Mein Mann Stefan (auf Twitter @golf_wolf) hat gestern eine intensive Diskussion mit einigen Mitgliedern (meist kinderlose Karrieristen – was bitte nicht negativ zu werten ist) in einem Forum gehabt. Es ging um Frauenquoten in Unternehmen. Was er schrieb hat mich tief bewegt. Weil es stimmt. Und weil ich es toll finde, solch einen Mann an meiner Seite zu haben.
“Frauenquote? Das brauchen wir nicht. Ich lass mal bewusst den Terminus Frau aus der Diskussion raus, weil für mich die Diskussion Kind oder Job nicht primär vom Geschlecht abhängig ist.
Ich schreibe nicht Kind oder Karriere, denn das, was ich bei den berufstätigen Familienvätern und -müttern in meinem Umfeld erlebe, ist nicht Karriere machen, sondern Sicherung des Lebensunterhalts. Egal, wer von Beiden sich dafür entscheidet zugunsten der Kinderbetreuung aus dem Job auszuscheiden, hat anschließend Probleme, wieder einen zu bekommen und sei es nur, weil ihm/ihr das Stigma des zu Hausegebliebenen anhaftet. “Das könnte der/die ja nochmal machen. Was ist wenn die Kinder krank werden…? ” denkt sich da der Personalverantwortliche und stellt lieber den Single-Mann ein.
Die goldenen Zeiten, als der Durchschnittsverdiener von der Ausbildung bis zur Rente im selben Betrieb arbeiten konnte und somit mit einer hohen Sicherheit für das Auskommen der Familie sorgen konnte sind in Zeiten des sog. Humankapitals leider auch vorbei. Frauen oder Männer, die sich daher entschliessen, ihren Job nicht zugunsten des Hausfrauen/männer-Daseins aufzugeben, machen dies nicht, weil sie “karrieregeil” sind, sondern weil sie die Wahrscheinlichkeit verdoppeln, dass das Haushaltseinkommen nicht durch staatliche Transferleistungen bestritten wird.
Die Forderung an Eltern zugunsten von Erwerbstätigkeit auf Kinder zu verzichten ist volkswirtschaftlich und gesellschaftspolitisch extrem kurzsichtig. Auf der einen Seite sollen staatliche Hilfsleistungen für Nichterwerbstätige radikal gekürzt werden, auf der anderen Seite sollen gut ausgebildete Erwerbstätige sich ebenfalls unter den staatlichen Rettungsschirm flüchten, weil sie gefälligst zuhause bei Ihren Kindern zu bleiben haben. Die Rente zahlt dann wer ?
Ich glaube bei den meisten ist noch gar nicht angekommen, dass die Kinder die Zukunft unserer Gesellschaft darstellen. Und diese sollten, wenn möglich, als Vorbild Eltern haben, die sich in einer modernen Arbeitswelt zurechtfinden und nicht einem Familienideal aus den Wirtschaftswunderzeiten nachhängen.
Wir brauchen keine Quote, die Rahmenbedingungen für Erziehende müssen verbessert werden. Das geht im Kindergartenalter los, im dem berufstätige Eltern, die nicht in einem Ballungsraum wohnen, zwischen den Betreuungsplätzen Ihrer Kinder gut und gerne wöchentlich 400 km zurücklegen. Das setzt sich in der Grundschule fort, die ja selten länger als bis 11.00 Uhr dauert und mit Ferienzeiten aufwartete, die durch Berufstätige nur dadurch aufgefangen werden könnene, dass beide Ihren Urlaub getrennt voneinander nehmen.
Die wenigen vorbildlichen Unternehmen, die familienfreundliche Rahmenbedingungen für Ihre Mitarbeiter schaffen, können wir an den Fingern einer Hand abzählen. Die meisten machen nur das Nötigste, damit sie bei der CSR keine Abzüge in der B-Note bekommen. Lieber baut man ein SOS-Kinderdorf in Guatemala, als einen Betriebskindergarten. Da ist dann der “Impact” in Punkto PR grösser – schon klar.
Und bevor sich diese Rahmenbedingungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen nicht verbessern, brauchen wir uns meines Erachtens über eine Frauenquote keine Gedanken machen.”
















