Archiv für den Monat Juli 2010

Doppelt genäht: öko und sozial.

Freitag, 30. Juli 2010 2 Kommentare »
Abgelegt unter Presse

Das freut mich sehr:

In der Bibel der konventionellen Branche ist ein wunderschöner Artikel über manomama: in der Textilwirtschaft, Ausgabe 29.07.2010.

Ein herzliches Dankeschön für ihren Besuch und den netten Kaffeeplausch, liebe Frau Platen!

(Bei Klick aufs Bild erscheint der Artikel lesbar ;-) )

 

 

Stuhlkreis-Weicheier selbst gemacht.

Dienstag, 27. Juli 2010 42 Kommentare »
Abgelegt unter Kinder

Robert von @urbia teaserte eben einen Artikel an, in dem gefragt wurde: Sind Jungs heutzutage schwieriger als früher? Die Antwort ist ganz einfach: nein, sind sie nicht. Was sich allerdings geändert hat, sind zwei Dinge: die Eltern und die pädagischen Einrichtungen. Fangen wir bei dem Grundübel Nummer eins an: Eltern.

“Selbstverständlich haben wir alle Zusatzmodule gebucht, schließlich möchten wir nicht, dass bei Raphael das Sprachfenster zu geht!” Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit einer dieser affektierten Müttern aus unserem Kíndergarten. Das einzige, was hier zugehen sollte, ist ihr persönliches Fenster – in ihrem Kopf zieht es meiner Meinung nach gewaltig. Um vermeintliche Weichen bei ihrer ach so wohlbehüteten Brut frühestmöglich zu stellen, nehmen sie ihren Kindern die Kindheit, ja der elterliche Ehrgeiz raubt ihren Söhnen und Töchtern ein wichtiges Stück Leben: eben jenes, in dem man unbekümmert, frei von Sorgen und Gedanken, einfach machen darf. Anstelle Käfer zu sammeln, sich im Dreck zu suhlen und einfach nur zu spielen müssen sie funktionieren. Dreijährige haben heute bereits einen Freizeitstress, dem man einem Erwachsenen medizinisch raten würde, abzubauen, sonst zöge man sich im Laufe der Zeit einen Herzinfarkt zu. Dass dieser verplante Alltag, in dem jeglicher Raum für freie, kindliche Entfaltung schlicht nicht vorkommt, einem Kind, insbesondere einem Jungen, zu schaffen macht, muss nicht erklärt werden. Versucht das Kind dann aus dem Tagesablauf auszubrechen, ist er schwierig. Fährt der Kleine einen Wutanfall auf, weil es ihm schlicht reicht – verabreicht man ihm, nicht zuletzt aufgrund der eigenen Hilflosigkeit und (ja, das unterstelle ich aus Erfahrung) Bequemlichkeit, Ritalin – und weiter geht’s. Nach Plan. Elterlichem Erfolgsplan.

Neben den Eltern sind die pädagogischen Einrichtungen in meinen Augen ein weiteres Problem. Um zehn Uhr Stuhlkreis. Kollektives Kuscheln inklusive. Im Kindergarten hat man sich lieb. Kinder, besonders auch hier wieder die Buben, wissen überhaupt nicht mehr, wohin mit ihrer überschüssigen Kraft, schließlich wurde erneut die Wanderung gestrichen, weil Englisch wegen Vorschule verschoben wurde und auch das Würzburger Sprachtraining noch wartet. Kommen sich zwei mal in die Haare – was übrigens in meiner Kinderheit normal war (und ich mich immer wieder gerne mit den Buben kloppte ;-) ) - werden sogleich die Eltern informiert, dass “Marvin dem Robin eine runtergehauen” hat. Dieses “Petzverhalten” verhindert auch, dass Kinder Selbstvertrauen aufbauen und selbstständig werden. Sie machen nichts mehr untereinander aus, dürfen sie auch nicht. Nein – können sie nicht. Die stille Treppe wartet bereits beim kleinsten auffälligen Verhalten. Kinder möchten Grenzen austesten, sich messen und behaupten – wie bitte soll das in dieser verweichlichten Umgebung gehen? Ich gehe gerne einen Schritt weiter: Wie soll aus diesen armen Jungs (ja, ich nenne sie so) einmal Erwachsene werden, die ihren Mann stehen?

Auch mein Mann und ich hatten vor einigen Wochen die Entscheidung zu fällen: Schicken wir Filius auf eine Privatschule oder nicht? Grundsätzlich sprach viel für die internationale Schule: das Nachmittagsangebot und die Betreuung. Als wir den Vertrag und das Kleingedruckte in den Händen hielten, sahen wir uns an und waren uns einig: Nein. Warum? Hier stand: “Kommt es zu Handgreiflichkeiten unter den Schülern mit Beteiligung ihres Kindes, behält sich die Schulleitung vor, beteiligte Schüler selbst bei erstmaligem Vergehen ohne weitere Angabe von Gründen von der Schule zu weisen.” All diese Verwarnungen, Verbote, Androhungen machen es doch nur schlimmer:  wir erziehen unsere Jungs zu tickenden Zeitbomben, wenn ich es so drastisch ausdrücken darf. Wir schüchtern sie ein und stellen sie still. Denkt mal darüber nach, was heute mit einem Michel von Lönneberga wäre? Wir würden ihn wieder treffen: in einem Erziehungscamp für Schwererziehbare.

Alles in allem machen es sich Eltern und Pädagogen oft zu einfach: Funkioniert das Kind zu Hause nicht, geben die überforderten Eltern ihre Pflicht ab an pädagogisches Personal. Pflegt der Bub einmal im Monat einen Wutanfall im Kindergarten, wird es der Erzieherin zu viel und rät, das Kind doch in eine Ergotherapie zu stecken. Und so weiter, und sofort… Kinder, und hier eben aufgrund ihres Bewegungsdranges vornehmlich Buben, werden weitergereicht. Mit jeder Station kranker geredet. Das muss sich ändern.

Ob unser Sohn brav ist? Manchmal. Manchmal auch nicht. Und gelegentlich richtig wütend. In solchen Momenten ziehen wir ihm die Jacke an, und gehen mit ihm radeln. Nach zehn Minuten ist der Zorn veflogen. Nach einer halben Stunde ist er bestens gelaunt. Und nach einer Stunde fix und fertig und schläft fast über seinem Eis ein.

Eure Sina
Papa-Kind und Sohn-Mama

Menschen 2.0 on air

Freitag, 23. Juli 2010 3 Kommentare »
Abgelegt unter Rund um manomama-Produkte

Unsere Aktion www.menschenzweinull.de zieht Kreise, die wir niemals dachten. Deshalb gehen wir ja auch in die zweite Runde: www.bit.ly/menschenzweinull. Heute gab Sina Radio NRJ ein Interview. Wer es verpasst hat, hier ist es:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Für alle, die lieber lesen möchten, hier der Link zur Transskription (vielen herzlichen Dank, liebes @eimerchen): http://www.manomama.de/blog/trasskript-interview-nrj/

(Nach)halten muss er…

Freitag, 23. Juli 2010 15 Kommentare »
Abgelegt unter Hinter den Kulissen, Kleine Warenkunde

Für manche Dinge gibt es keine “ökologische” Alternative: für Reißverschlüsse zum Beispiel. Alle Versuche unsererseits, diese Verschlußmechanik z.B. mit Naturkautschuk oder die Krampen aus gepresster Zellulose zu lösen, schlugen fehl. Und irgendwann erinnert man sich an das Gleichgewicht zwischen Ökologie und Ökonomie und muss auf bestehende Produkte zurückgreifen. Dass wir unsere Reißverschlüsse nicht aus Asien oder von großen internationalen Konzernen beziehen, ist kategorisch. Unsere kommen von den Heiligenstädter Reißverschlüssen aus – wie kommts – Heilbad Heiligenstadt.

Und trotzdem stellt sich uns eine Frage, die uns seit der Taschenentwicklung, immens beschäftigt: Was ist unter Berücksichtigung der Energiebilanz und Ökologie schlicht besser? Ein Reißverschluss aus Metall (oben rechts) oder sein Kunststoff-Bruder (oben links)?

Nachdem ich das gestern via Twitter schon zur Diskussion stellte und einige Fachleute ihre Infos bei mir einschmissen, war ich der Meinung, der Kunststoffverschluss wird es. Warum?

Der Kunststoff-Reißverschluss ist a) sortenrein (Trägerband, Gliederkette) ist aus Polyester, b) nach Rücksprache mit meinem erfahrenen konventionellen Textiler langlebiger (da er auch noch funktioniert, wenn eine Krampe (Zahn) abgebrochen ist, c) er aufgrund seiner Sortenreinheit schneller recycled werden kann und d) laut Energiespezialisten Kunstoffe bei der Gewinnung/Herstellung gegenüber Metall immer energetisch die Nase vorn hätten. Soft-skill der Kunststoffvariante: Weicher, und die Verletzungsgefahr (Aufschürfungen) sind nicht gegeben. Gerade bei Kindern für mich ebenso ein Aspekt.

Der Metall-Reissverschluss hat ebenfalls ein Trägerband aus Polyster, die Krampen sind aus Messing. Außer rein optischen Gründen habe ein Metall-Reißverschluss keine Vorzüge, sagt mein konventioneller Textiler. Genau deswegen hätte ich mich nach Abwiegen aller Vor- und Nachteile gestern für den Kunststoff-Reißverschluss ausgesprochen, obgleich auch ich eigentlich der Optik wegen gerne einen metallenen hätte…

Dann aber ging am Abend unter Fachleuten die Diskussion weiter. Deshalb bitte ich euch nun um eure Meinung. Kein Hersteller kann mir sagen, welcher Reißverschluss umwelfreundlicher wäre, um einen solchen kommen wir aber in manchen Dingen einfach nicht herum. Also, sagt an, welchen nehmen wir und warum?

Liebe Grüße,
Sina

Dachschaden reload, bitte nicht!

Donnerstag, 22. Juli 2010 Keine Kommentare »
Abgelegt unter Hinter den Kulissen

Bei uns siehts aus wie im Schweinestall: Möbel abgebaut, noch feuchte Stoffberge im Eck, die wir nun endgültig wegschmeissen, da der Gutachter es filmisch dokumentiert hat und nach 5 Tagen nun höllisch zu riechen beginnt. Platten und Paletten zum Neubeplanken morscher Dachbalken, und, und, und. Inmitten des Handwerker-Chaos wird genäht, um dem Stoffchaos Herr zu werden. Am Montag baten wir euch, uns zu helfen, die platzfressende Sweatware um 150 Meter zu reduzieren. Was soll ich sagen? Heute, vier Tage später, sind noch gut 30 Meter da. Diese Unterstützung – Sweatware zu kaufen bei 35 Grad im Schatten (das muss man bitte auch mal beachten!)  hätten wir uns nie träumen lassen und es beweist mir persönlich, dass meine Entscheidung, es mit einem ökosozialen Unternehmen einfach einmal zu versuchen, die richtige war: weil manomama die richtigen Kunden hat. Menschen, die auch als Konsumenten Werte hochhalten und helfen, wenn es brennt. Menschen, die auf ihre Art und nach ihren Möglichkeiten die Idee einer faireren Wirtschaft unterstützen. Menschen, ohne die ich wohl nicht die Kraft hätte, dieses verrückte Ding zu wuppen.

Gleich nach Kundtun des Dachschadens bekam ich zahlreiche Mails und Anrufe: ihr halft mir in Sachen Anwalt und Versicherung (wobei wir wohl auf einem Großteil des Schadens sitzen bleiben werden, mal sehen…), ihr habt mir Unterstellplätze in der Umgebung für Stoffe und Maschinen angeboten, ihr wärt mit Sack und Pack vorbeigekommen und hättet aufgeräumt, ihr wart da - mit Rat, Tat und guten Worten.  Ich kann nicht mehr, als euch, auch im Namen aller manomama-Beteiligten, dafür ein respektvolles, ehrliches “Dankeschön” zu sagen.

Was ihr hier oben seht, ist der Rest der ganzen Kinderbekleidung, die kaputt gegangen ist. Wir haben sie schon zwei Tage gewässert und nun trocknen sie gerade an der Luft. Anschließend geben wir sie in eine Hygienereinigung,  in der Hoffnung, die üble Brühe komplett hinauszubekommen. Wenn das gelingt, werden darin Neugeborene und Babies stecken, die es dringend nötig haben. So hat der Dachschaden zumindest noch ein bisschen was Gutes.

Wenn ihr noch helfen wollt, die restlichen Meter wegzuschmelzen, dann geht einfach Sweatware bei www.manomama.de shoppen. Wenn ihr bei eurer Bestellung “dachschaden” im Gutscheinfeld eingebt, erhaltet ihr als Dankeschön 25% des Verkaufspreises auf die Sweatprodukte gutgeschrieben. Diese Aktion werden wir noch bis 27. Juli 2010 stehen lassen. Nach Fertigung der Produkte gehen meine Näher/innen und ich in einen “Zwangs-Betriebsurlaub”, damit in den darauffolgenden zwei Wochen der Raum wieder hergestellt wird.

In diesem Sinne, lass den lieben Gott sich heute abend anders als vom Deutschen Wetterdienst prognostiziert, entscheiden: kein zweites sintflutartiges Unwetter. Bitte!
Eure Sina


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