Archiv für den Monat Dezember 2009

Stoffmusterwuensche

Mittwoch, 30. Dezember 2009 38 Kommentare »
Abgelegt unter Gründerzeit-Geschichten

Schreibt mir doch eure Wünsche für Stoffmuster – ich sehe mal zu, was sich umsetzen lässt und würde die dann gerne nach eurem Accountnamen benennen.

1. AlterFinne
Marimekko in pink-lachs-orange

2. satyrikon
Schweinisches in Outline.

3. maxfellbach
Sparsam kariert für Schotten

4. miabernstein
Erdbeerflecken.Kaffeeflecken.Schokoflecken

5. sub_rosa
Rosen in Variationen

6. donbrandy
Nussnougatrhomben

7. zollstocker
blaublau-weiss & knackig

8. knuddellove
Mohnblüten der Liebe

9. manomama
Herztarnung

10. thistell
Augen in caramell-mokka

11. nerxs
Vogelbeeren, lost in Space

12. karlkeule
Naturreisigbesen in beige

13.sabotage44
mustergültiges kursives Chaos

14. Mirko
sepiaköpfe

15. hollye73
türkis/hellblau kombiniert mit
grasgrün/gelbgrün
violett kombiniert mit
grasgrün/giftgrün

16. wimbauer
“2010 – Mein Gott, es ist voller Sterne!”
wimbauer1wimbauer2
star3star4

17. delirious
rosa mit Krautfleckerl

18. fishkopp_deluxe
grün-grinsende piranhas

19. bierino
Bierschaum & nero di notte

20. pjakobs
Möwenkompott

21. Augsburg83
Putzlappen-Parallelen

22. krababl
nacktscannerüberflüssigem Transparent mit roten Punkten “Tansnakred”

23. maennig
international post is coming

24. specialN
Rillkes Panther

25. wrdlbrmpfd
Feuerpferd

26. uteweber
eisnebelblaue meerjungfrauspitzen

27. julchen
kunterbunte bauernkuh

28. juttabaur
entpinkt die Welt – wasserblaue Wasserrosen

29. beingmenow
Ein Stück Buntwäsche

30. wandklex
Wandklexe – was sonst?

31. multikulinaria
Bordeaux wie Sauerkraut

Und jetzt seid Ihr dran… Einfach kommentieren!

Kufstein-Blues, 1.Take in der Küche ;-)

Montag, 28. Dezember 2009 7 Kommentare »
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Nach erfolgreicher Twetition, gestellt von der @terrorzicke hier unser Küchenkonzert “Kufsteinblues”:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Am Klavier, fantastisch spielend und vorab arrangierend und in die Mitte das Mikro aufbauend, der @paliege! Es war eine Riesen-Gaudi, obwohl ich kein OAL-Kennzeichen habe. Ich geh mich jetzt schämen für den “Antijodler!” und hoffen, meine Mutter findet das in den Tiefen des Internets nicht.

Hier das mp3 zum Download:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Wie das große Eichhorn dem kleinen Eichhörnchen die Wut nahm

Dienstag, 08. Dezember 2009 3 Kommentare »
Abgelegt unter Gründerzeit-Geschichten

eichhorn
Jetzt könnt ihr die Geschichte auch als Podcast hören:
http://www.hoeradvent.de/2009-12-16/tuerchen-nr-16-4/

Das kleine Eichhörnchen kam aus der Schule und war zutiefst zornig. Selbst der Duft seiner Leibspeise – Eicheln in Nuss-Mandelbutter – konnte es nicht ablenken. Der Eichhorn-Papa eilte herbei und fragte: “Was ist, Eichhörnchen, bist du wütend?” “Ich bin sehr wütend.”, sagte das kleine Eichhörnchen. “Ich bin so wütend, dass ich nie, nie wieder in die Schule möchte!” “Warum bist du wütend?”, fragte das Eichhorn seinen Sohn. “Ach, ich weiß es nicht, Papa!”, sagte das Eichhörnchen. “Dann lass’ uns gemeinsam zu Mittag essen und herausfinden, was Dich wütend macht”, sagte das Eichhorn, hob das Eichhörnchen auf seinen Platz und servierte ihm einen Leibspeisen-Teller dampfender Eicheln.

“Papa”, unterbrach das Eichhörnchen nach einiger Zeit die Ruhe. “Papa, warum muss ich immer mit diesem blöden roten Fell herumlaufen?” “Bei uns gibt es nun mal rote Felle. Was ist schlecht an deinem roten Fell? “, fragte das Eichhorn. “Nichts”, entgegnete das Eichhörnchen und stapfte energisch mit dem Fuß. “Was also findest du an deinem roten Fell blöd?”, fragte das Eichhorn weiter. “Alles!”, sagte das kleine Eichhörnchen. “Meinst Du vielleicht, alle? Finden Dein Fell alle doof?”, fragte das Eichhorn. “Ja”, antwortete das kleine Eichhörnchen und eine dicke Wutträne kullerte über seine Schnauze.

Schweigend saßen sie sich gegenüber und aßen ihr Mahl. Als der Teller leer war, schob das kleine Eichhörnchen den Stuhl zurück, hüpfte hinunter und stellte sich vor seinen Vater: “Kuck mal, Papa. Ich muss so in die Schule gehen,” – und das Eichhörnchen sah dabei fast empört an sich herunter – ” und meine Freunde kommen täglich neu und schick gekleidet. Mit silbernen Fellen und flauschigem Langhaar. Das will ich auch haben!”

Das Eichhorn sah seinen Sohn an und bat ihn auf seinen Schoß. “Sieh, mein Sohn. Du gehst so in die Schule” – und Vater Eichhorn strich sanft über das rote Fell – “und deine Freunde kommen täglich neu und schick gekleidet. Haben Sie deshalb mehr Spaß?” Das kleine Eichhörnen zog erbost die Augenbrauen hoch: “Ja, haben sie. Alle. Nur ich nicht, und deshalb musst Du mehr Geld verdienen, damit ich auch viele schicke Kleider haben kann!”

Vater Eichhorn stand auf, holte eine Handvoll frischer Eicheln und legte sie auf den Tisch. Er setzte sich erneut zu seinem Sohn und begann:
“Es hat nichts mit Geld zu tun, mein Sohn”, sprach das Eichhorn. “Warum?”, fragte das kleine Eichhorn. “Stell Dir vor, du wohnst in weiter Ferne bei einer Eiche und du hast mühsam diese Eicheln zusammengetragen!” “Papa, das ist langweilig”, unterbrach das kleine Eichhörnchen.

Ruhig führte das Eichhorn fort:
“Das Sammeln der Eicheln war sehr anstrengend für Dich. Stolz stehst du vor deinem Eichelberg und ein schwarzes Eichhorn kommt vorbei!” “Ein schwarzes? Da hätte ich ganz schön Angst, weil die so groß sind!”, sagte das kleine Eichhörnchen. “So ist es, mein Sohn. Dieses schwarze Eichhorn nimmt dir alle Eicheln, die du mühsam gesammelt hast. Dafür bekommst du nur eine Haselnuss, weil das schwarze Eichhorn nicht bereit ist, mehr für Deine Eicheln zu bezahlen”, erzählte das Eichhorn. “Aber Papa, das ist ja fies. Ich mache die ganze Arbeit, kriege dafür nur eine Nuss und kann mich nicht einmal wehren, weil die schwarzen Eichhörner viel stärker sind als ich”, sagte das kleine Eichhörnchen.

“Es geht noch weiter, mein Sohn. Immer wieder sammelst du Eicheln, und immer wieder kommt das schwarze Eichhorn und tauscht deine gesammelte Beute gegen eine einzige Haselnuss”, sagte Vater Eichhorn. “Und warum”, fuhr das kleine Eichhörnchen fort, “sammelt das schwarze Eichhorn nicht selbst seine Eicheln?”
“Weil das große schwarze Eichhorn weiß, dass Eicheln sammeln sehr anstrengend ist und es deshalb lieber von kleineren und schwächeren Eichhörnern erledigen lässt.”, erklärte Vater Eichhorn.

Das kleine Eichhörnchen grübelte.
“Warum kann ich zum schwarzen Eichhorn nicht einfach sagen, dass ich das doofe Tauschen nicht mehr spielen will?”, fragte das kleine Eichhörnchen.
“Weil du weißt, dass wir Eichhörner auch Haselnüsse essen müssen. Und eine Haselnuss ist besser als keine, mein Sohn”, erklärte das Eichhorn. “Aber Papa! Irgendwann ist das schwarze Eichhorn doch satt. Und wenn es satt ist, hört es doch auf, mir meine Eicheln wegzunehmen?”, fragte das kleine Eichhörnchen. “Nein. Es macht immer weiter, auch wenn es mehr Eicheln hat, als es jemals essen könnte.” “Aber warum?”, wollte der Kleine wissen. ”Weil es jeden Tag neue Eicheln möchte. Und die alten einfach achtlos wegwirft!”, antwortete der Große.

Mit großen Augen schaute das kleine Eichhörnchen seinen Vater an:”Oh Papa. Einer meiner Freunde hat ein Fell vor kurzem einfach weggeschmissen, obwohl es wie neu war. Aber ihm hat es nicht mehr gefallen”, erinnerte sich das kleine Eichhörnchen. “Siehst du Sohn, du hast es herausgefunden: Mit den Eicheln verhält es sich wie mit den Fellen. Deine Schulfreunde haben mehr Felle, als sie jemals tragen könnten. Die Eichhörnchen, die sie herstellen, bekommen manchmal viel weniger als eine Haselnuss und sie können sich auch nicht dagegen wehren.” “Warum können sich die Eichhörnchen sich nicht wehren? Da ist doch kein schwarzes Eichhorn!”, erkundigte sich das kleine Eichhörnchen. “Würden wir jeden Tag neue Felle für dich kaufen, hättest Du schon bald viel mehr, als du jemals tragen könntest. Wir wären wie schwarze Eichhörner, weil wir, nur für schicke Kleidung, in Kauf nehmen, dass Artgenossen schlecht behandelt werden”, fuhr Vater Eichhorn fort.

Das kleine Eichhörnchen senkte den Kopf, ging zur Tür hinaus uns setzte sich auf die Treppe. Es schämte sich ein bisschen für seine Wut.

“Kopf hoch, mein Sohn. Du warst wütend, weil du dich ungerecht behandelt gefühlt hast. Wenn wir nicht mehr möchten, dass andere ungerecht behandelt werden, müssen wir unsere Wünsche einfach überdenken und dort Eicheln kaufen, wo wir wissen, dass die Eichhörnchen, die sie sammeln, gut behandelt werden und ausreichend Haselnüsse dafür bekommen”, sagte das Eichhorn. “Hm… Aber wieso muss der Eichelbaum weit weg sein?”, fügte das kleine Eichhörnchen hinzu. “Kuck mal hier”, sagte Vater Eichhorn und zeigte auf ein kleines Pflänzchen, das neben den Stufen wuchs. “Das wird eine Eiche. Ganz in deiner Nähe.”

manomama ist das kleine Pflänzchen ganz in der Nähe. Wir werden produzieren und direktvermarkten. In Deutschland. Unter fairen Bedingungen. Was? Keine Felle. Textilien und Accessoires für kleine Eichhörnchen und große Eichhörner. Lasst euch überraschen. Ende Januar gehts los. Wenn ihr vorab informiert werden wollt, abonniert unseren RSS-Feed und werdet Fan auf Facebook.

…ihre Augen sind satt.

Dienstag, 01. Dezember 2009 18 Kommentare »
Abgelegt unter Gründerzeit-Geschichten

Ich schreibe diese Begegnung einmal ohne über stilistische Ausdrücke und verbalen Feinschliff nachzudenken, sondern so, wie ich sie erlebt habe. So, wie sie mich bewegt hat. Heute, am 30.11.2009.**

Zu hunderten liegen sie herum – Belegexemplare von Kampagnen, die gerade laufen. „Ach, nehmen Sie sich doch für die Rückreise was Nettes zum Lesen mit!“ Anstandshalber nehme ich mir vom Stapel, der sicherlich voller Stolz in mühlevoller Detailarbeit dekorativ auf dem sonst kargen Besuchertisch drapiert ist, die aktuelle wie vorfolgende Ausgabe der „diebeste*“. Ohne größere Aufmerksamkeit stecke ich sie in meine Handtasche und verabschiede mich nach einem kurzen Plausch Richtung Hauptbahnhof.

Kurz vor 16 Uhr . „Klasse“, denke ich, „da schaffe ich den Zug um 16.14 noch.“ Ohne Hetze, völlig ausgelaugt von einem dieser netten „Keks-Meetings“ setze ich mich bei Gleis 1 auf die Bank und versuche mir, die Restzeit bis zum Ankommen meines Zuges mit einer der Ausgaben der mitgegebenen Frauenzeitschrift zu versüßen. Das wertigste scheint mir nach kurzem Überfliegen der Headlines im Schnelldurchlauf das Cover: eine violette Heißfolienprägung mit Mustern. Gerade schick im Printbereich. Ein einfacher Druck reicht nicht mehr, um am Point-of-Sale die Aufmerksamkeit zu generieren. Achtlos werfe ich die Zeitschrift nahezu ungesehen in den Sortierbehälter neben mir. Schließlich wartet ja noch eine Ausgabe dieser wertvollen Frauenpostille in meiner Tasche auf das Gelesen werden.

Während ich mich über das Ausgehen meines Akkus ärgere, raschelt es neben mir. Ein Mann, vielleicht um die 40 und augenscheinlich nicht der Oberschicht angehörend, greift beherzt in den Behälter und fischt „diebeste“, meine „diebeste“ heraus. Als ob er es wusste, lächelt er mich an und sieht mir tief in die Augen, während er fast liebevoll die Zeitschrift von Fremdmüll befreit. Voller stolz packt er die Zeitschrift in seinen Stoffbeutel, lächelt erneut und wechselt gezielten Schrittes das Gleis.

16. 12 – „Auf Gleis 1 fährt ein, der ICE, Nummer Schießmichtot von Hamburg nach Köln über Sohlingen/Ohligs. Beim Einfahren …(..)…“

Gespannt verfolge ich ihn mit meinen Blicken. Er scheint dies zu merken, bleibt promt stehen, zieht erneut die Zeitschrift aus der Tasche, hält sie hoch, anschließend den Daumen und nickt mir zu. Gerührt von seiner Wertschätzung rufe ich ihm ein erst zaghaftes, ein zweites lautes „Hallo, ich habe hier noch eine. Kommen Sie doch herüber“ zu. Er sieht mich an und scheint über meine Worte nachzudenken, als unsere Blicke der ICE trennt. Mit der Zeitschrift in der Hand warte ich. Und warte. Und steige nicht ein. Und der Zug fährt. Und sehe denn Mann die Treppen der Unterführung heraufkommen, wie er freudestrahlend mir entgegenkommt.

„Entschuldigung, ich kann nicht schneller. Und Sie haben jetzt Ihren Zug verpasst!“, beginnt er sein Gespräch. „Nein“, sage ich, „das macht nichts. Bitte!“ und überreiche ihm die Weihnachtsausgabe der „diebeste“ – mit goldenem Umschlag. Neugierig ob des hohen Interesses an den Zeitungen frage ich: „Warum interessieren Sie sich so für Zeitungen?“ Er sagt: „Nicht für Zeitungen. Nur für Modemagazine für Frauen. In der Weihnachtszeit.“ Ich bin überrascht wegen des ausgesprochen ungewöhnlichen Interesses und muss wohl auch einen entsprechenden Gesichtsausdruck machen. Er lächelt mich an: „Meine Frau und ich sind obdachlos. Wir machen aus den schön glitzernden Zeitungen (er meinte die Cover) unseren Weihnachtsschmuck!“.

In diesem Moment hab ich verstanden, was der palästinensische Taxi-Fahrer, der mich morgens zu meinen Kunden gefahren hat, meinte, als er mir unsere Gesellschaft zu erklären versuchte: „Wir haben nichts zu fressen, während ihre Augen satt sind.“

Ich hatte eine Dreiviertelstunde Zeit, darüber nachzudenken. Dann kam mein Zug. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass es sich ändern muss. Der beste Zeitpunkt dafür: jetzt.

*Name geändert.
** Lieber @pjakobs, tausend Dank für dieses wundervoll behutsame Bild.


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