österreich und Deutschland habe ich in den vergangenen Monaten zahlreiche kleine Hersteller einwandfreier Bio-Materialien besucht. Nur: Die von mir als “Sicherheit” dienenden Zertifikate hatten und haben nur die wengisten. “Wissen Sie, was die Zertifizierung meines Hofes kosten würde? Da könnte ich gleich aufhören”, erzählt ein Schafswollproduzent auf der Schwäbischen Alb. Das glaube ich ihm. Ebenso, wie ich ihm abnehme, dass die von ihm produzierte Wolle wirklich “bio” ist.

Wir sind doch “selbst schuld”
Im Grunde jedoch dürfen wir uns nicht beklagen, wenn wir keine “sauberen” Kuscheltiere mehr kaufen können. Unsere Ansprüche und Vorstellungen an die kleinen Tierchen sind in Natur kaum mehr zu erreichen: Kuschelig muss er sein, leuchtend in den Farben, knistern soll er, dauerhaft in Form bleiben und selbst nach zig Waschgängen die Farbe halten. Das geht mit Naturmaterialien nun mal nicht.

flausch21

Meine Mutter hat es vor zwei Jahren dennoch probiert. Im Vergleich zu dem kunstvollen Kollegen aus dem Land des Lächelns hat ihr Nilpferd nicht mal 15% der Kilometer auf dem Buckel, besteht aus etwas weniger flauschigem 100% kba-Baumwoll-Plüsch und -Batist, ist gefüllt mit Bio-Baumwolle (ja, die nach und nach “klumpig” wird, aber Füllungen kann man ja auch mal ersetzen), leuchtet weitaus weniger und knistert nicht. Wird trotzdem geliebt. Heiß und innig. Bis heute. Von meinem Sohn.

Mein Material-Fazit ist zweigeteilt, weil ich niemanden “grün” missionieren will und kann: Wenn ihr den Anspruch an ein leuchtendes, immergleiches Kuscheltier habt, achtet darauf, dass die verwendeten Materialen zumindest deklariert sind, das Öko-Tex Produktklasse I vorhanden ist und der Hersteller die Herkunft nicht verschleiert (“Made in …”). Wenn Gesundheit und Nachhaltigkeit für euch im Vordergrund stehen, kauft Bio-Spielzeug au der Region mit nachvollziehbaren Herstellungsschritten. Dann auch mal ohne Zertifikat. 

P.S.: Damit schließe ich das Kapitel “Kinderspielzeug” und kümmere mich wieder um meine “Gründerzeitgeschichten“…

Kinderspielzeug – Siegel allerhöchster Güte

Sonntag, 11. Oktober 2009 6 Kommentare »
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spielzeug

Zu Zeiten von „Michel von Lönneberga“, der sein Spielzeug aus heimischen Hölzern geschnitzt bekam, hatte das Thema noch keine Relevanz: Krankheitsfalle Kinderspielzeug. Heute, im Zuge wachsender Billig-Importe und verschleierter Hersteller-Wege ist Aufklärung und Information nötiger denn je. Horrormeldungen von Testinstituten kreuzen sich mit fast schon blauäugigen Blogeinträgen wie “Wenn es nicht riecht, ist es gesund”. Deshalb beginne ich unter der Reihe “Kinderspielzeug – (…)” einige Themen unter die Lupe zu nehmen. Heute: die Sache mit den Siegeln.

TÜV, GS, CE – und alles okay?
Kennzeichnungen, Prüfsiegel und Prädikatsstempel gibt es viele. Eines, das auf keinem Spielzeug fehlen darf (außer es handelt sich um Modeschmuck, Sportgeräte & Spielplatzgeräte) ist das CE-Zeichen. Ohne dieses Zeichen darf das Spielzeug nicht auf den europäischen Markt gebracht werden, bekennt sich der Hersteller durch die Konformitätserklärung klar zum Einhalten der europäischen Spielzeugrichtlinie. Das Zeichen kann der Hersteller entweder nach interner Überprüfung eigenständig aufbringen oder aber erfolgt nach einer Baumusterprüfung. „Ja dann kann ich mal das CE-Ding draufmachen auf mein verseuchtes Spielzeug, und wenn ich Glück habe, merkt es keiner“, könnte man nun denken. Mitnichten. Zum einen wird es sehr teuer, wenn die Richtlinien nicht eingehalten werden, zum zweiten – und das ist der viel größere Schaden – kann der (womögliche) Markenhersteller seinen Marktplatz räumen.

Große Hersteller warten mit zahlreichen Prüfsiegeln auf. Ablenkungsmanöver? Als Werber kennt man den Zett-Blick, und der nimmt auf diesem Etikett mit: Germany, GS, CE, Qualitätszertifikat. Das Kleingedruckte “Made in China” fällt nicht auf!

Große Hersteller warten mit zahlreichen Prüfsiegeln auf. Ablenkungsmanöver? Als Werber kennt man den Zett-Blick, und der nimmt auf diesem Etikett mit: Germany, GS, CE, Qualitätszertifikat. Das Kleingedruckte “Made in China” fällt nicht auf!

Wer konsumentenseitig die unabhängige Sicherheit haben möchte, muss Spielzeug mit einem TÜV-Siegel kaufen. Der TÜV als unabhängiges Prüfinstitut bestätigt quasi von herstellerischer Gegenseite, dass die Richtlinien eingehalten werden. Einziges Problem hier stellt sich für kleinere Anbieter (wie übrigens in allen Zertifizierungsfragen): das liebe Geld. Als kleines Rechen-Exempel: Bei einer Stofftierkollektion von 30 Tierchen mit ca. 5 verschiedenen Materialien in 10 verschiedenen Farben ist der Hersteller gleich einen satten fünfstelligen Betrag los, ausschließlich für das TÜV-Zeichen. Ergo: Das TÜV-Zeichen schafft Sicherheit und kommt für Hersteller infrage, die genügend Geld haben, sich es leisten zu können. Übrigens: Es ist nicht meine Aussage, sondern die eines TÜV-Prüfingenieurs.

Ebenso verhält es sich mit dem GS-Zeichen. Vornehmlich finden wir es auf – richtig – Sportgeräten (auch Kinderbetten mit Kletterfunktion) und Spielplatzgeräten. Da, wo wir sowieso kein CE-Zeichen benötigen. Darüber hinaus hat es sich mittlerweile, ähnlich dem TÜV-Siegel, als objektives Sicherheitsmerkmal etabliert. Im Vergleich zum TÜV-Siegel liegt der Schwerpunkt beim GS-Siegel in der Produktionsstätte des Herstellers und bestätigt eine gleichbleibende Qualität durch Analyse und Überprüfung der Produktionsbedingungen. Ist ein Arbeitsschritt „Heimarbeit“ – wird es schwierig mit dem GS-Siegel.

Soft-Skills-Prädikate
Neben klaren Prüfsiegeln wie CE, GS und TÜV, die messbare Sicherheit feststellen, gibt es einige Soft-Skills-Bescheinigungen wie „Von Eltern.de empfohlen“ oder „Spiel gut“. Diese jedoch dienen eher der pädagogischen Einordnung von Spielzeug. Und nachdem jeder seine eigene pädagogische Meinung hat…

Mein Siegel-Fazit: Spielzeugkauf ist Vertrauenssache und ich begnüge mich mit einem CE-Kennzeichen, wenn ich die Firma kenne. Ein in Europa produzierender Hersteller hat meines Erachtens eine deutlich höhere CE-Glaubwürdigkeit (schon alleine aufgrund der europäischen Gesetzgebungen in Bezug auf die verwendeten Materialien).  Und im Ernst: Sind wir wirklich so Siegel-bewußt? Ist euch schon einmal aufgefallen, dass in mindestens 50 % aller Fälle bei McDonalds-Happy-Meal-Spielzeug außer dem Copyright-Zeichen nichts deklariert ist? Und: hättet ihr die von eurer Oma gestrickte Puppe abgelehnt, nur weil das TÜV-Siegel gefehlt hat? Müsst ihr nicht sofort das auf den Selfmade-Portalen (Etsy, dawanda) bezogene Kuscheltier aus dem Kinderzimmer entfernen? Eben.

Das nächste Mal (und in meinen Augen weitaus wichtiger: das Material an sich. Denn: auch der TÜV hat nichts gegen Polyester und Plastik, solange der Flammschutz intakt ist): Kinderspielzeug – der Stoff des reizenden Püppchens.


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