Grüne Mode ist tot.


Weshalb trägst Du grüne Mode? - Why ECO-Fashion?

Mich hat ein Stöckchen getroffen von betterandgreen-Blogger Markus Truman. Ursprung hat das Stöckchen im hessnatur-blog und wirft die Frage auf “Why Eco-Fashion? Warum trägst Du grüne Mode?”.

Die mir zugeworfene Frage kann ich nicht beantworten. Vielmehr kommt mir eine Gegenfrage in den Sinn: “Was überhaupt ist grüne Mode”? Bei näherer Betrachtung ist diese Frage berechtigt: Ist ein Bio-Baumwoll-Elasthan-Gewebe wirklich grün? Sind mit kbA-Cotton-ummantelte Polyestergarne wirklich grün? Sind konventionell hergestellte, weiß lackierte Druckknöpfe grün? Ist für uns “grün” nicht Sinnbild der reinen Natürlichkeit? 100% Natur?

Grüne Mode ist tot.
Sie gibt es nicht. Besser gesagt: nicht mehr. Vor hundert Jahren war es wohl Öko-Mode. 100% Natur. Es gab nichts anderes. Heute aber nennen wir Textilien “grün”, die es im Kern nicht sind. Und, ehrlich gesagt, nicht sein können. Der Anspruch des Konsumenten an textile Bekleidung ist heutzutage konträr zu dem, was reine “Öko-Mode” leisten könnte. In Form und Funktion. Eine Bio-Strumpfhose ohne Elasthan käme nicht einmal in die Nähe der Erwartung dessen, was der Träger an Strumpfhose kennt. Die Nähte eines mit reinem Baumwoll-Zwirn genähten Shirts hätten eine Lebensdauer, die heutzutage inakzeptabel wäre. Und Farben neben ocker, ecru und gedeckten Tönen gibt es nun mal nur synthetisch. Auch bei hess”natur”. So gilt es, einen gangbaren Mittelweg zu finden.

Es lebe neo-ökologische Mode.
Sie ist der Mittelweg zwischen Tradition und Trend, zwischen naturreinen Materialien und modernen “Hilfsmitteln”, die letztendlich dem Konsumentenanspruch der LOHAS gerecht werden, jenen Menschen, die Wert auf verantwortungsvollen Umgang mit Mensch und Natur legen, sich jedoch nicht kategorisch – wie einst radikale “Müslis” – jeglicher Moderne versperren. Ich zumindest habe noch keinen Neo-Öko erlebt, der die Nutzung eines iPhones verweigerte, nur weil das Handy plastikummantelt ist?

Und dieser Mittelweg ist der Grund, warum ich neo-ökologische Mode trage: Weil ich das Gefühl habe, dass es saubere Kleidung ist.

Ich reiche das Stöckchen weiter an Jens Arne Männig, da er mir “trotz” LOHAS das Ohr reicht und ich ihn als kritischen Geist sehr schätze. Darüber hinaus hat Eike Wenzel professionell mein Stöckchen gefangen.

10 Antworten zu “Grüne Mode ist tot.”
  1. Horst sagt:

    1. Doch, es gibt auch ganz natürliche andere Farben.
    2. Ich lehne das iPhone ab.
    3. Du hast ja recht. 8-)

  2. manomama sagt:

    ad 1) Natürlich gibt natürliche Farben. Jedoch ist neben einigen grundlegenden Farbtönen (schwarz, dunkle Töne, rot) das “Halten” eines Farbwertes und eine harmonische Durchfärbung bei natürlichen Farben über weite Meter schwierig. Bei Naturmaterlialien wie Filz zum Beispiel nahezu unmöglich. Dennoch bevorzuge auch ich eine Pigment-Färbung, mindestens Öko-Tex 100, Produktklasse 1, wenn nicht nach IVN-Richtlinien :-)

    ad 2) Ich liebe es (mittlerweile).

    ad 3) :-) Danke!

  3. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von kinder-eck witten erwähnt. kinder-eck witten sagte: Grüne Mode ist …….. http://bit.ly/16PgtT [...]

  4. super Gedanken zum Thema, danke sagt die Stöckchen-Erstwerferin! Es ist, wie es ist: die Uhr zurückdrehen ist nicht mehr. Allerdings bedeutet Fortschritt nicht immer nur Schlechteres.Ich hoffe, die Prozesse in der Textilproduktion werden immer sauberer. Was dafür zu tun geht eben nur über die Wahl der “richtigen” Kleidung. Auch wenn der Anspruch ein noch höherer wäre.
    Zu den Farben: ohne Schwermetalle zu färben (besonders beim Leder sollte man/frau drauf achten!) ist auch schon ein Schritt. und in den Färbereien auf eine intakte Klärung der Abwässer zu bestehen, ein weiterer.
    Deshalb: solange wir alle wollen, dass es besser wird, ist grüne Mode nicht tot!

  5. manomama sagt:

    Hallo Dagmar,

    der gleichen Meinung bin ich auch – behutsamer Fortschritt ist überhaupt nichts Schlechtes. Konsumenten haben damit m. E. auch kein Problem, sie möchten es nur vorher wissen, und nich nahher überrascht werden. Wenn Hersteller noch mehr Transparenz und Ehrlichkeit in Kommunikation und Produkte bringen, steht dem nichts im Weg.

    In Sachen Färben ist, zumindest im europäischen Raum, ja bereits nahezu alles AZO-frei. Leder-Färbungen gibt es – Gott sei Dank – mittlerweile auf Chrom-3-Basis (nicht gesundheitsschädlich). Selbst schöne, pflanzlich gegerbte Häute kann man beziehen. Da tut sich was. Und das freut mich auch.

  6. Dude sagt:

    Interessante Gedanken, ist aber alles die egoistische Sichtweise: Ich will “saubere/grüne” Kleidung. Für mich ist ein wichtiger Aspekt die Herkunft der Materialien. Biobaumwolle schädigt Menschen und Umwelt in den Abauregionen nicht so wie konventionell angebaute. Mit den Details habe ich mich bisher nicht beschäftigt, hoffe aber mit dem Kauf von “grüner” Kleidung auch die Bedingungen in den Anbauregionen zu verbessern.
    Ist das für dich kein Aspekt?

  7. manomama sagt:

    Oh, da hast Du mich falsch verstanden. Ich bin strikt für kba-Baumwolle, kbt-Schurwolle und ökologische Materialien. Synthetisch Stoffe kommen mir nicht an meinen Körper. Du hast völlig recht, dass organic cotton beispielsweise im Vergleich zu konventionell angebauter Baumwolle schonender für die Umwelt ist und auch “gesünder” für diejenigen, die sie ernten müssen. Das aber schließt neo-ökologische Mode nicht aus. Im Gegenteil. Grüne Mode wäre für mich der Inbegriff ohne jegliche Hilfsmittel. Neo-ökologsche Mode ist für mich der Begriff von weitgehend ökologscher Mode, die im Einzelfall aufgrund von Qualität oder Machbarkeit auf Hilfsmittel nicht verzichten kann. Das Elasthan in der Strumpfhose zum Beispiel. Ich plädiere hier nur für ein ehrliches Wording. “Grüne Mode” ist mir, bei dem, was manchmal drin ist, einfach zu irreführend (Thema: Greenwashing). Hinzu kommt, dass mir “grün” zu wenig ist. Ich wünsche mir, dass die Produkte auch unter fairen Bedingungen hergestellt sind. Der Mensch dahinter ist mir ebenso wichtig. Neo-ökologische Mode ist für mich also eine Kombi aus “grün” und “fair-trade”.

  8. [...] Staffellauf ähnlich, an einen weiteren Blogger weiterzureichen. Initiator des Stöckchens, das mir von manomama zugetragen wurde, ist das Unternehmensblog der Hess Natur GmbH mit einem Artikel, den Dagmar Reichardt, eine [...]

  9. Manchmal kann es eben ein paar Tage dauern, bis man seine Gedanken sammelt. Auch, wenn sie dann vielleicht gar nicht so wohlsortiert zutage treten. Dein Stöckchen habe ich also heute endlich aufgenommen. Ich hatte dann auch in der Tat etwas zu beißen dran. Letztlich habe ich es auch, fürchte ich fast, etwas zerkaut hinterlassen. Weiteres unter http://www.maennig.de/2009/10/gruene-mode/.

  10. manomama sagt:

    Lieber Männig, ich habe es Dir als kritischen Geist gereicht und wußte warum. In meinem Artikel versuchte ich bereits, das “grüne” Thema etwas zu erden. Du aber hast den Nagel auf den Kopf getroffen: “Ein gutes Gewissen kann man nicht kaufen”. Dem und auch deiner kritischen Beleuchtung des bayerischen Bio-Bier-Konsums stimme ich voll und ganz zu. Dein Artikel lässt aber auch Raum für eine Option: regionale Produkte, sozial-ökologisch produziert und keinem Mode-Diktakt unterworfen wären im Rahmen des Akzeptablen. Und das muss unser Bestreben sein, damit wir zumindest einmal sagen können: “Ich kaufe MIT gutem Gewissen”.

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