Das neue Wirtschaftsmagazin “enorm” hat eine Umfrage gestartet und ermittelt, dass 74 Prozent der Befragten ein Sozial-Siegel zur Kennzeichnung von Produkten (als Pendant zum Bio-Siegel) für “wichtig” bzw. “sehr wichtig” erachten. So weit, so gut. Und vor allem: so einfach. Nicht, dass ich grundlegend dagegen wäre, allein das Vergabeprozedere von Siegeln grenzt aus: kleine und mittlere, innovative Unternehmen. Die Kosten sind schlichtweg zu hoch.
Ich erinnere mich an das Gespräch mit meinem Schafwolllieferant, der – ein völliger Überzeugungstäter, wenn es um Ökologie und soziales Miteinander geht, sich die Zertifizierung seines “Ladens” schlicht nicht leisten kann: 200.000 Euro stünden laut seiner Angabe im Raum, um seine Schurwolle kbT nennen zu dürfen. Meinem Lederlieferanten geht es nicht anders. Der Markt für derartige Rohwaren ist zu klein, als dass sich eine Zertifizierung rein monetär lohnen würde.
Zudem provoziere ich mal: Siegel und Zertifizierungen werden auch gerne genutzt, um mögliche, lästige Mitbewerber einfach aus dem Wettbewerb zu kicken im Wissen, dass das notwendige Geld für das Zertifizierungsprozedere nicht gegeben ist. Klingelt’s?
Hier bei manomama (als vollwertiges Mitglied als Hersteller und Vertrieb von ökologischen Produkten im Internationalen Verband für Naturtextilien) geht es uns genauso: Für jeden Schritt in der Materialkette bezahlen wir die für den Schritt notwendige Zertifizierung. Zum Beispiel IMO/GOTS für die Baumwolle, dann für den Stoff. Anschließend bei der Färbung, dass dies gemäß IVN passiert. Nähfaden und weitere Zutaten schlagen ebenso zu Buche. Obwohl alle einzelnen Stationen, Schritte, Rohwaren nachvollziehbar und mit Brief und Siegel zertifiziert sind, dürfen wir nicht deklarieren, dass das finale manomama-Produkt zertifiziert ist, denn dann müssten wir unsere eigene Produktion (Zuschneiden & Nähen) wiederum zertifizieren lassen. Dass wir der wohl der einzige Hersteller von echter, 100%iger Ökomode sind, und dies aus reiner Selbstverpflichtung, interessiert dabei nicht.
Warum aber funktioniert manomama trotzdem? Weil wir zu 100 % transparent sind. Das schafft natürliches, langsam wachsendes Vertrauen. Und das denke ich, ist viel mehr wert als ein Siegel. Wir öffnen Tür und Tor zu unseren Lieferanten, lassen euch in unsere Produktion sehen und haben keine Geheimnisse.
Bei einem neuen Sozial-Siegel würden Mindest-Sozialstandards definiert, die es dann – schon rein aus Preiserzielungsgründen (die Umfrage besagt, dass Konsumenten bist zu 10 Euro mehr für ein Produkt ausgeben würde, wenn es “sozial” produziert würde) – von den Unternehmen eingehalten würden.
“Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füge auch keinem anderen zu!”
heißt ein altes Sprichwort. Wenn wir Unternehmer uns schlicht an diesen alten Satz erinnern, braucht es kein Siegel. Warum ich der Meinung bin? Weil es funktioniert. Weil ich es tagtäglich erlebe – in unserer Produktion, bei meinen Manomamas.
















