Eine liebe Twitterbekannte zwitscherte gestern frei darauf los, warum manomama nicht auf der Liste der Kampagne für saubere Kleidung (CCC) stünde. Sie schrieb eine freundliche Mail an die verantwortliche Dame:
“Seit April gibt es in Deutschland Manomama.de Ich bin der Ansicht, daß dieses Unternehmen ganz unbedingt auf Ihre Whitelist gehört. Bio-Kleidung bis runter zum Nähfaden und unter mehr als sozialen Bedingungen gefertigt und vertrieben. Auf Twitter erreichen Sie die Gründerin unter @manomama.”
Das Engagement hat mich sehr gefreut, und bei genauerem Nachdenken war ich der Meinung: “Ja, da gehört manomama hin”. Als weltweit wohl erster Hersteller, der – außer Reißverschlüsse und Lisierbänder – alles aus Bio-Materialen herstellt, zu 12-Euro-Stundenlöhnen am Standort Augsburg produziert, alle notwendigen Veredelungen u.ä. im Umkreis von 250 km machen lässt… Ja, saubere Kleidung machen wir. Und deshalb freute ich mich sehr über die Mail der Twitterin, denn auch manomama kann jede Öffentlichkeitsarbeit brauchen.
Die Reaktion der CleanClothesCampaign hingegen war, verzeiht, sowas von 1.0:
Wir führen keine Whitelist, von daher können wir das von Ihnen vorgeschlagene Unternehmen auch nicht aufführen. Da Manomama ausschließlich in Deutschland produzieren läßt würde mich interessieren, ob es bei dem Unternehmen einen Betriebsrat gibt. Dazu konnte ich auf der Homepage von Manomama nichts finden. Haben Sie dazu Informationen?
Die verantwortliche Dame hat nicht, wie es sich vielleicht vermuten lässt, einmal bei mir durchgerufen, nein. An sich auch verständlich. Manomama ist kein globales Unternehmen, in dem man Mißstände aufdecken könnte. Positive Beispiele mit transparenter Wertschöpfungskette scheinen uninteressant. Oder doch nicht? Wie anders könnte ich mir diese 1.0-Frage nach einem Betriebsrat erklären. Nicht, dass die Dame Fragen zu Herstellung hat, nein, gibt es einen Betriebsrat. Darauf hin schrieb ich ihr:
Sehr geehrte Frau [zensored],
eben habe ich Ihre Kommunikation mit Frau [zensored] mitbekommen. Vielen Dank zunächst, liebe Frau [zensored], für Ihre “Empfehlung”.
Zu Ihrer Frage, liebe Frau [zensored]:
Nein, manomama hat keinen Betriebsrat. Derzeit sprechen zwei Gründe dafür: Wir sind noch zu klein und zweiterer, viel wichtigerer: Wenn Unternehmer sozialverantwortlich mit ihren Mitarbeitern umgehen, bedarf es keinen. Wir bezahlen unseren Nähern einen Stundenlohn von 12 Euro, da würde selbst der DBG in die Höhe hüpfen vor Freude. Die Arbeitsbedingungen sind sozial: keine Stechuhr, kreative Pausen etc. Wofür also Betriebsrat? Diesen braucht es, um zu vermitteln zwischen Arbeitnehmerschaft und Arbeitgeber. Soziale Unternehmer bedürfen – zumindest bis zu einer Betriebsgröße, bei der der direkte Kontakt gewährleistet kann (und da denke ich an 50 – 70 MA) keiner solchen Institution. Sie nämlich arbeiten mit den Arbeitnehmern.Wir stellen in erster Linie Frauen und 50+ ein. Wir beziehen KEINERLEI staatliche Unterstützung, weder bei Löhnen noch im Bereich unternehmerischen Kapitals. Wird eine Unternehmung derart geführt, bin ich der Meinung (übrigens meine Mitarbeiter auch), dass 1.0-Institutionen wie ein Betriebsrat überflüssig ist. Und ich hoffe und arbeite daran, dass dies auch immer so bleiben wird
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Liebe Grüße
Das, meine Lieben, schien die falsche Antwort. Sie war zu modern. Denn es herrscht Funkstille. Was zeigt es mir? Scheinbar sind große Kampagnen überhaupt noch nicht darauf eingestellt, wieder regionale Aspekte zu listen. Viel schlimmer noch: Sie pflegen keine Whitelist (diese Negativkommunikation habe ich als Werber schon immer abgelehnt!) – folglich geht es in erster Linie darum, Mißstände aufzudecken, guten Beispielen hingegen keinen Raum zu geben. Wie sollen ökosoziale Unternehmer, und da spreche ich sicherlich für viele in diesem Land, jemals die Idee einer Wirschaft für den Menschen erfolgreich umsetzen, wenn in relevanten Medien und Kampagnen ihnen kein Platz verschafft wird?
Ach ja, hinter der Kampagne für saubere Kleidung steht die Vereinte Evangelische Mission (VEM). Ihre Mission bzw. ihre Arbeitsfelder sind Gerechtigkeit, Frieden, Frauen und Hilfe. Hier engagiert sich der VEM und geht mit gutem Beispiel voran. Ich wünschte mir, dass der VEM andere, die mit gutem Beispiel vorangehen, ebenso mit Aufmerksamkeit bedenkt, nicht nur KiK, Adidas, LiDL, Tchibo & Co.
In diesem Sinne,
wir machen weiter saubere Kleidung,
Eure Sina
P.S.: Recht hat er, ein weiterer lieber und aufmerksamer Twitterleser. Natürlich stellen wir auch Männer ein. Alles im Rahmen des Gleichstellungsgesetztes. #OMG In welcher Welt leben wir eigentlich?

















