Eigentlich wollte ich euch diesmal ein wenig über die Zufälle und Produkte von manomama berichten. Wie der Zufall es will, greife ich aber nach heutigem Gespräch einmal ein Thema auf, an das sonst niemand denkt: Handlungsfreiheit und Hinkelsteine.
Wir waren gut präpariert. Schließlich war es der zweite Termin. Du kannst ja in Deutschland nicht einfach eine gute Idee haben und die dann auch umsetzen, nein. Da gibt es Regeln und Richtlinien, Zertifizierungen und Normen, HWK und IHK, Behörden und sonstige Stellen, kurz: lauter Anlaufstellen und Dinge, die immens Zeit – und Energie – fressen.
Das Tolle an einer neuen Idee ist: es gibt keine Regeln und Zertifizierungen dafür. Das Schlimme daran: Es werden dann bestehenden Richtlinien solange gebogen, bis aus der Linie ein richtig krummes Ding wird.
“Was soll der ganze Quatsch? Den Scheiß hätten wir uns doch sparen können!” Wütend gehe ich geraden Schrittes aus dem Gebäude, Malte, ein guter Freund, hinzukommend mein Lieblingsanwalt, hechtet mir nach. “Sina, unternehmerisches Handeln hat nichts mit Handlungsfreiheit zu tun!”, versucht er mich zu beruhigen. Es gelingt ihm nicht. “Warum kann ich das nicht so machen, wie ich mir das überlegt habe. Was ist daran schlecht?”, frage ich ihn. “Nichts, im Gegenteil. Es ist nur so….. unkonventionell. Das passt einfach derzeit in kein gesetzlich geregeltes Schema.” “Ja, aber…”, versuche ich Kontra zu geben. Bei einem Anwalt eigentlich sinnlos.
“Sieh es mal so, ” unterbricht mich Malte, “Regularien geben auch Sicherheit. Nimm mal so ein ISO-Zertifikat.” Er beginnt zu schmunzeln: “In der Industrie brauchst du das heute. Auch wenn es nichts aussagt”, fährt er fort. “Hä?”, ich kann ihm nicht folgen. “Pass auf: Du kannst sogar ISO-zertifiziert betongefüllte Schwimmhilfen produzieren, wenn die immer gleich schwer sind und das Kind immer gleich schnell untergeht!”. Ich nochmal: “Hä?”, weil ich ihm immer noch nicht folgen konnte. “Ganz einfach: Es gibt Gesetze, Regeln und Zertifizierungen, die sind Nonsens, du kommst aber einfach nicht drumherum. Wegräumen kannst Du die Steine auch nicht, weil sie betoniert sind. Aber Du kannst darauf aufbauen. Fertig. Lass uns nochmal nachdenken, dann kriegen wir das beim dritten Termin schon hin!”.
‘Dritter Termin’, wenn ich schon höre, denke ich mir. Wir gehen noch auf einen Espresso in die gegenüberliegende kleine Cafe-Bar. Während Malte die Getränke organisiert, rufe ich meine Mails uns Tweets ab. “Merkst Du’s? Wie alle hinter Dir stehen und Dich tragen? Eine stille, unwiderstehliche Kraft
”, lese ich im DM-Fach meines Twitter-Accounts. Malte kommt mit den Espressi zurück an den Tisch: “Kopf, hoch. Es gab noch keine Hürde, die nicht bezwungen wurde.”
Und da merke ich es wieder. Das nächste mal wird es klappen.
Der Espresso schmeckt wunderbar.














