Archiv für die Kategorie ‘Kinder’

“Deine Kinder sind nicht deine Kinder.”

Mittwoch, 28. Oktober 2009 4 Kommentare »
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baby

Denn sie sind ja so süß, unsere Kleinen“, sagt neben mir eine lebende Ausgabe einer dieser Super-Moms. Zumindest stelle ich sie mir so vor. Ich sitze im Cafe, neben mir augenscheinlich zwei Mütter mittleren Alters, die ihre Kinderbekleidung-Shoppingtour für “eine Latte” unterbrechen. Gegenseitig zeigen sie sich die neuesten Fashion-Trophäen für ihre Brut. Ich rege mich nicht auf, ich werde nachdenklich:

Sie quetschen die weichen Füße ihrer drei Monate alten Babies in Miniaturausgaben von Markensportschuhen. Über Deformierungen machen sie sich keine Gedanken, denn sie sind ja “so süß”, unsere Kleinen.

Sie stecken ihre sechs Monate alten Kinder in topmodisch geschnittene Bekleidung mit unzähligen Schlaufen, Kordeln und Applikationen. Über Bequemlichkeit machen sie sich  keine Gedanken, denn sie sind ja “so süß”, unsere Kleinen.

Gerade auf den Beinen wird das Töchterlein gleichsam zur Prinzessin ausstaffiert und kann endlich in der Krabbelgruppe Schaulaufen gehen. Über Bewegungsfreiheit und kindlichem Spieltrieb machen sie sich keine Gedanken, denn sie sind ja “so süß”, unsere Kleinen.

Vergeblich kämpft der vierjährige mit Daddys trendiger It-Jeanskopie in Größe 98, doch der Knopf will nicht aufgehen. Dafür geht es in die Hose rein. Über Funktionalität und kindgerechtes Design machen sie sich keine Gedanken, denn sie sind ja “so süß”, unsere Kleinen.

Sie sind süß, unsere Kleinen. Und so blind, die Großen. Von Kindesbeinen rauben sie ihrem Nachwuchs jegliche Freiheit. Von Kindesbeinen an  erziehen sie ihren Nachwuchs als Ebenbild. Von Kindesbeinen an geht es um äußere Wirkung, nicht inneres Gefühl. Sinnbildlich hierfür steht die Kinderbekleidung.

Khalil Gibran hat es in meinen Augen vor vielen Jahren trefflichst formuliert. In seinem Gedicht “Deine Kinder” schreibt er:

“Du kannst versuchen,
ihnen gleich zu sein,
aber suche nicht,
sie dir gleich zu machen,
denn das Leben geht nicht rückwärts
und verweilt nicht beim Gestern.”

Daran müssen wir denken. Und danach handeln.

Hier auf Wunsch das gesamte Gedicht “Deine Kinder”:

Deine Kinder sind nicht deine Kinder,
sie sind Söhne und Töchter
der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.

Sie kommen durch dich,
aber nicht von dir,
und obwohl sie bei dir sind,
gehören sie dir nicht.

Du kannst ihnen deine Liebe geben,
aber nicht deine Gedanken,
denn sie haben ihre eigenen Gedanken

Du kannst ihrem Körper ein Heim geben,
aber nicht ihrer Seele,
denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen,
das du nicht besuchen kannst,
nicht einmal in deinen Träumen.

Du kannst versuchen,
ihnen gleich zu sein,
aber suche nicht,
sie dir gleich zu machen,
denn das Leben geht nicht rückwärts
und verweilt nicht beim Gestern.

Du bist der Bogen,
von dem deine Kinder
als lebende Pfeile ausgeschickt werden.

Lass deine Bogenrundung
in der Hand des Schützen Freude bedeuten.

Kinderspielzeug - fantastic plastic?!

Montag, 12. Oktober 2009 3 Kommentare »
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flausch1

sagte der Löwe. Obwohl so klein, ist er bereits um die halbe Welt gereist. Seine Heimat ist ein Land, in dem es genügend Menschen gibt, die für geringste Löhne unter inakzeptablen Bedingungen arbeiten (Film-Tipp: “China Blue”). Das ist einer der Gründe, warum große Hersteller dort produzieren lassen. Kleine Löwen zum Beispiel. Aus Polyester-Velours. Mit Schaumstoff-Füllung. Warum? Die Einsparung an Lohnkosten sind noch zu gering, braucht doch das Unternehmen selbst samt Marketingmaschinerie und Einzelhandel luftige ca. 90% des Verkauftspreises (Cost of goods bei Kuscheltieren geschätzte 10%). So muss auch am Material gespart werden. Das darf man aber nicht merken. Also nehmen wir synthetische Fasern. Die kosten im Vergleich zu “natürlichen” Materialien deutlich weniger, lassen sich viel einfacher verarbeiten und haben haptisch den Effekt, der gewünscht wird. Deshalb ist die Mähne vom kleinen Löwen auch so flauschig.

Was genau in dem kleinen Löwen steckt, muss ja niemand wissen. Daher verschweigen selbst namhafte Hersteller Füllmaterial und verwendete Stoffe. Wäre auch nur schwer zu erklären, warum ein Plastikteddy 50 Euro kostet. Da schreiben wir “100% New Material”, sagt der Marketing-Manager, das klingt gut. Und zweifelnde Kunden beruhigen wir mit einem Öko-Tex-Prüfzertifikat.

Öko-Tex nicht gleich Öko-Tex
Wichtig hier ist nicht das schöne Signet, sondern die Angaben darunter. Die Produktklasse muss stimmen. “Öko-Tex ist heute in Europa sowieso Standard, das ist nichts Außergewöhnliches mehr”, erzählt mir ein Textilunternehmer. “Die Produktklasse ist der springende Punkt. In dem Fall ist es die Eins!”

Wenn es nach mir ginge, wäre das Beste, darauf zu achten, dass für Spielzeug ausschließlich Stoffe verwendet werden, die den IVN-Richtlinien des Naturtextilverbands entsprechen oder aber nachweislich aus nachhaltigen Bio-Materialien bestehen. Darüber hinaus ist ein Öko-Tex-Zertifikat, Produktklasse 1, sinnvoll. Haben die Spielsachen komplett in Europa ihren Ursprung, traue ich mich, ob der gesetzlichen Gegebenheiten, ein Auge zuzudrücken. Ja, in besonderem Fall vertraue ich sogar.

Überzeugungstäter ohne Zertifikat
Auf meiner manomama-Materialtour durch Österreich und Deutschland habe ich in den vergangenen Monaten zahlreiche kleine Hersteller einwandfreier Bio-Materialien besucht. Nur: Die von mir als “Sicherheit” dienenden Zertifikate hatten und haben nur die wengisten. “Wissen Sie, was die Zertifizierung meines Hofes kosten würde? Da könnte ich gleich aufhören”, erzählt ein Schafswollproduzent auf der Schwäbischen Alb. Das glaube ich ihm. Ebenso, wie ich ihm abnehme, dass die von ihm produzierte Wolle wirklich “bio” ist.

Wir sind doch “selbst schuld”
Im Grunde jedoch dürfen wir uns nicht beklagen, wenn wir keine “sauberen” Kuscheltiere mehr kaufen können. Unsere Ansprüche und Vorstellungen an die kleinen Tierchen sind in Natur kaum mehr zu erreichen: Kuschelig muss er sein, leuchtend in den Farben, knistern soll er, dauerhaft in Form bleiben und selbst nach zig Waschgängen die Farbe halten. Das geht mit Naturmaterialien nun mal nicht.

flausch21

Meine Mutter hat es vor zwei Jahren dennoch probiert. Im Vergleich zu dem kunstvollen Kollegen aus dem Land des Lächelns hat ihr Nilpferd nicht mal 15% der Kilometer auf dem Buckel, besteht aus etwas weniger flauschigem 100% kba-Baumwoll-Plüsch und -Batist, ist gefüllt mit Bio-Baumwolle (ja, die nach und nach “klumpig” wird, aber Füllungen kann man ja auch mal ersetzen), leuchtet weitaus weniger und knistert nicht. Wird trotzdem geliebt. Heiß und innig. Bis heute. Von meinem Sohn.

Mein Material-Fazit ist zweigeteilt, weil ich niemanden “grün” missionieren will und kann: Wenn ihr den Anspruch an ein leuchtendes, immergleiches Kuscheltier habt, achtet darauf, dass die verwendeten Materialen zumindest deklariert sind, das Öko-Tex Produktklasse I vorhanden ist und der Hersteller die Herkunft nicht verschleiert (”Made in …”). Wenn Gesundheit und Nachhaltigkeit für euch im Vordergrund stehen, kauft Bio-Spielzeug au der Region mit nachvollziehbaren Herstellungsschritten. Dann auch mal ohne Zertifikat. 

P.S.: Damit schließe ich das Kapitel “Kinderspielzeug” und kümmere mich wieder um meine “Gründerzeitgeschichten“…

Kinderspielzeug - Siegel allerhöchster Güte

Sonntag, 11. Oktober 2009 6 Kommentare »
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spielzeug

Zu Zeiten von „Michel von Lönneberga“, der sein Spielzeug aus heimischen Hölzern geschnitzt bekam, hatte das Thema noch keine Relevanz: Krankheitsfalle Kinderspielzeug. Heute, im Zuge wachsender Billig-Importe und verschleierter Hersteller-Wege ist Aufklärung und Information nötiger denn je. Horrormeldungen von Testinstituten kreuzen sich mit fast schon blauäugigen Blogeinträgen wie “Wenn es nicht riecht, ist es gesund”. Deshalb beginne ich unter der Reihe “Kinderspielzeug - (…)” einige Themen unter die Lupe zu nehmen. Heute: die Sache mit den Siegeln.

TÜV, GS, CE – und alles okay?
Kennzeichnungen, Prüfsiegel und Prädikatsstempel gibt es viele. Eines, das auf keinem Spielzeug fehlen darf (außer es handelt sich um Modeschmuck, Sportgeräte & Spielplatzgeräte) ist das CE-Zeichen. Ohne dieses Zeichen darf das Spielzeug nicht auf den europäischen Markt gebracht werden, bekennt sich der Hersteller durch die Konformitätserklärung klar zum Einhalten der europäischen Spielzeugrichtlinie. Das Zeichen kann der Hersteller entweder nach interner Überprüfung eigenständig aufbringen oder aber erfolgt nach einer Baumusterprüfung. „Ja dann kann ich mal das CE-Ding draufmachen auf mein verseuchtes Spielzeug, und wenn ich Glück habe, merkt es keiner“, könnte man nun denken. Mitnichten. Zum einen wird es sehr teuer, wenn die Richtlinien nicht eingehalten werden, zum zweiten – und das ist der viel größere Schaden – kann der (womögliche) Markenhersteller seinen Marktplatz räumen.

Große Hersteller warten mit zahlreichen Prüfsiegeln auf. Ablenkungsmanöver? Als Werber kennt man den Zett-Blick, und der nimmt auf diesem Etikett mit: Germany, GS, CE, Qualitätszertifikat. Das Kleingedruckte “Made in China” fällt nicht auf!

Große Hersteller warten mit zahlreichen Prüfsiegeln auf. Ablenkungsmanöver? Als Werber kennt man den Zett-Blick, und der nimmt auf diesem Etikett mit: Germany, GS, CE, Qualitätszertifikat. Das Kleingedruckte “Made in China” fällt nicht auf!

Wer konsumentenseitig die unabhängige Sicherheit haben möchte, muss Spielzeug mit einem TÜV-Siegel kaufen. Der TÜV als unabhängiges Prüfinstitut bestätigt quasi von herstellerischer Gegenseite, dass die Richtlinien eingehalten werden. Einziges Problem hier stellt sich für kleinere Anbieter (wie übrigens in allen Zertifizierungsfragen): das liebe Geld. Als kleines Rechen-Exempel: Bei einer Stofftierkollektion von 30 Tierchen mit ca. 5 verschiedenen Materialien in 10 verschiedenen Farben ist der Hersteller gleich einen satten fünfstelligen Betrag los, ausschließlich für das TÜV-Zeichen. Ergo: Das TÜV-Zeichen schafft Sicherheit und kommt für Hersteller infrage, die genügend Geld haben, sich es leisten zu können. Übrigens: Es ist nicht meine Aussage, sondern die eines TÜV-Prüfingenieurs.

Ebenso verhält es sich mit dem GS-Zeichen. Vornehmlich finden wir es auf – richtig – Sportgeräten (auch Kinderbetten mit Kletterfunktion) und Spielplatzgeräten. Da, wo wir sowieso kein CE-Zeichen benötigen. Darüber hinaus hat es sich mittlerweile, ähnlich dem TÜV-Siegel, als objektives Sicherheitsmerkmal etabliert. Im Vergleich zum TÜV-Siegel liegt der Schwerpunkt beim GS-Siegel in der Produktionsstätte des Herstellers und bestätigt eine gleichbleibende Qualität durch Analyse und Überprüfung der Produktionsbedingungen. Ist ein Arbeitsschritt „Heimarbeit“ – wird es schwierig mit dem GS-Siegel.

Soft-Skills-Prädikate
Neben klaren Prüfsiegeln wie CE, GS und TÜV, die messbare Sicherheit feststellen, gibt es einige Soft-Skills-Bescheinigungen wie „Von Eltern.de empfohlen“ oder „Spiel gut“. Diese jedoch dienen eher der pädagogischen Einordnung von Spielzeug. Und nachdem jeder seine eigene pädagogische Meinung hat…

Mein Siegel-Fazit: Spielzeugkauf ist Vertrauenssache und ich begnüge mich mit einem CE-Kennzeichen, wenn ich die Firma kenne. Ein in Europa produzierender Hersteller hat meines Erachtens eine deutlich höhere CE-Glaubwürdigkeit (schon alleine aufgrund der europäischen Gesetzgebungen in Bezug auf die verwendeten Materialien).  Und im Ernst: Sind wir wirklich so Siegel-bewußt? Ist euch schon einmal aufgefallen, dass in mindestens 50 % aller Fälle bei McDonalds-Happy-Meal-Spielzeug außer dem Copyright-Zeichen nichts deklariert ist? Und: hättet ihr die von eurer Oma gestrickte Puppe abgelehnt, nur weil das TÜV-Siegel gefehlt hat? Müsst ihr nicht sofort das auf den Selfmade-Portalen (Etsy, dawanda) bezogene Kuscheltier aus dem Kinderzimmer entfernen? Eben.

Das nächste Mal (und in meinen Augen weitaus wichtiger: das Material an sich. Denn: auch der TÜV hat nichts gegen Polyester und Plastik, solange der Flammschutz intakt ist): Kinderspielzeug – der Stoff des reizenden Püppchens.


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