Archiv für den Monat Juni 2010

In eckig und kurvig.

Mittwoch, 23. Juni 2010 3 Kommentare »
Abgelegt unter Allerlei, Hinter den Kulissen, Rund um manomama-Produkte

Heute haben wir jede Menge Menschen in manomama-Outfit für euch geshootet. Dabei gab es plötzlich die Situation, dass uns zwei schöne Mädels gleichzeitig vor die Linse sprangen. Steffi und Sandra – dazwischen liegen 5 Größen. Da fingen wir an zu überlegen. Darf man das einfach mal so vergleichend zeigen? Muss man vielleicht sogar? Bei manchen Katalogen hat man ja den Eindruck, es würden dort keine Klamotten, sondern Illusionen verkauft. Lasst euch gesagt sein: egal wieviel ihr für ein Kleidungsstück ausgebt, ihr werdet danach nicht wie das Model aussehen, dass es euch vorführt.

Das war auch der größte Grund dafür, dass wir komplett auf Models verzichten und Bilder mit normalen Jungs und Mädels zeigen. Würden wir Illusionen verkaufen wollen, bräuchten wir keine Produktion. Stattdessen wollen wir euch Bekleidung anbieten, in der ihr euch auch wohlfühlen könnt. Und das könnt ihr am Besten selbst abschätzen, wenn ihr die Teile an echten Menschen seht.

Leider, leider zeigen diese mit Models ihre Mode anpreisenden Anbieter doch immerhin die halbe Wahrheit. Nicht wenige Herstellen verzichten auf den Luxus der Größen ab 44. Menschen, die nicht dem klassischen schmalen Schönheitsideal entsprechen, dürfen diverse Marken auch nicht zur Schau tragen. Dass das ein wahrer Luxus ist, diese Gruppe auszuschließen, zeigen die Zahlen: etwa 60% der Frauen tragen 42 oder mehr. Oder mehr – genau. Über die Hälfte der Leute da draußen, die auch gut und öko-sozial gekleidet sein möchten auszuschließen, das ginge für uns gar nicht. Fair ist nämlich was anderes. Die Schnitte sollen sich dem Menschen und der Figur, ob dünn, ob stärker, anpassen – alles andere kann und darf einfach nicht sein.

Ach ja: und Falten werfen Kleider nunmal auch. Wir könnten es alles voher zig mal bügeln, stärken und anschließend schön retuschieren. Aber dann wären wir ja wieder bei dem Thema Illusion…

Deshalb: manomama ist einfach ehrlich, besser für alle. Besser - und für alle.

Eure Kathrin

Computer und so.

Donnerstag, 17. Juni 2010 Keine Kommentare »
Abgelegt unter Hinter den Kulissen

Ich freue mich riesig, dass das Konzept unseres guten Stückes so gut bei euch ankommt. Nun hatte ich eine Idee, bei der ich euch um Mithilfe bitten möchte.

Für unser nächstes gutes Stück suchen wir nämlich einen Spendenpartner aus dem groben Bereich Medienpädagogik. Gerne auch ein Projekt, dass Arbeitslose oder Senioren an den Umgang mit dem Computer heranführt, ihnen die Möglichkeiten der neuen Medien aufzeigt und/oder Senioren die Tür zum Internet öffnet.

Wer von euch weiß was, wer kennt entsprechende Einrichtung oder hat gar selbst schon von einem solchen Programm profitieren können? Schreibt mir an kathrin.poehlmann@manomama.de und sagt mir Bescheid.

Aber bitte denkt daran, der Spendenpartner muss eine anerkannt gemeinnützige Organisation sein. Sonst dürfen wir leider nicht Spenden, sondern nur Verschenken und das findet das Finanzamt nur begrenzt witzig. ;-)

Schöne Grüße,

Kathrin

Wir bilden aus!

Donnerstag, 17. Juni 2010 Keine Kommentare »
Abgelegt unter Stellenangebote

Bürokaufmann/Bürokauffrau – ein trockener Job? Nicht bei uns.

Um Dir das zu zeigen, bieten wir dir einen Ausbildungsplatz zum Bürokaufmann/zur Bürokauffrau ab September 2010 an.

Wer sind wir eigentlich?
Die manomama GmbH wurde erst im Frühjahr 2010 gegründet und kümmert sich als öko-soziales Unternehmen um die Produktion und den Vertrieb 100%ig öko-sozialer Textilien. In Prosa: Wir machen Bekleidung mit und fürs Herz – und fürs gute Gewissen. Wenn Du mehr über uns wissen möchte, findest Du uns im Netz unter www.manomama.de.

Was wir uns von Dir wünschen:
- kreative, strukturierte und lösungsorientierte Arbeitsweise
- Belastbarkeit und Optimismus
- keine Angst vor vielen Zahlen und großen Ordnern
- Mut, Wünsche, Ziele und einen Hauch Weltverbesserungswillen
- Bio ist für Dich nicht nur ein Lebenslauf.
- Im Internet bist Du zu Hause.
- Zuletzt eine gute abgeschlossene Schulausbildung (Mittl. Reife, Fachabitur).

Was wir dir bieten:
- eine Ausbildung, die weit über den üblichen Bürokram hinausgeht
- große Einblicke (vom Einkauf über Buchhaltung bis hin zum Vertrieb)
- Raum für eigene Ideen
- ein Team, das sich auf dich freut
- kein Kaffeekochen – das macht die Maschine selbst ;-)

Bitte schicke deine Bewerbung an Sina Trinkwalder ausschließlich per E-Mail unter sina@manomama.de.

Wir freuen uns!

Hochleistungsrosinenpicken ist 1.0.

Mittwoch, 16. Juni 2010 20 Kommentare »
Abgelegt unter Social Business

Eben hatte ich eine sehr konstruktive Diskussion mit @suewestcom zum Thema Verantwortung. An dieses Thema hin führte meine These (und übrigens ureigene Meinung), ein Unternehmer trägt deutlich mehr Verantwortung als ein Freiberufler, weil er schlicht Menschen direkt in Lohn und Brot stehen hat. Ist die Auftragslage bei einem Freiberufler schlecht, ist das unschön und er hat ein finanzielles Risiko für eine Zeit, herrscht jedoch dieselbe Situation in einem Unternehmen mit festen Angestellten, fixen Kosten in Form von Betriebsgebäude etc. ist die Kacke mal richtig am Dampfen.

Die Frage, die dann aufkam, war: alle Mitarbeiter, “Nettogehaltempfänger”, wie es @suewestcom formulierte, müssten ebenso unternehmerische Verantwortung übernehmen.

“Deshalb habe ich (und würde nur) MIT-Arbeiter einstellen, die verantwortlich (und mit-unternehmerisch) denken.” @suewestcom

Ja, das ist ein Ansatz. Intellektuelle Selektion. Ich werde das jetzt auch so machen. Meine Näher/innen prüfe ich vorher innerhalb eines Career-Trainings auf unternehmerisch-verantwortungsvolles Handeln. Ich werde sie beim Probenähen gleichzeitig den ROI des aktuell gefertigten Stückes ausrechnen lassen und sie Benchmarks setzen lassen. Im Team-Rollenspielen prüfe ich ab, wer von Ihnen schneller an der Maschine sitzt und so dem Unternehmen mehr bringt. Ihr wisst, worauf ich hinaus möchte?

Ich gebe euch ein Beispiel (nach Rückfrage darf ich):
Er ist hochintelligent, ein bisschen verschroben und völlig chaotisch, unstrukturiert und schlichtweg verantwortungslos: unser Werbekaufmann, nennen wir ihn Fritz. Mit 21 Jahren wird er es auch nicht mehr lernen. Er konnte es auch nicht lernen und hat es nie vermittelt bekommen – aufgrund einer (und es sollte reichen, wenn ich das so schreibe) heftigsten Kindheit. Aber: er macht seine ihm übertragenen Aufgaben mehr oder weniger ordentlich und ist eine Bereicherung fürs Team. Ja, liebe @suewestcom – du würdest ihn nicht einstellen, weil er Deinen Kriterien nicht entspricht. Er denkt nicht verantwortlich und schon gar nicht unternehmerisch. Wir aber haben ihn eingestellt und lehren ihm peu a peu Verantwortung zu übernehmen, weil wir als Unternehmer auch eine soziale Verantwortung sehen und dieser gerecht werden wollen.

Das Tolle in Unternehmen ist ja: die Mischung macht’s. Menschen, die aus welchen Gründen auch immer keine Verantwortung übernehmen möchten oder können, aber andere Qualitäten haben, werden mit verantwortet von Mitarbeitern, die über ihren eigenen Arbeitsplatz hinaus genügend Mumm und Kraft haben.

Ergo: wir müssen Menschen nehmen, wie sie sind. Es gibt keine anderen. Und die “Arroganz”, mir als Freiberufler oder Unternehmer, verzeih, nur die Hochleistungsrosinen herauszupicken mag sicherlich unternehmerisch eine feine Sache sein, wenn es um die Gewinnerzielungsabsicht geht. Den wahren Gewinn eines modernen Unternehmens sehe ich darin, Menschen, die solchen Selektionskriterien  nicht gerecht werden, eine Chance und einen sinnvollen Arbeitsplatz zu geben. Richtig, zu geben. Deshalb heute auch mein Satz: Ich investiere nicht mehr, ich gebe. Denn ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn Du diesen Menschen dein Vertrauen gibst, wird es, zwar langsam, aber sicher in Verantwortung zurückkommen.  

Am Schluss  - und das finde ich am wichtigsten:
Es gibt Gesellschaftsschichten, dort werden Kindern nicht einmal die Verantwortung für ihr eigenes Leben vermittelt. Wie sollen wir von diesen Kindern unternehmerisches Denken abverlangen? Hier müssen wir ansetzen und diesen Kindern in dieser Schicht eine echte Zukunft geben, in dem wir ihnen in Kindergärten und Schulen ermöglichen, zu lernen, wie man Verantwortung übernimmt.

Am langen Arm verhungern.

Dienstag, 15. Juni 2010 Keine Kommentare »
Abgelegt unter Gründerzeit-Geschichten

“Respekt vor soviel Mut”, sagte Wolfgang, als ich ihm von manomama erzählte. Seit Jahrzehnten verkauft er große Webmaschinen an Webereien. Heute ist er (im Vergleich zu mir – ich bin nämlich so gut wie gar nicht mehr da ;-) ) nur noch selten auf dem Golfplatz zu sehen: “Die Zeiten haben sich völlig geändert, nebenbei verkaufe ich Finanzdienstleistungen. Anders geht es nicht!”, sagt er. Doch, denke ich, es geht anders – nur braucht es Zeit.

Zeit, die ich mir heute nahm, um meine Mission “Bringe es nach Hause” weitervoranzutreiben und den Punkt “Strickstoffproduktion” auf meiner Todo-Liste mit seinen “alten Garn-Kontakten auf der Alb” abzugleichen.

“Ja, Stricken können die hier auf der Alb wie die Weltmeister, alleine den Strickern die Rohware als Garnhersteller zu liefern, ist das Problem bei vielen!”, sagt mir die freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung. Mir war schon bekannt, dass sich die Rohwarenpreise generell um ca. 30% erhöht haben, aber das kaum mehr Bio-Baumwolle zu bekommen sei, war mir neu.

“Nein, wir haben langfristige Lieferverträge mit der Türkei oder der Ägäis. Viele unserer hiesigen Kollegen, sofern es die nicht im letzten Jahr eh schon erwischt hat, sind mit Asien verbandelt. Nehmen sie doch mal Indien. Die haben ein Exportverbot für Baumwollfasern erlassen. Jetzt kürzlich auch einen Auslieferstopp für Garne. Und wofür das alles? Damit das schön im Land bleibt und sie ihre Textilwirtschaft schützen. Wer uns schützt, fragt niemand. Die lassen uns am langen Arm verhungern!”, fuhr er fort.

Als Kunde gesehen dachte ich immer, es wäre genau anders herum. Wir westlichen Konsumbegeisterten lassen die Menschen dort in Asien am langen Arm verhungern und nehmen für maßlosen Konsum – hauptsache billig – miserable Arbeitsbedingungen und Hungerlöhne für die Produzenten dort in Kauf.

Die Sicht des Garnherstellers hat mich verwirrt und sehr zum Nachdenken angeregt: innerhalb diesen ganzen Globalisierungsspiels beginnen die einzelnen Beteiligten jetzt, sei es durch Strafzölle, Exportstopps etc. ihre eigene Wirtschaft zu schützen. Globalisierung 1.0 war für mich, das kollaborative Zusammenarbeiten unter dem Aspekt der Kostenoptimierung. Das hier ist Globalisierung 2.0: Staatlicher Protektionismus, wenn es um den eigenen Vorteil geht. Mal salopp gesagt. Wo soll das hinführen?

Über unseren sorgenvollen Blick und soziales wie monetäres Engagement (das auch weiterhin völlig richtig ist) für die Menschen in Asien, Afrika und der Karibik haben wir eines völlig aus den Augen verloren: Dass auch in unserem direkten Umfeld Menschen unsere Hilfe brauchen.

Und das werde ich tun. Eben sind die Stoffmuster an den zertifizierten Stricker eingetütet und gehen mit der Post 250 km weiter auf die Alb. Mein Bio-Garn werde ich ebenso von dort beziehen.

“Super”, sagte ich und, weil ich schon dabei war, fügte ich hinzu: “Dann könnte ich auch gleich euer Garn an [xxx] liefern lassen zum verweben!”. “Nein, da sind Sie zu spät: Wenn Du heute kein Fett mehr auf den Rippen hast, fegt’s dich weg. [xxx] vor ungefähr 3 Monaten!”

Und da standen mir dir Tränen in den Augen. Es war Herr L., der Geschäftsführer der Weberei, der mich (damals noch als Werber) vor 6 Jahren zum ersten Mal mit einem Rundgang durch seinen riesigen Betrieb in die Textilwelt einführte und unterbewußt und unbewußt wohl “Mitschuld” an manomama war. Und ist. Nun ist es zu spät, mich mit einem Auftrag zu bedanken.


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