Altersarroganz ade!


“Ich starte jetzt eine Petition: “Verpflichtende Einstellung von Ü50-Jährigen, damit in Unternehmen wenigstens einer Ahnung und Erfahrung hat.”"

Das mit der Petition meinte ich nicht ernst, schließlich bin ich der Meinung, dass wir in der Wirtschaft mehr erreichen können als über den politischen Weg. Den Rest aber meinte und meine ich bitter ernst. Der Tag heute zeigt mir wieder, wie altersarrogant unsere HR-Verantwortlichen sind. In der Werbung bist du mit 35 ein altes Eisen, mit 40 freust du dich noch über ein paar Tagessätze im Beratervertrag und wenn Du mit 45 deine Schäfchen nicht im Trockenen hast, dann gehst du Baden.

In anderen Branchen ist es nicht anders. Ich erinnere mich an einen sehr guten Freund von mir. Mit 51 wurde er als erfahrener und somit teurer Entwicklungsingenier durch zwei “billige” Jung-Diplomanden ersetzt. Nein, natürlich würde man gerne weiter auf sein KnowHow setzen, schlichtweg bezahlen möchte man es nicht. Ich selbst war zu Zeiten meiner Werbeagentur noch der Meinung, Grafiker über 30 seien nicht “frisch”. Jetzt weiß ich, dass meine Denke nicht “frisch” war.

Es ist aber nicht nur das Wissen der Bestager, die sie wertvoll für Unternehmen machen, sondern – oder auch insbesondere – ihre Erfahrung und Gelassenheit.

Heute fliegt mir Neutextiler so ziemlich jedes Ding um die Ohren und ich war kurzzeitig davor, den Überblick gänzlich zu verlieren. Auch meine jungen Damenschneidermeisterinnen waren mit ihrem Latein am Ende. “Da fängt es doch erst an, interessant zu werden. Das kriegen wir schon hin!”, hingegen sagt mir Birgit. Sie sagte das nicht einfach nur, um mich zu beruhigen, sondern weil sie Erfahrung hat. Jahrelang war sie verantwortlich bei nahmhaften Modeunternehmen für den Bereich der Schnitte. Packpapier, Schere und Lineal gepackt und das Problem behoben. Mit erfahrener Gelassenheit.

Friede, die seelenruhig am Bandmesser die Konfektionsteile zuschneidet, hat sich mein Ganzes Rotieren und Verzweifeltsein nur angesehen. Kurz, bevor sie um 15.30 Feierabend machte, kam sie zu mir, sah mich an und sagte: “Nur Mut, das schaffen Sie schon. Und wenn nicht, dann haben Sie ja noch uns!” – Ist das nicht klasse? Ja, das ist es.

Liebe Personaler, hört auf, eure Altersarroganz zu pflegen. Sie verhindert, was Firmen erfolgreich macht: das gemeinsame Schaffen von junger Innovation und gelassener Erfahrung.

Das wollte ich nur mal los werden,

eure Sina

6 Antworten zu “Altersarroganz ade!”
  1. Wenn sich neue Ideen mit Erfahrungen durch offenen Austausch im besten Wortsinne fruchtbar miteinander verbinden können, ist das etwas, was eher bei agilen Gründungen und KMU zu Hause ist, als bei träge gewordenen Dinosauriern der Wirtschaft. Bei denen geht öfter mal was nicht, weil die im Beitrag sicher zu Recht positiv beschriebene Erfahrung, Gelassenheit und das damit verbundene Selbstbewusstsein zur eigenen Lösungskraft in Prozessen bis zur Unkenntlichkeit abgeschmirgelt werden. Macht und lernt weiter so! Auch aus Berlin schaut die eine oder der andere interessiert und wohlwollend zu…

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  2. Schön, wenn sowas funktioniert.
    Aber das Wort “Altersarroganz” kann man so und so lesen….
    Meine persönlichen Erfahrungen mit altgedienten Kollegen sind eher negativ.

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  3. wortmax sagt:

    Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit einem Unternehmer in Berlin, der bewusst auf ältere Fachkräfte setzt – wegen ihrer Routine und Erfahrung. Das habe ich so zwar auch das erste Mal gehört, bin aber zuversichtlich, dass die »Überalterung der Gesellschaft« das Problem von ganz alleine lösen wird. Nicht nur, dass es einen Mangel an jüngeren Fachkräften geben wird, die Zielgruppen altern ja mit und werden sich von Altersgenossen besser angesprochen bzw. bedient fühlen. Ich glaube außerdem, dass die künftige ältere Generation wesentlich flexibler und anpassungsfähiger sein wird, als es die heutige ältere Generation ist. Mit anderen (österreichischen) Worten: Das Beamtische wächst sich aus.

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  4. Nicole sagt:

    Hallo!
    Danke für den tollen Blogeintrag!
    Ich habe jeden Tag damit zu tun. Ich bin in der HR-Position. Für ein IT-Unternehmen. Und mir sind täglich die Hände gebunden. Für freie Mitarbeiter geht es ja noch… deren Erfahrung wird geschätzt und da spielt das Alter kaum eine Rolle. Aber Festanstellungen – grausam! Haupsache billig… den Rest kann der ja lernen. Das seh ich ganz oft nicht ein! Zum Glück nimmt mir das niemand großartig übel – sonst wär ich meinen Job los!
    LG
    Nicole

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  5. rednoserunpet sagt:

    das unterschreib ich gerne.. ich werde im juni 45 und fühle mich …. sehr alt und nicht gebraucht und unendlich traurig und überflüssig..

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  6. annette sagt:

    ich hätt mal einen Mutmacher:
    in acht Wochen werde ich 50, vor acht Wochen wurde ich neu eingestellt, eben weil ich nicht mehr 40 bin…. meine Chefin ist 72, die Kolleginnen 51 und 60, wir sind ein richtig tolles Team und hoffentlich ein gutes Beispiel. Den Beitrag würde ich aber trozdem unterschreiben, denn ich hab sehr lange nach meiner jetzigen Situation gesucht. Ich würde gern was abgeben von meinem Glück.
    LG von Annette

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