Eine gesunde Portion Wahnsinn!


wahnsinn

Nichts ist unmöglich – man muss es nur tun. Und darin liegt die Crux. Zumindest, wenn wir erwachsen sind. Meinen Sohn interessieren Machbarkeiten nicht. Er dekliniert keine Alternativ-Szenarien und legt sich keine Notfallpläne zurecht. Er hinterfragt weder den Sinn seines Handelns noch lässt er sich von Angst bremsen.  Er macht einfach. Mein Filius hat mit seinen vier Jahren, was ich über die Jahre verloren glaubte: die gesunde Portion Wahnsinn, die uns Dinge erreichen lässt, die wir als unmöglich erachteten.

“Du willst den Textilstandort reaktivieren? Das ist Wahnsinn!“, sagt Markus, ein alter Freund. “Hier ist doch alles mausetot. Da kannst du nichts mehr reaktivieren. Es gibt hier nichts mehr. Naja,  außer einen Haufen arbeitslose Näherinnen”. “Richtig. Was mir wichtig ist, gibt es hier: Menschen, die Lust auf ihren Beruf haben und den gerne wieder ausüben möchten”, entgegne ich und erinnere mich dabei an die Begegnung mit Iris. Der Besuch bei Markus, einem  befreundeten Textilunternehmer, besiegelt meinen Entschluss, der Werbewelt ade zu sagen und etwas (in meinen Augen) Sinnvolles zu machen: manomama.

“Sie haben in Ihrem gesamten Leben noch nicht eine Naht genäht, wissen nicht einmal, was Sie nähen möchten und wollen wirklich diese High-End-Industriemaschine bei mir kaufen? Das ist Wahnsinn!“. Herr Weigert schaut mich mit ungläubigen, weit aufgerissenen Augen an. “Genau die! Ich weiß noch nicht, was ich nähe, aber ich weiß, dass ich den Textilstandort Augsburg wieder reaktivieren möchte!” entgegne ich ihm entschlossen. Sechs Stunden später steht das 50-Kilo-Koloss in unserem Bügelzimmer.

“Du willst die gesamte Preiskalkulation der Produkte offen legen, abgesehen davon, dass du noch nicht mal weisst, wie deine Produkte aussehen sollen? Du willst allein 40% Lohnkosten pro Produkt veranschlagen? Das ist Wahnsinn!“, sagt Stefan, ein ehemaliger Studienkollege von mir, den ich konsultiere, um über meine betriebswirtschaftlichen Ideen zu reden. “Nein, Stefan, das ist fair. Und das geht. Ich erachte 75% Gewinn für unanständig. Und deshalb werde ich es auch nicht tun!”

“Du möchtest, dass ich Dir helfe, mano, äh? wie?”, fragt mein Vater. “manomama – Papa. “Mano” für Hand Schrägstrich Handwerk und ”Mama” steht für Mütter und Frauen”, erkläre ich ihm. “Nochmal, Dochdäle (Obaba ist Franke): Ich soll Dir helfen, damit du in diesen unsicheren Zeit arbeitslosen Frauen in einer toten Branche Arbeit verschaffst, und die dann solche Ökoprodukte (Betonung liegt auf “Ö”) produzieren und verkaufen?” Mein Vater, selbst leidenschaftlicher Unternehmer, neigt den Kopf und schielt kritisch unter den Gläsern seiner Lesebrille hervor. “Meinst, das ist Wahnsinn, Obaba?”, frage ich. “Das ist Mut, Dochdäle. Und eine gesunde Portion Wahnsinn, die man braucht, um etwas zu bewegen!”

manomama beginnt.

9 Antworten zu “Eine gesunde Portion Wahnsinn!”
  1. Paule sagt:

    Schöne Geschichte… schönes Vorhaben!
    Auch wenn ich die Einwände verstehen kann, würde ich mich umsomehr für dich und wahrscheinlich auch für alle Eltern bzw. spätere Einkäufer von dir freuen, wenn es klappt!

    Vielleicht ist der Glaube an das gute im Menschen doch nicht so unberechtigt, wie ich in letzter Zeit immer wieder mal geglaubt habe.

    Viel Glück weiterhin und gutes Gelingen für manomama!

    Grüße,
    Paule

  2. Klaus sagt:

    Ich wünsch Dir einfach nur Glück.
    Toll, Dein Mut.

    Grüße
    Klaus

  3. Benjamin sagt:

    Hallo,

    das ist doch masl ein Beispiel für sozial humane Marktwirtschaft …

    Unternehmen für Menschen, rentabel aber nicht gierig! Jeder profitiert … von der Näherin bis zum Kunde.

    Super.

    Gruß,

    Benjamin

  4. Heinz sagt:

    “manomama beginnt.”

    Na – da bin ich aber gespannt. Hat ja schon eine Weile gedauert…

  5. manomama sagt:

    Gut Ding will manchmal Weile haben :-)

  6. Heinz sagt:

    ich fand es früher schon interessant, wenn ich den Trommlerchor aus der Ferne hörte
    *anstrahl*

  7. [...] “Mutter Theresa hat keinen Platz.” « Eine gesunde Portion Wahnsinn! [...]

  8. anastasia sagt:

    Interessanter Artikel…Ich wünsche Dir viel viel Erfolg und Spaß in der Zukunft! Grüße, Anastasia :)

  9. Miriam sagt:

    Hallo,
    freue mich sehr, aus verschiedenen Gründen: Weil die Idee wunderbar ist (erinnert mich an meine Weltrettungs-Pläne aus der Teenie-Zeit) und weil ich im “analogen” Leben in Augsburg so selten Leute mit Visionen treffe. Habe das Gefühl, dass meine Tage in dieser Stadt gezählt sind, weil mir die Luft zum atmen ausgeht. Umso schöner, dass ich in der letzten Zeit in Augsburg noch ein paar tolle neue Dinge entdeckt habe. Und dass ich nun sogar mit dieser Seite im wunderbaren kreativen Aufbruchs-Internet etwas von Augsburg entdeckt habe.
    Beglückte Grüße
    Miriam

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