Für Kinder – und deshalb ohne Kinder.


Morgen ist der Welttag gegen Kinderarbeit. Erschreckend, dass es einen Tag geben muss, an dem Organisationen darauf aufmerksam machen, woran man jeden Tag denken sollte: Kinder sollen spielen und lernen, aber nicht arbeiten.

Wenn ich meine Tochter nach dem Abendessen bitte, sie möge das ein oder andere Teil mit in die Küche tragen, dann kommt manchmal ein verschmitztes Grinsen und die Aussage “Aber Mama, Kinder müssen doch noch nicht arbeiten.” Und sie hat so verdammt recht, wenngleich ihr das zugegebenermaßen den Gang zur Spülmaschine nicht erspart. Dieses Selbstverständnis, das hierzulande zum Glück schon eine Fünfjährige hat, ist andernorts undenkbar. Obwohl in nahezu allen Staaten dieser Welt Kinderarbeit per Gesetz verboten ist, so gehört sie doch für viele Kinder zum Alltag. Wir sprechen hier wohlgemerkt nicht über eine kleine Randgruppe, nein, nein. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen gibt es 218 Millionen Kinder unter 15 Jahren, die arbeiten. Alleine etwa 8,4 Millionen Kinder in Zwangsarbeit, im Einsatz als Kindersoldaten oder in der Prostitution. Sie arbeiten. Sie müssen arbeiten. Tag für Tag. Und das sicher nicht zu Arbeitsbedingungen, die wir für “ein bißchen schlimm” erachten würden.

Warum schicken Eltern ihre Kinder arbeiten? Was für uns unvorstellbar ist, ist für andere Menschen existenziell notwendig. Rund ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt in extremer Armut. Über eine Milliarde Menschen muss mit weniger als umgerechnet einem Dollar am Tag auskommen. Ohne die Arbeitskraft der Kinder könnten diese Familien also gar nicht überleben.

Und warum erzähle ich das heute und nicht morgen? Weil ich euch bitten möchte, dass ihr morgen einfach mal einen Tag mit offenen Augen konsumiert – frei von Kinderarbeit.

Denkt beim morgendlichen Kaffee einfach mal daran, dass das Durchschnittsalter der Kinderarbeiter auf Kaffeeplantagen in Tansania bei zehn bis dreizehn Jahren liegt – überwiegend Mädchen.

Ihr mögt eh keinen Kaffee? Tee ist nicht besser. In Indien helfen Kinder schon in jungen Jahren den Eltern bei der Ernte und schleppen Körbe. Mit etwa zwölf Jahren bekommen sie bereits ihren eigenen Korb und verdienen etwa die Hälfte eines Erwachsenen.

Kakao für die Kinder am Frühstückstisch? Allein in Kamerun, der Elfenbeinküste, Ghana und Nigeria arbeiten ca. 300.000 Kinder auf 1.500 Plantagen. Sie schlagen die Felder mit Macheten frei und sprühen Unkraut – und Insektengifte. Bei einer Arbeitszeit von zehn bis zwölf Stunden täglich müssen wir erst gar nicht nach einem Schutzanzug fragen, oder?

Kommen wir doch mal zu einem manomama-Thema: Textilien. Alleine in Indien arbeiten etwa 450.000 Kinder von sechs bis vierzehn Jahren auf Baumwollfeldern. Nein, nicht weiterlesen. Wiederholt den Satz. Ja, ab sechs Jahren. Da überlegen hier noch manche Eltern, ob ihre Kinder den vier bis fünf täglichen Schulstunden gewachsen sind.

Ich weiß und kenne es von mir selbst. Bei manchen Themen stumpft man ab. Seit Jahren hören wir, wir müssten gegen AIDS, Kriege, Armut und Kinderarbeit kämpfen. Manchmal mache ich sogar im Spielzeugladen bei den Billigplüschtieren schlechte Scherze a lá “von Kindern für Kinder”. Unser Hirn behandelt es mittlerweile wie schlechte Werbung und blendet es einfach aus. Aber bitte… lasst uns etwas tun, dass unsere Kinder die Themen nicht auch noch so lange hören müssen, dass sie sie gar nicht mehr wahrnehmen. Die Macht habe ich, die Macht hast du, die Macht haben alle Konsumenten. Kinderarbeit ist nichts was man dulden darf, deshalb traut euch, eure Macht zu nutzen. Warum nicht einfach mal im Billig-Möbelhaus nachfragen, warum ein handgeknüpfter Teppich für 20 Euro angeboten werden kann und wie hoch wohl der Personalkostenanteil an einer Handtasche für 14,99 Euro ist? Aber rechnet immer damit, dass ihr eine Antwort bekommen könntet, die unbequem ist.

Wer sich darüberhinaus informieren und/oder aktiv engagieren möchte, ist bei Unicef (www.unicef.de) gut aufgehoben. Daher stammen auch die harten Fakten und Zahlen im heutigen Beitrag – mit freundlicher Genehmigung durch Herrn Tarneden. Vielen Dank.

Ich wünsche euch viel Spaß und hilfreiche Erkenntnisse beim kinderarbeitsfreien-Konsum-Samstag. Ich bin gespannt.

Eure

Kathrin

4 Antworten zu “Für Kinder – und deshalb ohne Kinder.”
  1. Strolchi sagt:

    Du hast einen tollen Schreibstil, der Text liest sich locker und flüssig, trotzdem, oder gerade deshalb, regt er zum nach- und überdenken der eigenen Kaufgewohnheiten an. Lesenswert.

       0 Stimme(n)

    • Kathrin sagt:

      Vielen lieben Dank, Strolchi. Da wachs ich doch glatt einen Zentimeter und bin gespannt auf deinen Bericht vom Kinderarbeitsfreien-Konsum-Samstag

      Schöne Grüße
      Kathrin

         0 Stimme(n)

  2. sabinehaas sagt:

    Ich finde das Thema überaus wichtig und die Informationen dazu stumpfen mich auch nicht ab – im Gegenteil. Mein Problem ist, dass ich mich ganz extrem hilflos fühle. Natürlich kann ich Produkte in meinem Kaufverhalten ausschließen, die extrem billig und damit “verdächtig” sind. Aber wenn ich so als Otto-Normal-Käufer in Otto-Normal-Ketten irgendwelche Kleidungsstücke kaufe: Woher weiß ich, ob hier Kinderarbeit beteiligt ist oder nicht? Woher weiß ich das bei Spielzeug, Dekokram etc.? Und immer alles nur im Bioladen kaufen würde vielleicht helfen, macht mich aber auch nicht wirklich glücklich. Kennst Du vielleicht Tipps oder Listen, nach denen man Produkte hinsichtlich Kinderarbeit bewerten kann? Das wäre wirklich eine Hilfe für die tägliche Praxis. Oder gibt es wirklich nur den Weg der kompletten Abkehr von allen “Mainstream-Massen-Anbietern”?

       0 Stimme(n)

  3. manomama sagt:

    @sabinehaas
    Ich denke, dass wir einfach bewußter konsumieren müssen und uns die Mühe machen müssen, hinter die Kulissen zu blicken. Fairtrade-Produkte sind im Vergleich zu herkunftslosen Dingen sicher eine hervorragende Alternative. Ein gänzliches Abkehren von “Mainstream-Massen-Anbietern” wäre wohl das Optimum, aber ehrlich: den Bedarf an Produkten schaffen wir nicht, ohne Massenproduktion. Und die lässt sich nunmal kaum preisattraktiv gestalten, wenn nicht irgendwo irgendwer verliert. Wenn es um Lebensmittel geht, konsumiere ich gerne aus der Region. Dinge, die hier nicht gedeihen, beziehe ich aus einem fairen Handel. Soweit kann ich das mit meiner Kaufkraft beeinflussen :-)
    Was Kathrin hier erzählte, ließ mich eine Aussage eines ehemaligen “Billig-Textil-Einkäufers” mir gegenüber in Erinnerung rufen. Es ist ungefähr 7 Jahre her, da habe ich mit diesem Mann zusammengearbeitet. Ich habe mich schrecklich darüber aufgeregt, als ich mitbekam, dass dessen ehemaliges Unternehmen 10jährige Inderinnen Nähen lässt – und dabei hatte er kein schlechtes Gewissen. Er sagte: “Sina, lieber nähen sie für einen einigermaßen anständigen Lohn als dass sie auf der Straße stehen und anschaffen gehen!”. Eine harte Aussage, die mich zum Nachdenken bewegte. Es reicht also bei weitem Nicht, nur dafür zu sorgen, dass wir Kinderarbeit vermeiden. Wir müssen auch ein Augenmerk darauf legen, dass die Kinder eine ordentliche Ausbildung, Schule u.ä. ermöglicht bekommt.
    Liebe Grüße
    Sina

       0 Stimme(n)

Eine Antwort hinterlassen

 


Bloggeramt.de - manomama Gründerzeit-Blog Blogverzeichnis - manomama Gründerzeit-Blog blogoscoop - manomama Gründerzeit-Blog Best Green Blogs Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Top Liste - by TopBlogs.de