Kinderspielzeug – fantastic plastic?!


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sagte der Löwe. Obwohl so klein, ist er bereits um die halbe Welt gereist. Seine Heimat ist ein Land, in dem es genügend Menschen gibt, die für geringste Löhne unter inakzeptablen Bedingungen arbeiten (Film-Tipp: “China Blue”). Das ist einer der Gründe, warum große Hersteller dort produzieren lassen. Kleine Löwen zum Beispiel. Aus Polyester-Velours. Mit Schaumstoff-Füllung. Warum? Die Einsparung an Lohnkosten sind noch zu gering, braucht doch das Unternehmen selbst samt Marketingmaschinerie und Einzelhandel luftige ca. 90% des Verkauftspreises (Cost of goods bei Kuscheltieren geschätzte 10%). So muss auch am Material gespart werden. Das darf man aber nicht merken. Also nehmen wir synthetische Fasern. Die kosten im Vergleich zu “natürlichen” Materialien deutlich weniger, lassen sich viel einfacher verarbeiten und haben haptisch den Effekt, der gewünscht wird. Deshalb ist die Mähne vom kleinen Löwen auch so flauschig.

Was genau in dem kleinen Löwen steckt, muss ja niemand wissen. Daher verschweigen selbst namhafte Hersteller Füllmaterial und verwendete Stoffe. Wäre auch nur schwer zu erklären, warum ein Plastikteddy 50 Euro kostet. Da schreiben wir “100% New Material”, sagt der Marketing-Manager, das klingt gut. Und zweifelnde Kunden beruhigen wir mit einem Öko-Tex-Prüfzertifikat.

Öko-Tex nicht gleich Öko-Tex
Wichtig hier ist nicht das schöne Signet, sondern die Angaben darunter. Die Produktklasse muss stimmen. “Öko-Tex ist heute in Europa sowieso Standard, das ist nichts Außergewöhnliches mehr”, erzählt mir ein Textilunternehmer. “Die Produktklasse ist der springende Punkt. In dem Fall ist es die Eins!”

Wenn es nach mir ginge, wäre das Beste, darauf zu achten, dass für Spielzeug ausschließlich Stoffe verwendet werden, die den IVN-Richtlinien des Naturtextilverbands entsprechen oder aber nachweislich aus nachhaltigen Bio-Materialien bestehen. Darüber hinaus ist ein Öko-Tex-Zertifikat, Produktklasse 1, sinnvoll. Haben die Spielsachen komplett in Europa ihren Ursprung, traue ich mich, ob der gesetzlichen Gegebenheiten, ein Auge zuzudrücken. Ja, in besonderem Fall vertraue ich sogar.

Überzeugungstäter ohne Zertifikat
Auf meiner manomama-Materialtour durch Österreich und Deutschland habe ich in den vergangenen Monaten zahlreiche kleine Hersteller einwandfreier Bio-Materialien besucht. Nur: Die von mir als “Sicherheit” dienenden Zertifikate hatten und haben nur die wengisten. “Wissen Sie, was die Zertifizierung meines Hofes kosten würde? Da könnte ich gleich aufhören”, erzählt ein Schafswollproduzent auf der Schwäbischen Alb. Das glaube ich ihm. Ebenso, wie ich ihm abnehme, dass die von ihm produzierte Wolle wirklich “bio” ist.

Wir sind doch “selbst schuld”
Im Grunde jedoch dürfen wir uns nicht beklagen, wenn wir keine “sauberen” Kuscheltiere mehr kaufen können. Unsere Ansprüche und Vorstellungen an die kleinen Tierchen sind in Natur kaum mehr zu erreichen: Kuschelig muss er sein, leuchtend in den Farben, knistern soll er, dauerhaft in Form bleiben und selbst nach zig Waschgängen die Farbe halten. Das geht mit Naturmaterialien nun mal nicht.

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Meine Mutter hat es vor zwei Jahren dennoch probiert. Im Vergleich zu dem kunstvollen Kollegen aus dem Land des Lächelns hat ihr Nilpferd nicht mal 15% der Kilometer auf dem Buckel, besteht aus etwas weniger flauschigem 100% kba-Baumwoll-Plüsch und -Batist, ist gefüllt mit Bio-Baumwolle (ja, die nach und nach “klumpig” wird, aber Füllungen kann man ja auch mal ersetzen), leuchtet weitaus weniger und knistert nicht. Wird trotzdem geliebt. Heiß und innig. Bis heute. Von meinem Sohn.

Mein Material-Fazit ist zweigeteilt, weil ich niemanden “grün” missionieren will und kann: Wenn ihr den Anspruch an ein leuchtendes, immergleiches Kuscheltier habt, achtet darauf, dass die verwendeten Materialen zumindest deklariert sind, das Öko-Tex Produktklasse I vorhanden ist und der Hersteller die Herkunft nicht verschleiert (“Made in …”). Wenn Gesundheit und Nachhaltigkeit für euch im Vordergrund stehen, kauft Bio-Spielzeug au der Region mit nachvollziehbaren Herstellungsschritten. Dann auch mal ohne Zertifikat. 

P.S.: Damit schließe ich das Kapitel “Kinderspielzeug” und kümmere mich wieder um meine “Gründerzeitgeschichten“…

3 Antworten zu “Kinderspielzeug – fantastic plastic?!”
  1. Olli sagt:

    Mal ehrlich, bei dem Zeug, was unsere Kinder heute von Geburt an einatmen und essen. Da macht das bisschen Belalastung im Kinderspielzeug den Kohl auch nicht mehr Fett, oder?

  2. manomama sagt:

    Hallo Olli,
    Gegenfrage: Bei 150 kg auf den Rippen machen die beiden Tafeln Schokolade am Tag den Kohl auch nicht mehr Fett? Meiner Meinung nach können wir nicht von jetzt auf gleich alles ändern, aber mit der Zeit besser machen.

  3. Einige Jahre meines Lebens habe ich im Bereich Merchandising/Licensing meine Brötchen verdient, einem Geschäftsfeld, in dem man, insbesondere als Lizenzagent, eine Menge mit Plüschfiguren zu tun hat. Und eine ganze Zeit davon habe ich mit der Vermarktung des Münchner Oktoberfests zugebracht, eine Zeit, in der ich viele sehr interessante Menschen kennen lernen durfte. Eine besonders Tragische Gestalt ist mir dabei in intensiver Erinnerung geblieben: Eine Ältere Dame, die über Jahrzehnte gemeinsam mit ihrem Mann einen Großhandel für Gewinn- und Verlos-Artikel betrieben hatte. Ihre Kunden waren vor allem Schieß- und Losbuden, aber auch fliegende Souvenir- und Spielwarenhändler, denen vor allem preiswerte Plüschfiguren verkauft wurden. Die Seniorchefin hatte sich lange Jahre um das Warenlager gekümmert, dort viel Zeit beim Sortieren und Packen der Ware zugebracht. Was ihr davon geblieben war, war ein massives Asthma, Allergien und massive weitere körperliche und psychische Beschwerden. Das alles, so war durch umfangreiche Untersuchungen herausgefunden worden, durch die Ausdünstungen des Materials und der chemischen Zusätze der Spielwaren, mit denen sie jahrzehntelang hantiert hatte. Was ich aus dem Leiden dieser Dame gelernt habe: Billigplüsch unbekannter Herkunft, den die eigenen Kinder von wohlmeinenden Besucher mal mitgebracht bekamen, flog bei uns umgehend in den Müll – spätestens, wenn der Schenkende das Haus verlassen hatte. Es gibt Schmackhafteres für Kleinkinder als die Fungizide, die in chinesischem Billigplüsch das Schimmeln verhindern sollen.

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