Archiv für den Monat Oktober 2009

Danke für die vielen #ff

Samstag, 31. Oktober 2009 18 Kommentare »
Abgelegt unter mamamusic

Liebe Tweeties,

wie versprochen mein Danke an alle, und im Speziellen natürlich alljenigen, die bis 19.00 Uhr mit empfohlen haben.

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Wer noch ein bisschen mehr Musik von mir haben will, mal ohne Gezwitscher, sieht einfach auf Last.FM.

“Deine Kinder sind nicht deine Kinder.”

Mittwoch, 28. Oktober 2009 5 Kommentare »
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baby

Denn sie sind ja so süß, unsere Kleinen“, sagt neben mir eine lebende Ausgabe einer dieser Super-Moms. Zumindest stelle ich sie mir so vor. Ich sitze im Cafe, neben mir augenscheinlich zwei Mütter mittleren Alters, die ihre Kinderbekleidung-Shoppingtour für “eine Latte” unterbrechen. Gegenseitig zeigen sie sich die neuesten Fashion-Trophäen für ihre Brut. Ich rege mich nicht auf, ich werde nachdenklich:

Sie quetschen die weichen Füße ihrer drei Monate alten Babies in Miniaturausgaben von Markensportschuhen. Über Deformierungen machen sie sich keine Gedanken, denn sie sind ja “so süß”, unsere Kleinen.

Sie stecken ihre sechs Monate alten Kinder in topmodisch geschnittene Bekleidung mit unzähligen Schlaufen, Kordeln und Applikationen. Über Bequemlichkeit machen sie sich  keine Gedanken, denn sie sind ja “so süß”, unsere Kleinen.

Gerade auf den Beinen wird das Töchterlein gleichsam zur Prinzessin ausstaffiert und kann endlich in der Krabbelgruppe Schaulaufen gehen. Über Bewegungsfreiheit und kindlichem Spieltrieb machen sie sich keine Gedanken, denn sie sind ja “so süß”, unsere Kleinen.

Vergeblich kämpft der vierjährige mit Daddys trendiger It-Jeanskopie in Größe 98, doch der Knopf will nicht aufgehen. Dafür geht es in die Hose rein. Über Funktionalität und kindgerechtes Design machen sie sich keine Gedanken, denn sie sind ja “so süß”, unsere Kleinen.

Sie sind süß, unsere Kleinen. Und so blind, die Großen. Von Kindesbeinen rauben sie ihrem Nachwuchs jegliche Freiheit. Von Kindesbeinen an  erziehen sie ihren Nachwuchs als Ebenbild. Von Kindesbeinen an geht es um äußere Wirkung, nicht inneres Gefühl. Sinnbildlich hierfür steht die Kinderbekleidung.

Khalil Gibran hat es in meinen Augen vor vielen Jahren trefflichst formuliert. In seinem Gedicht “Deine Kinder” schreibt er:

“Du kannst versuchen,
ihnen gleich zu sein,
aber suche nicht,
sie dir gleich zu machen,
denn das Leben geht nicht rückwärts
und verweilt nicht beim Gestern.”

Daran müssen wir denken. Und danach handeln.

Hier auf Wunsch das gesamte Gedicht “Deine Kinder”:

Deine Kinder sind nicht deine Kinder,
sie sind Söhne und Töchter
der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.

Sie kommen durch dich,
aber nicht von dir,
und obwohl sie bei dir sind,
gehören sie dir nicht.

Du kannst ihnen deine Liebe geben,
aber nicht deine Gedanken,
denn sie haben ihre eigenen Gedanken

Du kannst ihrem Körper ein Heim geben,
aber nicht ihrer Seele,
denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen,
das du nicht besuchen kannst,
nicht einmal in deinen Träumen.

Du kannst versuchen,
ihnen gleich zu sein,
aber suche nicht,
sie dir gleich zu machen,
denn das Leben geht nicht rückwärts
und verweilt nicht beim Gestern.

Du bist der Bogen,
von dem deine Kinder
als lebende Pfeile ausgeschickt werden.

Lass deine Bogenrundung
in der Hand des Schützen Freude bedeuten.

“Mutter Theresa hat keinen Platz.”

Dienstag, 27. Oktober 2009 Keine Kommentare »
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Am Anfang steht die Idee und wächst, gegossen von Euphorie. Am Ende liegt sie durch Zweifel in Scherben oder …

Die “wahnsinnigen” Reaktionen waren bald schon vergessen und ich setzte mich daran, Materialien zu sammeln, um Produktideen dafür zu entwickeln. Ich begab mich auf eine achtwöchige Material-Tour und hatte viel Zeit zum Nachdenken. Und telefonieren. Zum Beispiel mit Florian, einem langjährigen Kunden unserer Agentur.

“Oh, störe ich Dich – ich kann Dich kaum verstehen?” Florian, seines Zeichens Geschäftsführer eines medizinisch-technischen Unternehmens, klingelt durch. “Hallo Flo, nein – gar nicht”, antworte ich und erkläre ihm auf Nachfrage, dass ich gerade auf der schwäbischen Alb nach biologischer Schafwolle suche. Seinem völlig verdutzten Raunen entgegne ich mit einer groben Erklärung meiner Idee.

“Mal abgesehen davon, dass ich mir eure Agentur ohne Dich nicht vorstellen könnte. Wie kann man zu der Entscheidung kommen, einen gut dotierten Job mir nichts dir nichts hinzuschmeißen und einen auf grünen Umweltengel  zu machen. Mutter Theresa hat keinen Platz in der Wirtschaft!” Noch ehe ich geistig die Antwort fertig habe, verabschieden sich mitten im schwäbischen Ländle die Empfangsbalken auf meinem Telefon und mit ihnen Florian.

Zum nächsten Rastplatz sind es noch 500 Meter. Aichelberg. Ich setze den Blinker, verlasse die Autobahn und gönne mir einen Kaffee. “Wieso haben andere Unternehmer noch nicht in die Richtung gedacht? Bin ich vor lauter Idealismus blind? Verliere ich vor lauter sozialem Antrieb den unternehmerischen Weg? Echtes Unternehmen oder gemeinnützige Stiftung? Was nun?” Fragen über Fragen kullern im meinem Kopf und machen sich den Erste-Klasse-Platz streitig. In meinem Kopf rumort es. In meinem Magen auch.

“Ein Croissant dazu”, bitte ich die Servicekraft. In Gedanken nehme ich das Tablett und gehe zur Kasse. Erst da realisiere ich den “Zustand” des Gebäcks: nahezu schwarz. Diese Situation zaubert mir ein Lächeln auf die Lippen. Während ich zurück an die Gebäcktheke gehe, erinnere ich mich an daran, dass meine Mutter mich mit sechs Jahren zum Bäcker geschickt hat. Ich brachte fünf stark krustige (:-) Semmeln nach Hause. Erschrocken beim Anblick der Brötchen fragte mich meine Mutter: “Hast du nicht gesehen, wie schwarz die sind?” “Doch, aber ich habe mich nicht getraut, etwas zu sag..”, entschuldigte ich mich. Meine Mutter unterbrach mich: “Sina, Du musst Dich trauen, wenn Dir etwas nicht passt,  es reißt Dir keiner den Kopf ab!” Und sie hatte recht. Mit dem Semmeln. Überhaupt im Leben. Und auch bei manomama.

Ich zahle den Kaffee, das Croissant, setze mich an einen Tisch und rufe Florian zurück.  Ich erzähle ihm, dass es mir um mehr geht als meinen persönlichen Tapetenwechsel. Dass es mir nicht mehr passt, wie Menschen in Unternehmen miteinander umgehen, wie unsozial und unfair agiert wird und, und, und… Und es dauert nicht lange, da höre ich am anderen Ende des Drahtes: “Du hast recht. Ich habe das verstanden. Und ich werde dich unterstützen. Weil ich daran glaube.”  Tut er.

Florian war der erste “Nicht-Eingeweihte”, der manomama seitdem mitträgt. Viele Zufälle folgten. Davon mehr im nächsten Eintrag.

 

Eine gesunde Portion Wahnsinn!

Freitag, 23. Oktober 2009 9 Kommentare »
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wahnsinn

Nichts ist unmöglich – man muss es nur tun. Und darin liegt die Crux. Zumindest, wenn wir erwachsen sind. Meinen Sohn interessieren Machbarkeiten nicht. Er dekliniert keine Alternativ-Szenarien und legt sich keine Notfallpläne zurecht. Er hinterfragt weder den Sinn seines Handelns noch lässt er sich von Angst bremsen.  Er macht einfach. Mein Filius hat mit seinen vier Jahren, was ich über die Jahre verloren glaubte: die gesunde Portion Wahnsinn, die uns Dinge erreichen lässt, die wir als unmöglich erachteten.

“Du willst den Textilstandort reaktivieren? Das ist Wahnsinn!“, sagt Markus, ein alter Freund. “Hier ist doch alles mausetot. Da kannst du nichts mehr reaktivieren. Es gibt hier nichts mehr. Naja,  außer einen Haufen arbeitslose Näherinnen”. “Richtig. Was mir wichtig ist, gibt es hier: Menschen, die Lust auf ihren Beruf haben und den gerne wieder ausüben möchten”, entgegne ich und erinnere mich dabei an die Begegnung mit Iris. Der Besuch bei Markus, einem  befreundeten Textilunternehmer, besiegelt meinen Entschluss, der Werbewelt ade zu sagen und etwas (in meinen Augen) Sinnvolles zu machen: manomama.

“Sie haben in Ihrem gesamten Leben noch nicht eine Naht genäht, wissen nicht einmal, was Sie nähen möchten und wollen wirklich diese High-End-Industriemaschine bei mir kaufen? Das ist Wahnsinn!“. Herr Weigert schaut mich mit ungläubigen, weit aufgerissenen Augen an. “Genau die! Ich weiß noch nicht, was ich nähe, aber ich weiß, dass ich den Textilstandort Augsburg wieder reaktivieren möchte!” entgegne ich ihm entschlossen. Sechs Stunden später steht das 50-Kilo-Koloss in unserem Bügelzimmer.

“Du willst die gesamte Preiskalkulation der Produkte offen legen, abgesehen davon, dass du noch nicht mal weisst, wie deine Produkte aussehen sollen? Du willst allein 40% Lohnkosten pro Produkt veranschlagen? Das ist Wahnsinn!“, sagt Stefan, ein ehemaliger Studienkollege von mir, den ich konsultiere, um über meine betriebswirtschaftlichen Ideen zu reden. “Nein, Stefan, das ist fair. Und das geht. Ich erachte 75% Gewinn für unanständig. Und deshalb werde ich es auch nicht tun!”

“Du möchtest, dass ich Dir helfe, mano, äh? wie?”, fragt mein Vater. “manomama – Papa. “Mano” für Hand Schrägstrich Handwerk und ”Mama” steht für Mütter und Frauen”, erkläre ich ihm. “Nochmal, Dochdäle (Obaba ist Franke): Ich soll Dir helfen, damit du in diesen unsicheren Zeit arbeitslosen Frauen in einer toten Branche Arbeit verschaffst, und die dann solche Ökoprodukte (Betonung liegt auf “Ö”) produzieren und verkaufen?” Mein Vater, selbst leidenschaftlicher Unternehmer, neigt den Kopf und schielt kritisch unter den Gläsern seiner Lesebrille hervor. “Meinst, das ist Wahnsinn, Obaba?”, frage ich. “Das ist Mut, Dochdäle. Und eine gesunde Portion Wahnsinn, die man braucht, um etwas zu bewegen!”

manomama beginnt.

Der geschälte Apfel

Samstag, 17. Oktober 2009 7 Kommentare »
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apfel
Immer wenn Filius und ich auf den Spielplatz gehen, ist das für uns beide ein Highlight, weil Spielplatzgehen sonst ein Papa-Ausflug ist. Er, mit Spezial-Sandelzeug bepackt und ich, ein Buch in den Händen, machen uns auf den Weg. Gerade angekommen ist er auch schon weg.  Während ich mich, wie immer, auf „meine“ Bank setze, arbeitet Filius bereits fleißig an aufgeschürften Knien und Brandblasen, weil er mit Begeisterung sein Können – die stählerne Rutsche bei kurzer Hose in der Hocke hinabzugleiten – unermüdlich übt.

Nahezu unbemerkt setzt sich eine mir fremde Frau neben mich. Fremd deshalb, weil Spielplatz-Eltern eine eingeschworene Clique sind und „man sich kennt“. Manchmal auch mag. Nach sehr ruhigen, nahezu unwohlen Minuten beginne ich den klassischen Eltern-Erst-Dialog: „Wo springt Ihr Kleines denn herum?“ „Nirgends“, sagt sie in ruhigem Ton. Ich scheine derart doof aus der Wäsche zu sehen, dass sie gleich erklärt: „Ich komme öfters hier her. Ich habe Zeit. Und hier tut sich etwas.“  Meine Neugier ist geweckt. Auf die Frage nach eigenen Kindern höre ich ein „leider nicht geklappt“ und nachdem ich mir sicher bin, dass die Frau neben mir den Vierziger noch nicht gesehen hat, gehe ich aufs Ganze: „Dann haben Sie sicherlich einen tollen Job?“ frage ich. Hatte sie.

Von der Lehre an habe sie in einem Textilunternehmen gearbeitet. Bettwäsche genäht. „Oh, schön“, sage ich. „Ja, war schön“, erwidert sie. „Wieso war?“, frage ich. „Weil ich der Verlierer bin“, sagt sie. „Gewonnen haben die billigen aus dem Osten. Wir hier sind zu teuer. Naja, waren.“ In meiner Blauäugigkeit erwidere ich: „Na, Kopf hoch. Das wird schon wieder. Ein paar Monate Auszeit tut jedem gut und bald finden Sie sicherlich wieder was Passendes“. „Jetzt sind es fast acht Jahre“, sagt sie, holt einen Apfel aus ihrer Tasche und beißt herzhaft hinein. Nun weiß ich nicht mehr, was ich sagen soll.

„Ich will auch einen Apfel!“. Filius kommt gesprungen und die Frau neben mir, die fremde Dame, packt einen geschälten Apfel aus (Filius ißt Äpfel ausschließlich ohne Schale, er könnte ja ersticken!), überreicht ihn meinem Sohn und sagt: „Filius, aber wie immer – erst die Hände am Wasser abwaschen!“. Völlig verdutzt sehe ich erst meinen Sohn, dann die Frau an. Sie schenkt mir ein kurzes Lächeln inklusive Schulterzucken, erhebt sich und sagt: „Bis zum nächsten Mal, Filius-Mama!“. Und geht.

Am Abend erzähle ich meinem Mann von der Geschichte. „Ja, Iris“, sagt mein Mann. „Ach, du kennst sie?“, unterbreche ich ihn. „Ja, eine ganz liebe. Ist aber nicht mehr so oft da, weil sie jetzt so einen Ein-Euro-Job bekommen hat.“, sagt mein Mann. „Aber die war doch Näherin?“, frage ich. „Ja, beim xxx, der hat die alle vor die Tür gesetzt. Aber schon vor Jahren. Und als reine Näherin, nicht mal Schneiderin, da kriegst du heute nichts mehr!“.

Gewinner und Verlierer. So einfach machen wir es uns in der heutigen Zeit des „Human Kapitals“ und „Outsourcing“, des „Stellenabbaus“ und „Shareholder-Values“. Die kleinen Dinge (wie ein geschälter Apfel), die Menschen tun, zeigen, dass der Mensch ein Gewinn ist – für die Gesellschaft. Wenn man ihn lässt. Nach seinen Möglichkeiten. Und Fähigkeiten. Und das tun wir, bei manomama.


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