Der arme Herr Grupp.


Was eben durch meine Timeline ging, war kaum mehr nachzuvollziehen: alle hackten auf den armen Herrn Grupp ein. Der Trigema-Unternehmer, der gerne im deutschen Fernsehen zukunftsträchtige Konzepte lautstark anpreist, ist im Web 2.0 in Ungnade gefallen. Warum? Weil er in diesem Interview: http://www.innovativ-in.de/blog/2010/05/04/auf-den-punkt-trigema-chef-wolfgang-grupp-zum-web/) Social-Media-Nutzer als Idioten hinstellte.

Als “manomama” bin ich da wertfrei, weil es mir egal ist, was Herr Grupp zum Frühstück ißt, ob seine Kinder auf ein englisches Internat gehen oder aber ob er Twitteruser für Deppen hält. Als Werber hingegen habe ich Mitleid mit ihm. Er erinnert mich an so viele Vorstände, die ich in den letzten Jahren kennengelernt habe. Sie tragen Verantwortung wie ihre Krawatten: es muss nach außen hin top aussehen. Sie haben keine Ahnung, aber zu allem etwas zu sagen. Sie lassen die Zeit an sich vorbeiziehen und sind nach wie vor der Meinung, sie geben das Tempo vor.

Mitnichten, liebe Vorstände und Unternehmer 1.0! Eure Kunden werden Teil eures Unternehmes. Sie gestalten sich im Dunstkreis des Sozialen Netzes eure Marke selbst. Internet ist verdammt nochmal kein Feind, sondern sollte von euch endlich als ernst zunehmender und vor allem gleichwertiger Kanal angenommen und behandelt werden.

Dass Herr Grupp ausfallend gegenüber Dingen geworden ist, die er, wie er in dem Interview ebenso mitteilt, eigentlich nicht kennt, zeigt sie: die Angst. Angst vor einer Welt, die sich schneller verändert, als es Unternehmer möchten. Kundenkreise, die (wie die liebe @UteWeber heute so schön schrieb) auf einmal durch das Soziale Netz mündig werden, ja sogar sich gegenseitig unterhalten. Und darauf haben Manager wie Herr Grupp derzeit kein Rezept. Deshalb haben sie Angst. Und schicken den Affen vor, bevor der Gau richtig bebt: http://twitter.com/TRIGEMA/status/13436803550.

Liebe Tweeties, seht es ihm nach. Noch besser: erklärt ihm und all den Managern 1.0, warum ihr im Netz seid, warum ihr Freundschaften pflegt, warum ihr auf Twitter kommuniziert, auf Facebook euch vernetzt – schlicht, weil es wieder menschelt. Dann werden es Wirtschafter 1.0 verstehen. Sie werden keine Angst mehr haben – dafür einen – verzeiht – Arsch voller Arbeit: denn auch traditionelle Unternehmer wissen, dass man Kunden pflegen muss. Wenn sie euch als solche erkennen, wird das Arbeit.

Liebe Grüße

Sina

P.S.: Diese 1.0-Denke übrigens war einer meiner Gründe, dem klassischen Werbersein den Rücken zu drehen. Bequeme Arroganz gegenüber Neuem konnte ich einfach nicht mehr ab.

9 Antworten zu “Der arme Herr Grupp.”
  1. liebe sina,
    auf dich hab ich echt gewartet in der diskussion! danke für deinen post.
    im übrigen bleibts spoannend, was denn der herr grupp so youtube-mäßig über seinen ökotex standard berichten wird.. wenn er denn weiß, was das ist – ist ja auch recht neu… :-)
    manomama standard wird er jedenfalls niemalsnichtnie glaubhaft produzieren…
    viel erfolg dir weiterhin und herzliche grüße aus tussidorf

  2. Michael sagt:

    Trigema hat den Trend irgendwie verschlafen, die hatten doch letztes oder vorletztes Jahr einen Blogger abgemahnt, weil er was in Bezug auf deren Logo geschrieben hatte.

  3. happy-buddha sagt:

    Genau richtig!! Wenn man es ihnen erklärt wie es geht, bringt es ihnen mehr, zugegeben, sie müssen sich auch belehren lassen wollen.

    Wenn man einfach auf sie draufhaut, dann denken sie wieder: böses Internet, haben wir doch gleich gesagt..

  4. Nachhaltig sagt:

    Gastvorlesung: Vom Internet bis Social Media – Internet-Geschichte(n) aus der Sicht der Möbelmacher…

    Puh, da waren schon ein paar Leute da, zumindest am Anfang. Rund 800 Studenten aus dem zweiten Semester BWL im Internetpraktikum. “Prüfungsrelevanz” war ein wichtiges Wort, das Dozent Jens Söldner in den Raum warf. Ich habe versucht, in meiner Gastvo…

  5. Raoul sagt:

    Sollten wir vielleicht alle einem “PR-Coup” anheim gefallen sein. Nein, das glaube ich nicht. Herr Grupp führt ein erfolgreiches Unternehmen. Punkt und Hochachtung davor. Ich fühle mich auch von ihm nicht beleidigt, denn er vertritt eine Meinung und die darf ja jeder verbreiten. Warum er sie nun ausgerechnet via Internet verbreitet bleibt sein Geheimnis, dessen Auflösung mich auch nur sehr begrenzt interessiert.
    Was mich jedoch sehr interessiert ist der Glaube daran, dass dieses Internet auch weiterhin viele gute und spannende Projekte hervorbringt und kreative Firmen, die dann alle auch mal so erfolgreich sind wie Trigema. Und die machen dann vielleicht auch mal Werbung, die nicht die Lebensdauer der Lindenstraße hat.
    Ich möchte und kann Sina ansonsten nur zustimmen und wünsche dir für manomama alles Gute.

  6. Helge sagt:

    Liebe Sina,

    dein Beitrag zeugt von deiner Größe, selbst absolut konträre Meinungen zu respektieren und in jedem Menschen noch etwas Gutes zu vermuten. Das ist vermutlich auch der Hauptgrund, warum wir dich und vor allem dein manomama so lieben. Weil es Ausdruck (d)einer inneren Überzeugung und kein Trendhopping ist. Vor allem aber, weil es Menschen und Umwelt respektiert und wertschätzt.

    Genau das tut Herr Grupp nicht. Er verhält sich weder unternehmerisch, denn dann müsste er Chancen erkennen und nicht jammern, was alles nicht geht, noch verhält er sich wertschätzend oder gar respektvoll. Seine Ablehnung dem Internet gegenüber ist dabei von sekundärer Bedeutung. Es geht um die Geisteshaltung dahinter. Menschen, die man nicht kennt und die etwas tun, was man nicht kennt, einfach mal als Idioten zu bezeichnen, zeugt von großer Arroganz, Ignoranz und fehlender Wertschätzung. Wertschätzung aber, ist aus meiner Sicht die wichtigste Grundlage für nachhaltige Wertschöpfung. #warschonimmerso

    Aus diesem Grund: Nein! Ich möchte ihm nicht erklären, was SocialMedia ist und wie er es nutzen kann. SocialMedia ist eine Art zu denken. Und eine Gehirnwäsche trau ich mir einfach nicht zu ;-)

    Da helfe ich lieber Unternehmern, die diesen Namen verdienen. Denn die brauchen wir dringend, wenn Trigema, wie noch viele andere 1.0 Unternehmen an der Hürde zur neuen Welt scheitern und dann wieder ganz viele Menschen einen Job suchen… ;-)

    Oh, und by the way: Danke, dass es Euch gibt! #kannmannichtoftgenugsagen

  7. [...] Die Manomama Sina Trinkwalder hat in diesem Durcheinander die alltägliche Funktionsweise der Marke festgehalten: […] Liebe Vorstände und Unternehmer 1.0! Eure Kunden werden Teil eures Unternehmens. Sie [...]

  8. Frank sagt:

    Och, ich glaub schon, dass ich ein bisschen Ahnung habe. Ich gebe Grupp aber dennoch Recht. Und mir tun Werber Leid, die Wesentliches aus den Augen verlieren.
    Das widerum kann man Herrn Grupp sicher nicht vorwerfen.

  9. Regina sagt:

    Typisch, die Äußerung für den HERRENMENSCHEN Herrn Grupp.
    In einem persönlichen Gespräch ist er kaum zu ertragen (ich hatte bereits das Vergnügen). Natürlich ist nicht alles gut, was das Netz bereithält. Aber er steht so klasssich für die Sorte Mensch, die stets bemängeld, dass früher alles besser war. Achtung: wer immer nur zurück schaut, sieht nur Schatten!!!!!!!! Außerdem ist das Netz mit seinen Usern auch nicht so kontrollier- und steuerbar wie er es als PATRON mit seinen Mitarbeitern tut.
    Mich ärgert es teilweise, dass er sich mit seinem Gefasel sogar in der neuen, jungen Textil-Öko-Szene genauso Gehör verschaffen kann, wie bisher bei den Konventionellen (z.B. die Messe” thekey.to” in Berlin) Nur wirbt er da ohne Affen. Oder macht er sich mit seiner Haltung gerade selbst zu einem?

    REGINA

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