Denn das Gute liegt so nah…


bad09

Heute ist Blog Action Day 2009 zum Thema Klimawandel. Grund für mich, ein paar Gedanken zum Thema Regionalität und Klimaschutz zu schreiben, um gemeinsam einen Klimawandel anzustoßen: den gesellschaftlichen.

Wir kaufen uns mit CO2-Ausgleichszahlungen für unseren Urlaub – Inselhopping in Indonesien – frei. Wir verschicken unsere Päckchen mit DHL Green des guten Gewissens wegen. Wir fahren einen Hybrid-Porsche, weil hybrid ja von Haus aus grün scheint. Dies alles des Klimawandels wegen. Alle angeführten Beispiele sind jedoch größtenteils nichts anderes als Freikaufen. Wir ändern nichts an unserem Verhalten, sondern bezahlen für das Prädikat “grün und nachhaltig”. Deshalb drängt sich auch zahlreichen Menschen der Verdacht auf, nur wer Geld hat, kann “grün” sein. Das aber ist nicht “grün”, wir zahlen “grün”.

Klimaschutz durch Klimawandel
Um unser Klima nachhaltig zu schützen benötigen wir einen Klimawandel. Einen gesellschaftlichen. Wir müssen erkennen, dass bei aller Globalisierung und vernetzten Welt einer der Lösungen in der eigenen Region liegt. Und dies ist unabhängig von Geld und gesellschaftlichem Stand.

Eine Lösung steckt in Kinderschuhen
Ich habe versucht, einfach einmal eine Relations-Rechnung aufzustellen, um zu zeigen, wie nachhaltig ein regionales Produkt sein kann. Und wie klimaschützend Socken. Baby-Socken zum Beispiel:

Der Unterschied zwischen konventioneller Babysocke (Wolle aus Neuseeland, Spinnerei und Färbung in der Türkei, Strick in Bulgarien und anschließend in den Verkauf nach Deutschland gebracht) und nachhaltigem Babystrumpf (Wolle, Spinnerei und Färbung direkt aus Tirol, Strick und Verkauf in Deutschland) beträgt ca. 22.000 km. Der Transport (Mix aus Schiff & LKW) schlägt sich mit ca. 200 g CO²/km zu Buche*. Allein bei einem derart kleinen, unscheinbaren Produkt lassen sich bei Produktkauf regionalem Ursprungs 4,4 Tonnen CO² einsparen.

Deshalb denkt daran, wenn ihr das nächste mal beim Einkaufen seit: Legt einen regionalen Topaz-Apfel in den Korb und verzichtet auf die thailändische Mango. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah…

*Um die CO²-Emissionen (g/km) zu errechnen, multipliziert man den EU-Mix-Verbrauch (Liter/100 km) mit dem Faktor 24 (Benziner) bzw. 27 (Diesel). Z.B.: 14 Liter mal 24 = 336 g/km (Quelle: sueddeutsche.de).

10 Antworten zu “Denn das Gute liegt so nah…”
  1. Blog Action Day 2009 #BAD09…

    Mit dem Klima ist es doch im Grunde wie mit der IT. Es gibt das Wetter, es gibt eine Software. Beide “laufen im Hintergrund”, und das ist auch gut so. Nur wenn plötzlich etwas nicht mehr stimmt, merken wir, wie abhängig wir davon sind. Zu…

  2. Andy sagt:

    Ich denke dem Thema sollte man viel mehr Aufmerksamkeit zuwenden!

  3. Gundula sagt:

    Regional statt worldwide – so gehen auch meine Gedanken.
    Über die Socken ist es schön greifbar geworden :-) Das für mich wohl ökologischste Paar habe ich mal geschafft durch verspinnen und verstricken ungefärbter Wolle aus einer Nachbarsschäferei… Aber soviel Zeit hab ich wohl so schnell nicht wieder…
    Gibt es eigentlich eine Quelle für nachhaltige Sockenstrickwolle?

  4. Benjamin sagt:

    Regional einzukaufen macht schon Sinn.
    Wobei man auch dabei ein wenig schauen muss. Wenn ich mich in mein Auto setze und damit in einen Laden fahre der z.B. 10 Kilometer weit weg ist und der Regionale Produkte (bleiben wir mal bei der Socke) führt, kann es sein das ich so mehr Energie verbrauche und Emissionen verursache als wenn ich eine Socke über das Internet bestelle die dann über 400 Kilometer per Paketdienst versendet wird.

    Damit komme ich auch schon zu meiner eigentlichen Frage. Wie bist Du auf die 4,4 to CO² für die Socken gekommen? Wieso fällt für den Transport einer Socke 200 g CO²/km an? In einem Schiff, LKW, oder auch Auto kann ich doch mehrere tausend Socken transportieren.

    Nicht falsch verstehen, ich versuche auch regional zu kaufen wenn es Sinn macht. Bloß diese Rechnung blicke ich nicht ganz.

  5. manomama sagt:

    Es ist eine Relational-Rechnung: Grundsätzlich ist es ja egal, ob es sich um eine oder tausend handelt. Relativ gesehen ist diese Differenz gegeben. Absolut kann man ja bei keinem Produkt sauber aufführen. Mir ging es in erster Linie auch um das Griffigmachen des Themas. Das Online-Einkaufen ist sicher richtig. Am besten wäre darauf zu achten, dass das verwendete Material nicht sinnlos durch die Weltgeschichte gekarrt wird. Und bezgl. der 400 km – das geht ja bei vielen Materialien sogar noch als “regional” durch, wenn wir uns daran erinnern, woher Schurwolle kommen kann: Aus Neuseeland oder Tirol…

  6. Benjamin sagt:

    Hallo manomama,

    sorry ich scheine das echt nicht zu blicken.

    Was ist denn eine Relational-Rechnung? Auch die Suche im Internet hat mich dabei nicht weiter gebracht.

    Soweit ich weiß verursacht jeder Bundesbürger pro Jahr ca. 11 to CO² Emissionen. Das würde ja in Deinem Beispiel bedeuten, dass sich jeder Bürger pro Jahr 2,5 Paar Socken, wie in Deinem Beispiel beschrieben, kaufen dürfte und schon hätte er die 11 to CO² erreicht.

    Ich finde es ja richtig etwas plakativ die Problematiken dieser Welt aufzuzeigen, denke jedoch das in Deiner Rechnung ein riesen Rechenfehler drin ist. Würde Dir raten das noch einmal genau zu recherchieren oder nachzurechnen ;-)

  7. manomama sagt:

    Hallo Benjamin,
    folgendermaßen: Richtig ist, dass wir nicht wissen, wieviele Socken in einem “Container” sind. Deshalb haben wir nur eine Größe: die Kilometeranzahl. Anhand dieser können wir das CO2-Aufkommen (verwendete Formel im Artikel) ermitteln. Natürlich kann dann der “echte” Ausstoss nicht auf eine einzige Socke heruntergebrochen werden, weil wir ja nicht wissen, wieviele Socken wir haben respektive ab wann z.B. ein zweiter Laster losmüsste und sich das CO2-Aufkommen erhöhen würde. Für mich war das zu Beginn auch nicht ganz einfach. Dank meiner Schwägerin, ihres Zeichen Dipl.-Mathematikerin, habe ich es dann kapiert: Der ermittelte CO2-Ausstoss ist grundgesetzt unabhängig von der Socke, weil der LKW/das Schiff ja mit Ware für eine Socke, aber auch mit Ware für (wwi) 100.000 Socken fahren könnte. Klar ist, mit einer würde keiner fahren, würde es kaum Sinn machen. Dennoch entstehen die 4,4 t CO2. Auch wenn die auf mein Konto nur anteilig angerechnet werden. Ergo: Wenn wir regionale Socken kauften, würde dieser Ausstoff nicht entstehen, weil eine Wolle aus Neuseeland etc.
    Was auch errechenbar wäre, um wieviel höher der prozentuale Anteil an CO2-Ausstoss der konventionellen Socke gegenüber der regionalen wäre. Da stünden 24.000 km rund 2.000 km gegenüber. Auch aber wieder unanbhängig von der Anzahl der Socken. weil dieser CO2-Ausstoss grundsätzlich erfolgt, selbst bei “Leerfahrten”. Wenn du also ein abolutes Ergebnis für eine Babysocke haben möchtest (und ich habe die Socke sinnbildlich genommen), dann teile beide Werte durch die Anzahl der Socken, die du für realistisch erhältst. Mir war wichtig zu zeigen, dass man sich 22.000 km resp. 4,4 t CO2 sparen kann, wenn man in dem Fall ein regionales Produkt kauft. Ich kann gerne meine Schwägerin mal bitten, das detaillierter aufzuzeichen. Ich hoffe, wir kapieren das dann noch :-)

  8. CPO sagt:

    Also den Grundgedanken von “manomama” finde ich schon richtig. Regionale Produkte sind meist ökologischer als andere. Nur Kaschmirwolle krieg ich in Tirol eher nicht.

    Ein Ansatzpunkt bietet aber sicherlich die Idee von regionalen Manufakturen, Internetvertrieb und das Thema “the long tail”. Produkte werden für den regionalen “Nischenmarkt” gemacht und beziehen dafür auch (falls möglich) nur “Zutaten” aus der Region.

    So könnte man die Produkte ökologischer machen. Ist nur leider nicht überall praktikabel….

  9. manomama sagt:

    Liebe(r) CPO,
    selbstverständlich kann ich nicht jede Zutat “um die Ecke” beziehen. Aber ich kann mich um Alternativen bemühen. Greife ich dein Kaschmir-Beispiel auf, würde ich Dir empfehlen, mal die mecklenburgische Mohair-Wolle zu greifen: ebenso weich und deutlih weniger Kilometer auf dem Buckel ;-)

    Ich denke, eine gelungene Mischung an Zutaten, unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit, öko-sozialen Aspekten, aber auch den Konsumentenansprüchen – schlicht, “grün, aber bitte mit Hirn!” ist unser künftiges Rezept. Das ist sicherlich auch in der Naturkosmetik so.

  10. CPO sagt:

    Hallo Manomama,

    das mit der Mohair-Wolle kannte ich nicht – sollte auch nur ein Beispiel sein. :)

    Bzgl. Naturkosmetik: Da gebe ich Dir 100 % recht. Wir denken das “Natur” in Naturkosmetik auch noch ein bisschen weiter, als sonst geschehen.

    Unsere Verpackungen sind aus FSC – zertifizierter Karton, Farben: mineralölfreie Bio-Druckfarben, Druckpartner arbeitet zudem klimaneutral und noch ein weiterer Punkt, den ich bald auf unserem Blog posten werde.

    Ich finde es auf jeden Fall gut, dass sich Leute Gedanken über solche Themen machen. Auch wenn man nicht “von heute auf morgen” alles perfekt macht.

    Viele Grüße

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