Archiv für den Monat September 2011

50 Cent mehr sind viele Euros weniger.

Freitag, 30. September 2011 4 Kommentare »
Abgelegt unter Sinas private Gedanken

Eben las ich, dass heutzutage doppelt so viele Arbeitnehmer einem Zweitjob nachgehen als im Jahre 2003. Dies nur, um über die Runden zu kommen. Nicht, um sich großartigen Luxus leisten zu können. Eine Meldung, die deutlich weniger Relevanz in den Medien erhält als die gestrige: „Niedrigste Arbeitslosenquote (3,4 Prozent) in Bayern seit Jahren!“.

Es mag sein, dass wir weniger Arbeitslose haben. Gefühlt. Vergessen wir nicht die vielen Menschen, die in irgendwelchen sinnlosen Maßnahmen hängen und somit aus der Statistik geputzt sind.

Es mag sein, dass mehr Menschen Arbeit haben. Aber, wie die heutige Meldung zeigt, keine gute. Keine, die bei 40 Stunden Arbeitsleistung den Arbeitenden ordentlich überm Wasser hält. Von Urlaub ganz zu Schweigen.

Aber dafür gibt es ja den Zweitjob. Tolle Minijobs. Nichts gegen Minijobs, wenn sie Erstbeschäftigung sind von Frauen zum Beispiel, die langsam wieder in den Beruf einsteigen möchten, während die Kinder noch intensive Betreuung brauchen. Aber: Feine Sache für Unternehmer, die mit „billigen“ Arbeitskräften echte Jobs substituieren und dabei einzige Möglichkeit für Arbeitnehmer, ein zusätzliches Einkommen außerhalb der Erstjobarbeitszeiten zu generieren. Das ist nicht nur krank, das macht auch krank.

Was die wenigsten bedenken, es belastet in doppeltem Sinne: Zum einen müssen die Anforderungen beider Tätigkeiten erst einmal unter einen Hut gebracht werden. Die Fahrtzeiten dazwischen von Job A zu Job B machen den Arbeitstag noch (unnötig) länger. Das geht dauerhaft in die Knochen. Die andere Seite ist, dass immer weniger Zeit und Raum bleibt, sich zu erholen. Schließlich wird das Fenster der „Rekonvaleszenz“, im Kreise der Familie, beim Sport, wo auch immer, stets kleiner. Ebenso die Kraft, sich nach einem anstrengenden Tag noch irgendwie mit etwas anderem zu beschäftigen, um „herunterzukommen“. Worin das endet, können wir mittlerweile wöchentlich auf einem Cover irgendeiner Publikumszeitschrift lesen. Diese Woche, der stern: „Burnout“.  Ein Scheiß.

Warum ich euch das erzähle? Ich sitze gerade über der Kalkulation eines lang geplanten und für uns, also manomama, wirklich großen Projekts und enormen Schritts in Sachen „Wir bringen es wieder heim“. Über 30 Arbeitsplätze können so auf einen Schlag geschaffen werden, weil wir Produkte wieder hier produzieren, die längst nach Asien verloren geglaubt sind. Ich hab den indischen Preis des Endprodukts (was bei mir gerade einmal die reinen Kosten für den Stoff sind, der hier in Deutschland aus EU-kba-Baumwolle gewebt wird).

Und nun stehe ich vor einer Zwickmühle: Drei-Schicht-Vollakkord in meiner Näherei und ich könnte die Stoffkosten einigermaßen abfedern oder Produktion ohne Nachtarbeit und Vollakkord – und wir werden um einiges teurer, vielleicht 50 Cent pro Stück. Puh, dachte ich mir, ein ganz schöner Pappenstil. Aber – da war ja noch die Meldung von heute.

Am Ende wird der Konsument, also wir alle, es zahlen müssen: entweder 50 Cent oder  - indirekt über Sozialabgaben und Rentenversicherung – die immensen Rehabilitationskosten für all die Menschen, die wir durch überfordernde, ja inhumane Arbeitsbedingungen kaputt machen. Auf einmal sind 50 Cent für mich richtig klein, denn ich weiß seit unseren Umschülern, die wir aufgenommen haben (kommen beide aus Renventersicherungsmaßnahmen, da sie Opfer des ersten Arbeitsmarktes sind), was die Rehabilitation an Engagement Zeit und Geld kostet.

Ich werde nun nicht das „billig“ scheinende Angebot fertigschreiben, sondern das langfristig günstigere.
Euch einen wunderschönen Tag,
eure Sina

Ruhigstellen, nicht helfen.

Freitag, 23. September 2011 18 Kommentare »
Abgelegt unter Hinter den Kulissen

Im letzten Blogeintrag habe ich euch ja davon erzählt, wie mein Besuch so bei der Regierung von Schwaben war (Soziales ist Privatsache). Der Termin basierte auf der Empfehlung seitens der bayerischen Staatskanzlei. Dass daraus nichts wurde, habe ich in den vergangenen Tagen einigermaßen verarbeitet. Schließlich hatte ich ja immerhin noch den Strohhalm der Stadt Augsburg. Diese zog anfangs überhaupt nicht und, wie berichtet, irgendwann Mitte Juli, waren auf einmal doch Räumlichkeiten gegenüber dem Textilmuseum frei.

 Wir trafen uns mit zwei wirklich netten städtischen Mitarbeitern, die meiner Begleitung (einem Anwalt übrigens, weil ich im Laufe der Zeit gelernt habe) und mir auch erzählten, dass das Objekt kaum vermietbar sei und wir ein schönes Konzept für einen Ökoshowroom erarbeiten sollten, dann würde das schon mit einer symbolischen Miete und so…

Einige Wochen vergingen und heute eben bekam ich einen Anruf – von der Stadt. Dem netten, wirklich sympathischen Mitarbeiter. Er riefe mich an, weil der Verantwortliche und auch die Entscheider der Sache ja so völlig mit anderen Dingen beschäftigt seien. Wir sprachen über die Schule unserer Kinder, über Waldkindergärten, schlicht, über verschiedenste Dinge. Und dann am Schluss noch kurzerhand über die Flächen gegenüber dem Textilmuseum. Und jetzt ratet mal, was die freundliche Stimme am anderen Ende des Hörers mir mitteilen musste? Richtig – das Konzept von uns sei wirklich toll, aber die schier unvermietbaren Flächen werden jetzt dringend notwendiger Besucherraum für das Augsburger Stadtarchiv. Deshalb könne die Stadt uns leider nicht berücksichtigen.

Tja, die Stadt, die schwäbische Regierung, die Landesregierung und auch die Bundesregierung – schätzen so sehr, was wir tun. Aber selbst etwas dafür tun? Nein. Mit unzähligen Terminen und verheißungsvollen Versprechnungen stellen sie uns ruhig und lassen uns warten, helfen ist gar nicht im Sinn. Wenn ich daran denke, schmerzen mir meine Hundertausende von Euros, die meine Werbeagentur schon der Stadt als Gewerbesteuer gezahlt hat und zahlt. Ehrlich.

Ich gönne mir jetzt in der Herbstsonne einen Kaffee, und gehe Nachdenken. Schließlich haben sich die Karten wieder verworfen, kein Ökoshowroom. Und ich muss zusehen, ein neues Blatt auf die Hand zu bekommen.

Genießt den Tag,

liebe Grüße

Sina

Ich gebs auf.

Montag, 19. September 2011 21 Kommentare »
Abgelegt unter Gründerzeit-Geschichten, Hinter den Kulissen

Ich hatte nicht mal mehr daran gedacht. Erst, als ich zum Briefkasten ging und die bayerischen Löwen, die das blau-weiße Wappen stützen, sah, fiel es mir wieder ein: „Mensch, die Antwort vom Staatskanzleichef“. Anfang September. Auf unser geführtes Gespräch Ende März. Für die Verzögerung bei der Beantwortung bäte er ums Verständnis, unterstütze mein Projekt und das verfolgte Ziel dafür ausdrücklich. Las ich. Auch, dass er die Minister für Wirtschaft und Finanzen, Zeil und Fahrenschon, bereits informiert habe und jene ausdrücklich dafür gebeten habe, sich für eine Förderung meines Projektes einzusetzen.

Ich war baff. Es klang so nach Schritt nach vorn, so „jetzt pack mas!“. Die eine Hälfte meiner Anfrage, nämlich mich in Sachen Räumen zu unterstützen, war bereits hinfällig. Ist schließlich schon ein halbes Jahr vergangen. Deshalb war die andere Hälfte, Wirtschaftsförderung umso interessanter für mich. Was ich besaß, habe ich in manomama investiert. Seit eineinhalb Jahren arbeite ich Tag und Nacht – für die Sache und ohne Salär. Meine Werbeagentur hilft, wo sie kann. Um uns herum zahlreiche Rentner und Ehrenamtliche, um unser soziales Projekt auf sichere Beine zu stellen. Ja, es geht um Geld. Weil meines einfach irgendwann endlich ist und ich auch bei allem Engagement meiner Ehrenamtlichen endlich etwas angemessen zurückgeben möchte. Zudem sind wir an einem Punkt, wo wir den nächsten großen Schritt machen könnten. Hätten können. Unser Umzug steht an. Wir brauchen neue Maschinen. Die Anfrage nach 100.000 Weihnachtsmützen war ein Segen. Die nämlich schlitterte vor Tagen bei uns ein. Weil China keine Liefergarantie geben würde bis Dezember. „Nicht der Grund, warum man manomama konsultieren sollte“, dachte ich mir. Aber meine Lieben in der Produktion sahen das ganz anders: „Sina, du spinnst. Sowas können wir nicht ablehnen. Komm, wir helfen alle zusammen, und ernähen uns weiteres Kapital für den Umzug, für neue Maschinen und neue Kollegen!“, war die einfache Erklärung meiner Näher.

Ich kann nicht noch gut an den Banker der Deutschen Bank erinnern, den ich damals in München in der Staatskanzlei im Rahmen der Land der Ideen Veranstaltung traf. „Ganz wunderbar, was Sie da machen“, sagte er zu mir, lächelte als „Schrimherr“ stolz und posierte mit mir fürs Pressefoto. „Ja, aber Geld würdet ihr uns trotzdem nicht geben“, erwiderte ich. „Stimmt“, sagte er. Nein, ich schreibe nicht, was ich mir dann dachte.

Und so dachte ich darüber nach und war überzeugt: Wir könnten sechs Wochen alle zusammenhelfen und nähen, bis die Nadeln glühen – und wir hätten Kapital für Menschen und Maschinen. Prototyp gemacht, toll fotographiert. Wir waren 40 Cent teurer als das Chinamützchen. Dafür 100% öko und regional. Wir waren, ehrlich gesagt, richtig stolz darauf, in so kurzer Zeit die richtigen Materialien zu finden und eine echt schicke Nikolausmütze auf die Beine zu stellen. Die 40 Cent haben uns nicht beunruhigt. Schließlich ist das Unternehmen ein großer Milchkonzern, gibt allein für eine Anzeige schwuppdiwupp 100.000 Euro aus. Hätten wir die Absage bekommen, dass es ihnen zu teuer ist, hätte ich das verbucht unter „die Zeit wird kommen, irgendwann werden sie merken, dass sie es teuer bezahlen werden“. Nein, die Absage war, man hätte keine guten Erfahrungen mit sozialen Unternehmen gemacht. Alles klar.

Und so saß ich heute, ehrlich zugegeben, grundpositiv gestimmt in der Regierung von Schwaben. Auf Empfehlung der bayerischen Staatskanzlei. Vorab: die beiden waren wirklich freundlich. Irgendwie auch bemüht. Glaube ich. Ich erfuhr, dass man es wirklich löblich finde, mein soziales Engagement, dass das aber mein Privatvergnügen sei. Dass es nicht vorgesehen sei, ein Unternehmen zu fördern. Die EU-Ricktlinien seien da ja auch so streng. Und: Dass unter 500.000 Euro Investition seitens des Unternehmens so überhaupt keine Förderung greife. Wunderbar, die Großen kriegen es in den Arsch geschoben, und die Kleinen fallen durch alle Raster. Wie im richtigen Leben, dachte ich mir. Und so habe ich heute beschlossen, meine Odysee an Fördermittelrecherche zu beenden. Ich habe keine Lust mehr, mich mit Politikern und deren staatsdienenden Armverlängerungen auseinanderzusetzen. Ja, und ich habe auch keine Lust mehr, schicke Prototypen zu bauen, die dann nach China als Nahtmuster gehen, und gleichzeitig der Brief an uns eingeschmissen wird, dass man mit Sozialem so schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ich geb‘s auf.

Und kämpfe so weiter.

Liebe Grüße
Sina

Nicht nur von, sondern mit Tieren leben!

Freitag, 16. September 2011 2 Kommentare »
Abgelegt unter Hinter den Kulissen, Kleine Warenkunde

“Schafbock Nr. 52…”
Ganz normal. Tiere durchnummerieren. Heutzutage in Zeiten der Massentierhaltung und optimierten Viehhaltung selbstverständlich. Aber es geht auch wie früher: Menschen, die ihre (Nutz)tiere anders behandeln. Nicht nur von ihnen, sondern auch mit ihnen Leben. Herrn Hartl zum Beispiel, den ihr im obigen Filmteil der BR-Reportage über uns (Minute 6:10) schon kennengelernt habt. Ein weiteres Beispiel habe ich kennengelernt: Charly. Auch er ist Schäfer in unserer Region und hat ebenso eine Merino-Herde mit über 1000 Tieren.

Am vergangenen Wochenende lud er mit seiner Frau zum „Schafpatenfest“ nach Steinheim ein. Und da waren wir: Mein Mann, Filius und ich. Was soll ich sagen? Es war einfach klasse. Ein Tag raus aus der städtischen Hektik, rein in die Heidelandschaft, abtauchen in die Natur und sich dauernd wundern, wie vielfältig doch unsere heimische Flora ist.

„Hier, Thymian, do Oregano – ond dazwischa denne herrnocht dia Schälfa“, erzählt der Steinheimer Förster, als er uns über die Heide führt. Wer ans essen denkt, liegt nicht falsch, wurde am Abend glatt (ich konnte das ja nicht essen) Lammgulasch serviert ;)

Am Ende der Wanderung standen wir dann inmitten von 5000 wunderschönen Strickpullovern, also 1000 Merino-Landschafen. Aus der feinen Merinowolle wird nämlich wunderschöne Strickwolle gesponnen. Günther und Michael schwören auf die Wolle: „Einfach wunderbar weich – und lässt sich perfekt tragen!“ Die beiden charmanten Powerstricker, wie sie sich selbst nennen, müssen es wissen. Und bei solch einer Empfehlung war mir klar: daraus müssen wir auch etwas machen. Werden wir auch, der Grundstein ist schon gelegt.

Aber: um einen steigenden Bedarf auch heimisch zu decken, braucht es Wollwachstum *grins* – und dafür ist Schafbock Nr. 52 nun zuständig. „Dr Ferrari onr dene Böck!“, erzählt Charly stolz. Er weise sehr feine Wolle auf und soll diese guten Gene nun an möglichst viele Lämmchen weitergeben. Aber, wie eingangs erzählt, ist Charly einer dieser Viehhalter, nicht nur von, sondern auch mit ihren Tieren leben, im Winter sogar 5 Monate auf Wanderschaft mit ihnen gehen. Und wer will schon mit Nummern reisen? Deshalb wurde Schafbock Nr. 52, „so wiases gheard“, getauft – auf den Namen Henry. Aber seht selbst:

Henry wird nun seinen Spass haben und im Mai wird geschoren. Anschließend helfen wir alle mit, das Beste daraus zu machen und Charly wie Herrn Hartl einen ordentlichen Wollpreis ermöglichen zu können. Schafe sind nämlich für manche von euch nicht nur lecker, sondern unverzichtbar für die Landschaftspflege. Und wer dennoch aus Tierschutzgründen mit sich hadert, einen Wollpulli zu tragen, dem darf Charlys Satz nahegelegt werden: “D Vieher meassmä schära, sonst wärs Tierquälerei. Do nissa sich Fliega ond Drägg ohne Änd nei, des bloagd d’Schof oendlich!”

Liebe Grüße

Sina

Ein schöner Tag!

Donnerstag, 15. September 2011 7 Kommentare »
Abgelegt unter Ich will manomama

In den letzten acht Wochen ist soviel passiert: Wir dürfen nun ausbilden, wir haben unseren Umzug in die Wege geleitet, eine reaktivierte Webmaschine steht da und freut sich auf ihre Arbeit, und, und, und. Bei all den Anfragen, Treffen etc. sind mir glatt zwei Dinge eiskalt durchgerutscht: einmal ein Geburtstag eines engen Freundes und das Zweite, dass ich meinen Terminkalender nicht im Griff hatte. Es war eine Charity-Anfrage, ob wir etwas spenden möchten, und ich sagte ausnahmsweise mal “Ja”. Was ich nicht bedachte: ich war an dem Abend im Urlaub. Deshalb bat ich den Veranstalter, mir die gewünschte Farbe zu nennen und dann würden wir sie nach der Veranstaltung direkt verschicken. Leider hatte ich nichts mehr von ihm gehört, bis heute. Und das nur kurz: Vehement beschimpfte er mich und entfreundete sich. Soziale Medien sind was Schönes. Eine erneute Frage nach der Farbe blieb unbeantwortet. Früher hätte ich es persönlich genommen, heute denke ich mir: “Jeder, wie er möchte”. Aber da liegen nun drei Taschen, die auf neue Besitzer warten. Und ich stehe zu meinem Wort – deshalb mal Charity anders:

Wer Lust hat, eine von 3 Tote-Bags in beige oder schwarz zu gewinnen

http://www.manomama.de/content/stoff-tote-bag-karla

möge einfach auf http://www.facebook.com/manomama diesen Beitrag “liken”. Anmeldeschluss ist heute abend, 17 Uhr. Gewinner verlosen wir dann bis 18 Uhr. Heute abend gegen 21 Uhr veröffentlichen wir dann die Gewinner – hier und auf Facebook. Habt Spass dabei ;) Und Rechtsweg und so ist ausgeschlossen.

Liebe Grüße

Sina


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