Stuhlkreis-Weicheier selbst gemacht.


Robert von @urbia teaserte eben einen Artikel an, in dem gefragt wurde: Sind Jungs heutzutage schwieriger als früher? Die Antwort ist ganz einfach: nein, sind sie nicht. Was sich allerdings geändert hat, sind zwei Dinge: die Eltern und die pädagischen Einrichtungen. Fangen wir bei dem Grundübel Nummer eins an: Eltern.

“Selbstverständlich haben wir alle Zusatzmodule gebucht, schließlich möchten wir nicht, dass bei Raphael das Sprachfenster zu geht!” Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit einer dieser affektierten Müttern aus unserem Kíndergarten. Das einzige, was hier zugehen sollte, ist ihr persönliches Fenster – in ihrem Kopf zieht es meiner Meinung nach gewaltig. Um vermeintliche Weichen bei ihrer ach so wohlbehüteten Brut frühestmöglich zu stellen, nehmen sie ihren Kindern die Kindheit, ja der elterliche Ehrgeiz raubt ihren Söhnen und Töchtern ein wichtiges Stück Leben: eben jenes, in dem man unbekümmert, frei von Sorgen und Gedanken, einfach machen darf. Anstelle Käfer zu sammeln, sich im Dreck zu suhlen und einfach nur zu spielen müssen sie funktionieren. Dreijährige haben heute bereits einen Freizeitstress, dem man einem Erwachsenen medizinisch raten würde, abzubauen, sonst zöge man sich im Laufe der Zeit einen Herzinfarkt zu. Dass dieser verplante Alltag, in dem jeglicher Raum für freie, kindliche Entfaltung schlicht nicht vorkommt, einem Kind, insbesondere einem Jungen, zu schaffen macht, muss nicht erklärt werden. Versucht das Kind dann aus dem Tagesablauf auszubrechen, ist er schwierig. Fährt der Kleine einen Wutanfall auf, weil es ihm schlicht reicht – verabreicht man ihm, nicht zuletzt aufgrund der eigenen Hilflosigkeit und (ja, das unterstelle ich aus Erfahrung) Bequemlichkeit, Ritalin – und weiter geht’s. Nach Plan. Elterlichem Erfolgsplan.

Neben den Eltern sind die pädagogischen Einrichtungen in meinen Augen ein weiteres Problem. Um zehn Uhr Stuhlkreis. Kollektives Kuscheln inklusive. Im Kindergarten hat man sich lieb. Kinder, besonders auch hier wieder die Buben, wissen überhaupt nicht mehr, wohin mit ihrer überschüssigen Kraft, schließlich wurde erneut die Wanderung gestrichen, weil Englisch wegen Vorschule verschoben wurde und auch das Würzburger Sprachtraining noch wartet. Kommen sich zwei mal in die Haare – was übrigens in meiner Kinderheit normal war (und ich mich immer wieder gerne mit den Buben kloppte ;-)) – werden sogleich die Eltern informiert, dass “Marvin dem Robin eine runtergehauen” hat. Dieses “Petzverhalten” verhindert auch, dass Kinder Selbstvertrauen aufbauen und selbstständig werden. Sie machen nichts mehr untereinander aus, dürfen sie auch nicht. Nein – können sie nicht. Die stille Treppe wartet bereits beim kleinsten auffälligen Verhalten. Kinder möchten Grenzen austesten, sich messen und behaupten – wie bitte soll das in dieser verweichlichten Umgebung gehen? Ich gehe gerne einen Schritt weiter: Wie soll aus diesen armen Jungs (ja, ich nenne sie so) einmal Erwachsene werden, die ihren Mann stehen?

Auch mein Mann und ich hatten vor einigen Wochen die Entscheidung zu fällen: Schicken wir Filius auf eine Privatschule oder nicht? Grundsätzlich sprach viel für die internationale Schule: das Nachmittagsangebot und die Betreuung. Als wir den Vertrag und das Kleingedruckte in den Händen hielten, sahen wir uns an und waren uns einig: Nein. Warum? Hier stand: “Kommt es zu Handgreiflichkeiten unter den Schülern mit Beteiligung ihres Kindes, behält sich die Schulleitung vor, beteiligte Schüler selbst bei erstmaligem Vergehen ohne weitere Angabe von Gründen von der Schule zu weisen.” All diese Verwarnungen, Verbote, Androhungen machen es doch nur schlimmer:  wir erziehen unsere Jungs zu tickenden Zeitbomben, wenn ich es so drastisch ausdrücken darf. Wir schüchtern sie ein und stellen sie still. Denkt mal darüber nach, was heute mit einem Michel von Lönneberga wäre? Wir würden ihn wieder treffen: in einem Erziehungscamp für Schwererziehbare.

Alles in allem machen es sich Eltern und Pädagogen oft zu einfach: Funkioniert das Kind zu Hause nicht, geben die überforderten Eltern ihre Pflicht ab an pädagogisches Personal. Pflegt der Bub einmal im Monat einen Wutanfall im Kindergarten, wird es der Erzieherin zu viel und rät, das Kind doch in eine Ergotherapie zu stecken. Und so weiter, und sofort… Kinder, und hier eben aufgrund ihres Bewegungsdranges vornehmlich Buben, werden weitergereicht. Mit jeder Station kranker geredet. Das muss sich ändern.

Ob unser Sohn brav ist? Manchmal. Manchmal auch nicht. Und gelegentlich richtig wütend. In solchen Momenten ziehen wir ihm die Jacke an, und gehen mit ihm radeln. Nach zehn Minuten ist der Zorn veflogen. Nach einer halben Stunde ist er bestens gelaunt. Und nach einer Stunde fix und fertig und schläft fast über seinem Eis ein.

Eure Sina
Papa-Kind und Sohn-Mama

42 Antworten zu “Stuhlkreis-Weicheier selbst gemacht.”
  1. Berni sagt:

    Oh ja, Du sprichst mir aus der Seele. Wenn einem das noch nicht reicht, der sollte sich diesen Beitrag noch ansehen: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1078550/Nur-das-Beste-für-mein-Kind

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  2. Heiko sagt:

    Dem stimme ich voll und ganz zu!

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  3. martin2 sagt:

    Ich stimme dir auch zu. es ist eine unnatürliche Erziehung, die dem natürlichen Instinkt von Jungen widerspricht.
    Andererseits: Brauchen wir in der Zukunft nicht auch Weicheier? Männer die stundenlang auf einem Bürohocker sitzen können, eine Chefin haben, die immer ganz lieb ist und Kolleginnen, die ständig schauen, dass sich alle einer Meinung sind? Trotz Alterspyramide wird es nicht mehr Möglichkeiten für Männer geben, da Tatkräftige Arbeit wegrationalisiert wird. Erst studieren, wo auch nur Artigkeit verlangt wird, dann 5 Jahre Praktikas absolvieren, Mobil sein in ganz Europa, wo du gar keine Beziehung oder ein normales sxxzualleben aufbauen kannst – jeder Mann weiss, was das heißt- und dann noch in so eine Frauenfirma und immer lächeln müssen.
    Da gibt sich jeder Mann die Kugel, wenn er einen normalen T#stosteronspiegel hätte. Deshalb finde ich die Weichei-Erziehung gar nicht schlecht. Frauen brauchen auch keine Männer mehr. Im schlimmsten Falle verdienen sie mit einem Putzjob mehr und als Karrierefrau sowieso, als ihr Mann im Praktikum und falls sie doch mal keinen Job haben, ist es auch besser sich von dem Mann zu trennen, weil dann die Hartz4hilfe höher ist, als wenn sie mit ihm in einer Wohnung leben würde und er 400€ beisteuert.
    Deswegen sollte man sich als Mann entweder darauf vorbereiten Deutschland zu verlassen oder nach Medikamenten suchen die ihn ruhigstellen. Was liegt da näher als bei den Jungs gleich anzufangen. Aus Sicht der Feministen ist man als Mann ja doch nur eine Fehlentwicklung.

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  4. Stefan sagt:

    Mir geht der ganze PeKIP und mehrsprachige Kindergärten Quatsch auch auf den Zeiger. Ich muss mich schon blöd anschauen lassen, wenn unser Wurm mal richtig im Dreck suhlt und Spass hat. Aber das ist mir sowas von egal….. :)

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  5. Joachim sagt:

    Danke!

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  6. Melanie sagt:

    Bin über den urbia Beitrag auf Facebook hier gelandet und finde Deinen Beitrag klasse. Hab das Gefühl, die Diskussion über dieses Thema nimmt zu, was schon mal gut ist! Unser Sohn ist noch klein, aber ich werde versuchen diese Denkanstösse im Hinterkopf zu behalten, bis es zur ersten “Klopperei” auf dem Spielplatz kommt :-)
    Liebe Grüße, Melanie

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  7. Osch_ sagt:

    Schöner Beitrag, den ich guten Gewissens unterschreiben kann!

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  8. Andrea sagt:

    Endlich endlich traut sich jemand sagen, wo manche Problemchen begraben liegen. Kann Dir in allen Punkten eigentlich nur Recht geben und so gar keine Kritik äußern.
    Danke!

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  9. tdecius sagt:

    Unterschrieben!

    Wir haben zwar ein Mädel, aber es verhält sich nicht anders.
    Mal braucht sie ihre Ruhe, mal ist sie schlecht gelaunt oder hat keine Lust.
    Einen Bewegungsdrang haben diese Zwerge genauso wie junge Hunde, da muss gerannt und getobt werden, einfach wild!
    Und dieses Ventil darf man nicht verstopfen.
    Auch wenn sie noch so klein sind, so haben sie doch ihre Persönlichkeit, ihre Launen und Lüste. Natürlich müssen sie an Ecken und Kanten stossen und auch die Grenzen kennen lernen, aber man darf sie nicht platt bügeln, damit es den Eltern bequem ist…

    Und vor aller Haarerauferei machen sie doch eins vor allem: Spass!

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  10. Lutz sagt:

    Problem erfasst -1 mit *, Danke!

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  11. Frank sagt:

    Kleine Anmerkung zum Thema Ritalin: Auch wenn ADHS inflationär von unqualifizierten Hausärzten diagnostiziert wird, gibt es doch ein paar Kinder, die diese Krankheit tatsächlich haben. Diesen kann auch mit Ritalin u.ä. Medikamenten wirklich geholfen werden. Zu allem anderen: Full ACK!

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    • manomama sagt:

      @Frank
      Bin ich völlig Deiner Meinung. Die Eltern, die ein ADHS-Kind haben, brauchen eh schon starke Nerven und größtmögliche Unterstützung. Übrigens: Man hat neuesten Studien zufolge festgestellt, dass Farbstomme in Lebensmitteln (klassische E xxx) diese Krankheit fördern, ja sogar auslösen können. Allein in meinem Bekanntenkreis aber habe ich drei (!!!) Mütter, die insgesamt acht (!!!!!!) in meinen Augen völlig normale Kinder mit diesem Medikament ruhig stellen. Weil es bequem ist. Weil sie mit Yoga und Shoppen beschäftigt und weil sie mit einem völlig normalen Kind scheinbar überfordert sind.

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  12. pia sagt:

    Du hast völlig recht, ich rede, schreibe und handle schon seit Jahren an gegen diesen Frühförderquatsch, und vor allem gegen das angeblich Aggressive bei Jungs. Mir sind allerhand pädagogisch Ausgebildete begegnet, die keinerlei Ahnung hatten, wie man mit 5 oder 6jährigen Jungs umgehen muss (kann), welche Ansprache sie brauchen und wie man mit Aggressivität umgeht oder wie man deren Ursachen ergründen kann. Stattdessen: “Geh doch bitte mal wegen Verhaltensauffälligkeit zum Arzt mit deinem Kind, es hat im Bällebad ein anderes Kind mit Bällen beworfen.” O-Ton einer ERZIEHERIN zu einer Mutter.
    Wir haben einen Sohn und zwei Mädchen, da sieht man deutliche Unterschiede in der Kommunikation, die im ersten Fall mal robuster ausfallen muss. Körperlich. Im oben beschriebenen Sinn, rausgehen rennen, fahrradfahren. Und vor allem: non-verbal. Fällt mir oft nicht leicht, ich rede gern…

    Persönlich halte ich es als Elternteil (Volte zurück zum Frühförderwahn) gerne und ausgiebig mit diesem hier verbloggten Manifest der faulen Elternschaft. http://www.denkding.de/?p=131

    Inzwischen gibt es für uns, um Gerechtigkeit walten zu lassen, nach anderthalb Jahren ohne, wieder einen Kindergarten, einen anderen, mit dem unsere Tochter glücklich ist. Der Sohn geht schon zur Schule und ihm hat es kein bisschen geschadet, das letzte Jahr davor mit uns zu verbringen. Ohne Extrapädagogik.

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  13. Matthias Noortwijck sagt:

    Mensch Sina, klasse! Du triffst einmal mehr den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf! DANKE!!!

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  14. Markus sagt:

    Da fällt mir eigentlich nur ein:”Mein Kind ist geiler als dein Kind.” http://www.youtube.com/watch?v=wUFQTnV-N4I

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  15. gruebler sagt:

    Passt zum Thema
    http://www.13ml.de/bedenkenswert.htm

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  16. […] hat einen lesenswerten Beitrag zum Thema “Sind Jungen heute schwieriger als früher?” aus der Sicht einer Mutter […]

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  17. Mandy sagt:

    wie wahr! dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer: liebe eltern, erinnert euch doch bitte an eure eigene kindheit und daran, wie viel zeit ihr für euch allein zum spielen, mit freunden und vor allem ohne aufsicht hattet? und, hats geschadet?

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  18. rocktpapa sagt:

    Alles sehr richtig. Nur ein kleines Caveat: die Erwartungshaltung an Jungs, die Du ansprichst, ist nur eine von vielen. Du selber hast ja auch eine – die mit dem Dreck und dem Käfer fangen und dem Raufen. Ich weiß auch nicht, welche die richtige ist, und wieviel Förderung man seinem Kind zumunten darf bzw. schudig ist. Aber Texte wie deiner helfen, finde ich, sehr beim drüber nachdenken.

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  19. gerry sagt:

    Auch ich kann den Beitrag voll unterstützen! Kinder einfach Kinder sein lassen, das ist ebenfalls meine Devise. Ich bin Vater von zwei sehr aktiven Jungs. Klar, dass sie zwischendurch mal gebremst werden müssen. Aber wir handhaben das dann ähnlich, wie du mit dem Fahrradfahren… Im sportlichen Rahmen sich austoben und gut ist.

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  20. pia sagt:

    @rocktpapa
    ich denke nicht, dass das eine Erwartungshaltung ist, wenn Sina vom im Matsch spielen lassen spricht. Hätte sie einen Sohn, der lieber liest oder näht…, ich denke sie hätte damit keine Schwierigkeiten. Es geht ja nicht darum, das was man für “typisch Junge” vom Kind zu verlangen, sondern das zu sehen, was er ist.

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    • manomama sagt:

      @Pia @Rocktpapa
      Mir wäre völlig egal, was mein Sohn täte. Um ehrlich zu sein: er ist eher der “Bastler & Maler”. Worum es mir geht, wie Pia richtig erkannt hat, ist die Tatsache, Kindern den Freiraum zu lassen, den sie für ihre Entwicklung benötigen. Diesen würde ich ihm nehmen, wenn ich seine “Frezeit vollpumpe mit Aktivitäten der besonderen Art…

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  21. pia sagt:

    da fehlt ein “hält” nach “typisch Junge”…

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  22. Martin sagt:

    Herzlichen Dank für den Artikel. Kann nur zustimmen. Bei vielen Dingen, die sich um die lieben Kleinen drehen, fragen meine Frau und ich uns immer “Hey, gab es das bei uns schon? – Nein! – Hat es uns geschadet? Uns gefehlt? – Nein!”. Das gilt für Baby-Yoga, Früh-Englisch genauso wie für viele der Produkte aus den Babyläden. Ach ja, unsere Tochter aß auch mal Sand auf dem Spielplatz. Und wir hatten kein Sagrotan dabei … ;-)

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  23. Bei uns wird den Kindern wurde beigebracht, daß sie sich bei Konflikten nicht selbst körperlich wehren dürfen, sondern den Erzieherinnen Bescheid sagen müssen. Petzen par Excellence.
    Kinder die den Mund nicht schnell genug aufkriegen und schlechter erklären können, werden oftmals bestraft, obwohl ‘die Petze’ eigentlich angefangen hat.

    Auch in der Freizeit habe ich das Gefühl, daß die Kinder aus der Gruppe nicht miteinander spielen, sondern darauf lauerern, daß der oder die Nächste geschimpft wird. Dann erscheint ein kleines Grinsen auf ihrem Gesicht.

    Als die Gruppe zur Überbrückung in ganz kleinen Räumen untergebracht wurde, verschäfte sich die Situation. Mehrere Kinde fingen an, ihre Shirts und Pullis zu zerbeißen. Bei einem Elternabend wurde uns diese Horrorshow dann als “wunderbares Training für soziale Kompetenz” verkauft.

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  24. manomama sagt:

    @DasBogenfenster
    Was ich noch viel schlimmer finde: im Kindergarten von Filius sind die Kinder angehalten, der Erzieherin mitzuteilen, wenn sich z.B. zwei andere Kinder auseinandersetzen. Das geht einfach nicht. Ich habe mich diesbezüglich schon oft an diesen besagten Elternabenden aufgeregt. Aber die Kuschelmamis finden das völlig in Ordnung. Seitdem besuche ich keine dieser völlig überzogenen Veranstaltungen mehr.

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  25. Ralph sagt:

    Bei meinem Sohn ist es leider schon zu spät – er wird schon ruhig gestellt. Ich habe da nicht mit zu reden, er wohnt 500km entfernt und ich habe kein (erziehungs)recht. Allerdings bräuchte wohl die Mutter ne Erziehung … ABER – auch die “Pädagogen”. Dank der oben schön beschriebenen Regeln wurde mein Sohn nun nicht nur auf Ritalin gesetzt, sonder wurde nur für die Hauptschule zugelassen. Und nicht wegen der schulischen Leistungen – die wären ok gewesen. In den letzten 6 Monaten war er in einer phychologisch betreuten Schule und hat neben einem hervorragenden Beurteilung auch noch ein Zeugnis mit dem er auf Gymnasium gehen könnte. Seine Betreuerin meint das nun das schlimmst passiert was passieren kann – er muss auf die Hauptschule – und da wird es mit sicherheit nicht besser wenn er sich dort behaupten muss. … Und ich kann nur zusehen wie seine Tränen laufen – bzw. zuhören, denn wir sehen uns selten und telefonieren regelmäßig.

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    • manomama sagt:

      @Ralph
      Oh, mein Gott! Als ich deinen Kommentar las, bekam ich Gänsehaut. Wie kann man es nur zulassen, Kinder – unsere Zukunft – derart zu zerstören?! Ich wünsche Deinem Filius alle Kraft der Welt, dass er bald aufwacht und sich für die richtige Seite entscheidet. Und Dir Ruhe und Gelassenheit (wenngleich es sehr einfach gesprochen/geschrieben ist), diese bedrückende Situation durchzustehen.

      lg
      Sina

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  26. Claudia sagt:

    Mein Sohn ist “schwierig” – nach der Definition der anderen. Er geht auf die Schule zur Erziehungshilfe. E-Schule. Er ist 7 – jetzt in der ersten Klasse. Laut Regel-Grundschule wäre er “nicht beschulbar” gewesen.

    Im Vorfeld lief das ganze Program: Kinderpsychatrie, Tests. Zum Glück für uns konnte die Diagnose ADHS nicht eindeutig festgestellt werden. Somit bleibt uns Ritalin erspart.

    Mir trifft Dein Bericht mitten ins Herz. Unsere Kinder dürfen in der Gesellschaft nicht mehr “normale wilde Jungs” sein. Das macht mich traurig. Die kleinste Aggression wird schon als abnormal diagnostiziert. Im Kindergarten war es ein Spießrutenlaufen.

    Was mir im Alltag am allermeisten geholfen hat: Die Ideen der gewaltfreien Kommunikation. Damit komme ich auch in den schwierigen Situationen meistens noch an ihn heran.
    Die Bücher von Marshall Rosenberg kann ich nur jedem ans Herz legen.

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  27. Kathrin Pöhlmann sagt:

    Da möcht ich mich jetzt aber auch mal als Mädchenmutter einmischen. Ich gebe zu gar keine Ahnung von den besonderen Anforderungen, die ein Sohn stellt, zu haben. Allerdings werden unsere Kinder nun mal nicht nach Geschlechtern getrennt betreut. Wir haben ein Jahr in einer Einrichtung hinter uns, in der Kinder einfach nur Kinder und Jungs einfach nur Jungs sein dürften. Auch Frühförderung oder Förderung überhaupt war dort kein Thema. Man ließ die Kinder völlig frei und auf sich gestellt spielen. Wenn die Jungs prügeln wollten, um ihre Aggressionen abzubauen (oder warum auch immer), dann durften sie das. Nur tappste meine kleine – damals 3-jährige – Maus damit plötzlich in einer Horde wildgewordener Vorschuljungs und bekam mehrmals sowohl verbal als auch körperlich was ab. Und was soll ich ihr nun sagen? Das gute alte “Dann hau zurück.”? Das verbietet mir mein Gewissen. Soll man von einer Dreijährigen ernsthaft erwarten, dass sie dem etwas entgegensetzen kann? Ich hätte mir gewünscht, dass man diesen Jungs damals auch Grenzen gezeigt hätte. So sehr sich die Buben vielleicht auch mal körperlich austesten müssen, so sehr muss man ihnen auch beibringen, dass Rücksichtnahme immer ein Thema ist. Im Kindergarten wie im späteren Leben.
    Man kann natürlich darauf hoffen, dass die schroffen Jungs das später irgendwann lernen. Ich denke nicht, dass ein Junge ein Weichei wird, weil man ihm Handgreiflichkeiten verbietet. Erziehen heißt ja auch Grenzen setzen und aufs Leben vorbereiten. Wenn doch, dann bitte wieder reine Jungs- und Mädchenschulen. ;-)

    Zur Frühförderung… Ein schwieriges Thema. Ich glaube nämlich, dass wesentlich mehr Kinder unter- als überfordert werden. Natürlich sollen die Kids nicht mit vollen Terminkalendern vom Sprach- zum Sportunterricht gezerrt werden, aber was mit “einfach Kind sein und spielen” noch ganz nett klingt, ist in der Praxis doch oft eher ein passives Konsumieren von TV, PC und Co.. Wirkliches Spielen ist nämlich eigentlich die perfekte Förderung, oder?

    Wie so oft liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen – zwischen Japanischkurs und Baumhaus.

    Und bevor nun Missverständnisse aufkommen…. Das ist ganz allgemein zum Thema, weil ich da auch schon meine schmerzhaften Erfahrungen sammeln musste und nicht an Sina gerichtet, die den Beitrag schrieb. Den Filius liebt die Prinzessin nämlich sehr – obwohl oder gerade weil er ein Junge ist. Früher oder später verfallen wir den Jungs doch alle. ;-)

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  28. Serafine sagt:

    … ich finde etwas befremdlich, was für Erfahrungen ihr im Kindergarten macht. gibt’s bei uns bzw. in den Einrichtungen, die unsere Kinder besuchen, so nicht. selbst in der Krabbelstube nicht. wie habt ihr diese Einrichtungen denn ausgewählt?

    kann auch sein, dass der Betreuerschlüssel zu niedrig ist (dann sind sinnvolle Maßnahmen evtl nicht umsetzbar)?

    “das hat uns auch nicht geschadet” finde ich haarsträubend. die Elterngeneration, die hier beklagt wird, ist immerhin die, der es “nicht geschadet hat”.

    und wenn dann noch unkommentiert Sprüche von “Frauenfirmen, in denen nur gelächelt wird” kommen, dann frage ich mich erst recht, ob es nicht doch geschadet hat …

    hier dürfen Kinder sich auch dreckig machen. meine gehen in einen Waldkindergarten, da kann man das Kind manchmal unter dem “Dreck” nur vermuten.

    insgesamt ziehe ich “selber handeln” und sein Leben wie auch die pädagogischen Einrichtungen aktiv (mit-) gestalten dem Schubladendenken vor. es gibt Elterninitiativen und da wird nicht nur gekuschelt.

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  29. Roman sagt:

    @Ralph
    Traurig, aber leider wahr. Wie wäre es denn mit dem Versuch, das du das Sorgerecht und somit die Verantwortung übernimmst?

    lg, Roman

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  30. ramona sagt:

    ..stimmt Serafine zu

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  31. pia sagt:

    @serafine
    da fühle ich mich direkt angesprochen, bei “Erfahrungen mit Kindergarten”. Wir lebten im winzigen Dorf und es gab nur eine einzige Einrichtung. Keine Alternative. Nicht, dass wir nie miteinander gesprochen hätten…
    Mehr Konkurrenz würde vielleicht zu kompetenterem Personal führen, aber in einem Dorfgefüge, wo jeder jeden kennt und wir als die zugezogene und uns einbringende Familie Kritik haben an der Kindergartentante, bei der man schon selbst damals Scherenschnitte gemacht hat… nein, das war nicht möglich. Wir sind umgezogen, die Kinder gehen jetzt in eine Einrichtung, in der ein ganz anderer Wind weht.

    @kathrin Pöhlmann
    Ohne Grenzen geht es nicht! So meint es glaube ich aber auch keine(r) hier. Eine Horde Vorschulkinder kann man nicht den ganzen Tag sich selbst überlassen und eine 3-jährige hineintapsen lassen…
    Eine Einrichtung muss Angebote machen, wo die Jungs ihre Kräfte einsetzen können, als Mutter muss ich ebenfalls eine Vorstellung davon haben, was gerade ansteht im Leben und Heranwachsen meines Jungen, und wie sich das verträgt mit meinen Grenzen, den Grenzen der kleineren Kinder (meine sind fast 4, 5, und fast 7). das ist anstrengend – aber das ist der Job!

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  32. nubyra sagt:

    Hallo zusammen! Ja, es ist ein Streitthema! Endlich! Ich dachte schon an Therapie, weil ich offen zu sagen wagte, dass es völlig normal ist, dass sich Jungen Prügeln. Und das ich zurückhauen erlaube. Und das ich petzen widerlich finde. Sicher, es gibt Dinge, da besteh ich drauf, dass meine Kids (3 Jungs) damit zu mir kommen. Und ja, sie sollen sich nicht prügeln aber sie tun es doch! Und es ist normal! Unsere Aufgabe ist es, ihnen beizubringen, wann Schluss ist! Unsere Aufgabe ist es, ihnen beizubringen, dass man den anderen nicht soweit reizt und wenn es geht, dann auch noch petzen kommt. Ihnen zu zeigen, dass man sich auch mal einfach aus dem Weg gehen kann. Und wenn der grüne Stift eben rot ist und das auch noch beim dritten Mal, dass das kein Grund ist auszuticken sondern einfach nur sich umzudrehen und zu gehen, sich seinen Teil zu denken. Solange, bis sie das begriffen haben, prügeln sie sich. Und solang steh ich (zwar selbst wutschnaubend) zwischen ihnen, nachdem sie einmal zugehauen und sich einmal gewehrt haben. Dann hören sie von mir “Ihr seid jetzt quit!”
    Ich kann mich nicht erinnern, dass sämtliche Jungs und Männer wahnsinnig aggressiv geworden sind. Im Gegenteil. Frauen zicken ihr lebenlang einander an. Männer hauen sich ein’s in die Fre*** (wie man so schön sagt) und gehen dann zusammen ein Bier trinken. Weil sie gelernt haben, wann Schluss ist.
    Deswegen Daumen hoch für manomama und ihre Offenheit! Auf das wir Männer erziehen und keine muskulösen Zicken!

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  33. vinz sagt:

    Auch aus professioneller Sicht stimme ich dir zu. In meiner Kita wurde lange und breit darüber diskutiert, ob man sog. “Spaßraufen” überhaupt zulassen soll, da ja die nächstgelegene Volksschule eine Zero-Tolerance-Linie fährt und bereits ab der 1. Klasse Raufereien mit Verweisen ahndet.
    Die Problematik ist jedoch so simpel wie weitreichend: Machtkämpfe, Rangkämpfe und schlichte Streitereien müssen immer irgendwo außerhalb der Schule und dem Pausenhof ausgetragen werden. Darin liegt für mich aber die große Gefahr, da hier künstlich ein Ungleichgewicht zwischen aufgestauter Aggression und Fairnessempfinden. Im Klartext: versteckte Prügeleien arten viel leichter aus und werden brutal.

    Also bleibt mir als Erzieher gar nichts Anderes übrig, als Alltagsraufereien teilweise “zuzulassen” indem ich nicht sofort eingreife oder gelegentlich mit den Schultern zucke, wenn Kinder zum petzen kommen.

    Wichtig wäre hier jedoch für jede Kita, dass Rahmen und Möglichkeiten für körperliche Auseinandersetzungen geschaffen werden. Ab in die Turnhalle, 1 Matte auf den Boden und die Kontrahenten unter Aufsicht ihre Kräfte messen lassen.

    Mal sehen, wie lange mich meine Chefin noch vor den “Kuschelmamis” schützen kann ;-)

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  34. vinz sagt:

    Ach ja, noch zu Ralph:
    Echt traurig sowas! Wo es doch auch anders geht!
    Ich bin ziemlich stolz auf meine Kita und speziell meine Gruppe:
    Wir haben knapp 80 Kinder und nur 1 (!!) Mädchen bekommt Ritalin. Und das in einer Zeit, in der von Hausärzten sogar Erwachsenen solche Psycho-Hämmer empfohlen werden.

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  35. […] schönsten Blogbeitrag, den ich in dieser Woche gelesen habe, fand im im Blog von Manomama. Sina hat es es hier wirklich auf den Punkt gebracht – Jungs dürfen einfach keine Jungs mehr […]

       0 Stimme(n)

  36. Frau Weide sagt:

    Interessante Perspektive, gut dargestellt – danke!

    Ich habe mit Kindern zu tun, die nicht gelernt haben, wie man fair kämpft, und die deshalb auch nicht wissen, wann’s genug ist. Die ernsthaft verletzen und noch mal nachtreten. Diese Kinder müssen mühselig Regeln und Rituale einüben, die verhindern, dass sie im Konflikt die Kontrolle verlieren.

    Dann lieber den Kampf ausprobieren, solange sie noch klein sind und ein Gespür für Fairness entwickeln können.

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  37. derPapa sagt:

    Herrlich, aber so ist es! Ein Stück wahres Leben und leider greife ich auch noch zu oft ein, aber gewöhne es mir gerade extrem ab, denn meine Kinder sollen “Biss” bekommen und das erwähnte Selbstvertrauen.

    Was ist wenn Junge sich mit Mädchen raufen will…ich verbiete es meinen Töchtern nicht, sie sollen nur fair bleiben…

    Danke für den tollen Beitrag

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