
…und wieder war es “mein” Web 2.0. Ich erhielt eine Nachricht, ob ich noch “Unterstützung textilen KnowHows” benötigen könne. Lange nachdenken musste ich nicht: als ehemaliger Werber stand ich wohl in Sachen textilem Know-How am unteren Ende der Wissenskette. Dass ich dann die Ehre hatte und auch habe, Erste-Hand-Informationen zu erfahren und unendlich aufschlussreiche Gespräche mit einer äußerst humorvollen und sehr erfahrenen Branchengröße zu führen, hat selbst mich schlichtweg geplättet.
In unserem ersten Gespräch habe ich viel zugehört und ihn anschließend gefragt, ob er sich vorstellen könne, dass mein Vorhaben funktioniere: “Das kann durchaus ein Erfolg werden”, sagte er: Professor Dieter Liekweg, FH-Dekan und Leiter des Studiengangs Bekleidungstechnik an der FH Albstadt-Sigmaringen.
Wo sehen Sie die Zukunft der Textilindustrie?
Prof. Liekweg: Der Verbrauch von Textilien ist seit Jahren recht konstant. In Krisenzeiten wird häufig der Kauf von Großkonfektion (Mäntel, Anzüge usw.) einfach um ein Jahr verschoben, während modische Artikel im mittleren, aber auch im hochpreisigen Bereich weiterhin gekauft werden.
Werden in Zukunft Energie/Transportkosten bei der industriellen Fertigung von Textilien ein entscheidender Standortvorteil sein. Minimierung von Transportwegen, Produktion nahe beim Verbraucher?
Prof. Liekweg: Die Herstellung von Bekleidung hat sich der Automatisierung und der Fertigung durch Roboter mit Erfolg entzogen. Der hohe manuelle Aufwand, vor allem im Bereich der Näherei, führte zur Verlagerung in kostengünstigere Regionen, mit Stundenlöhnen, die oft bei 10% der hiesigen Löhne liegen. Es ist zu erwarten, das insbesondere bei Massenartikeln, die zum Teil recht hohe Fertigungszeiten haben, sich die derzeitige Situation kaum verändert. Bei modischen Artikeln, oder bei Produkten, die vom Kunden mitgestaltet werden, ist eine Produktion in Verbrauchernähe von großem Vorteil. Auch kleine Stückzahlen, die nur mit hohen Kosten im Ausland gefertigt werden können, können in hiesigen Betrieben durchaus mit Erfolg gefertigt werden.
Sehen Sie bei Textilien einen ähnlichen Trend der Identifikation mit regionalen Produkten wie er heute schon bei Lebensmitteln stattfindet?
Prof. Liekweg: Eine Identifikation mit Bekleidungsstücken aus der Region bedarf sich viel Information und Aufklärung und ist sicher nicht von einem Tag zum anderen möglich. Die gestiegene Aufmerksamkeit gegenüber Pestiziden in der Bekleidung und Allergien gegen chemische Substanzen in der Bekleidung kann sicher die Forderung nach transparenten Herstellverfahren unterstützen.
Welchen Vorteil sehen sie bezüglich der Textilbranche am Standort Deutschland (Kompetenz, Qualitätsmentalität)?
Prof. Liekweg: Die Qualität eines Kleidungsstückes, das heißt das Maß der Erfüllung der Erwartungen und Wünsche des Kunden an sein neues Kleidungsstück, ist ein wichtiges Argument. Der Kauf eines Kleidungsstückes erfolgt sehr häufig impulsiv, die kurzfristige Anfertigung ist ebenso ein entscheidendes Argument.
Lieber Professor Liekweg,
ich möchte Ihnen für Ihre Unterstützung meinen Dank aussprechen. Und freue mich schon sehr auf Ende April… wenn Sie mir das Nähen in Augsburg beibringen (meine Handarbeitslehrerin hat es nicht geschafft).
Ihre Sina Trinkwalder