Wie habe ich sie gehasst.
Mittelbraunes Naturleder, zwei Riemen hintendran zum Auf-den-Rücken-schnüren und alles andere als “cool”. Einem Staatsakt gleich hat mein Vater (Obaba) sie mir mit theatralischem Lächeln zum ersten Schultag überreicht: eine in meinen damaligen Augen völlig unspektakuläre, ja, hässlich braune, fade Ledertasche. Mein Vater nannte es immer “Schicker Tornister”. Weder mit diesem Wort noch mit der sich dahinter verbergenden Tasche konnte ich etwas anfangen.
Während Obaba mir half, den Ranzen anzulegen, wich erwartungsvolle Vorfreude einer Träne, dann zweien und schlussendlich einem klassischen Heulanfall. Nicht, weil ich nahe am Wasser gebaut bin. Nein – weil es KEIN Scout-Schulranzen war. “Kein Scout – ich bin out!” (Gilt übrigens heute noch!).
Mich hat am Tage meiner Einschulung das Schicksal der Architektentochter ereilt. Nie war mein Vater Freund kurzlebiger Dinge. Als klassischer Bauhaus-Verfechter folgt bei ihm die Form der Funktion, Schwarz und Weiß sind seine Lieblingsfarben. Er ergänzte dann sein Farbportfolio durch einen mittelbraunen Naturlederton, mit dem ich tagtäglich in die Schule geschickt wurde. Auch die Worte “Du wirst lange Freude daran haben” oder “Die war viel teurer als so ein Plastikkoffer” konnten eine 6jährige nicht über den Kummer des “Nicht-Dazu-Gehörens” trösten. Selbst mutwillige Beschädigungen der Naht durch gekonntes Ansetzen der Nagelschere löste mein Vater mit einem spontanen Besuch bei einem Sattler.
Wenn ich mich recht entsinne, verstummten die hämischen Stimmen gegen Ende der dritten Klasse. Dass dies nur die Ruhe vor neuem Sturm sein sollte, wusste ich nicht: mein erster Schultag im Gymnasium. 23 Mädchen, davon 22 mit schicken bunten Rucksäcken. Und ich. Mit mittelbrauner Naturledertasche, die bereits einige Schrammen, 2 Wasser- bzw. Kakaoflecke und – darauf war ich stolz – ein selbstgemaltes Kugelschreiber-Tattoo hatte. Diesmal aber war ich nicht traurig. Das “Klick” in meinem Kopf habe ich förmlich gehört: Nicht die anderen waren es, ich bin es – cool. Einzigartig. Anders. Meine Schulkamerad(inn)en fangen immer wieder von vorne an. Meine mittelbraune Naturledertasche hingegen ist mein steter Begleiter geworden. Ihre Patina erzählt eine Geschichte. Meine.
Heute liebe ich sie.
Es gibt einige materielle Dinge aus meiner Kindheit, die mich freches Frollein überstanden haben: Mein Kinderbett, das meine Eltern sorgsam aufbewahrten, liebevoll restaurierten und Filius – das Schlitzohr – mit seinen 4 Jahren jedem Kind erzählt, dass er immer noch in Mamas Bett schlafen darf. Meinen Holzklotz-Bausack, der selbst hochrangige Vorstände im Meeting zum Turmbauen verleitet. Und natürlich meine mittelbraune Naturledertasche.
Allesamt sind diese Dinge in einer Qualität, die im heutigen Zeitalter von “Sollbruchstellen”, planbarem Abnutzungsversprechen nach Ende der Gewährleistungszeit sowie Reparatur-Hemmnisse überhaupt nicht mehr erreicht werden soll. (Anm. d. Autors: Auch wenn euch diese eben erwähnten Parolen fremd vorkommen, im Produktdesign bei vielen Firmen sind sie Maßstab.)
Allesamt sind diese Dinge in einer Qualität, die in meinen Augen jedoch wieder erreicht werden muss. Weil wir es uns nicht mehr leisten können, Berge von Konsumschrott unseren Kindern zu hinterlassen. Man muss also einen Schritt zurückgehen, um wirklich voranzukommen. Und das versuche ich. Mit Produkten von manomama.














Ich finde die Tasche garnicht so schlimm.
“Allesamt sind diese Dinge in einer Qualität, die im heutigen Zeitalter von “Sollbruchstellen”, planbarem Abnutzungsversprechen nach Ende der Gewährleistungszeit sowie Reparatur-Hemmnisse überhaupt nicht mehr erreicht werden soll. (Anm. d. Autors: Auch wenn euch diese eben erwähnten Parolen fremd vorkommen, im Produktdesign bei vielen Firmen sind sie Maßstab.)”
Wahre Worte.
Meine habe ich von Anfang an geliebt – konnte mich aber der altersbedingten “Uncoolheitsphasen” nicht verwehren. Sie lebt heute noch. Und das trotz Edding-, Aufkleber- und Weitwurf-Attacken!
Das mit der Tasche kann ich nachvollziehen. Den Titel des Blogs jedoch nicht. Die Gründerzeit war eine andere Zeit, die Dein Vater vielleicht noch vom erzählen her kennt.
Lieber Heinz – das ist ein Wortspiel. In der Kategorie “Gründerzeit” findest du alle Einträge und Gedanken, die mir während der Zeit der Gründung von manomama durch den Kopf gingen und gehen.
oh wie ich das kenne!!!
schicker Tornister etc.
aber es hat uns geprägt und das ist heute gut so! Wir sind die wenigen, die von den Eltern gelernt haben das Hirn einzuschalten und die einzigen die unsern Kindern es weitergeben können, die Unwissenheit über die “guten alten Dinge” und Verfahren und Kenntnisse gehen mehr und mehr verloren, heute schätze ich die damals “lästigen” Dinge die uns vermittelt wurden.
Schöne Beiträge von Dir …weiter so!