Immer wieder wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Die letzten Schweine: FSC, denn sie schlagen Wald für Ökoholz. (http://www.swr.de/report/-/id=233454/did=7636092/pv=video/nid=233454/j8mjwq/index.html) Unvergessen auch die Sache mit LIDL und Greenpeace (http://www.stern.de/tv/sterntv/geschaeftsbeziehung-mit-lidl-das-passt-nicht-zu-greenpeace-591524.html?nv=cp_L2_)…
Aktuell ist es keine Sau, vielmehr ein seltenes Tier: der Panda. Des WWF. Die viertbekannteste Marke der Welt. Und sie schützen ihre Marke. Ein Freund hat eine richtige Wut auf den Verein, schließlich ließ die Organisation ihn trotz Kooperation wegen des Gebrauchs abmahnen. Details darf er nicht erzählen, habe er sich doch verpflichtet, den Mund zu halten. Dies erfuhr ich vor ungefähr drei Monaten. Vorgehensweise nicht unbedingt „sauber“, aber für einen ehemaligen Werber im Sinne des Markenschutzes noch irgendwie zu rechtfertigen. Oder auch nicht.
Weniger verständnisvoll war ich, als ich erfuhr, dass der WWF auf Druck der vietnamesischen Regierung Pangasius-Fisch wieder von der „Roten Liste“ nahm. (http://diepresse.com/home/panorama/klimawandel/631783/PangasiusVerzicht_WWF-gab-Druck-aus-Vietnam-nach). Warum, verrät der WWF nicht. Eine Antwort erwarte ich eigentlich bis heute.
Gestern dann der große „Bigbang“: die Reportage „Der Pakt mit dem Panda“ in der ARD. Ein regelrechter Shitstorm zieht durch die sozialen Medien. Was macht der WWF, der im Vorfeld schon äußerst aktiv Juristen bemüht hat? Meines Erachtens ziemlich unpassende Kommunikation. Unerfahrene Massen-Tweets a la „Die Vorwürfe sind haltlos“ posten. Von Anfang an echte Fakten hätten es einfacher gestaltet.
Wieso aber wird dem WWF nun derart eine übergezogen, während andere Siegel und Institutionen fast schadlos mögliche Unstimmigkeiten überstehen?
Schlicht: Weil die Geschichte zu schön ist. Schön, böse.
„Mitbegründet wurde der WWF einst maßgeblich von Mitgliedern der europäischen Adelshäuser“ schreibt die Süddeutsche Zeitung – und bau(scht) subtil, gewollt oder nicht, die Reportage weiter auf.
Der WWF also kein Zusammenschluss engagierter Tierschützer aus dem Volk, nein. Der Adel war es. Die anderen. Die Oberen, die auf Wildsafari gehen und Treibjagd zum Hobby haben. Kurz: Nicht einer von uns.
Ja, und dann die aktuelle Pressesprecherin des WWF. Im Fernsehen. Verzeiht, Arroganz pur. Mit ihrer „Was-wollt-ihr-eigentlich“-Haltung bestärkt sie nur, was der mittlerweile durch Netzrecherchen „informierte“ Leser, Hörer, Seher denkt: ein elitärer Haufen, machtvoll vernetzter Menschen, der WWF. Und was wissen wir? Je näher an der Macht, umso korrupter. Eine einfache Schlussfolgerung. Das platte Fazit: der WWF ist böse. Muss böse sein.
Und nun? „Nun steh‘ ich da ich armer Thor, und bin so klug als wie zuvor“. Richtig, nun haben wir uns aufgeregt, kündigen Spendengelder und tun unseren Unmut kund. Vielleicht, weil es richtig ist. Vielleicht aber auch, weil wir fälschlicherweise nicht die ganze Facette begriffen haben.
Vorgestern hatte ich ein Gespräch mit einem Mitarbeiter aus einem sehr großen, namhaften Lebensmittelkonzern. „Richtig ist, dass wir nicht nur zertifiziertes Palmöl verwenden. Warum? Weil es die Menge überhaupt noch nicht gibt, die wir benötigen.“ Bei diesem Satz ist mir eingefallen, wie wir sie treiben würden: Die Schweine, die den Regenwald schlagen für billige Schokoriegel. Die Schweine, die Affen den Lebensraum nehmen für Massen-Frühstückscerealien.
Aber: Sind es nicht wir, die an der Nase gepackt werden müssten? Wer, verdammte Scheiße nochmal, muss für 10.000 Euro eine WWF-Wildlife-Tiger-in-Echt-Sicht-Safari buchen? Diese Touristen gehören an den Pranger gestellt. Ebenso jene, die dem Pangasiusfisch einen unerwarteten Auftrieb gaben. Das aber wird nicht passieren. Schließlich trifft es einen von uns. Und nicht die anderen.
Seid beruhigt: dem WWF kann ein Vorwurf gemacht werden: Angebot und Nachfrage. Würde der WWF derartige Reisen nicht anbieten, würde niemand das Angebot annehmen können. Wie immer gibt es kein Schwarz und kein Weiß. Gemeinsam können wir diese Missstände ändern. Die einen, die ihr Engagement deutlich überdenken, die anderen, die ernsthaft darüber nachdenken, ob Angebote, die sie in Anspruch nehmen möchten, Sinn machen. Oder nicht.
Denkt mal darüber nach!
Eure Sina
P.S.: Mein kleines, privates Fazit hat sich auch nach dieser Geschichte nicht geändert. Ich unterstütze keine großen Vereinigungen, sondern helfe im kleinen. Dort, wo ich direkt nachvollziehen kann, wie meine Arbeit Wirkung zeigt – oder meine Spende.

















