
Meine beiden Männer sind gut “erzogen”. Täglich servieren sie mir Frühstück. Samstags bekomme ich sogar frische Brötchen vom Bäcker. Bekam ich. Denn es gibt keine frischen Bäckerbrötchen mehr in unserem Stadtviertel.
“Mama, die liebe Verkäuferin ist nicht mehr da”, berichtet mir mein Sohn unter Tränen. In seinem Fall rühren die Zeichen der Traurigkeit wohl daher, dass die Dame ihn bei jedem Besuch mit einem Gummibärchen “belohnt” hat. In meinem Fall ist Grund der Traurigkeit, dass der letzte eigenständige Bäcker in unserem Viertel die Pforten schließen musste. Ein Bäcker, bei dem man eine übersichtliche, aber sehr schmackhafte Auswahl an Brot und Kleingebäck nach alter Rezeptur und mit Zutaten aus der Region bekam. Ein Bäcker, bei dem man dem Sohn auf dem Weg zum Kindergarten noch auf die Schnelle einen Kakao mitnahm. Ein Bäcker, der gerade samstags der kommunikative Treffpunkt für die Bewohner im Viertel war. War.
Diese Nachricht rief längst verloren geglaubte Bilder in meine Erinnerung: Während meiner Internatszeit verbrachte ich nachmittags viel Zeit mit Isa, richtig, Tochter eines Filialbäckers. Eines nachmittags hatten wir tierisch Lust auf Sauerkirschen (ich glaube, es waren Sauerkirschen!) und so gingen wir in das riesige “Lager”. Was ich dort sah: Butterersatz, Stabilisatoren, Trockenei, Verdickungsmittel, kurz: Tod und Teufel in großen Tüten. “Was schaust denn so komisch?”, fragte Isa und zog mit einem großen Glas Kirschen ab. Damals habe ich mir keine weiteren Gedanken darüber gemacht. Heute schon.
Was ist aus dem Milchbrötchen von einst geworden, aus denen wir mit unseren kleinen Zeigefingern und aller Kinderkraft das Innenleben puhlten? Ein völlig standardisiertes, auf höchste Frische-, Rösch- und Luftigkeitsansprüche ausgelegtes Massenprodukt. Ich habe mich ein wenig auf die Suche gemacht und als Herzblut-Marketer musste ich über “hochwissenschaftliche” Sätze schmunzeln, die mich als Konsument erschüttern. In der aktuellen B**O-Magazin 10/09, der Postille für das Bäckerhandwerk steht:
” Unbeschalte Kürbiskerne haben sich auf dem deutschen Markt etabliert. Galten sie in den Anfangsjahren noch als minderwertig, fanden sie ihren Eingang in die Bäckereien über die Mischung mit geschälten Kürbiskernen.”
Und weiter (als Zusatznutzen kommuniziert, hach, schön!):
“Die B**O-Qualitäten „Shine Skin“ und „spezialgebürstet“ (…) bieten mit den weiteren Sorten in der Spezialmischung eine typisch handwerkliche Anmutung.“
Die Großbäckereien backen schon lange keine kleinen Brötchen mehr: High-Tech-Semmeln werden heute unter sterilsten Bedingungen in Form gepresst, aufgeschäumt, vorgebacken und schockgefrostet. Handwerk? Handwerk. Da braucht es schon die “typische handwerkliche Anmutung“, damit die Wecken über die Theke gehen.
Das Ende unserer kleinen Bäckerei ums Eck ist für mich Sinnbild für einen bitteren Verlust geworden, den unsere Generation vielleicht nicht verursacht hat, mindestens aber mitträgt: Das Verlorengehen von Handwerk. Und somit echten, ehrlichen Produkten. Von regional, nachhaltig und öko-sozial möchte nicht einmal sprechen.
Ich kenne noch Handwerk. Und ehrliche Produkte (meine Tasche zum Beispiel). Und wünsche mir, dass mein Sohn dies auch kennenlernen darf. Deshalb echte, ehrliche Produkte von manomama.














In Köln erlebe ich dieses Dilemma seit Jahren. Zwar gibt es noch zwei, drei gute und traditionsreiche Bäckereien, aber die sind so exotisch inmitten des Kamps- und Merzenich-Einerlei, dass sie bereits von der “Szene” entdeckt wurden; was einen Besuch nicht angenehmer macht.
Einmal abgesehen von den Zutaten: 95% der Filialisten-Backwaren sind in meinen Augen völlig ungenießbar. Leider sind die sog. Ökobäcker nicht immer eine Hilfe: Für mich muss es gar nicht immer 100% Öko sein; ab und zu darf es einfach nur schmecken – so wie früher eben.
Ja, das Gejammer ist groß. Überall in Deutschland. Aber leider zu spät, liebe Leute. Denn, Hand aufs Herz, wer ist denn bereit dem Bäcker so viel für seine Backwaren zu bezahlen, dass dieser auch davon leben kann?
Leider ist das alles eine Folge der “Geiz ist Geil”-Mentalität, die in Deutschland speziell dann herrscht, wenn es um Lebensmittel geht.
Geht man zu Lidl, Norma oder Aldi, dann gibt es dort neuerdings auch schon Backautomaten die den Job des Bäckers tun.
Der Kunde findet das scheinbar toll und kauft diesen Industriemüll klaglos ein.
Genauso, wie er sich eben abends sein Fertiggericht aus der Tiefkühltruhe in der Microwelle warm macht. Vermutlich ohne vorher auf der Packung nachzulesen woraus seine Mahlzeit denn besteht.
Wünsche guten Appetit allseits.
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Mein Viertel-Bäcker war nicht teurer. Wenn ich heute in eine Filialbäckerei gehe, zahle ich für ein mickriges Dinkelbrötchen mit “typischer handwerklicher Anmutung” (langsam muss ich darüber echt lachen) 65 Cent. Für mein Ökobrötchen habe ich auch nicht mehr gezahlt. Es haben nur weniger gekauft. Das ist das Problem. Weil es nicht mehr so schmeckt wie erwartet. Und ich glaube, das müssen wir auch wieder lernen. Den Geschmack entwickeln für gute, natürlich Aromen und konsistenzen. Wenn ich manchmal sehe, was bei Filius im Kindergarten die kleinen Kollegen als Brotzeit mitbekommen, kann man nicht erwarten, dass die irgendwann in Jahren ein naturbelassenes Produkt kaufen.
Wo gibt es die Produkte von manomama?
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Deshalb echte, ehrliche Produkte von manomama
Hallo Michael,
nachdem es nicht ganz so einfach ist, “ehrliche, echte” Produkte herzustellen, und wir mittendrin sind – gedulde Dich noch 8 Wochen. Wir starten im Januar. In der Zeit freut es mich, wen Du uns auf unserem Gründerzeit-Blog verfolgst und manomama mitgestaltest. Schließlich werden wir zu allen Bereichen euch User fragen.
Pervers, oder: Bei uns in Unterhaching habe ich die Wahl, zur Filiale einer im Münchner Raum (viel zu) stark verbreiteten Großbäckerei zu gehen oder gleich zur Tankstelle. Beide backen Teiglinge auf, nur das Sortiment unterscheidet sich etwas.
Einen Bäcker, der noch selber bäckt, habe ich leider noch nicht gefunden. Ich hoffe allerdings auf unseren Umzug etwas weiter raus aufs Land, vielleicht habe ich dort Glück.