
Blumen und einen 4 kg schweren “Pokal”, eine verdammte Menge Spass und, wie das Auditorium, ein breit grinsender Thomas D – das war der Karmakonsum-Award 2010 für mich. So unkonventionell es zu Ende ging, so fing es auch an: Wir hätten die Abgabe zur Anmeldung schier vergessen. Am Einsendeschluss rief mit Kathrin abends an und meinte: “Und – abgeliefert?” “Was?”, fragte ich. ”Na, den Businessplan!” “Scheiße, ciao!”.
Wer uns ein bisschen verfolgt, weiß, dass ich keinen Businessplan hatte – was aber wieder Grundvoraussetzung für die Teilnahme war. Das sah ich aber nicht ein. manomama ist gestartet als ein echtes Social Business mit viel Leidenschaft, Menschenverstand und Mut. Es war und ist keine Firma, entstanden von Bankerhand auf dem Reißbrett. Das schrieb ich dann auch in meine “Bewerbungsunterlagen”. Ich verzichtete auf Cash-Flow-Berechnungen, ROI-Prognosen und Finanzierungs-Rollouts. “Wenn ein Privatmensch einen ordentlichen sechsstelligen Betrag in eine soziale Idee pumpt, wird er wissen, was er tut!”. Das waren meine Worte. Und die schienen gesessen zu haben. Wir kamen in die Endausscheidung.
Wie sollte es anders sein? Ich hatte keine Powerpoint dabei, dafür echte Produkte zum Anfassen. Gemeinsam mit der Jury warfen wir den “15 Minuten Referat und 15 Minuten Fragen”-Teil über Bord, denn im Dialog geht es für beide Seiten besser. Gerne erinnere ich mich daran, als ich der Jury vier naturfarbene “Fetzen” auf den Tisch legte und sagte: “Wenn ihr heute ein bio-faires T-Shirt kauft, bekommt ihr das. Der Rest nämlich ist konventionell!”. Im Vergleich hielt ich ein manomama-Shirt, schön bunt und (grins) fertig genäht in den Händen. Hach, das Erstaunen erfreute mich.
Wieder daheim wuchs ein “gutes Gefühl”, dass wir den Einkaufswagen (so sieht der Award aus) holen könnten. Für uns gab es intern jedoch jemanden, der ihn ebenso verdient hätte: www.glovico.org – eine tolle Idee von Tobias Lorenz in Sachen Sprachenlernen. (Unbedingt ansehen oder folgen auf Twitter unter @glovico).
Ja, und dann war die Nacht vor dem Award. Kurz vor 12 kam eine Nachtschwärmer-Order herein, und als ich sah, wer es war, war es gegessen: Thomas D. Ihr kennt Michael Schanzes Traumhochzeit? “…und verlieren ist auch für dich nicht bitter – hier kommt unser Bobby Flitter…”. Lustigerweise waren wir nicht einmal enttäuscht, eher beruhigt: ein Social Business in Deutschland – das ist wohl noch zu weit hergeholt für die Jury. Social Business-Engagements sehen viele zum heutigen Zeitpunkt in Asien und Afrika. Das war meine Erklärung.
Keine Erklärung hatte ich aber, als Thomas D. auf der Bühne stehend sagte: “…and the winner is – manomama!”. #WTF!
Lieber Christoph, lieber Noel, liebe Jury,
diese Überraschung ist euch wirklich gelungen. Mein Mann hat es in 13 Jahren nicht geschafft, mich für einen deutlichen Moment zum Schweigen zu bringen – ihr schon! Ich danke euch allen für die, ja, gute Entscheidung. Nicht, weil der Preis an manomama ging. Vielmehr ziehe ich den Hut vor der Jury-Entscheidung, denn sie rückt endlich ein mir persönlich wichtiges Thema in die Öffentlichkeit: Wir müssen auch hier, bei uns zuhause, fair wirtschaften, wieder für Menschen arbeiten – und nicht gegen sie. Arbeitsbedingungen und Löhne schaffen, die ein Leben in unseren Breitengraden lebbar macht! (Zur Info: In einem solch reichen Land wie Bayern leben fast 40% aller Alleinerziehenden in oder an der Grenze zur Armut?! Das kann ich nicht akzeptieren!). Und deshalb kämpft mein Team und ich weiter. Ich danke euch allen, die uns bis hier begleitet haben und wünsche mir für unsere Unternehmung, immer mehr von euch zu bekleiden! Mit ökosozialer Mode, manufactured in Augsburg.
Eure Sina
Danke an Noel für das schöne karmakonsum-Bild und dass wir es verwenden dürfen!