Archiv für die Kategorie ‘Gründerzeit-Geschichten’

Helft uns – wir haben ‘nen Dachschaden!

Montag, 19. Juli 2010 11 Kommentare »
Abgelegt unter Gründerzeit-Geschichten

Ich gehe über den Haupteingang in Richtung Küche, schalte die Kaffeemaschine in aller Herrgottsfrüh an und sperre anschließend die Tür zur Produktion auf, um – wie immer – die Gartenmöbel herauszuholen. Die Stühle lehnen an der Wand und sind völlig verdreckt. “Welcher Saubär…” dachte ich noch, als ich Regentropfen auf meinem Kopf spürte. Nur: es war kein Regen – es ist der blanke Horrer. Das Unwetter von Freitag auf Samstag hat unserer fast 400 Jahre alten Produktionstätte gewaltig zugesetzt: Aufgrund der riesigen Wassermassen sind einige Deckenpanelen heruntergekommen und mit Ihnen Dreck, Schmutzwasser und , ach- derzeit fehlen mir die Worte.

Suley und Veri trafen ein, völlig schockiert vom Zustand: verdreckte Kinderbekleidung, durchnässte Babybodies und Schals, unsere Sitzgelegenheiten der Wand entlang ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Am anderen Eck der Wände lagerten wir unsere Sweatstoffe. Drei Rollen durften gleich auf den Müll, völlig durchweicht. Den Rest konnten wir retten, Gott sei Dank größtenteils völlig trocken oder nur minimal feucht. Das können wir wegschneiden.

Nun müssen wir die gesamten Räume umstrukturieren, damit die Produktion weitergeht – und hier haben wir ein Problem: die ganzen Sweatstoffe lagern nun auf unserem Zuschnitttisch, ein Zustand, der nicht funktioniert. Deshalb bleibt uns nichts anderes, als schnellstmöglich ca. 150 Meter Sweat zu vernähen. Hier könnt ihr uns helfen: Wir schenken euch die gesamten Stoffkosten auf alle Sweatprodukte. Gebt einfach bei eurer Bestellung in das Gutscheincode-Feld “dachschaden” ein und automatisch erhaltet ihr am Ende der Bestellung ausgewiesen, 25% Dachschaden-Rabatt. Wenn es nicht so ernst wäre, wäre es fast lustig!

Der Herbst kommt und eine schicke Sweatjacke oder ein -shirt könnt ihr immer gebrauchen. 

Sagt unsere “Aktion” – wenn wir sie so nennen wollen, einfach weiter: je schneller wir die Stoffe draußen haben, umso schneller können wir sinnvoll renovieren.

Vielen Dank für eure – wie immer – großartige Unterstützung!
Eure Sina, die heute ein wenig neben der Spur ist.

Fragen von euch:
“Muss nur der schwarze und graue Sweat weg?”
Nein. Es geht nicht um einzelne Farben. Da wir die nächsten 3 – 5 Wochen nicht einmal die Hälfte des normal üblichen Lagerplatzes für Stoffe haben, haben wir entschlossen, den Stoff, der am meisten “Platz” braucht, zu “opfern”. Farben könnt ihr also aussuchen nach Geschmack.

“Eure Lieferzeit sind mind. 2 Wochen?”
Jein. Im Regelfall ja. Da die Dachschaden-Aktion darauf ausgelegt ist, schnellstmöglich das Stoffchaos in der halben Produktion zu beenden, nähen wir derzeit asap die Sweatware. Diese geht nach Bestellung 1-2 Tage später auf die Reise. Aber keine Angst: auch alle anderen, die “regulär” bestellen, werden nicht vergessen!

“Was ist denn alles aus Sweat?”
Es sind alle Jacken und “Pullover/Hoodies” (Damen, Herren, Kinder) sowie bei den Babys die Kombi Tilid.

Ich bin auch nur eine Frau.

Dienstag, 06. Juli 2010 12 Kommentare »
Abgelegt unter Gründerzeit-Geschichten, Rund um manomama-Produkte

“Und was isch hernoch nui an uira Produkt?”, fragt mich Hannes, der mit seinen 82 Jahren rund 65 davon verbrachte, Leder Form zu geben. “Hm, auf Ihre Zeit gesehen nichts!”, sage ich. “Ich möchte wieder mit natürlichen Stoffen so weit es geht eine Tasche herstellen!”

Nach meiner langen Suche nach ökologisch sinnvollen Beschlägen und vegetabil gegerbten Leder aus der Region gehts nun ans Eingemachte: das Handwerk wiederbeleben. Das war auch der Grund, warum ich hier sitze. Bei einem erfahrenen Handwerker aus dem Heimatort meiner Eltern, der sich bereit erklärt hat, nein, der sich gefreut hat, jemanden sein Wissen weiterzugeben. “Taschner gibt’s heid bei os nimmer. Auf dr Dult (das ist eine Art Jahrmarkt in Augsburg) kriagsch des Plaschtikzeug fier allawail zeah Mark!” Über diesen Satz muss ich schmunzeln. Nicht, dass günstige Asienware das Handwerk verdrängt (was natürlich schade ist), vielmehr die “Mark” war der Grund: hier bin ich richtig, denke ich. Entweder Hannes ist im Jetzt noch überhaupt nicht angekommen oder seiner Zeit schon wieder so voraus.

“Mädle, also jetztda!” Er breitet auf seinem Küchentisch einige Werkzeuge aus, deren Holzhandgriffe wahre Geschichten erzählen. “Ha, das kenne ich: ein Falzbein”, sage ich, als er einen weißen, überdimensionierten, breitgefahrenen Zahnstocher sorgfältig auf den Tisch legt. “Das habe ich auch, zum Büchereinbinden!” “Na, dann miaß mer ja ned bei Null ofanga”, lächelt er. Nein, muss er nicht. Schließlich habe ich vor vielen Jahren bereits mal einen Buchbinder besucht: er lehrte mir das Buchbinden und japanisch nähen. War mal ein Spleen für unsere Agenturbroschüren.

Zwei Ledersorten habe ich dabei: beide pflanzlich gegerbt, eines ungefärbt und eines schadstoffarm durchgefärbt. Jeder, der bis dato in dieses Leder griff oder roch, war begeistert. Hannes nicht. “So muss Leder sein”, sind seine einzigen Worte. “Mit dr Chemie hod des poralose Zeug ogfanga”, erzählt er mir. Leder sei ein natürliches Produkt und hätte eine Struktur, eine Zeichnung. Seit ungefähr 30 Jahren, so seine Einschätzung, kleistere man diese zu – mit Kunststoffen und Metalleffekten. “Jede Tasch schaut gleich aus. Selbschd vom Plaschtikleder kannsch des huid nemmer ondrschaidä. Nur ebbe no an dene weißä Fransä, die vom Lederersatz wegfussla!” Ich grinse.

Anschließend zeichnen wir die Schnittteile auf die Haut, schneiden sie aus und dann Hardcore: “Wo ist Ihre Nähmaschine?”, frage ich umblickend. “Nix Maschee, mit dr Hand mach mer des. Näha mit dr Maschee kansch dahoim. Ma muass amol mit de Händ gnäht ham, um a Gfühl zom kriega!” Also lochen wir vor. Ziehen dann mit einer riesigen, dafür (gott sei Dank) stumpfen Nadel den großen Leinenzwirn durch. Nach einer Stunde habe ich immerhin eine halbe Tasche “genäht”. “Guat, die andere Hälfte lesch dei Leut machä, mit dr Hand!” Natürlich, mit was sonst?! ;-D

Abschließend müssen die Kanten versiegelt werden. Gerne eine giftige Sache – mit Kleber und Kunststoff. Alternativ könne man Gummi Arabicum nehmen. So schlau war ich schon. “Alles Quatsch!”, sagt Hannes. “Wachs, einfach Bienawachs – so gugg!”. Ich “gugg”, staune und bin happy. Meine Handtaschen in der Qualität, wie ich sie mir vorstelle, werden. Warum mir das so wichtig ist? Ich bin schließlich auch nur eine Frau.

Liebe Grüße
Sina

P.S.: Dreimal dürft ihr raten, was Monika (eine meiner Näherinnen) gerade macht? Richtig – eine Hälfte Ledertasche nähen. Mit der Hand. Damit sie ein Gefühl für das Material bekommt.Und später mit der Maschine…

 

Ausgezeichneter Rückenwind.

Freitag, 25. Juni 2010 5 Kommentare »
Abgelegt unter Gründerzeit-Geschichten, Hinter den Kulissen

Aaaaaaahhhh. Olé, olé.

Nein, bitte wundert euch nicht. Freut euch lieber, dass wir hier nur ein kleines Textchen schreiben und kein Video einbinden. Verstehen könntet ihr da nämlich dank einer Horde wildgewordener manomamitas, die hüpfend, kreischend, hyperventiierend, pfeifend, grölend durch die Welt tanzt schlichtweg gar nichts. Nein, wir sind keine Fußballfans und mit der WM hat das Spektakel, das sich derzeit bei uns abspielt rein gar nichts zu tun. Statt Punkte, die uns in der Weltrangliste nach oben befördern, gabs für uns jede Menge guter Karma-Punkte samt ordentlichem Rückenwind.

Und bevor der Spannungsbogen nun überspannt wird, lassen wir den Vorhang fallen: Wir gewannen soeben den KarmaKonsum Gründer-Award 2010. (Kurze Pause, wir müssen nochmal schnell kreischen. Aaaaaaahhhh.)

Relativ erwartungsfrei, aber hoffnungvoll bewarben wir uns gemeinsam mit vielen, vielen anderen Gründern und reichten unser Geschäftskonzept ein. Als wir dann die Info bekamen, dass wir uns nochmal näher vorstellen dürften, weil wir unter den Top 5 wären, war die Freude schon riesig. Entsprechend war die Stimmung der letzten Tage: Würden wir den Preis bekommen? Hätten wir ihn verdient? Würde sich tatsächlich neben unseren vielen, vielen Unterstützern auch noch eine hochkarätige Jury hinter uns stellen und “Ja, wir glauben an euch.” in die Welt hinausbrüllen? Jaaaaa, sie hats getan. Und mal so unter uns, wir haben grad alle noch ein bißchen Pippi in den Augen.

Und wenn wir jetzt mal ein, zwei Tage durchgefeiert haben, nutzen wir diesen enormen Rückenwind und basteln euch, die ihr uns alle so geholfen habt, dass wir mit manomama scheinbar auf der fliederfarbenen Wolke schweben dürfen, eine erweiterte Kollektion mit vielen, vielen neuen Modellen. Wir setzen bis zum Montag in den frühen Abendstunden euer Feedback um und werden besser – dank euch, für euch.

Zur Feier des Ganzen, haben wir ein Shirt entworfen, für all diejenigen, die den Rückenwind mit uns teilen wollen. Schaut doch mal auf unsere derzeitige Startseite.

Tschaka. Danke. Prost

Euer manomama-Team

Am langen Arm verhungern.

Dienstag, 15. Juni 2010 Keine Kommentare »
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“Respekt vor soviel Mut”, sagte Wolfgang, als ich ihm von manomama erzählte. Seit Jahrzehnten verkauft er große Webmaschinen an Webereien. Heute ist er (im Vergleich zu mir – ich bin nämlich so gut wie gar nicht mehr da ;-) ) nur noch selten auf dem Golfplatz zu sehen: “Die Zeiten haben sich völlig geändert, nebenbei verkaufe ich Finanzdienstleistungen. Anders geht es nicht!”, sagt er. Doch, denke ich, es geht anders – nur braucht es Zeit.

Zeit, die ich mir heute nahm, um meine Mission “Bringe es nach Hause” weitervoranzutreiben und den Punkt “Strickstoffproduktion” auf meiner Todo-Liste mit seinen “alten Garn-Kontakten auf der Alb” abzugleichen.

“Ja, Stricken können die hier auf der Alb wie die Weltmeister, alleine den Strickern die Rohware als Garnhersteller zu liefern, ist das Problem bei vielen!”, sagt mir die freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung. Mir war schon bekannt, dass sich die Rohwarenpreise generell um ca. 30% erhöht haben, aber das kaum mehr Bio-Baumwolle zu bekommen sei, war mir neu.

“Nein, wir haben langfristige Lieferverträge mit der Türkei oder der Ägäis. Viele unserer hiesigen Kollegen, sofern es die nicht im letzten Jahr eh schon erwischt hat, sind mit Asien verbandelt. Nehmen sie doch mal Indien. Die haben ein Exportverbot für Baumwollfasern erlassen. Jetzt kürzlich auch einen Auslieferstopp für Garne. Und wofür das alles? Damit das schön im Land bleibt und sie ihre Textilwirtschaft schützen. Wer uns schützt, fragt niemand. Die lassen uns am langen Arm verhungern!”, fuhr er fort.

Als Kunde gesehen dachte ich immer, es wäre genau anders herum. Wir westlichen Konsumbegeisterten lassen die Menschen dort in Asien am langen Arm verhungern und nehmen für maßlosen Konsum – hauptsache billig – miserable Arbeitsbedingungen und Hungerlöhne für die Produzenten dort in Kauf.

Die Sicht des Garnherstellers hat mich verwirrt und sehr zum Nachdenken angeregt: innerhalb diesen ganzen Globalisierungsspiels beginnen die einzelnen Beteiligten jetzt, sei es durch Strafzölle, Exportstopps etc. ihre eigene Wirtschaft zu schützen. Globalisierung 1.0 war für mich, das kollaborative Zusammenarbeiten unter dem Aspekt der Kostenoptimierung. Das hier ist Globalisierung 2.0: Staatlicher Protektionismus, wenn es um den eigenen Vorteil geht. Mal salopp gesagt. Wo soll das hinführen?

Über unseren sorgenvollen Blick und soziales wie monetäres Engagement (das auch weiterhin völlig richtig ist) für die Menschen in Asien, Afrika und der Karibik haben wir eines völlig aus den Augen verloren: Dass auch in unserem direkten Umfeld Menschen unsere Hilfe brauchen.

Und das werde ich tun. Eben sind die Stoffmuster an den zertifizierten Stricker eingetütet und gehen mit der Post 250 km weiter auf die Alb. Mein Bio-Garn werde ich ebenso von dort beziehen.

“Super”, sagte ich und, weil ich schon dabei war, fügte ich hinzu: “Dann könnte ich auch gleich euer Garn an [xxx] liefern lassen zum verweben!”. “Nein, da sind Sie zu spät: Wenn Du heute kein Fett mehr auf den Rippen hast, fegt’s dich weg. [xxx] vor ungefähr 3 Monaten!”

Und da standen mir dir Tränen in den Augen. Es war Herr L., der Geschäftsführer der Weberei, der mich (damals noch als Werber) vor 6 Jahren zum ersten Mal mit einem Rundgang durch seinen riesigen Betrieb in die Textilwelt einführte und unterbewußt und unbewußt wohl “Mitschuld” an manomama war. Und ist. Nun ist es zu spät, mich mit einem Auftrag zu bedanken.

Ganz schön viel für einen Blick.

Donnerstag, 03. Juni 2010 7 Kommentare »
Abgelegt unter Gründerzeit-Geschichten

Ihr habt uns in den letzten Wochen immer wieder mal darauf aufmerksam gemacht, dass man sich ganz schön ordentlich durch unsere Website wühlen müsste, um zu erfahren, was uns, was manomama ausmacht.

Entschuldigt, wir haben einfach so viel zu erzählen. Aber wir verstehen natürlich gut, dass frische oder werdende manomama-Fans eine Anlaufstelle brauchen, die ihnen kurz, knapp und knackig auf einen Blick zeigt, worum es uns geht.

Ich habe einen kleinen Text gebastelt und nun seid ihr gefragt: Was fehlt? Ist es noch zu ausführlich? Was ist unklar?

Wir sind fair und wollen, dass alle rund um manomama von ihrer Arbeit leben können. Weder verhandeln wir mit Lieferanten Niedrigstpreise, noch setzen wir unsere Mitarbeiter dem Lohndumping aus.

Wir sind sozial und möchten gerade Frauen und Mütter wieder in einen Beruf bringen, der es ihnen ermöglicht Job und Familie zu vereinbaren. Das geschieht durch flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle.

Wir sind ökologisch korrekt und gehen sorgsam mit den Rohstoffen um, mit denen wir arbeiten. Dabei erkennen wir den Wert an und schonen die Umwelt. Das zeigen wir auch durch unsere iVN-Mitgliedschaft.

Wir sind nachhaltig und nehmen uns nicht mehr als natürlich wieder nachwachsen kann. Mode, die nach einer Saison untragbar ist, gibt es bei uns nicht.

Wir glauben an die Macht der kurzen Wege und die Kraft der Region, deshalb beziehen wir alle Rohstoffe aus der nächstmöglichen (entsprechend zertifizierten) Quelle und lassen die Weiterverarbeitung und Veredelung in einem Umkreis von 250km erledigen. Die Fertigung der Kleidungsstücke erfolgt hier bei uns in Augsburg im Franzosenhof. So können wir euch nicht nur individualisierbare Bekleidung anbieten, sondern auch schnell und flexibel auf eure Wünsche reagieren, die uns wichtiger sind als Zahlen oder Daten.

1000 Dank für eure Hilfe.

Eure Kathrin


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