“Respekt vor soviel Mut”, sagte Wolfgang, als ich ihm von manomama erzählte. Seit Jahrzehnten verkauft er große Webmaschinen an Webereien. Heute ist er (im Vergleich zu mir – ich bin nämlich so gut wie gar nicht mehr da
) nur noch selten auf dem Golfplatz zu sehen: “Die Zeiten haben sich völlig geändert, nebenbei verkaufe ich Finanzdienstleistungen. Anders geht es nicht!”, sagt er. Doch, denke ich, es geht anders – nur braucht es Zeit.
Zeit, die ich mir heute nahm, um meine Mission “Bringe es nach Hause” weitervoranzutreiben und den Punkt “Strickstoffproduktion” auf meiner Todo-Liste mit seinen “alten Garn-Kontakten auf der Alb” abzugleichen.
“Ja, Stricken können die hier auf der Alb wie die Weltmeister, alleine den Strickern die Rohware als Garnhersteller zu liefern, ist das Problem bei vielen!”, sagt mir die freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung. Mir war schon bekannt, dass sich die Rohwarenpreise generell um ca. 30% erhöht haben, aber das kaum mehr Bio-Baumwolle zu bekommen sei, war mir neu.
“Nein, wir haben langfristige Lieferverträge mit der Türkei oder der Ägäis. Viele unserer hiesigen Kollegen, sofern es die nicht im letzten Jahr eh schon erwischt hat, sind mit Asien verbandelt. Nehmen sie doch mal Indien. Die haben ein Exportverbot für Baumwollfasern erlassen. Jetzt kürzlich auch einen Auslieferstopp für Garne. Und wofür das alles? Damit das schön im Land bleibt und sie ihre Textilwirtschaft schützen. Wer uns schützt, fragt niemand. Die lassen uns am langen Arm verhungern!”, fuhr er fort.
Als Kunde gesehen dachte ich immer, es wäre genau anders herum. Wir westlichen Konsumbegeisterten lassen die Menschen dort in Asien am langen Arm verhungern und nehmen für maßlosen Konsum – hauptsache billig – miserable Arbeitsbedingungen und Hungerlöhne für die Produzenten dort in Kauf.
Die Sicht des Garnherstellers hat mich verwirrt und sehr zum Nachdenken angeregt: innerhalb diesen ganzen Globalisierungsspiels beginnen die einzelnen Beteiligten jetzt, sei es durch Strafzölle, Exportstopps etc. ihre eigene Wirtschaft zu schützen. Globalisierung 1.0 war für mich, das kollaborative Zusammenarbeiten unter dem Aspekt der Kostenoptimierung. Das hier ist Globalisierung 2.0: Staatlicher Protektionismus, wenn es um den eigenen Vorteil geht. Mal salopp gesagt. Wo soll das hinführen?
Über unseren sorgenvollen Blick und soziales wie monetäres Engagement (das auch weiterhin völlig richtig ist) für die Menschen in Asien, Afrika und der Karibik haben wir eines völlig aus den Augen verloren: Dass auch in unserem direkten Umfeld Menschen unsere Hilfe brauchen.
Und das werde ich tun. Eben sind die Stoffmuster an den zertifizierten Stricker eingetütet und gehen mit der Post 250 km weiter auf die Alb. Mein Bio-Garn werde ich ebenso von dort beziehen.
“Super”, sagte ich und, weil ich schon dabei war, fügte ich hinzu: “Dann könnte ich auch gleich euer Garn an [xxx] liefern lassen zum verweben!”. “Nein, da sind Sie zu spät: Wenn Du heute kein Fett mehr auf den Rippen hast, fegt’s dich weg. [xxx] vor ungefähr 3 Monaten!”
Und da standen mir dir Tränen in den Augen. Es war Herr L., der Geschäftsführer der Weberei, der mich (damals noch als Werber) vor 6 Jahren zum ersten Mal mit einem Rundgang durch seinen riesigen Betrieb in die Textilwelt einführte und unterbewußt und unbewußt wohl “Mitschuld” an manomama war. Und ist. Nun ist es zu spät, mich mit einem Auftrag zu bedanken.















