Archiv für den Monat April 2010

Besuch vom Guru der Textiltechnik

Mittwoch, 21. April 2010 Keine Kommentare »
Abgelegt unter Hinter den Kulissen, Menschen für manomama

Heute hatten wir hohen Besuch: Prof. Liekweg, ehemals Rektor der Fachhochschule Alb-Sigmaringen, und seine Frau, ebenso erfahrene Bekleidungstechnikerin mit Lehrauftrag an der FH, waren zu Gast in der manomama-Zentrale. Herr Liekweg optimiert in der Textilindustrie ansässige Betriebe auf der ganzen Welt und wir waren mächtig neugierig auf die Einschätzung einer solch erfahrenen Person zu unseren Schnitten, unserer Produktion und all dem, was wir in den letzten Wochen aufgebaut haben. Herr Liekweg ist – und wir meinen das grundpositiv – ein Guru. Keine Industriemaschine, an die er sich nicht einfach hinsetzt und loslegt. Keine Produktionsschritt, zu dem ihm nicht gleich ein halbes Dutzend Verbesserungsmöglichkeiten einfallen. Kein Schnitt, der nicht noch verändert und damit einfacher genäht werden könnte. Unseren Mitarbeitern zeigte er, wie man ein Gefühl für die Maschine bekommt. Und er hat es ernsthaft geschafft: Sina gezeigt, wie sie als Nicht-Textilerin ein Shirt von Anfang bis Ende fertigt, das anschließend Verkaufsqualität hatte.

Insgesamt ein toller Tag, der uns zeigte, dass wir uns auf einem Weg befinden, der sich gut und richtig anfühlt, aber noch ganz am Anfang sind. Am Ende hingegen ist Sina heute. Ihre Version des Tages bekommt ihr heute abend – denn gerade ist sie in Klausur – zum Nachdenken.

Eure Kathrin

Das Geheimnis dahinter.

Dienstag, 20. April 2010 1 Kommentar »
Abgelegt unter Kleine Warenkunde

Jetzt sind wir zufrieden. Zum einen, weil endlich trotz italienischem Geschäftsgebaren (sorry, mi amicici) und nicht zuletzt der isländischen Aschewolke endlich unser eigenes für manomama angefertigtes Bio-Baumwoll-Garn angekommen ist.

Warum wir diese Mühen nicht scheuen? Weil wir euch 100% ökologische Bekleidung fertigen möchten, und dazu gehören für uns auch die sogenannten Zutaten wie unser Garn. Warum aber lassen wir es selbst fertigen? Weil kein Hersteller sonst (zumindest ist uns nichts bekannt), mit reinen, zertifizierten Bio-Baumwollfäden näht. Das widerspricht dem Controller-Wahn im Textilbereich (die Garne sind z.B. doppelt so teuer wie konventionelle) und, viel schlimmer, der Akkord-Arbeit in den Nähereien. Schließlich können bei diesem Material die Hochgeschwindigkeitsmaschinen (15 Meter pro Minute, nur einmal so zur Info :-) ) nicht auf höchster Stufe nähen. Raphael hat alle unsere Maschinen heute auf Bio-Baumwoll-Garn umgerüstet – und: es geht. Die Maschinen laufen. Und wir sind richtig stolz.  “Wie vor vierzig Jahren, das ist schon toll”, sagte er eben zu mir. “Da muss man sich nur zurückerinnern!”.

Was aber ist der Unterschied zu konventionellen Polyesternähten: allen voran natürlich. Darüber hinaus steckt das Geheimnis dahinter. Bei unseren Saum- bzw. Verdecknähten lassen wir richtig “grobes” Garn (für euch wird das immer noch sehr fein sein ;-) ) quasi im Hintergrund mitlaufen, das genügen “Spiel” für die notwendige Dehnbarkeit hat. Von vorne sieht eure Naht schlicht und zierlich aus, hinten hingegen bietet sie Stabilität und – das finden wir – handwerkliche Anmutung und Attrativität.

Ich sag’s ja immer: manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um wirklich voranzukommen. Wir haben uns ohne Kompromisse für natürliche Materialien entschieden und werden nach meterweise Testnähten “belohnt” mit einer sauberen Saumnaht, die der nächsten Generation keine Rückstände hinterlässt.

Denkt daran, wenn ihr euer Kleidungsstück mal umdreht und seht, was dahinter steckt,

liebe Grüße
Sina

Lustig war doch das Werberleben…

Montag, 19. April 2010 4 Kommentare »
Abgelegt unter Hinter den Kulissen, Menschen bei manomama

…ja fahriafahriaho. Bei mir klängen letzer musikalischer Lückenfüller eher nach “oohhhaaaahhhriaho!” Die erste Woche manomama ist vorbei und ich ertappe mich, ganz heimlich still und leise, mir die Vorzüge meines ehemaligen Werberlebens zurückzuwünschen: im Vergleich zu dem, was hier um mich herum geschieht, war es “dolce vita pura” – das blanke süße Leben.

Entspanntes Brainstorming im Kreise “kreativer” Kaffeetrinker wich einem Zwischen-Tür-und-Angel-Telefonieren und gleichzeitigem Anweisen der Näherinnen. Das regenerative strategische Sinnen wurde ersetzt durch mich in Teilen bis zur Weißglut bringende Pfrimeleinfädeln hochkomplexer Saummaschinen. Selbst das Agenturmittagessen – meine ehemals heilige Zeit – wird tagtäglich durch Produktionsrückfragen, Lieferantenanfragen und Vertriebsrückrufen “entweiht”. Am schlimmsten jedoch: meine heißgeliebten Stelzen, meine hochhackigen Schuhe wichen schon am Tag 3 bequemen Sneakers. Ich bin hart im Nehmen, aber 9203 Schritte, davon rund 1/3 Treppen, laufe nicht einmal ich in Pumps. Überhaupt braucht es einen sicheren, guten Stand, wenn man stundenlang an der Bandmaschine Stoffe schneidet. Dann merkt man zumindest seine Füße nicht, es reicht, wenn dir all die anderen Knochen klappern. Die Kontaktlinsen wichen am Tag 4, denn: spätestens nach 3 Stunden angestrengten Nähens bröseln sie dir trocken aus den Augen. Manche nehmen sie vorher schon heraus, da die Flusen und Fussel dir bereits nach kurzer Zeit die Sicht nehmen.

Warum ich all diese Arbeiten mache?
Weil ich wissen möchte, wie es geht und wie lange es geht. Weil ich nach jeder “Station”, die ich einen Tag lang innehielt wusste, warum meine Frauen “nur Teilzeit” arbeiten möchten. Weil es ein Knochenjob ist, egal ob Zuschneiden, Nähen, Bügeln oder Verpacken.

Warum ich euch all dies erzähle?
Weil in den nächsten Tagen die ersten Päckchen herausgehen. Weil ich mir wünsche, dass ihr die Bekleidung in Ehren haltet. Und im Internet ein Dankeschön an all jene hinterlasst, die es für euch gefertigt haben. Sie haben es verdient.

Die Fachfrau onTour.

Samstag, 17. April 2010 Keine Kommentare »
Abgelegt unter Manomamas stellen sich vor, Menschen bei manomama

Unsere Manomamas sind eine kunterbunte Mischung. Viele kommen aus ganz anderen Berufssparten und sind “einfach” dabei, weil sie an die gute Sache dahinter glauben. Heute dürfen wir euch aber eine echte Fachfrau aus der Branche vorstellen, die wir für uns gewinnen konnten.

Regina ist quirlig und stilsicher – und hat ein 1/4 Jahrhundert Berufserfahrung. Als selbständige Qualitätsprüferin weiß sie genau, welchen Ansprüchen sich Öko-Textilien zu stellen haben und kennt als Expertin für Auslandsfertigung die Bedingungen und Umständige konventioneller Produktion in Europa und Asien in- und auswendig. “Nachhaltigkeit und öko-soziale Lebensweise sind keine vorübergehenden Trends mehr, sondern eine Notwendigkeit, die ebenso klar wie beinahe selbstverständlich ist.” Das ist ihre Überzeugung.

“Als unersättliche Beobachterin findet man mich gerne beim kreativen Gestalten in meinem eigenen kleinen Atelier oder als begeisterte Gastgeberin in der Küche. Diese Leidenschaften und Überzeugungen einmal mit meinem Beruf verbinden zu können, war im letzten Jahr mein größter Wunsch. Als Manomama fällt mir das nun quasi vor die Füße. Da konnte ich nicht lange zögern.”

Das i-Tüpfelchen: Regina ist Farb- und Stilberaterin, wovon nicht mehr nur ihr Freundeskreis profitiert, sondern in Zukunft auch die Gäste auf Ihren Mitmachtreffs.

Wer mit Regina einen Mitmachtreff im Raum Hamburg veranstalten möchte, kann ihr gerne eine Mail schreiben unter regina.besche@manomama.de.

Hamburg ist nicht deine Stadt, aber du möchtest ebenso einen Mitmachtreff besuchen? Dann schreibe uns an mitmachtreff@manomama.de – wir helfen Dir dabei. Mitmachtreff gerne, aber aktiv als Manomama? Wir suchen in ganz Deutschland Verstärkung, die unsere Idee wachsen lassen. Mach mit uns bewerbe Dich bei uns unter eigenvermarktung@manomama.de.

Ihr müsst euch nicht entschuldigen!

Freitag, 16. April 2010 10 Kommentare »
Abgelegt unter Hinter den Kulissen, Menschen für manomama

Wir wollen Jobs schaffen – soweit kein Geheimnis. Auch dass wir gerade Frauen bzw. Mütter oder Menschen, die es besonders schwer haben, wieder ins Berufsleben bringen wollen, haben wir von Anfang an gesagt. Wir kannten Geschichten, die das Leben schreibt, ohne große Hoffnung auf ein Happy End. Aber was wir in der letzten Woche erlebt haben, das hätten nicht mal wir zu (alb-)träumen gewagt.

Weit über 250 Näherinnen haben sich seit dem Zeitungsartikel letzte Woche (vielen Dank an die Augsburger Allgemeine) telefonisch bei uns beworben. Weil wir jedem, der in Frage kommt, eine Chance bieten wollen, haben wir alleine in dieser Woche 40 Bewerberinnen kennengelernt. Die meisten von ihnen teilen nach korrektem Amtsdeutsch ein Schicksal: multiple Vermittlungshemmnisse. Wir haben Frauen kennengelernt, die mit über 50 Jahren sowohl Lebens- als auch Berufserfahrung nachweisen können, die sie zu Top-Mitarbeitern machen sollte, die sich dann mit Tränen in den Augen dafür entschuldigen, dass sie ein paar Jahre aus dem Job waren, weil sie vier Kinder groß gezogen haben. Natürlich kennt man solche Geschichten vom Hörensagen. Wenn einem dann aber plötzlich eine verschüchtere Frau gegenübersteht, eine Frau, die kein Gefühl mehr dafür hat, dass sie, ihre Arbeitsleistung und ihre Erfahrung so unheimlich viel Wert sein können, wenn diese Frau dann noch sagt, dass das Arbeitsamt ja auch einen Teil ihres Gehalts übernehmen würde, wenn man ihr nur eine Chance gäbe – ja dann steht auch das manomama-Team sprachlos schluckend da und fragt sich, wie es so weit kommen konnte.

Letzte Woche fragte uns eine Dame am Telefon “Was sind sie denn für wahnsinnige Leute?”. Muss sich eine Frau als schwer vermittelbar abstempeln lassen, weil sie einen guten Job als Mutter gemacht hat? Kann man sich Respekt nur über Arbeitsleistung verdienen? Da muss die Frage erlaubt sein, was oder wer hier wahnsinnig ist….

Man könnte jetzt darüber fachsimpeln, ob hier Politiker, Job-Center-Berater oder Programme ihren Job nicht gut machen, man kann aber auch einfach die Ärmel hochkrempeln, Aufträge ranschaffen und diesen Frauen zeigen, dass sie noch so unheimlich viel Wert sind und wir sie brauchen. Genau das tun wir. Aber seid euch sicher, wir wissen ganz genau, dass wir das nur tun können, weil ihr uns so unterstützt. Weil ihr gemeinsam mit uns an so etwas Wahnsinniges glaubt. Danke an euch da draußen und danke an die vielen, vielen Frauen, die den Mut aufbrachten und sich bei uns beworben haben. Wir sind überwältigt. Ein Gefühl, das anhält.


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