“Ich habe heute im Verteiler eine Mail bekommen. 20 Industrienähmaschinen zu verkaufen. Das ist doch etwas für Sie, Frau Trinkwalder”. Herr Schmid, den ich euch samt seinem Geschäft nächste Woche vorstellen werde, gab mir gestern zufällig diesen Tipp. Gesagt, getan – ich schrieb kurzerhand eine formlose eMail an die mir genannte Adresse und prompt kam ein Anruf.
“Sie interessieren sich für unsere Maschinen?”, fragte die freundliche Frau mit der rauchig-tiefen Stimme am anderen Ende der Leitung. “Ja”, sagte ich, wie immer – mit einem fast zaghaft peinlichen Unterton. Schließlich ist der Grund stets der gleiche, wenn ganze Maschinenparks zum Kauf angeboten werden: eine Geschäftsaufgabe, gerne auch eine Insolvenz. “Ja, dann mailen wir Ihnen die Liste zu und freuen uns, von Ihnen zu hören!”, sagte die Dame und legte auf.
Irgendetwas kam mir komisch vor: kein trauriger Unterton in der Stimme, kein bedrücktes Seufzen. Das war wohl der Grund, warum ich nach der Firma googelte und nach stundenlanger Suche fündig wurde: ein kleiner, feiner Konfektionsbetrieb für Berufsbekleidung. Angeschlossen: eine noch kleinere Spezial-Weberei. Aus Tradition seit über 80 Jahren. Zum Trotz aller Globalisierungsversuche: bis heute.
Erneut griff ich zum Telefon, schlicht – weil ich mehr wissen wollte. Und auch die Dame am anderen Ende des Telefons hatte darauf gewartet: irgendetwas verband uns.
“Warum eigentlich lösen Sie Ihren Konfektionsbetrieb auf?”, fragte ich nun direkt. “Die Konfektionierung von Berufsbekleidung ist einfach nicht mehr machbar. Mit einer Arbeitshose für 1,10 aus Afrika und Asien kann niemand hier mehr mithalten. Niemand! Deshalb konzentrieren wir uns nur noch auf das Weben von Spezialstoffen”, sagte sie und fuhr fort: “Aber, wissen Sie, ich bin 45 Jahre alt, habe in der Konfektion ausschließlich Frauen, die älter sind als ich, eingestellt. Warum? Um der Verantwortung, die ich für sie hatte, auch gerecht zu werden. Ich habe alle meine Mitarbeiterinnen in den verdienten Ruhestand begleitet. Nachdem nun die letzte Dame gegangen ist, kann ich mich vom Maschinenpark trennen. Ich bin halt das, was andere Unternehmer einen sozialen Deppen nennen!”
Und dann wussten wir, was uns verband und verbindet: unser “soziales Deppentum” mit dem Hang zur Ökologie – aus Überzeugung! Nächste Woche besuche ich Isabell. Denn wir werden zusammenarbeiten. Wie und was – lasst euch überraschen!
Eure Sina















Echt schön! Du solltest über eine Verfilmung Deiner Erlebnisse nachdenken
@DasBogenfenster
Zu Herrn Schmid – und auch zu Isabell…
Ich werde die Kamera wieder öfter mitnehmen
Kompliment Sina, sehr sehr schöner, emotionaler und ehrlicher Blog. Toll.
Der Artikel berührt echt! Was für eine Story!
schön, von verantwortungsbewussten Unternehmern zu lesen.
Danke für den Artikel.
@Matthias @CP @Werner
Danke. Ihr dürft euch sicher sein, wie sehr ich mich freue, “Mitstreiter”, gerade in dieser verhunzten und verlogenen Branche zu finden…
Wenn es doch nur noch Tausende, nein, Millionen von diesen ” sozialen Deppen ” auf dieser Welt geben würde.
Toller Artikel. Tolle Unternehmerin. Du bist einfach toll.
)
[...] mehr gekostet als die Massenware aus Fernost beim Discounter, aber zum einen bin ich halt auch ein sozialer Depp aus Überzeugung und zum anderen flüstert mir mein Unterbewußtsein folgenden wahren Spruch ein: Ich habe gar nicht [...]
Früher hätte ich gesagt, da hat sich einer eine schöne Geschichte ausgedacht! Heute weiß ich, daß sowas im “Richtigen Leben” passiert. Kann man ja immer wieder bei Dir lesen.
Diese MITSTREITER, die Du immer wieder findest (oder die DICH finden) geben Dir und Deinem Team die Energie zum Weitermachen. Ich wünsche Dir, daß das so schön weitergeht.
Liebe Grüße
Christiane
Europa bräuchte mehr soziale Deppen.
lg aus österreich
günther
[...] ist jener “soziale Depp”, den ich am Telefon kennenlernen durfte, als ich auf der Suche nach gebrauchten Industriemaschinen war. Sie ist in meinen Augen eine der Vorzeigeunternehmerinnen. Diese, die man nicht auf [...]