Am Anfang steht die Idee und wächst, gegossen von Euphorie. Am Ende liegt sie durch Zweifel in Scherben oder …
Die “wahnsinnigen” Reaktionen waren bald schon vergessen und ich setzte mich daran, Materialien zu sammeln, um Produktideen dafür zu entwickeln. Ich begab mich auf eine achtwöchige Material-Tour und hatte viel Zeit zum Nachdenken. Und telefonieren. Zum Beispiel mit Florian, einem langjährigen Kunden unserer Agentur.
“Oh, störe ich Dich – ich kann Dich kaum verstehen?” Florian, seines Zeichens Geschäftsführer eines medizinisch-technischen Unternehmens, klingelt durch. “Hallo Flo, nein – gar nicht”, antworte ich und erkläre ihm auf Nachfrage, dass ich gerade auf der schwäbischen Alb nach biologischer Schafwolle suche. Seinem völlig verdutzten Raunen entgegne ich mit einer groben Erklärung meiner Idee.
“Mal abgesehen davon, dass ich mir eure Agentur ohne Dich nicht vorstellen könnte. Wie kann man zu der Entscheidung kommen, einen gut dotierten Job mir nichts dir nichts hinzuschmeißen und einen auf grünen Umweltengel zu machen. Mutter Theresa hat keinen Platz in der Wirtschaft!” Noch ehe ich geistig die Antwort fertig habe, verabschieden sich mitten im schwäbischen Ländle die Empfangsbalken auf meinem Telefon und mit ihnen Florian.
Zum nächsten Rastplatz sind es noch 500 Meter. Aichelberg. Ich setze den Blinker, verlasse die Autobahn und gönne mir einen Kaffee. “Wieso haben andere Unternehmer noch nicht in die Richtung gedacht? Bin ich vor lauter Idealismus blind? Verliere ich vor lauter sozialem Antrieb den unternehmerischen Weg? Echtes Unternehmen oder gemeinnützige Stiftung? Was nun?” Fragen über Fragen kullern im meinem Kopf und machen sich den Erste-Klasse-Platz streitig. In meinem Kopf rumort es. In meinem Magen auch.
“Ein Croissant dazu”, bitte ich die Servicekraft. In Gedanken nehme ich das Tablett und gehe zur Kasse. Erst da realisiere ich den “Zustand” des Gebäcks: nahezu schwarz. Diese Situation zaubert mir ein Lächeln auf die Lippen. Während ich zurück an die Gebäcktheke gehe, erinnere ich mich an daran, dass meine Mutter mich mit sechs Jahren zum Bäcker geschickt hat. Ich brachte fünf stark krustige (:-) Semmeln nach Hause. Erschrocken beim Anblick der Brötchen fragte mich meine Mutter: “Hast du nicht gesehen, wie schwarz die sind?” “Doch, aber ich habe mich nicht getraut, etwas zu sag..”, entschuldigte ich mich. Meine Mutter unterbrach mich: “Sina, Du musst Dich trauen, wenn Dir etwas nicht passt, es reißt Dir keiner den Kopf ab!” Und sie hatte recht. Mit dem Semmeln. Überhaupt im Leben. Und auch bei manomama.
Ich zahle den Kaffee, das Croissant, setze mich an einen Tisch und rufe Florian zurück. Ich erzähle ihm, dass es mir um mehr geht als meinen persönlichen Tapetenwechsel. Dass es mir nicht mehr passt, wie Menschen in Unternehmen miteinander umgehen, wie unsozial und unfair agiert wird und, und, und… Und es dauert nicht lange, da höre ich am anderen Ende des Drahtes: “Du hast recht. Ich habe das verstanden. Und ich werde dich unterstützen. Weil ich daran glaube.” Tut er.
Florian war der erste “Nicht-Eingeweihte”, der manomama seitdem mitträgt. Viele Zufälle folgten. Davon mehr im nächsten Eintrag.














