Eigentlich habe ich das ja schon lange gesagt: Das, was wir als Kunden zahlen, ist noch lange nicht der Preis, der eigentlich fällig wäre.
Ein Produkt zum Beispiel hat Herstellungskosten: Material, Löhne, Transport & Steuern. Okay, noch ein Schlagobers voll Zoll. In den Geschäften kommt dann Marge oben drauf und fertig ist unser Verkaufspreis. Das aber ist ein Verkaufspreis im doppelten Sinne: denn es wird weder Klimaverschmutzung u.ä., noch Ausbeutung von Menschen, also Umwelt- und Sozialkosten verrechnet. Unser linearer Verkaufspreis verkauft Umwelt und Mensch.
Ein stinknormaler BigMac für 3 US-Dollar, so hat Umair Haque, Autor des „The New Capitalist Manifesto“ herausgefunden, müsste eigentlich 30 $ kosten, berücksichtigt man – wie er in eindrücklicher Weise tat – reale Umwelt- und Sozialkosten. Ein BigMac an sich ist mir kein kulinarischer Genuss. Diese Beweisführung aber schlug mir gehörig auf den Magen. Dass der Preis so viel höher ist, hätte selbst ich nicht erwartet. Mehr noch: So ein Burger, liegt er denn mal einige Minuten zu lange in der Warmhaltetheke, wird aus Qualitätssicherungsgründen dem Eimer zugeführt. Ein Wahnsinn.
Das Geld, was hierbei weggeworfen wird, schmerzt mich nicht. Seit Dotcom-Blase, Finanzblase, EU-Blase glaube ich langsam nicht mehr daran. Vielmehr den verdeckten Schaden, den wir damit anrichten, schockiert mich. „Wir brauchen eine Strategie, um das zu ändern“, sagt gestern Abend ein Freund, den ich anrief, um mit ihm darüber zu reden, zu mir.
„Strategie (vom altgriechischen strategós, Feldherr, Kommandant) ist ein längerfristig ausgerichtetes planvolles Anstreben eines Ziels unter Berücksichtigung der verfügbaren Mittel und Ressourcen“ (Wikipedia)
Und nein, genau das brauchen wir nicht, denke ich mir. Strategie ist so 1.0. Wir analysieren den Ist-Zustand, ermitteln die möglichen Mittel und legen dann fest, was machbar ist. Blödsinn.
Lustigerweise sage ich stets „Meine Strategie ist es, keine zu haben“, fragt mich jemand nach dem Plan in Sachen manomama. Denn: wir haben eine Philosophie. Und genau das brauchen wir auch, um die großen, globalen Probleme zu lösen. Eine Philosophie. Wir müssen versuchen, die Welt und den Menschen zu verstehen, um möglicherweise zeitgemäße, neue Werte zu schaffen oder aber immerwährende Werte zu revitalisieren. Nicht, durch Strategien „Pseudo-Values“ aufzublasen. Das führt nur in ein künstlich überzüchtetes Gebilde an Blasen, die, wann auch immer und warum auch jemals platzen, wenn sie Lust haben.
Dieser Wandel bedingt auch, dass wir uns verabschieden von „immer mehr und immer schneller“, hin zu „besser und beständiger“. Die logische Konsequenz dieses Wandels, wenn vollzogen ist einfach: Der BigMac wird im besten Fall die Kosten verursachen, die der Verkaufspreis abbildet.
Fast schon zu einfach, um wahr zu sein. Aber ich glaube daran. Vielleicht auch, weil ich gestern eine wichtige Erkenntnis hatte. Ich feilte noch ein wenig an einem Text herum. Unter anderem formulierte ich:
„Wir müssen endlich konsequent den regionalen Aspekt der Rohstoffe beachten und aufhören, billige Ingredienzien aus der Weite gegen regionale Zutaten aus reinen Kostengründen zu ersetzen. Dies nämlich ist eine sehr kurzfristige Einsparung.“
Wir dürfen zum Beispiel keinen Raubbau an Regenwäldern mehr treiben und Menschenrechtsverletzungen „übersehen“, nur, damit unser Palmöl-kitkat-Riegel uns die Pause versüßt. Ich möchte nicht einmal wissen, was dieser Schokoriegel, berücksichtigt man Umweltschäden und soziale Missstände, kosten müsste. Würde der Hersteller das Fett gegen regionales Öl tauschen (was übrigens problemlos machbar wäre und einige Hersteller bereits umgestellt haben), wären verdeckte Umwelt- und Sozialkosten minimal. So einfach wäre das.
Der Spruch „Think global, act local“ begegnet jedem Leser eines Strategiebuchs. Im Philosophieschinken würde stehen: „Act local, respect global!“. Nachhaltigkeit ist nichts anderes als ein Synonym für Respekt. So einfach ist das.
Euch einen schönen Sonntag,
Eure Sina