Einer Sache hinfiebern ist ja bekanntlich ein altes Sprichwort. Dass man das wörtlich nehmen kann, habe ich erfahren dürfen. Gestern, nach wochenlangem Kampf für eine Halle, gegen die Kälte, nach ordentlich Strom und, und, und war die erste große Hürde genommen: die Halle, künftig kurz H5, war betriebsbereit und ich lag spät nachmittags weit über Betriebstemperatur auf dem Sofa.
Hab’ mir die letzten Wochen und vor allem Wochenenden noch einmal durch den Kopf gehen lassen und war so stolz – wir haben es geschafft. Wir, das heißt vor allem meine fleissigen Helfer: neben meinen beiden Männern, die unermüdlich mit Rat und Tat zur Seite standen, waren Mario, Benny, Arno, Thomas, Sonja, Angie, Miriam, Sascha, Axel, Andrea, Raphael, Heinz, Roger – sprich, meine Augsburger beherzt dabei.
“Wir ein bissl später” hieß die Direct Message auf Twitter, als Hannes und seine Frau dank Schneegestöber auf der Autobahn kurz vor Stuttgart standen, “aber wir kommen und helfen”. Und sie kamen. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn ohne Hannes, den größten aller Helfer, hätten wir heute noch keinen Strom, denn: unser 5 Meter hohes Gerüst war für uns alle zu kurz, um die Leitungen an der Decke zu verankern. Für Hannes reichte es!
“Du, wo hernocht isn die Adressn, waschd, wo mä helfn kann”, ruft mich in breitem fränkischen Dialekt eine Stimme an: Near Nämberch was calling, die @breetwo. Unverwechselbar. “Äh, weißt hinter der Citygalerie, wo wir mal im Kino waren”, sagte ich ahnungslos. “Bis glai”, schmunzelte mir Susi entgegen und fünf Minuten später stand sie da – und brachte den richtigen Durchblick in 100 m² Glas. Ja, es war eine scheiß Arbeit, die Folien von den Fenstern zu ziehen, aber wir haben es geschafft – und heute sind wir eingezogen in unsere gläserne Manufaktur.
Ohne alle meine Helfer hätten wir es niemals geschafft, heute den Startschuss setzen zu können, mit ihnen konnten wir wir unendlich viel bewegen – allen voran rund 40 neue Mitarbeiterinnen heute. Die nämlich waren hin und weg von ihrem neuen Arbeitsplatz.
“Des glaobt der koaner”, sagt Hilde zu mir, meine (neue) Produktionsleiterin. “Des muasst derlebn!” Und was wir heute erlebten, war einfach grandios: wundervoll gut gelaunte, motivierte Menschen, die Spass an der Einarbeitung hatten. Die sich gemeinsam halfen und helfen und aufeinander eingehen. Die sich gegenseitig Kniffe zeigten und zuhörten, wenn Erfahrenere ihnen neues lehrten. Die mit Freude am Werk sind.
Freilich taten sich die ein oder andere noch schwer, eine Dame hat nach dem Testtag sogar entschieden, dass eine industrielle Nähmaschine nicht ihr Freund wird, wie sehr sie sich auch mühte.
Ich glaube, es wird tagtäglich noch viele Rückschläge geben, kleinere wir große. Aber die letzten Wochen haben mich eines gelehrt: gemeinsam können wir Unglaubliches schaffen. Und das, was meine Ladies hier die nächsten Wochen machen, wird unglaublich sein. Unglaublich gut. Da bin ich mir sicher.
Euch einen schönen Abend,
eure Sina














