
Was schmeckt besser? Eine frische Scheibe Öko-Bauernbrot mit dicker Lage Bio-Butter oder doch die knusprige Schnitte vom Bauernlaib mit frischer Fassbutter? Ich verrate es: Es ist egal. Deinem Gewissen schmeckt ersteres viel besser, dein Gaumen wird keinen Unterschied merken. Kann er auch nicht, ist es doch das gleiche.
Öko, Bio, Blablabla
Begrifflichkeiten wie “Öko” oder “Bio” sind nicht schützbar (bzw. nur in Verbindung mit einer “Bildmarke” oder aber mit einer Herkunftsbezeichnung wie “aus kontrolliertem Anbau. Aber: wer hat schon Stunden Zeit, es zu lesen? Eben). Den Konsumenten ärgert’s, den Werber freut’s. Allein der Aufdruck eines dieser Buzzwords (so nennen meine Kollegen es liebevoll) bringt runde 30% mehr Marge. Bei gleichem Innenleben. Traumrendite. Alter Wein in neuen Schläuchen. Man muss sich nicht LOHAS nennen, um zu merken, dass das alles ein wenig komisch ist.
Doch, nicht genug: damit das Öko-Märchen so richtig ankommt, wird schlussendlich die Verpackung weggelassen. Ich kann mich an einen Kosmetikhersteller erinnern (ich arbeitete für ihn), der sich über diesen Coup sichtlich freute. Klar war auch, warum: sind es doch, je nach Markenhersteller, bis zu 1500 % der Herstellungskosten der Kosmetik, die für eine ansprechende Verpackung draufgehen. Das ist dann Marge bzw. Rohgewinn. Das ermöglicht Öko. Und darum machen gerade unheimlich viele in “Bio” und “Öko”. Die Konsumenten glauben es, und kaufen, und kaufen. Unkontrolliert, ohne Sinn und Verstand. “Verzieh kein Gesicht, Kind”, sagt meine Mutter stets, wenn ich ansetzen möchte, um ihr meine Meinung über den Kartonagen-Saft vom Discounter mitzuteilen. “Alles bio!” Ja, dann. Aber ist “öko”, “bio” “fair”? Was ist eigentlich fair?
Fair ist, was angemessen ist
Der Zeichenwald an fairen, biologischen, nachhaltigen, ökologischen, strategisch-konsumierten Siegeln wird immer undurchsichtiger. In dem täglich wachsenden Dickicht kennt sich kaum einer mehr aus. Kurzum kreieren wir den generellen Begriff der “Fairness”. Faire Mode, die gleichsam grün und nachhaltig scheint. Faires Food, dass biologisch einwandfrei und ökosozial geerntet und transportiert wurde. Kurzum: Ein “Leipziger Allerlei aus Ökologie, Nachhaltigkeit und Fairness”. Warum Leipziger Allerlei? Weil es eine Gemeinsamkeit hat: Du weißt, wie das Ding heißt, auch wenn Du nur erahnst, was drin ist. Und das ist das Problem!
Das Shirt, dass ihr euch womöglich bei einem dieser exklusiven Markeneinkaufsgemeinschaften online während der Kampagne “Satte Rabatte auf faire Mode” gekauft habt, wirft schon die Frage auf: Was, bitte ist daran fair? Wie bitte, kann es gegenüber dem Produzenten wie Endkunden fair sein, wenn 40% Rabattspielraum enthalten sind und um Himmels willen, wie riecht fair, wenn es nicht doch bio und somit schadstofffrei wäre?
fair ungleich öko ungleich bio
Fair & nachhaltig zum Beispiel ist die konventionelle Kosmetik des oben erwähnten Herstellers. Er bezahlt seine Belegschaft über die Tariflöhne hinaus (Menschenwürde, Eigenverantwortung), gibt ganzen Generationen existenzielle Sicherheit im Job und am Ort. Niemand jedoch käme auf die Idee, seine Produkte “fair” zu beschreiben oder nachhaltig. Weil sie nicht “öko” sind. Und es derzeit im Zusammenhang nicht passt. Nachhaltigkeit ist aber nichts anderes, als Produkte unter sozialen, ökologischen und ökonomischen Bedingungen zu produzieren, die angemessen sind, demnach “fair”. Zahlreiche deutsche Mittelständler, traue ich mich zu behaupten, produzieren nachhaltig und fair. Für all jene ist dies kein Trend, weil sie immer schon “ordentlich gehaushaltet haben”. Und deshalb spricht man darüber auch nicht. Man macht es einfach.
“Fair Trade” (das bekannte Siegel ähnlich dem Yin-Yang) dagegen bringen wir oftmals mit fernen Ländern in Verbindung. Es steht in erster Linie dafür, Kleinbauern (Produzenten) Planbarkeit und Sicherheit zu geben und somit ihr und das Überleben ihrer Familien zu gewährleisten – durch eigenverantwortliche Arbeitsbedingungen und (das wichtigste!) garantierte Abnahmepreise, egal wie sehr der Rohstoffmarkt schwankt. Darüber hinaus setzt sich die “Fair Trade”-Organisation für Umweltstandards ein. Das kann bis zum kontrolliert biologischen Anbau von Baumwolle gehen (kbA), muss aber nicht. “Fair Trade” demnach kann, muss aber nicht “bio” nach unserem Verständnis sein. Gleichzeitig kann ein “Fair Trade”-Baumwollstoff unter inakzeptablen Bedingungen in Billiglohnländern zum fairen T-Shirt werden. Wo ist die Fairness nun? Sie blieb auf der Strecke.
Alle Anstrengung, die Missstände in unserer Welt zu ändern, sind anerkennenswert. Gerne auch zertifizierungswürdig. Aber: Benötigen wir Konsumenten all diese Zeichen und Zertifikate? Ich behaupte: Nein. Das Einzige, das ich für einen sauberen Konsum für unabdingbar erachte ist: Fairtrauen. Herstellern, die offen und transparent kommunizieren, sei es der Bauernladen ums Eck, sei es der großer Outdoor-Hersteller, der seine Produktion offen legt, wieder Glauben schenken. Das sollte reichen.
Aus Vertrauen wird Fairtrauen
Auch bei manomama haben wir uns für die “leise” Revolution, manchmal ohne Siegel, ohne Zertifikate, allein auf Menschenvertrauen und Handschlag entschieden. Gründe dafür gibt es viele: bereits erwähnte Intransparenz und Missverständnisse, hinzukommend viele kleine interessante Hersteller, die sich eine Zertifizierung nicht leisten könnten und schlichtweg der wichtigste Grund: dass wir das Vertrauen, welches wir in unsere Lieferanten und Produzenten setzen, gerne von unseren Kunden wiederbekommen.
Denn erst wenn Vertrauen als wertschöpferische Kette wieder in den Wirtschaftskreislauf zieht, wird daraus Fairtrauen – die Anerkennung der Leistung aller Beteiligten.
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