Ich ertappe mich: mein Mißtrauen wächst. Hatte ich früher nie. Nach einem dreiviertel Jahr Textilerdasein und unzähligen E-Mails und Briefen von vermeintlichen Konkurrenten scheint es gewachsen. Heute dann die Mail. Diesmal gings nicht um irgendein Stück Stoff, dass ich wieder einmal lückenlos belegen musste, nein, diesmal kam die Mail vom Geschäftsführer persönlich. Ein renommiertes Taschenunternehmen. Wieso wir hier überhaupt Bioleder verwenden würden, warum da keine Konservierungsstoffe drauf seien und ob wir bitte schnellst die Prüfergebnisse brächten.
Nein, dachte ich mir, nicht die nächste Kriegsbaustelle. Ich schrieb dem Geschäftsführer kurz und knapp, dass es alles seine Richtigkeit hätte, da wir das wohl weltweit ökologischste Leder im Einsatz hätten, eben www.bioleder.de und dass es den strengen Richtlinien des Siegels IVN Naturleder entspräche.
Ich war stinkwütend, weil ich wieder eine sinnlose Auseinandersetzung kommen sah. Also griff ich kurzerhand zum Telefon und rief ihn an. Äußerst freundlich haben wir uns unterhalten und schnell wurde mir bewußt, dass meine Bedenken Fehl am Platz waren. “Wissen Sie, wir suchen seit zwei Jahren nach einem echten Biolederhersteller, aber alle, die wir fanden, waren Schaumschläger. Dann habe ich Sie angemailt und was Sie mir lieferten, hatte Gehalt.”, sagte er.
Nun ärgerte ich mich wieder. Diesmal über mich. Weil ich so mißtrauisch war. Nach den Shice-Aktion anderer manchmal auch nicht zu Verdenken. Ich empfahl ihm eine Geberei im Schwäbischen, die ebenfalls exzellente Lederwaren vegetabil gerbt, aber eben in Mengen, die sein Unternehmen benötigt. Da war es wieder: Mein Glaube an eine neue Wirtschaft, in der man gemeinsam etwas schaffen kann. Und da war sie wieder: die alte Sina, ohne Mißtrauen gegenüber anderen. Danke, Herr Picard.
Und nun brauchts auf die falsche Aufregung einen Kaffee 6.0,
eure Sina