Mit leuchtenden Augen holt mich Nadine, meine langjährige Freundin und überzeugte Fashionista vom Büro ab. Sie hat mich zu einer – ich hasse es – Shoppingtour überredet. Bis heute kann ich nicht nachvollziehen, wie man stundenlang durch die Innenstadt ziehen kann und von Laden zu Laden tingeln, um, teils wahllos, irgendwelchen überteuerten Schrott zusammenzukaufen. Nur um etwas darzustellen. Oder dazuzugehören. Warum auch immer. Das heißt nicht, dass ich Mode nicht schätze. Nur: sinnvoll muss sie in meinen Augen sein. Und längerlebig als einer dieser Billig-Fetzen (wobei manch teurer nicht besser ist), die sich bekanntlich nach der ersten Wäsche freundlich von ihrer Naht trennen.
Gelangweilt nach zwei (!!!) Stunden erlaube ich mir, Nadine mitzuteilen, dass ich den nächsten Schuppen auslasse und dafür im gegenüberliegenden Cafe einen kurzen Ristretto zu mir nehme. Den ersten Nipp gemacht stürmt Nadine OHNE eine weitere Tasche in der Hand das kleine Cafe, um mir in tiefer Bestürzung mitzuteilen, sie hätte die Qual der Wahl. „Das ist der größte Blödsinn, den ich gehört habe“, erwidere ich. „Du hast keine Wahl. Du kaufst, egal in welchem Geschäft, nahezu unabhängig welches Labels, schlicht das Gleiche“.
Die Unmenge an Auswahlmöglichkeiten
Und genau dieser Moment war ein weiterer Baustein von manomama. Im Zuge der Globalisierung, der internationalen Standardisierung und Optimierung glauben wir eine riesige Varianz an Auswahlmöglichkeiten zu haben. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wir kaufen ein Label. Dahinter steckt eine namenlose Produktion, die vielen Herren dient. Wir blättern für einen Marken-Anzug teures Geld hin und könnten uns dies sparen, weil in der zweiten Schicht rumänische Näherinnen einen Anzug für den Billig-Diskont schneidern (ich habe das mit eigenen Augen gesehen!). Wir träumen von einem Apple Macbook, einem Sony Vaio oder einen Dell Lattitude und kaufen insgeheim das Notebook eines der drei großen Lohnhersteller.
Das nehmen wir in Kauf.
Weil wir, selbst wenn wir wollten, nicht anders könnten. Die Globalisierung bringt Gewinner hervor und zahlreiche Verlierer mit sich. An das Gros denkt dabei kaum einer: den Konsumenten. Wir Kunden sind die größten Verlierer bei diesem Spiel – haben sie uns die Möglichkeit der Wahl genommen und gaukeln uns durch unzählig gelabelte Varianten etwas Ähnliches vor.
Taube Ohren und blinder Verstand
Auf die Meinung von Konsumenten hören Unternehmen schon längst nicht mehr. Müssen sie auch nicht. Weil sie siegesgewiss mit tauben Ohren und blindem Verstand weiter anonyme Produkte herstellen können, die gekauft werden. Müssen. Es gibt nichts anderes. Kunden wieder eine Option auf eine Alternative zu geben, ihnen zuzuhören, ja sogar ein Mitspracherecht einzuräumen, das versuche ich mit manomama.
„Meinst du, das ist wie mit dem Minimum*-Eis vom Aldi?“, fragt mich Nadine. „Beim Aldi gibt es doch kein Minimum*“, sage ich verwirrt. „Ja, das meine ich doch. Das sieht so aus, schmeckt auch so, hat den gleichen Holzstengel und eine andere Verpackung. Und viel billiger“. „So ähnlich“, sage ich, zahle unsere Espressi und wir gehen. Nach Hause.
*Ich weiss nicht, ob man Markennamen nennen darf, ich vertraue auf die Phantasie von euch, liebe Leser.














