Archiv für den Monat August 2010

Thoughts from Tuscany I

Donnerstag, 05. August 2010 6 Kommentare »
Abgelegt unter Thoughts from Tuscany

Warum sind wir Menschen heutzutage so rücksichtslos? Das war eine Frage, die uns gestern am Abendtisch mit italienischen Freunden beschäftigte. Lapo, in erster Linie Süditaliener (komme ich heute nicht, komme ich morgen) und dann erst Chef eines Klimaanlagenunternehmens, hat es erklärt. Einfach wie eindrucksvoll. Wir Deutschen würden deshalb so rücksichtslos sein, weil wir keine Zeit hätten. Für Rücksicht bräuchte man diese nämlich.

Bei längerem Nachdenken und Verbleib hier mitten in Zentralitalien, wo die Uhren langsamer gehen und die Tage keine wirklichen Eckpfeiler der Orientierung haben, unterschreibe ich es. Der einzige Unterschied: Wir hätten keine Zeit – stimmt in meinen Augen nicht. Wir haben sie, wir geben sie uns nur nicht. Schuld daran ist unser permanentes Streben nach mehr. Wir sehen die schönen einfachen Dinge nicht mehr, weil wir in Gedanken längst schon darüber nachdenken, wir wir das nächste, höhere Gelegene erreichen können. Rücksicht hat demnach auch etwas mit der eigenen Zufriedenheit zu tun. Wenn ich selbst zufrieden bin, mich eine Weile zufrieden ausruhe, habe ich die Zeit und die Kraft, rücksichtsvoll gegenüber anderen zu sein – und ihnen zu helfen.

Das gehe nicht? Sich einfach mal auszuruhen? Zufrieden zu sein mit dem, was man erreicht am Tag? Heinrich Böll hat eine Anekdote geschrieben, die ich immer wieder gerne erzähle. Es geht um Arbeitsethik und ungefähr so:

In einem Hafen an der Westküste Europas schläft ein ärmlich gekleideter Fischer und wird durch das Klicken des Fotoapparates eines Touristen geweckt. Anschließend fragt der Tourist den Fischer, warum er denn nicht draußen auf dem Meer sei und fische. Heute sei doch so ein toller Tag um einen guten Fang zu machen, es gebe draußen viele Fische. Da der Fischer keine Antwort gibt, denkt sich der Tourist, dem Fischer gehe es nicht gut, und fragt ihn nach dessen Befinden, doch der Fischer hat nichts zu beklagen. Der Tourist hakt noch einmal nach und fragt den Fischer abermals, warum er denn nicht hinausfahre. Nun antwortet der Fischer, er sei schon draußen gewesen und habe so gut gefangen, dass es ihm für die nächsten Tage noch reiche. Der Tourist entgegnet, dass der Fischer noch zwei-, drei- oder gar viermal hinausfahren und dann ein kleines Unternehmen aufbauen könnte, danach ein größeres Unternehmen und dieses Wachstum schließlich immer weiter steigern könnte, bis er sogar das Ausland mit seinem Fisch beliefern würde. Danach hätte der Fischer dann genug verdient, um einfach am Hafen sitzen und sich ruhig entspannen zu können. Der Fischer entgegnet gelassen, am Hafen sitzen und sich entspannen könne er doch jetzt schon.

Ich gehe nun Schnitte machen, die die Post verschmissen hat. Es waren Originale. Das muss reichen. Für heute. ;-)

Cordiali saluti aus der Seelenheimat,
eure Sina


Bloggeramt.de - manomama Gründerzeit-Blog Blogverzeichnis - manomama Gründerzeit-Blog blogoscoop - manomama Gründerzeit-Blog Best Green Blogs Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Top Liste - by TopBlogs.de