Archiv für den Monat Januar 2011

Hilfe für Elke & Familie (@mamapowers)

Dienstag, 18. Januar 2011 87 Kommentare »
Abgelegt unter Allerlei

Aktueller Spendenstand (paypal & Kto.), 31.01.2011, 0:00Uhr: 5.000,- EUR

Man muss säen, wenn man ernten möchte. Eine alte Regel, die heutzutage nur zu gerne, und vor allem im Geschäftsleben und Bildungsbereich vergessen wird. Darüber hinaus müssen wir lernen, dass unser Saatgut vielleicht von anderen geerntet wird. Schaffen wir es, uns über diese Situation sogar noch zu freuen, haben wir es geschafft: den Weg in eine eichte Sozietas, eine Gemeinschaft, die füreinander einsteht.

Vor einer Woche war mein Mann und ich es, die einem Menschen, der über Twitter einen Hilferuf absetzte, spontan mit Dach und ein paar Euros helfen konnten, um den „Restart“ in ein neues Leben zu gestalten. Heute lese ich von eben jenem folgenden Tweet:

Bin nächste Woche au h mit nem 10er dabei!!!!

Das Saatgut wächst und wird weitergegeben. Aber an wen und warum? An @mamapowers, eine lang bekannte „Followerin“ von @_phoeni (die diese ganze Aktion überhaupt ins Rollen brachte) und mir.

Powerfrau, Stehaufweiblein und Löwin – so würde ich in drei Worten @mamapowers, 57, aus dem Raum Köln, beschreiben. Seit langem folge ich ihr. Auch wenn wir aus zwei Welten kommen, kämpfen wir für das gleiche: für das Gute. Umso beschämender für eine Gemeinschaft erachte ich die Situation, in der Elke nun ist.
Um vorab allen Kritikern und Zynikern, die nun gleich Argumente bringen werden wie „in unserem Staat muss niemand hungern“ oder „Die Alte hat doch selbst schuld, was muss sie vier Kinder in die Welt setzen“, Wind aus den Segeln zu nehmen: nein, Elke trifft keine Schuld und nein, verdammt nochmal, der Staat macht eben nicht jeden satt!

Aber von vorne. Elke ist 57 Jahre und seit über 10 Jahren alleinerziehende Mutter. Ihr Mann verließ sie und ließ die Jahre über aus keinen Unterhalt da. Ihren 7-Tage-Job als Event-Sekretärin musste sie der Kinder wegen aufgeben, denn sie hatte ein Ziel: ihren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Ein guter Start war und ist – ihre Kinder wohnen noch bei ihr zuhause – eine exzellente Schulausbildung und niemals vom Staat zu leben.
Beides hat sie geschafft: Rike schreibt mit 26 Jahren nach einem exzellenten Abitur gerade ihre Magisterarbeit in Politik und Volkswirtschaftslehre, Pan (22) wartet nach dem Zivildienst derzeit auf eine Zusage zum Informatik-Stipendium, Ben (21) hat erfolgreich die Lehre als Gebäudeelektroniker abgeschlossen und absolviert seine zweite Lehre, Tim (19) beginnt nach mittlerer Reife und Zivildienst nun ab Sommer 2011 eine Lehre. Das alles finanzierte Elke ohne staatliche Unterstützung. Sie finanzierte dies alles durch ihre Selbstständigkeit, verdiente und verdient ihr „Geld“ auf Kunsthandwerkerbörsen und Weihnachtsmärkten mit Perlenkunst. Das ging eine Weile gut, bis „der Perlentrend vorbei war“. Die Umsätze gingen zurück, und es wurde nicht nur knapp, sondern verdammt knapp. Anstelle Unterhalts überschrieb Elkes Ex ihr die marode Hälfte eines alten Bahnerhauses. Und um genau dieses geht es nun.

Das Haus ist Zuhause, das Heim dieser Familie. Der Kredit noch mit 35.000 Euro im Soll. Das Einkommen von Elke und ihren Kindern ist weniger als der Regelsatz Hartz4, aber sie möchten niemanden zur Last fallen.

Wenn wir alle zusammenhelfen, jeder 10 Euro an Elke und ihre Familie spendet, ist das Haus gerettet. Vielleicht wird es ein bisschen mehr und die uralten Kohleöfen könnten ersetzt werden. Vielleicht wird es auch weniger, aber zumindest soviel, dass die Bank mit sich reden lässt.

@_phoeni und ich bitten euch von Herzen um eure Mithilfe. Weil @mamapowers es einfach verdient hat. Weil sie ihr Leben lang kämpfte, so lange es ging. Und nun geht es alleine einfach nicht mehr. Muss es auch nicht, weil ich fest daran glaube, dass wir Elke helfen können. Pah, vielen stehen vor dem Ruin, das muss sie schon selbst schaukeln, mögen nun einige denken. Dann spart euch bitte die Zeit und lest nicht weiter. Nutzt die Minuten lieber darüber nachzudenken, ihr wärt an Elkes Stelle.

Bis 31.01.2011 müssen wir helfen, und Geld sammeln. 
Vielen Dank fürs Lesen, Darüber nachdenken – und helfen!

Eure @_phoeni & Sina

P.S.: Ja, diese Informationen sind mit Erlaubnis von @mamapowers veröffentlich worden, auch wenn es ihr mehr als unrecht ist. Es ist aber nicht unrecht.

Vergesst google ;)

Montag, 17. Januar 2011 7 Kommentare »
Abgelegt unter Hinter den Kulissen

Ihre leuchtenden Augen, ihr in Falten gesetzte Stirn – sie erzählen Bände. Arbeit ist ihr ins Gesicht geschrieben. Sie, Isabell, ist jener “soziale Depp”, den ich am Telefon kennenlernen durfte, als ich auf der Suche nach gebrauchten Industriemaschinen war. Sie ist in meinen Augen eine der Vorzeigeunternehmerinnen. Diese, die man nicht auf prätenziösen Preisverleihungen und Kongressbühnen sieht, eine von jenen, die bei Management-Circles und Unternehmer-Treffen absent sind. Warum? Weil sie arbeitet. Schafft. Sich tagtäglich aufs Neue mit aller Kraft abmüht, um ihren Mitarbeitern in der wohl einzigen Grobweberei in Deutschland die Aufträge zu verschaffen, die das Überleben sichern.

Sie ist eine Einzelkämpferin. “Ich habe die Weberei, damals noch mit angeschlossenem Konfektionsbetrieb von meinem Vater übernommen”, erzählt sie, sieht auf meine mitgebrachte Flasche, in der ich selbstgekochten “bio-Tee” dabei habe. “Muss ich probieren, darf ich?”, sagt sie und greift zu. Auf den herzhaften Schluck folgt ein “saugut” und ein Lächeln. Dieser Moment zeigt ihre Art: neugierig, offen, unkompliziert. Ich lächle, wir rauchen gemeinsam eine Zigarette und eigentlich sollte dann das Gespräch folgen. Der Industrienähmaschinen wegen. Für diese interessiere ich mich nämlich.

“Ach was, ” meint Isabell, “lass uns gleich mal zu den Maschinen gehen. Ich zeig’ Dir, was wir hier so machen!”. Im Gehen drückt sie den Rest der Zigarette aus und schnurstracks führt sie mich in agilem Zack-Zack-Tempo durch die einzelnen Räume, an der Deckenkonfektion vorbei, am Schnitttisch entlang, in Richtung Druckerei.

“Jetzt wird’s ein bisschen lauter, da sind wir aber gleich durch und dann schon bei den Maschinen”, lächelt sie mich an, öffnet die Tür und völlig verblüfft bleibe ich inmitten der fast schon unerträglichen Geräuschkulisse und der beißend trockenen Staubluft stehen. Webstühle. Alte Webstühle. Alle am Laufen. Allein, was verwoben wird, irritiert mich und fragend suche ich Isabells Blick.

“Ja, die Konfektion haben wir eigentlich immer als zusätzliches Standbein gemacht. Die Stoffe dazu wurden eingekauft. Hier weben wir nur grob!”, erklärt sie mir lauthals. Grobweben? Wenn ihr euch fragt, was das ist, vergesst google zu mühen. Selbst die allwissende Suchmaschine liefert dazu nur 27 Sucheinträge, und davon keinen passenden. Wohl aus dem Grund, dass Grobwebereien vor googles Gründung in Deutschland nicht mehr existent waren. Fast fingerdicke Garne werden an den alten Webstühlen zu Umzugsdecken verarbeitet. Diese flauschig dicken Dinger, die das Umzugsgut vor Stoß- und Quetschverletzungen schützen ;-)

“Das ist ja der Hammer”, kommentiere ich und sehe mich in der riesigen Halle um. Neben zahlreichen Grobwebstühlen, die im Stundentakt Umzugsdecken ausspucken, entdecke ich ein Weberklavier. Es wird dazu benutzt, um die Buchstaben-Lochkarten zu fertigen, die dann in einen sogenannten Jacquard-Aufsatz auf den Webstuhl gegeben werden. So lassen sich ganze Wörter in die Ware weben. Weiter hinten bleibt mein Blick auf ein überdimensioniertes Spinnennetz hängen.

“Das ist unser Scherbaum”, erklärt Isabell. Hier werden Hunderte Spulen quasi in ein “Regal” gestellt, um anschließend die einzelnen Fäden der Spulen über eine riesengroße Tonne auf einen Kettbaum zu wickeln.

Moderne Webereien kaufen diese Dienstleistungen zu, Isabell hatte keine andere Chance, als alles selbst zu machen: “Für die Grobweberei gibt es keine Dienstleister mehr. Außerdem war schon immer mein Motto: Was ich hier leisten kann, kann ich kontrollieren!” Kam und komnt mir irgendwie bekannt vor…

Während wir weiterlaufen, erzählt sie mir, dass sie ihre Firma nunmehr komplett auf den Spezialumzugsbereich ausgerichtet hat. “Umzugsdecken, aber auch maßgeschneiderte Klavier- und Flügelverpackungen, handgemacht in Deutschland, bieten wir unseren Kunden” fährt sie fort und Alfred, der Betriebsschlosser, unterbricht uns freundlich: “Ich wäre dann soweit, die Maschine läuft wieder”. “Prima”, sagt Isabell, “dann bekommen wir ja vielleicht noch die acht Schlittengriffe heute hin”. Schlittengriffe. Schlittengriffe?, denke ich und Isabell schafft für meinen ratlosen Blick Abhilfe.

“Hier, die Flügel müssen gezogen werden. Dazu braucht es stabile Schlittengriffe. Die macht bei uns der Alfred, wenn er gerade keine Maschinen zu warten hat. Handgeschweißt und sauber verarbeitet ist einfach viel besser. Und unsere Kunden müssen sich auf die Qualität verlassen können!”, erzählt sie.

Ich bin völlig verwundert. Eigentlich kam ich zu Isabell, um mir ein paar Nähmaschinen anzusehen. Gesehen habe ich eine vollstufige Weberei, völlig autark, die seit Jahren der textilen Fluktuation trotzt. Eine echte Lebensaufgabe, denke ich mir und frage Isabell nach Urlaub. Sie grinst. “Ich brauch’ keinen Urlaub. Mein Laden ist meine Leidenschaft. Ein paar Taage gönne ich mir aber schon im Jahr. Eine eine Hälfte davon sitze ich auf meinem Motorrad, die andere Hälfte gehe ich protestieren und kämpfe aktiv gegen Monsanto-Engagement in unserer Region. Das nämlich geht mal überhaupt nicht!”.

“Das geht mal überhaupt nicht”, ist auch, was ich mir bei der Rückfahrt denke. Es geht überhaupt nicht, dass Isabell und ich nicht zusammenarbeiten.

Heute, gute acht Wochen sind vergangen. Isabells Maschinen stehen in unseren Produktionsräumen und werden Stück für Stück in Betrieb genommen. Gemeinsam entwickeln Isabell und ich gerade ein Garn, dass meinem regional-ökologischen Anspruch und ihren technischen Voraussetzungen gerecht wird. Wir beide freuen uns auf genau einen Moment: wenn das erste Stück Webware “unseres” Produktes vom Stuhl genommen wird. Darauf arbeiten wir hin.

Eure Sina 

 

Egoismus zum Wohle aller!

Sonntag, 16. Januar 2011 12 Kommentare »
Abgelegt unter Sinas private Gedanken

Wie gut, dass sich in diesen Tagen die Pegelhöchststände nahezu deutschlandweit die Hand geben, so sind wir beschäftigt. Beschäftigt, unsere Dinge in trockene Tücher zu bekommen. Ganz nebenbei erfahren wir im Fernsehen über Erdrutsche in Brasilien, denen Hunderte von Menschen zum Opfer gefallen sind. Aber wir sind beschäftigt, damit es uns gut geht. Das eigene Wohl steht an oberster Stelle, Natur und Umwelt treten in den Hintergrund.

Dieser Egoismus hat ein lokales Gesicht: Samstag Nachmittag im Bioladen. Sonst kaum besucht, traten sich gestern die Kunden fast die Füße platt, stritten sich um die letzten Bioeier und den Rest Fleisch aus der Kühltheke. Würde man vor der Kasse den „Neu-Öko-Konsumenten“ vermitteln, dass in Bioeiern freilaufender Hühner aufgrund jahrzehntelanger Kontaminierung der Böden möglicherweise mehr Dioxin enthalten ist als in „verseuchtem“ Gut, wären sie in gleichem Tempo wieder weg, wie sie gekommen sind. Das alles, damit es uns gut geht. Das eigene Wohl steht an oberster Stelle. Die Existenz von mehr als 1800 landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland, die jahrelang „gut genug waren“, uns mit Fleisch und Eiern zu versorgen, tritt prompt in den Hintergrund.

Dieser Egoismus hat ein regionales Gesicht: „So kann das nicht weitergehen“, sagte mein Onkel Martin, und zog die Konsequenz: er gab seine Viehwirtschaft auf. Zusammen mit meiner Tante betreibt er im Ries einen Landgasthof auf Selbstversorgerbasis. Holz und Wild kommen aus dem hauseigenen Wald, Fische aus dem eigenen Teich, Obst und Gemüse von ihren Feldern und Wiesen. Eier und Fleisch kamen bis vor einigen Monaten aus dem Stall. Gleich hinter dem Gasthaus. Dort ist nun Stille. „Ich bin seit über 40 Jahren Metzger. Du siehst es, und die riechst es, was ein Vieh gegessen hat“, erzählt mein Onkel. Deshalb verfütterte er ausschließlich Körnergut an Hennen und Schweine. Irgendwann aber ging das nicht mehr. „Warum?“, fragte ich ihn und er packte mich ins Auto und fuhr mit mir – mitten im Sommer – durchs Umland. Diese Fahrt gab mir selbst die Antwort. Als ich noch ein Kind war, war diese Landschaft im Juli und August geprägt von goldgelben Feldern. Heute ist es grün. Im Frühjahr, im Sommer und im Herbst. „Die Bauern nutzen fruchtbares Ackerland nur noch, um Gras zu produzieren. Für Biogasanlagen. Alle sechs Wochen scheren sie und riesige LKW bringen die Maht in die Anlagen. Der Weizenpreis ist explodiert. Ich kann mir das Füttern meiner Viecher nicht mehr leisten“, erklärt mein Onkel. Bauern nutzen also fruchtbares Ackerland für die Energiegewinnung. Unter dem ökologischen Deckmäntelchen schlummern handfeste wirtschaftliche Interessen. Die marktwirtschaftlichen Mechanismen haben Einzug gehalten und es entstand eine Parallelindustrie, eine „pseudo“-ökologische. Sie zerstört gewachsene Naturlandschaften und verwandelt jene in grüne Profithektar. Das alles, damit es uns gut geht. Das eigene Wohl steht an oberster Stelle. Natur und Umwelt treten in den Hintergrund.

Dieser Egoismus hat ein internationales Gesicht: Wir erfahren es aus den Medien. Den bereits erwähnten Erdrutsch. In Brasilien. Erdrutsche passieren dann, wenn die natürlichen Schutzmechanismen zerstört werden. Wenn der natürlichen Landschaft der Halt genommen wird durch das Abholzen der Regenwälder. Wie eben in Brasilien geschieht. Für unsere Energie. E10 – das Benzin-Biogemisch. Dazu braucht es Ethanol. Seit Jahresbeginn werden 900.000 Tonnen Ethanol herkömmlichen Treibstoff beigemischt. Im Vergleich zur Biogasanlage hier in der Region, wo Ackerland „nur“ genutzt wird, um Gras anzubauen, ist die Gewinnung von Ethanol reinste Perversion: Millionen von Tonnen Lebensmittel wie Mais und Zuckerrohr werden „vernichtet“, damit wir fliegen und fahren können. Die Arbeitsbedingungen auf den Zuckerrohrplantagen sind inakzeptabel, Menschen werden ausgebeutet und misshandelt. Aber – hat hier jemals eine Stimme nach „fair gehandeltem Biosprit“ gefragt? Nein. Im Vergleich zu den Bioeiern könnte man dem Konsumenten an der Zapfsäule von den Arbeitsbedingungen erzählen, er würde dennoch tanken. Denn es geht um unser liebstes Kind: das Auto. Es geht darum, dass wir grenzenlose Mobilität genießen können. Es geht um das vermeintlich höchste Gut: es geht um unsere Freiheit. Die eigene Freiheit steht an oberster Stelle. Und diese dürfen andere bezahlen. Da diese Rechnung in weit entfernten Ländern beglichen wird, tangiert es uns nicht.

Wenn es also nicht direkt den Menschen betrifft, wird sich nichts ändern. Das ist eine Erkenntnis, mit der man „arbeiten“ kann. Gehen wir zurück zur Zapfsäule und erzählen dem Konsumenten vor der Tankfüllung nichts über menschenunwürdige Arbeitsbedingungen. Wir weisen darauf hin, dass der Bio-Sprit nachweislich dem Motor seines Autos schaden kann. Was glaubt ihr, was passieren wird? Richtig. Der Kunde wird sich echauffieren und engagieren, dass der Biosprit wieder vom Markt kommt. Das alles, damit es dem Deutschen liebstes Kind und somit ihm selbst gut geht. Das eigene Wohl steht an oberster Stelle.

Wenn wir es also schaffen, die echten Probleme unserer Zeit aus der Abstraktion heraus jedem Einzelnen in den Alltag zu integrieren, wird uns der Weg in eine bessere Welt gelingen. Wir werden den angeborenen Egoismus jeden Einzelnen nicht „abtrainieren“ können, nicht ausmerzen. Das ist weder gut für das Individuum innerhalb einer Gesellschaft, noch notwendig. Wir müssen es aber schaffen, den Egoismus des Menschen zum Wohle aller zu nutzen. Würde ich die Bekleidung von manomama verkaufen mit den Argumenten, es werden Arbeitsplätze gesichert und Benachteiligte wieder in Arbeit gebracht, wäre das für viele nicht relevant. Aber: Bekleidung auf den individuellen Körper geschneidert, 100% ökologisch, ist relevant. Weil es den Einzelnen betrifft und es ihm durch gesunde Bekleidung besser geht. Mit dem Kauf sorgt er für sein eigenes Wohl. Ganz automatisch dafür, dass es auch anderen besser geht. So entsteht ein neues Gemeinwohl, mit dem jeder zufrieden sein wird. Niemand wird nämlich das Gefühl haben, dass dieses Gemeinwohl auf seine „Kosten“ entstanden ist, sondern auf sein Mitwirken.

Denkt mal darüber nach,

liebe Grüße
Sina

Das ewige Auf und Ab…

Freitag, 14. Januar 2011 4 Kommentare »
Abgelegt unter Hinter den Kulissen

“Mein Häufchen regionales Elend und sein chinesischer Kollege”.

Vor kurzem noch habe ich euch ein Foto unseres ersten Strickversuchs mit bayerischem Hanf gezeigt. Was waren wir alle stolz. Dann ging es darum, das “Kraut” nach den ersten Versuchen nun so hinzubekommen, dass ein Pulli zum Beispiel auch wirklich angenehm zu tragen ist. Dafür muss der Hanf mehrfach über einen sogenannten Krembel gezogen werden, sprich gekämmt werden, und gekämmt werden, und gekämmt werden…

Ja, und das haben wir gemacht. Aber: mein Hanf will nicht feiner werden. Ein bisschen vielleicht. Aber dafür auch kürzer. Mit jedem Zug über den Krembel wird er ein bisschen feiner, dafür aber auch kürzer. So kurz, dass sich kein Garn mehr daraus machen lässt.

Das könne nich sein! Schließlich gibt es auf dem Markt bereits Hanfware, habe ich mir gedacht. Das sei auch richtig, erzählte mir mein Spinner. Aber, fügte er hinzu, die Behandlung und der Ursprung sei wohl nicht in meinem Sinne. Ich fragte, weshalb. “Der einzig vernünftige Langfaser-Hanf kommt aus China. Dieser wird dann chemisch aufgeschlossen und gebleicht. Dann ist mit ihm zu arbeiten. Aber China UND Chemie?” Fast schon schmunzelnd stellte er mir die Frage.

Okay, okay. Versuch Nummer “Ichzähleschongarnichtmehr” ist gescheitert. Dennoch glaube ich fest daran, dass es einen Weg geben muss, Hanf OHNE chemische Aufbereitung spinnbar zu bekommen. Früher gings verdammt nochmal doch auch. Wer mich bzw. uns aber kennt, weiss, dass ich nicht so schnell aufgebe. Gönne mir jetzt einen Kaffee 4.0 und statte anschließend meinem alten Weber einen Besuch ab. Der wird mir helfen. Drückt mir die Daumen!

Eure Sina


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