Archiv für den Monat Oktober 2011

Nicht was, sondern warum.

Sonntag, 30. Oktober 2011 Keine Kommentare »
Abgelegt unter Presse

Liebe Frau Grix,

als verantwortliche Redakteurin der BAMS-Sonderveröffentlichung darf ich Ihnen mein Kompliment aussprechen. Gut gelungen, Ihr Potpourri der „Frauen von morgen“. Und ja, es freut mich, dass auch mein Konterfei unter den Ausgewählten ist.

Was mich hingegen mehr als verwundert, ist der Begleittext. In meinem Fall ist für Sie eine „Frau von morgen“, wenn sie auf lustige Weise Biotaschen und Regiotextilien verkauft. Mal überspitzt ausgedrückt. Jetzt könnten wir beide natürlich sagen, es sei dem Zeilenplatz geschuldet. Oder aber möglicherweise ihrer Leserschaft.  Und beide wissen wir, dass dem nicht so ist.

Dass wir das erste Social Business (ein nicht auf monetären Gewinn ausgerichtetes Unternehmen) im Textilbereich sind, dass wir Textilien vom Garn über den Stoff bis zur Konfektion in einem regionalen Kreislauf produzieren und somit zahlreiche Arbeitsplätze im Zulieferbereich sichern, dass wir auf absolute Kompostierfähigkeit achten, all das hatte keinen Platz. Ist auch nicht schlimm. Allesamt interessante Punkte, aber nicht wichtig. Denn: Das alles beschreibt, was wir tun.

Was mir aber wichtig gewesen wäre, ist, warum wir es tun. Warum ich mein Leben umkrempelte, warum ich einen sicheren und gut dotierten Job an den Nagel hing und nun „in Textil mache“.

Darf ich Ihnen verraten, warum?
Weil ich Menschen, die in unserer Gesellschaft niemand mehr für den ersten Arbeitsmarkt einplant, wieder in einen sinnvollen Job bringen möchte. Weil ich Menschen, die im ersten Arbeitsmarkt sich mit einem ausgewachsenen Burnout verabschiedet haben, bei uns durch eine Ausbildung oder Umschulung im Rahmen ihrer Fähigkeiten wieder eine Chance geben möchte. Eine Chance, nicht nur für sich selbst zu sorgen, sondern wieder Mitglied unserer Gesellschaft zu werden. Weil ich aktiv einstehe für unternehmerische Verantwortung, die nicht – wie es heute der Fall ist – spätestens an den Werkstoren aufhört. Das, liebe Frau Grix, ist für mich Aufgabe einer „Frau von morgen“.

Ist Ihnen diese Geschichte (übrigens wie vielen Ihrer Zeitungskollegen) zu „nett“, fehlt Ihnen da die publikationsnotwendige Brise „Skandal und Empörung“? Auch dann kann ich Ihnen gerne weiterhelfen – und Sie würden mir helfen. Nutzen sie die Kraft Ihres Mediums und schreiben Sie doch einfach mal darüber, wie ein Unternehmen wie unseres mit allen Institutionen und allen Instanzen kämpfen muss, nur weil es anders ist und sich dafür niemand verantwortlich fühlt, weil wir uns um Menschen kümmern, die man bereits abgeschrieben hat!

Gerne lasse ich mich von Ihnen und Ihrer Zeitung eines Besseren belehren. Gerne BILDe ich mir meine Meinung neu.

 Auf eine Antwort freue ich mich,

herzliche Grüße
Sina Trinkwalder

P.S. Ich habe eine freundliche Antwort erhalten.

100 Frauen von morgen…

Sonntag, 30. Oktober 2011 Keine Kommentare »
Abgelegt unter Presse

Liebe Land-der-Ideen-Redaktion,
liebe Bild am Sonntag,

vielen herzlichen Dank, dass ihr diese tolle Aktion “100 Frauen von morgen” startet. Und danke auch, dass ich mich dort wiederfinden durfte. Als ich den Text las, war ich etwas verwundert. Schließlich habt ihr doch einen Fragebogen vor einigen Monaten an mich versandt. Den fand ich sehr charmant und persönlich. Eigentlich dachte ich, dass dieser Fragebogen auch Basis der Zeilen würde, die ihr schreibt. Und weil ich diesen Fragebogen einfach toll finde, honorieren wir ihn einfach hier:

1. Was war Ihre beste Idee und wie sind Sie darauf gekommen?
Meine beste Idee war eine Gemeinschaftsidee meines Mannes und mir: unseren Sohn zu bekommen. Er nämlich ist Faisor meines radikalen Umdenkens: vom Ich zum Wir.

2. Dusche oder Disko -wo habe Sie die besten Ideen?
Ideen finden mich, egal an welchem Ort. Für die griffige Ausarbeitung der Ideen gehe ich am liebsten in einen bayerischen Biergarten. Im Winter ins Cafehaus. Ich brauch’ eine Geräuschkulisse um mich herum. Und Kulinarisches.

3. Welche Ideen hätten Sie gerne gehabt?
Ich gönne jedem eine tolle Idee und kann mich mitfreuen. (Vielleicht weil ich weiß, wie es ist, gute Ideen zu haben)

4. Für mich ist Deutschland das „Land der Ideen“, weil…
…in unserem Land der Raum und die Freiheit, zu dichten, was man denkt, wohl am
größten auf unserer Welt ist.

5. Nennen Sie drei Dinge, die erfunden werden müssten, wenn sie nicht schon erfunden wären.
Musik, Sonne, Internet.

6. Von welchem Beruf haben Sie als junges Mädchen geträumt?
Um ehrlich zu sein: von keinem. Ich konnte mich nicht entscheiden zwischen Grafikdesignerin, Opernsängerin und Weltretterin. Letzteres ist es dann wohl geworden.

7. Was ist Ihre größte Stärke?
Menschen begeistern zu können, kompromisslos konsequent Ziele verfolgen, Beharrlichkeit.

8. Worin wären Sie gern besser?
Geduld, Ordnung.

9. Welche Frau hat Sie am meisten beeinflusst und warum?
Hm, weder Frau noch Mann. Ich glaube, irgendwann findet man seinen Weg, der auf einen wartet -und diesen geht man dann. Wenn es um die Frage ginge, welche Frau mich am meisten inspiriert, würde ich meine  Schwiegermutter nennen. Von ihr lerne ich, dass, egal wie es kommt, es geht.

10. Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Nach wie vor vorreitend in der ökonomischen Gestaltung. Ich bin nämlich kein Mensch für politische Kompromisse .

11. Haben Sie ein großes Ziel, eine Vision?
Mein Ziel ist es, mit meiner ganzen Kraft innerhalb meines Wirkungskreises mich für ein besseres Leben aller Menschen in unserer Gesellschaft einzusetzen. Dazu gehören im Fokus bessere Ausbildungschancen für Schulabbrecher, Mindestlöhne und freier Zugang für alle von Bildung, Gesundheit und Kultur.

12. Gibt es einen Leitsatz in Ihrem Leben?
Dum progredior cresco -Solange es geht, geht es besser.

13. Was wurden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben, um Ihre Ziele zu erreichen?
Nicht lange nachdenken, einfach machen. Zielstrebig mit Mut und Menschenverstand seinen Weg gehen. Stets dabei respektvoll gegenüber allen (Mensch & Natur) handeln. Dann nämlich agiert man nachhaltig.

14. Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: „Wenn ich ein Mann wäre, …“
…dann wäre nichts anders! Wünschte ich.

Echte Ideale sind tragbar.

Montag, 17. Oktober 2011 8 Kommentare »
Abgelegt unter Rund um manomama-Produkte, Sinas private Gedanken

Mein gestriger Blogeintrag zum Thema “Echte Ideale – Danke kik!” hat euch ziemlich bewegt – wie mich. Und weil viele von euch fragten, drucken wir euch gerne ein T-Shirt mit (Dank meinen Satzzeichensicheren Followern haben wir auch gleich den Grammatikfehler, der im Original steckt, ausgemerzt). Wir bitten euch, eure Shirts bis spätestens Donnerstag, 20.10. zu bestellen, damit wir das noch rechtzeitig zu meinem Termin (wo ich plante und plane, das Ding zu tragen) mit Produktion und Druck hinbekommen. Und ja, wir würden uns riesig freuen, wenn wir auf unserer Facebook-Seite ein Foto von euch postet. Let’s rock & rebell – mit echten Idealen.

Herren-Shirt "Echte Ideale"

Damen-Shirt "Echte Ideale"

Damen-Shirt "Echte Ideale"

 

Eure Sina
Um zu bestellen, einfach auf das gewünschte Bild oben klicken! ;)

Danke, kik!

Sonntag, 16. Oktober 2011 64 Kommentare »
Abgelegt unter Sinas private Gedanken

Dreimal fing ich den Blogeintrag mit dem Satz „wir leben in einer verkehrten Welt“ an. Das aber wissen wir ja. Wir fühlen, dass etwas nicht stimmt. Gestern war dann einer dieser Tage, die mir dieses Gefühl wieder deutlich erlebbar gemacht haben. Nicht, weil ich mir etwas verloren auf der Occupyday-Demonstration vorkam. In Augsburg fand sich dort so ziemlich jede politische Randgruppe, die für ihre ureigenen Pfründe kämpfte. Eine gemeinsame, echte Bewegung und vor allem ernsthalte Lösungsansätze habe ich sowohl bei den Rednern als auch bei den Demonstranten vermisst. Einfach nur „scheiße“ zu schreien“, ist mir nun mal zu wenig.

Das aber war es nicht. Es war die Anzeige des Textildiskonts „kik“ in der aktuellen stern-Ausgabe. Ich habe dreimal hingesehen, den Slogan mindestens fünfmal gelesen. Ein Foto gemacht und getwittert. Neben zahlreichen „#wtf“ oder „Um Gottes Willen“ gab es auch viele Fragen wie „Ist das wirklich echt?“ bis hin zu „Sina, hör mit dem Photoshoppen auf!“. Und da war er dann wieder, der Satz: „Verdammt, wir leben in einer verkehrten Welt!“. Nicht, weil es ernsthaft Menschen gab, die mir das Verfälschen von Dokumenten anlasten wollten, sondern aufgrund der Anzeige selbst.

„Lieber echte Karriere als falsche Ideale“ ist dort zu lesen. Ich ging die Zeilen wieder und wieder durch – und war schlichtweg baff. Seit Monaten kämpfe ich für mehr Ehrlichkeit. Woche für Woche ärgere ich mich über dieses unsägliche Greenwashing dieser Pseudo-Nachhaltigkeitsmarken und Möchtegern-Biofirmen. Und dann war sie auf einmal da, die Ehrlichkeit. Die blanke. Von einem Konzern, der bereits mehrfach in der Vergangenheit aufgrund seiner „vorbildlichen“ Arbeitsbedingungen im Land und in den Produktionsstätten in den Medien war – und ist. Ehrlichkeit, so hart, dass man sie schlicht für „verkehrt“ halten muss. 100%ige Ehrlichkeit von kik.

„Lieber echte Karriere als falsche Ideale“ ist der blanke Hohn gegenüber all jenen, die ernsthaft am globalisierten, ausbeuterischen Weltgeschehen etwas ändern möchten. „Lieber echte Karriere als falsche Ideale“ ist die reine Wahrheit aus dem Hause kik, adressiert an potentielle Arbeitnehmer dieser Kette. „Hört auf, euch über das Weltverbessern Gedanken zu machen und startet eure Karriere bei uns“, will diese Anzeige dem Leser kommunizieren. Denkt nicht an andere, denkt an euch. Scheißt auf Kinderarbeit und Umweltverschmutzung, gönnt euch gleich den Teamleiterposten bei uns. Jetzt werden die Zeiten so hart, da müsst ihr an euch denken – der reine Egoismus.

Ganz subtil steht oben rechts, dass die „Schwester“ dieser unheimlich überzeugend grinsenden Blondine auch bald bei kik den Karrierestart beginnt. Erinnert mich an die seriöse Vertriebsstruktur von Versicherungen: da wird den freien Handelsvertretern auch beim „Kik-off“-Meeting erklärt, erst einmal innerhalb der Familie die Policen zu verscheppern, das brächte dann Vertrauensbonus im nächsten Kreis.

Am Schluss, ganz unten in breiten Lettern, erfährt der Leser, was kik wirklich ist: ein Chancengeber. Und ja, das gibt kik. War der Textildiskont bis dato einer von vielen (denn die anderen Billigheimer sind keineswegs besser – und ja, das wissen wir) ist kik der erste, der sich hinstellt und klar kommuniziert. Eindeutig die Richtung für die Branche vorgibt und „falschen Idealen“ den Kampf mit richtigen Karrieren ansagt.

Es ist die Chance für uns alle, uns hinzustellen und zu rebellieren:

Eure Sina

 P.S.: Ja, das unsere Bild wurde photogeshopped. Und zwar so richtig. Dafür geht am Montag mein erstes “Lieber echte Ideale”-T-Shirt in den Druck. Und ich freu mich drauf.

manomama trifft Wiesenhof

Donnerstag, 06. Oktober 2011 42 Kommentare »
Abgelegt unter Sinas private Gedanken

Die Reaktion auf meinen offenen Brief an Herrn Wesjohann, den Inhaber des Geflügelkonzerns Wiesenhof, war, wie ihr vielleicht mitbekamt, überraschend: er schlug ein Treffen vor. Und das war dann vergangene Woche. Ich hatte keine Lust, mich mit ihm in einem Stall zu treffen, ich wollte mit ihm kochen. Gemeinsam Hühnchen verkosten – und uns nebenzu unterhalten. Mich interessierte der Mensch hinter der Marke, der Kopf eines Unternehmens. Jener Firma, die seit zwei Jahren ordentlich Schlagzeilen um die Ohren geweht bekommt. Nach der ARD-Reportage war ich mir sicher: zurecht. Ich fragte vorab, ob ich das Gespräch aufzeichnen dürfte, schließlich wollte ich es euch zeigen. Nach dem “Ja, selbstverständlich” wählte ich meine “Waffe”: Christian Pier. Er produziert Webmovies, mal hochprofessionell, mal – wie in meinem gewünschten Fall – dezent im Hintergrund filmend. Das Hauptargument für mich bei Christian war (weil ich es wußte): er ist aktiver Wiesenhof-Gegner und engagiert sich diesbezüglich.

Mal ehrlich: Nach unserem Gespräch haben Christian und ich noch einen Kaffee getrunken. “Und, welchen Eindruck hast Du von Wesjohann und Wiesenhof”, frage ich ihn. “Ein konservativer Unternehmer, gesprächsbereit und überzeugt von seinen Idealen, aber das Gegenteil von einem skrupellosen Fleischverarbeiter, den man sich als Angriffsziel wünscht”, antwortet Christian.

Was war mein Eindruck? Herr Wesjohann ist ein Unternehmer alten Schlags, auf Profit und das Wohl seiner Firma konzentriert. Dies alles im Rahmen gesetzlicher Vorgaben. Man könnte behaupten: er ist wie unzählige andere, traditionelle Unternehmer. Nicht mehr und nicht weniger. Aber er ist kein Unternehmer, wie ich ihn mir wünschte: Verantwortung gegenüber der Schöpfung über die Werkstore hinaus, unternehmerisches Handeln mit deutlicher Wirkung in die Gesellschaft, Entscheidungen fällend, die finanzielle Einbußen, dafür eine bessere Zukunft mitsichbringen.

Kurz: unternehmerisch stehen wir nach wie vor auf verschiedenen Seiten. Menschlich hingegen hab ich ihn während des Kochens schätzen gelernt. “Liebe geht durch den Magen” wäre übertrieben, aber ich habe einen erfahrenen Familienunternehmer kennengelernt, der sehr wohl Werte vertritt und nach diesen handelt.


Bloggeramt.de - manomama Gründerzeit-Blog Blogverzeichnis - manomama Gründerzeit-Blog blogoscoop - manomama Gründerzeit-Blog Best Green Blogs Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Top Liste - by TopBlogs.de