Archiv für den Monat Oktober 2009

Denn das Gute liegt so nah…

Donnerstag, 15. Oktober 2009 10 Kommentare »
Abgelegt unter Grüne Gedanken

bad09

Heute ist Blog Action Day 2009 zum Thema Klimawandel. Grund für mich, ein paar Gedanken zum Thema Regionalität und Klimaschutz zu schreiben, um gemeinsam einen Klimawandel anzustoßen: den gesellschaftlichen.

Wir kaufen uns mit CO2-Ausgleichszahlungen für unseren Urlaub – Inselhopping in Indonesien – frei. Wir verschicken unsere Päckchen mit DHL Green des guten Gewissens wegen. Wir fahren einen Hybrid-Porsche, weil hybrid ja von Haus aus grün scheint. Dies alles des Klimawandels wegen. Alle angeführten Beispiele sind jedoch größtenteils nichts anderes als Freikaufen. Wir ändern nichts an unserem Verhalten, sondern bezahlen für das Prädikat “grün und nachhaltig”. Deshalb drängt sich auch zahlreichen Menschen der Verdacht auf, nur wer Geld hat, kann “grün” sein. Das aber ist nicht “grün”, wir zahlen “grün”.

Klimaschutz durch Klimawandel
Um unser Klima nachhaltig zu schützen benötigen wir einen Klimawandel. Einen gesellschaftlichen. Wir müssen erkennen, dass bei aller Globalisierung und vernetzten Welt einer der Lösungen in der eigenen Region liegt. Und dies ist unabhängig von Geld und gesellschaftlichem Stand.

Eine Lösung steckt in Kinderschuhen
Ich habe versucht, einfach einmal eine Relations-Rechnung aufzustellen, um zu zeigen, wie nachhaltig ein regionales Produkt sein kann. Und wie klimaschützend Socken. Baby-Socken zum Beispiel:

Der Unterschied zwischen konventioneller Babysocke (Wolle aus Neuseeland, Spinnerei und Färbung in der Türkei, Strick in Bulgarien und anschließend in den Verkauf nach Deutschland gebracht) und nachhaltigem Babystrumpf (Wolle, Spinnerei und Färbung direkt aus Tirol, Strick und Verkauf in Deutschland) beträgt ca. 22.000 km. Der Transport (Mix aus Schiff & LKW) schlägt sich mit ca. 200 g CO²/km zu Buche*. Allein bei einem derart kleinen, unscheinbaren Produkt lassen sich bei Produktkauf regionalem Ursprungs 4,4 Tonnen CO² einsparen.

Deshalb denkt daran, wenn ihr das nächste mal beim Einkaufen seit: Legt einen regionalen Topaz-Apfel in den Korb und verzichtet auf die thailändische Mango. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah…

*Um die CO²-Emissionen (g/km) zu errechnen, multipliziert man den EU-Mix-Verbrauch (Liter/100 km) mit dem Faktor 24 (Benziner) bzw. 27 (Diesel). Z.B.: 14 Liter mal 24 = 336 g/km (Quelle: sueddeutsche.de).

Ofenfrisch bis zum Ende.

Mittwoch, 14. Oktober 2009 6 Kommentare »
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handwerk

Meine beiden Männer sind gut “erzogen”. Täglich servieren sie mir Frühstück. Samstags bekomme ich sogar frische Brötchen vom Bäcker. Bekam ich. Denn es gibt keine frischen Bäckerbrötchen mehr in unserem Stadtviertel.

“Mama, die liebe Verkäuferin ist nicht mehr da”, berichtet mir mein Sohn unter Tränen. In seinem Fall rühren die Zeichen der Traurigkeit wohl daher, dass die Dame ihn bei jedem Besuch mit einem Gummibärchen “belohnt” hat. In meinem Fall ist Grund der Traurigkeit, dass der letzte eigenständige Bäcker in unserem Viertel die Pforten schließen musste. Ein Bäcker, bei dem man eine übersichtliche, aber sehr schmackhafte Auswahl an Brot und Kleingebäck nach alter Rezeptur und mit Zutaten aus der Region bekam. Ein Bäcker, bei dem man dem Sohn auf dem Weg zum Kindergarten noch auf die Schnelle einen Kakao mitnahm. Ein Bäcker, der gerade samstags der kommunikative Treffpunkt für die Bewohner im Viertel war. War.

Diese Nachricht rief längst verloren geglaubte Bilder in meine Erinnerung: Während meiner Internatszeit verbrachte ich nachmittags viel Zeit mit Isa, richtig, Tochter eines Filialbäckers. Eines nachmittags hatten wir tierisch Lust auf Sauerkirschen (ich glaube, es waren Sauerkirschen!) und so gingen wir in das riesige “Lager”. Was ich dort sah: Butterersatz, Stabilisatoren, Trockenei, Verdickungsmittel, kurz: Tod und Teufel in großen Tüten. “Was schaust denn so komisch?”, fragte Isa und zog mit einem großen Glas Kirschen ab. Damals habe ich mir keine weiteren Gedanken darüber gemacht. Heute schon.

Was ist aus dem Milchbrötchen von einst geworden, aus denen wir mit unseren kleinen Zeigefingern und aller Kinderkraft das Innenleben puhlten? Ein völlig standardisiertes, auf höchste Frische-, Rösch- und Luftigkeitsansprüche ausgelegtes Massenprodukt. Ich habe mich ein wenig auf die Suche gemacht und als Herzblut-Marketer musste ich über “hochwissenschaftliche” Sätze schmunzeln, die mich als Konsument erschüttern. In der aktuellen B**O-Magazin 10/09, der Postille für das Bäckerhandwerk steht:

” Unbeschalte Kürbiskerne haben sich auf dem deutschen Markt etabliert. Galten sie in den Anfangsjahren noch als minderwertig, fanden sie ihren Eingang in die Bäckereien über die Mischung mit geschälten Kürbiskernen.”

Und weiter (als Zusatznutzen kommuniziert, hach, schön!): 

“Die B**O-Qualitäten „Shine Skin“ und „spezialgebürstet“ (…) bieten mit den weiteren Sorten in der Spezialmischung eine typisch handwerkliche Anmutung.

Die Großbäckereien backen schon lange keine kleinen Brötchen mehr: High-Tech-Semmeln werden heute unter sterilsten Bedingungen in Form gepresst, aufgeschäumt, vorgebacken und schockgefrostet. Handwerk? Handwerk. Da braucht es schon die “typische handwerkliche Anmutung“, damit die Wecken über die Theke gehen.

Das Ende unserer kleinen Bäckerei ums Eck ist für mich Sinnbild für einen bitteren Verlust geworden, den unsere Generation vielleicht nicht verursacht hat, mindestens aber mitträgt: Das Verlorengehen von Handwerk. Und somit echten, ehrlichen Produkten. Von regional, nachhaltig und öko-sozial möchte nicht einmal sprechen.

Ich kenne noch Handwerk. Und ehrliche Produkte (meine Tasche zum Beispiel). Und wünsche mir, dass mein Sohn dies auch kennenlernen darf. Deshalb echte, ehrliche Produkte von manomama.

Kinderspielzeug – fantastic plastic?!

Montag, 12. Oktober 2009 3 Kommentare »
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flausch1

sagte der Löwe. Obwohl so klein, ist er bereits um die halbe Welt gereist. Seine Heimat ist ein Land, in dem es genügend Menschen gibt, die für geringste Löhne unter inakzeptablen Bedingungen arbeiten (Film-Tipp: “China Blue”). Das ist einer der Gründe, warum große Hersteller dort produzieren lassen. Kleine Löwen zum Beispiel. Aus Polyester-Velours. Mit Schaumstoff-Füllung. Warum? Die Einsparung an Lohnkosten sind noch zu gering, braucht doch das Unternehmen selbst samt Marketingmaschinerie und Einzelhandel luftige ca. 90% des Verkauftspreises (Cost of goods bei Kuscheltieren geschätzte 10%). So muss auch am Material gespart werden. Das darf man aber nicht merken. Also nehmen wir synthetische Fasern. Die kosten im Vergleich zu “natürlichen” Materialien deutlich weniger, lassen sich viel einfacher verarbeiten und haben haptisch den Effekt, der gewünscht wird. Deshalb ist die Mähne vom kleinen Löwen auch so flauschig.

Was genau in dem kleinen Löwen steckt, muss ja niemand wissen. Daher verschweigen selbst namhafte Hersteller Füllmaterial und verwendete Stoffe. Wäre auch nur schwer zu erklären, warum ein Plastikteddy 50 Euro kostet. Da schreiben wir “100% New Material”, sagt der Marketing-Manager, das klingt gut. Und zweifelnde Kunden beruhigen wir mit einem Öko-Tex-Prüfzertifikat.

Öko-Tex nicht gleich Öko-Tex
Wichtig hier ist nicht das schöne Signet, sondern die Angaben darunter. Die Produktklasse muss stimmen. “Öko-Tex ist heute in Europa sowieso Standard, das ist nichts Außergewöhnliches mehr”, erzählt mir ein Textilunternehmer. “Die Produktklasse ist der springende Punkt. In dem Fall ist es die Eins!”

Wenn es nach mir ginge, wäre das Beste, darauf zu achten, dass für Spielzeug ausschließlich Stoffe verwendet werden, die den IVN-Richtlinien des Naturtextilverbands entsprechen oder aber nachweislich aus nachhaltigen Bio-Materialien bestehen. Darüber hinaus ist ein Öko-Tex-Zertifikat, Produktklasse 1, sinnvoll. Haben die Spielsachen komplett in Europa ihren Ursprung, traue ich mich, ob der gesetzlichen Gegebenheiten, ein Auge zuzudrücken. Ja, in besonderem Fall vertraue ich sogar.

Überzeugungstäter ohne Zertifikat
Auf meiner manomama-Materialtour durch Österreich und Deutschland habe ich in den vergangenen Monaten zahlreiche kleine Hersteller einwandfreier Bio-Materialien besucht. Nur: Die von mir als “Sicherheit” dienenden Zertifikate hatten und haben nur die wengisten. “Wissen Sie, was die Zertifizierung meines Hofes kosten würde? Da könnte ich gleich aufhören”, erzählt ein Schafswollproduzent auf der Schwäbischen Alb. Das glaube ich ihm. Ebenso, wie ich ihm abnehme, dass die von ihm produzierte Wolle wirklich “bio” ist.

Wir sind doch “selbst schuld”
Im Grunde jedoch dürfen wir uns nicht beklagen, wenn wir keine “sauberen” Kuscheltiere mehr kaufen können. Unsere Ansprüche und Vorstellungen an die kleinen Tierchen sind in Natur kaum mehr zu erreichen: Kuschelig muss er sein, leuchtend in den Farben, knistern soll er, dauerhaft in Form bleiben und selbst nach zig Waschgängen die Farbe halten. Das geht mit Naturmaterialien nun mal nicht.

flausch21

Meine Mutter hat es vor zwei Jahren dennoch probiert. Im Vergleich zu dem kunstvollen Kollegen aus dem Land des Lächelns hat ihr Nilpferd nicht mal 15% der Kilometer auf dem Buckel, besteht aus etwas weniger flauschigem 100% kba-Baumwoll-Plüsch und -Batist, ist gefüllt mit Bio-Baumwolle (ja, die nach und nach “klumpig” wird, aber Füllungen kann man ja auch mal ersetzen), leuchtet weitaus weniger und knistert nicht. Wird trotzdem geliebt. Heiß und innig. Bis heute. Von meinem Sohn.

Mein Material-Fazit ist zweigeteilt, weil ich niemanden “grün” missionieren will und kann: Wenn ihr den Anspruch an ein leuchtendes, immergleiches Kuscheltier habt, achtet darauf, dass die verwendeten Materialen zumindest deklariert sind, das Öko-Tex Produktklasse I vorhanden ist und der Hersteller die Herkunft nicht verschleiert (“Made in …”). Wenn Gesundheit und Nachhaltigkeit für euch im Vordergrund stehen, kauft Bio-Spielzeug au der Region mit nachvollziehbaren Herstellungsschritten. Dann auch mal ohne Zertifikat. 

P.S.: Damit schließe ich das Kapitel “Kinderspielzeug” und kümmere mich wieder um meine “Gründerzeitgeschichten“…

Kinderspielzeug – Siegel allerhöchster Güte

Sonntag, 11. Oktober 2009 6 Kommentare »
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spielzeug

Zu Zeiten von „Michel von Lönneberga“, der sein Spielzeug aus heimischen Hölzern geschnitzt bekam, hatte das Thema noch keine Relevanz: Krankheitsfalle Kinderspielzeug. Heute, im Zuge wachsender Billig-Importe und verschleierter Hersteller-Wege ist Aufklärung und Information nötiger denn je. Horrormeldungen von Testinstituten kreuzen sich mit fast schon blauäugigen Blogeinträgen wie “Wenn es nicht riecht, ist es gesund”. Deshalb beginne ich unter der Reihe “Kinderspielzeug – (…)” einige Themen unter die Lupe zu nehmen. Heute: die Sache mit den Siegeln.

TÜV, GS, CE – und alles okay?
Kennzeichnungen, Prüfsiegel und Prädikatsstempel gibt es viele. Eines, das auf keinem Spielzeug fehlen darf (außer es handelt sich um Modeschmuck, Sportgeräte & Spielplatzgeräte) ist das CE-Zeichen. Ohne dieses Zeichen darf das Spielzeug nicht auf den europäischen Markt gebracht werden, bekennt sich der Hersteller durch die Konformitätserklärung klar zum Einhalten der europäischen Spielzeugrichtlinie. Das Zeichen kann der Hersteller entweder nach interner Überprüfung eigenständig aufbringen oder aber erfolgt nach einer Baumusterprüfung. „Ja dann kann ich mal das CE-Ding draufmachen auf mein verseuchtes Spielzeug, und wenn ich Glück habe, merkt es keiner“, könnte man nun denken. Mitnichten. Zum einen wird es sehr teuer, wenn die Richtlinien nicht eingehalten werden, zum zweiten – und das ist der viel größere Schaden – kann der (womögliche) Markenhersteller seinen Marktplatz räumen.

Große Hersteller warten mit zahlreichen Prüfsiegeln auf. Ablenkungsmanöver? Als Werber kennt man den Zett-Blick, und der nimmt auf diesem Etikett mit: Germany, GS, CE, Qualitätszertifikat. Das Kleingedruckte “Made in China” fällt nicht auf!

Große Hersteller warten mit zahlreichen Prüfsiegeln auf. Ablenkungsmanöver? Als Werber kennt man den Zett-Blick, und der nimmt auf diesem Etikett mit: Germany, GS, CE, Qualitätszertifikat. Das Kleingedruckte “Made in China” fällt nicht auf!

Wer konsumentenseitig die unabhängige Sicherheit haben möchte, muss Spielzeug mit einem TÜV-Siegel kaufen. Der TÜV als unabhängiges Prüfinstitut bestätigt quasi von herstellerischer Gegenseite, dass die Richtlinien eingehalten werden. Einziges Problem hier stellt sich für kleinere Anbieter (wie übrigens in allen Zertifizierungsfragen): das liebe Geld. Als kleines Rechen-Exempel: Bei einer Stofftierkollektion von 30 Tierchen mit ca. 5 verschiedenen Materialien in 10 verschiedenen Farben ist der Hersteller gleich einen satten fünfstelligen Betrag los, ausschließlich für das TÜV-Zeichen. Ergo: Das TÜV-Zeichen schafft Sicherheit und kommt für Hersteller infrage, die genügend Geld haben, sich es leisten zu können. Übrigens: Es ist nicht meine Aussage, sondern die eines TÜV-Prüfingenieurs.

Ebenso verhält es sich mit dem GS-Zeichen. Vornehmlich finden wir es auf – richtig – Sportgeräten (auch Kinderbetten mit Kletterfunktion) und Spielplatzgeräten. Da, wo wir sowieso kein CE-Zeichen benötigen. Darüber hinaus hat es sich mittlerweile, ähnlich dem TÜV-Siegel, als objektives Sicherheitsmerkmal etabliert. Im Vergleich zum TÜV-Siegel liegt der Schwerpunkt beim GS-Siegel in der Produktionsstätte des Herstellers und bestätigt eine gleichbleibende Qualität durch Analyse und Überprüfung der Produktionsbedingungen. Ist ein Arbeitsschritt „Heimarbeit“ – wird es schwierig mit dem GS-Siegel.

Soft-Skills-Prädikate
Neben klaren Prüfsiegeln wie CE, GS und TÜV, die messbare Sicherheit feststellen, gibt es einige Soft-Skills-Bescheinigungen wie „Von Eltern.de empfohlen“ oder „Spiel gut“. Diese jedoch dienen eher der pädagogischen Einordnung von Spielzeug. Und nachdem jeder seine eigene pädagogische Meinung hat…

Mein Siegel-Fazit: Spielzeugkauf ist Vertrauenssache und ich begnüge mich mit einem CE-Kennzeichen, wenn ich die Firma kenne. Ein in Europa produzierender Hersteller hat meines Erachtens eine deutlich höhere CE-Glaubwürdigkeit (schon alleine aufgrund der europäischen Gesetzgebungen in Bezug auf die verwendeten Materialien).  Und im Ernst: Sind wir wirklich so Siegel-bewußt? Ist euch schon einmal aufgefallen, dass in mindestens 50 % aller Fälle bei McDonalds-Happy-Meal-Spielzeug außer dem Copyright-Zeichen nichts deklariert ist? Und: hättet ihr die von eurer Oma gestrickte Puppe abgelehnt, nur weil das TÜV-Siegel gefehlt hat? Müsst ihr nicht sofort das auf den Selfmade-Portalen (Etsy, dawanda) bezogene Kuscheltier aus dem Kinderzimmer entfernen? Eben.

Das nächste Mal (und in meinen Augen weitaus wichtiger: das Material an sich. Denn: auch der TÜV hat nichts gegen Polyester und Plastik, solange der Flammschutz intakt ist): Kinderspielzeug – der Stoff des reizenden Püppchens.

Die Qual der Wahl

Samstag, 10. Oktober 2009 Keine Kommentare »
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Mit leuchtenden Augen holt mich Nadine, meine langjährige Freundin und überzeugte Fashionista vom Büro ab. Sie hat mich zu einer – ich hasse es – Shoppingtour überredet. Bis heute kann ich nicht nachvollziehen, wie man stundenlang durch die Innenstadt ziehen kann und von Laden zu Laden tingeln, um, teils wahllos, irgendwelchen überteuerten Schrott zusammenzukaufen. Nur um etwas darzustellen. Oder dazuzugehören. Warum auch immer. Das heißt nicht, dass ich Mode nicht schätze. Nur: sinnvoll muss sie in meinen Augen sein. Und längerlebig als einer dieser Billig-Fetzen (wobei manch teurer nicht besser ist), die sich bekanntlich nach der ersten Wäsche freundlich von ihrer Naht trennen.

Gelangweilt nach zwei (!!!) Stunden erlaube ich mir, Nadine mitzuteilen, dass ich den nächsten Schuppen auslasse und dafür im gegenüberliegenden Cafe einen kurzen Ristretto zu mir nehme. Den ersten Nipp gemacht stürmt Nadine OHNE eine weitere Tasche in der Hand das kleine Cafe, um mir in tiefer Bestürzung mitzuteilen, sie hätte die Qual der Wahl. „Das ist der größte Blödsinn, den ich gehört habe“, erwidere ich. „Du hast keine Wahl. Du kaufst, egal in welchem Geschäft, nahezu unabhängig welches Labels, schlicht das Gleiche“.

Die Unmenge an Auswahlmöglichkeiten
Und genau dieser Moment war ein weiterer Baustein von manomama. Im Zuge der Globalisierung, der internationalen Standardisierung und Optimierung glauben wir eine riesige Varianz an Auswahlmöglichkeiten zu haben. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wir kaufen ein Label. Dahinter steckt eine namenlose Produktion, die vielen Herren dient. Wir blättern für einen Marken-Anzug teures Geld hin und könnten uns dies sparen, weil in der zweiten Schicht rumänische Näherinnen einen Anzug für den Billig-Diskont schneidern (ich habe das mit eigenen Augen gesehen!). Wir träumen von einem Apple Macbook, einem Sony Vaio oder einen Dell Lattitude und kaufen insgeheim das Notebook eines der drei großen Lohnhersteller.

Das nehmen wir in Kauf.
Weil wir, selbst wenn wir wollten, nicht anders könnten. Die Globalisierung bringt Gewinner hervor und zahlreiche Verlierer mit sich. An das Gros denkt dabei kaum einer: den Konsumenten. Wir Kunden sind die größten Verlierer bei diesem Spiel – haben sie uns die Möglichkeit der Wahl genommen und gaukeln uns durch unzählig gelabelte Varianten etwas Ähnliches vor.

Taube Ohren und blinder Verstand
Auf die Meinung von Konsumenten hören Unternehmen schon längst nicht mehr. Müssen sie auch nicht. Weil sie siegesgewiss mit tauben Ohren und blindem Verstand weiter anonyme Produkte herstellen können, die gekauft werden. Müssen. Es gibt nichts anderes. Kunden wieder eine Option auf eine Alternative zu geben, ihnen zuzuhören, ja sogar ein Mitspracherecht einzuräumen, das versuche ich mit manomama.

„Meinst du, das ist wie mit dem Minimum*-Eis vom Aldi?“, fragt mich Nadine. „Beim Aldi gibt es doch kein Minimum*“, sage ich verwirrt. „Ja, das meine ich doch. Das sieht so aus, schmeckt auch so, hat den gleichen Holzstengel und eine andere Verpackung. Und viel billiger“. „So ähnlich“, sage ich, zahle unsere Espressi und wir gehen. Nach Hause.

*Ich weiss nicht, ob man Markennamen nennen darf, ich vertraue auf die Phantasie von euch, liebe Leser.


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