Archiv für den Monat Februar 2012

Tag 1 in der neuen Halle.

Montag, 27. Februar 2012 8 Kommentare »
Abgelegt unter Hinter den Kulissen

Einer Sache hinfiebern ist ja bekanntlich ein altes Sprichwort. Dass man das wörtlich nehmen kann, habe ich erfahren dürfen. Gestern, nach wochenlangem Kampf für eine Halle, gegen die Kälte, nach ordentlich Strom und, und, und war die erste große Hürde genommen: die Halle, künftig kurz H5, war betriebsbereit und ich lag spät nachmittags weit über Betriebstemperatur auf dem Sofa.

Hab’ mir die letzten Wochen und vor allem Wochenenden noch einmal durch den Kopf gehen lassen und war so stolz – wir haben es geschafft. Wir, das heißt vor allem meine fleissigen Helfer: neben meinen beiden Männern, die unermüdlich mit Rat und Tat zur Seite standen, waren Mario, Benny, Arno, Thomas, Sonja, Angie, Miriam, Sascha, Axel, Andrea, Raphael, Heinz, Roger – sprich, meine Augsburger beherzt dabei.
“Wir ein bissl später” hieß die Direct Message auf Twitter, als Hannes und seine Frau dank Schneegestöber auf der Autobahn kurz vor Stuttgart standen, “aber wir kommen und helfen”. Und sie kamen. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn ohne Hannes, den größten aller Helfer, hätten wir heute noch keinen Strom, denn: unser 5 Meter hohes Gerüst war für uns alle zu kurz, um die Leitungen an der Decke zu verankern. Für Hannes reichte es!

“Du, wo hernocht isn die Adressn, waschd, wo mä helfn kann”, ruft mich in breitem fränkischen Dialekt eine Stimme an: Near Nämberch was calling, die @breetwo. Unverwechselbar. “Äh, weißt hinter der Citygalerie, wo wir mal im Kino waren”, sagte ich ahnungslos. “Bis glai”, schmunzelte mir Susi entgegen und fünf Minuten später stand sie da – und brachte den richtigen Durchblick in 100 m² Glas. Ja, es war eine scheiß Arbeit, die Folien von den Fenstern zu ziehen, aber wir haben es geschafft – und heute sind wir eingezogen in unsere gläserne Manufaktur.

Ohne alle meine Helfer hätten wir es niemals geschafft, heute den Startschuss setzen zu können, mit ihnen konnten wir wir unendlich viel bewegen – allen voran rund 40 neue Mitarbeiterinnen heute. Die nämlich waren hin und weg von ihrem neuen Arbeitsplatz.

“Des glaobt der koaner”, sagt Hilde zu mir, meine (neue) Produktionsleiterin. “Des muasst derlebn!” Und was wir heute erlebten, war einfach grandios: wundervoll gut gelaunte, motivierte Menschen, die Spass an der Einarbeitung hatten. Die sich gemeinsam halfen und helfen und aufeinander eingehen. Die sich gegenseitig Kniffe zeigten und zuhörten, wenn Erfahrenere ihnen neues lehrten. Die mit Freude am Werk sind.

Freilich taten sich die ein oder andere noch schwer, eine Dame hat nach dem Testtag sogar entschieden, dass eine industrielle Nähmaschine nicht ihr Freund wird, wie sehr sie sich auch mühte.

Ich glaube, es wird tagtäglich noch viele Rückschläge geben, kleinere wir große. Aber die letzten Wochen haben mich eines gelehrt: gemeinsam können wir Unglaubliches schaffen. Und das, was meine Ladies hier die nächsten Wochen machen, wird unglaublich sein. Unglaublich gut. Da bin ich mir sicher.

Euch einen schönen Abend,

eure Sina

Sklavenhändler reloaded.

Mittwoch, 01. Februar 2012 49 Kommentare »
Abgelegt unter Sinas private Gedanken

Bereits im letzten Blogeintrag schrieb ich über diese unverschämten, bodenlos hartnäckigen Sklavenhändler. Was aber gestern passierte, schlägt dem Fass den Boden aus. Völlig fertig (ja, das soll es auch bei mir mal geben ;) ) verzog ich mich nach einem wirklich schönen Drehtag mit einem tollen Fernsehteam auf das Sofa. Meine Augen brannten und mir war kalt. Das Fieberthermometer bemüht, zeigte es mir erhöhte Temperatur an. Wärmflasche gemacht, Tee gelitert und Homeoffice von der Couch aus.

„Sina, für Dich rief ein Herr XXX (Zu gerne würde ich euch die Namen nennen, aber das alles werde ich an die Presse geben, weil es eine Dreckssauerei ist) der Zeitarbeitsfirma XXX an. Er hat sich nicht abwimmeln lassen, weil er dir, wörtlich “ein einmaliges Sonderangebot” unterbreiten will“, rief mich Felix, mein Mitarbeiter an. Als er merkte, dass ich einfach matschig in der Birne war, schrieb er mir folgende Mail:

„Hi Sina, folgendes:
ein Herr XXX von der Zeitarbeitsfirma XXX – Ostdeutschland wollte dir ein Sonderangebot unterbreiten. Dass, (hat er wirklich so gesagt) wenn du jetzt 10 Langzeitarbeitslose bestellst, du nur 6 zahlst und pro Arbeiter geringe Kosten von nur 3,50€/h hast. Diese Kondition wurde extra erst kürzlich mit der Bundesagentur für Arbeit verhandelt und das Angebot kann er Dir jetzt machen, weil er es deutschlandweit anbieten kann.
Ich habe ihn natürlich darauf hingewiesen, dass dein Interesse hinsichtlich Zeitarbeit äußerst gering ausfällt, doch er besteht ausdrücklich darauf, dich am Donnerstag noch einmal persönlich zu sprechen, trotz meines Bekundens, dass dieses Gespräch wohl fruchtlos wäre, sollte es denn überhaupt stattfinden. Ich wollte es dir nur mal im Voraus schreiben, da du dir schon einmal der Ironie bewusst sein kannst, dass er als Personaldienstleister ausgerechnet eine Unternehmerin wie dich versucht zu kontaktieren.“

Dreimal habe ich die Mail gelesen. Meine erhöhte Temperatur stieg auf kampfeslustige Betriebstemperatur. Lieber Herr XXX, sollten Sie es wagen, mich am Donnerstag auch nur eine Sekunde meiner kostbaren Zeit zu belästigen, dürfen Sie sich warm anziehen. Ihr Menschenhändler-Pack könnt mir gestohlen bleiben. Wie, gottverdammt, wie kann man Menschen zu „Sonderangebots-Bundles“ zusammenfügen und anpreisen wie sauer Bier? Schämt ihr euch nicht? Geht nach Hause und denkt einmal darüber nach, was ihr hier überhaupt treibt!

Was mich betrifft, werde ich diese die in den letzten zwei Wochen gesammelten Informationen schön strukturieren, aufbereiten und an die Stellen geben, die es öffentlich machen. So lange, bis die Menschen aufstehen und sich weigern, für euch Material zu spielen. So lange, bis es euch nicht mehr gibt.

Und wenn ihr, liebe Menschenhändler und Sklaventreiber, der Meinung seid, mir eine Anzeige wegen Beleidigung ans Bein binden zu müssen – nur zu. Wir werden dem entgegensetzen. Dann werde ich Anzeige erstatten. Verletzung des Grundgesetzes. Denn: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Eure Sina


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