
Zu Zeiten von „Michel von Lönneberga“, der sein Spielzeug aus heimischen Hölzern geschnitzt bekam, hatte das Thema noch keine Relevanz: Krankheitsfalle Kinderspielzeug. Heute, im Zuge wachsender Billig-Importe und verschleierter Hersteller-Wege ist Aufklärung und Information nötiger denn je. Horrormeldungen von Testinstituten kreuzen sich mit fast schon blauäugigen Blogeinträgen wie “Wenn es nicht riecht, ist es gesund”. Deshalb beginne ich unter der Reihe “Kinderspielzeug – (…)” einige Themen unter die Lupe zu nehmen. Heute: die Sache mit den Siegeln.
TÜV, GS, CE – und alles okay?
Kennzeichnungen, Prüfsiegel und Prädikatsstempel gibt es viele. Eines, das auf keinem Spielzeug fehlen darf (außer es handelt sich um Modeschmuck, Sportgeräte & Spielplatzgeräte) ist das CE-Zeichen. Ohne dieses Zeichen darf das Spielzeug nicht auf den europäischen Markt gebracht werden, bekennt sich der Hersteller durch die Konformitätserklärung klar zum Einhalten der europäischen Spielzeugrichtlinie. Das Zeichen kann der Hersteller entweder nach interner Überprüfung eigenständig aufbringen oder aber erfolgt nach einer Baumusterprüfung. „Ja dann kann ich mal das CE-Ding draufmachen auf mein verseuchtes Spielzeug, und wenn ich Glück habe, merkt es keiner“, könnte man nun denken. Mitnichten. Zum einen wird es sehr teuer, wenn die Richtlinien nicht eingehalten werden, zum zweiten – und das ist der viel größere Schaden – kann der (womögliche) Markenhersteller seinen Marktplatz räumen.

Große Hersteller warten mit zahlreichen Prüfsiegeln auf. Ablenkungsmanöver? Als Werber kennt man den Zett-Blick, und der nimmt auf diesem Etikett mit: Germany, GS, CE, Qualitätszertifikat. Das Kleingedruckte “Made in China” fällt nicht auf!
Wer konsumentenseitig die unabhängige Sicherheit haben möchte, muss Spielzeug mit einem TÜV-Siegel kaufen. Der TÜV als unabhängiges Prüfinstitut bestätigt quasi von herstellerischer Gegenseite, dass die Richtlinien eingehalten werden. Einziges Problem hier stellt sich für kleinere Anbieter (wie übrigens in allen Zertifizierungsfragen): das liebe Geld. Als kleines Rechen-Exempel: Bei einer Stofftierkollektion von 30 Tierchen mit ca. 5 verschiedenen Materialien in 10 verschiedenen Farben ist der Hersteller gleich einen satten fünfstelligen Betrag los, ausschließlich für das TÜV-Zeichen. Ergo: Das TÜV-Zeichen schafft Sicherheit und kommt für Hersteller infrage, die genügend Geld haben, sich es leisten zu können. Übrigens: Es ist nicht meine Aussage, sondern die eines TÜV-Prüfingenieurs.
Ebenso verhält es sich mit dem GS-Zeichen. Vornehmlich finden wir es auf – richtig – Sportgeräten (auch Kinderbetten mit Kletterfunktion) und Spielplatzgeräten. Da, wo wir sowieso kein CE-Zeichen benötigen. Darüber hinaus hat es sich mittlerweile, ähnlich dem TÜV-Siegel, als objektives Sicherheitsmerkmal etabliert. Im Vergleich zum TÜV-Siegel liegt der Schwerpunkt beim GS-Siegel in der Produktionsstätte des Herstellers und bestätigt eine gleichbleibende Qualität durch Analyse und Überprüfung der Produktionsbedingungen. Ist ein Arbeitsschritt „Heimarbeit“ – wird es schwierig mit dem GS-Siegel.
Soft-Skills-Prädikate
Neben klaren Prüfsiegeln wie CE, GS und TÜV, die messbare Sicherheit feststellen, gibt es einige Soft-Skills-Bescheinigungen wie „Von Eltern.de empfohlen“ oder „Spiel gut“. Diese jedoch dienen eher der pädagogischen Einordnung von Spielzeug. Und nachdem jeder seine eigene pädagogische Meinung hat…
Mein Siegel-Fazit: Spielzeugkauf ist Vertrauenssache und ich begnüge mich mit einem CE-Kennzeichen, wenn ich die Firma kenne. Ein in Europa produzierender Hersteller hat meines Erachtens eine deutlich höhere CE-Glaubwürdigkeit (schon alleine aufgrund der europäischen Gesetzgebungen in Bezug auf die verwendeten Materialien). Und im Ernst: Sind wir wirklich so Siegel-bewußt? Ist euch schon einmal aufgefallen, dass in mindestens 50 % aller Fälle bei McDonalds-Happy-Meal-Spielzeug außer dem Copyright-Zeichen nichts deklariert ist? Und: hättet ihr die von eurer Oma gestrickte Puppe abgelehnt, nur weil das TÜV-Siegel gefehlt hat? Müsst ihr nicht sofort das auf den Selfmade-Portalen (Etsy, dawanda) bezogene Kuscheltier aus dem Kinderzimmer entfernen? Eben.
Das nächste Mal (und in meinen Augen weitaus wichtiger: das Material an sich. Denn: auch der TÜV hat nichts gegen Polyester und Plastik, solange der Flammschutz intakt ist): Kinderspielzeug – der Stoff des reizenden Püppchens.














Danke für den verständlichen Artikel. Jetzt weiss ich wenigstens einigermaßen, was was ist. Aber Kinderspielzeug aus anderen Ländern als aus China zu beziehen, ist heute finde ich nicht mehr möglich. Ich würde auch gerne bzw. lieber von hier etwas kaufen, gibt es aber doch nicht mehr. Und so kauft man halt dann das andere, weil ohne geht es auch nicht.
Dein Blog ist echt schön, bin gespannt, wie das weitergeht.
Sandra
Guter Artikel. Vielleicht können wir uns mal austauschen. Auf unserer Seite stellen wir z.B. verschiedene Siegel (auch für Spielzeug) vor. Auch ansonsten gibt es auf biobay auch eine interessante Themen für Mamis.
Hallo zusammen,
es stimmt schon, dass viele große Hersteller, mit denen man eigentlich “Made in Germany” verbindet, mittlerweile in China fertigen lassen. Aber wenn man sucht findet man durchaus noch Spielzeughersteller die wirklich in Deutschland produzieren.
Die Erkenntnis, dass sich einige Hersteller solch ein Gütesiegel einfach nicht leisten können, ist natürlich traurig. Ich denke, dass viele Eltern bewusst nach den Spielsachen mit einem Gütesiegel Ausschau halten. Ich natürlich auch! Es ist aber schade, wenn ein Unternehmen Pleite macht, nur weil sie sich kein Gütesiegel leisten können! Aber was kann man dagegen machen?
Deklariert der Hersteller sauber die Inhaltsstoffe und kommuniziert der Hersteller alle Arbeitsschritte transparent, wird das Spielzeug in der EU hergestellt (strenge gesetzlicher Rahmen z.B. i Vgl. Asien
und ist die Glaubwürdigkeit gegeben, kann man meines Erachtens problemlos ohne jegliche weitere Siegel kaufen.
Mir ging es ebenso beim Bezug von Bio-Schafwolle. Wir haben und zum Ziel gesetzt, Wolle aus dem Umkreis von Augsburg zu beziehen. Über den Internationalen Naturtextilienverband (IVN) wurde uns die Fa. Saling auf der schw. Alb empfohlen. Diese haben kein “Siegel” aus Kostengründen, aber einen hervorragenden “Leumund” (IVN) und nach Gesprächen mit dem Firmeninhaber selbst würde ich die Hand dafür ins Feuer legen. Ergo: Konsumenten dürfen sich nicht mehr blind auf Siegel verlassen, sondern müssen sich wieder mehr informieren und vertrauen. Dann funktioniert es.
Meiner Meinung nach gibt das CE-Siegel keine ausreichende Sicherheit, da die meisten Importeure sich auf die Angaben der Hersteller in Fernost verlassen, die die Einhaltung der Grenzwerte zusichern. Eigene Prüfungen im Labor durch die Importeure sind eher die Seltenheit. Also besser auf GS oder TÜV vertrauen…